Festung Rothenberg
Ruine einer ab 1729 erbauten Barockfestung an der Stelle einer mittelalterlichen Burg in Schnaittach, 1838 aufgelassen, nur mit Führung zugänglich.

Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 12541
- Baustil
- Barock8
- Denkmalstatus
- Baudenkmal (D-5-74-155-60), Bodendenkmal (D-5-6434-0114)6
- Bundesland
- Bayern
- Besichtigung
- nur mit Führung9
- Öffnungszeiten
- Di-So und an Feiertagen 11-16 Uhr, Führungen zur vollen Stunde, letzte Führung 16 Uhr, bei geeigneter Witterung9Alle Angaben
- Eintritt
- Erwachsene ab 14 Jahren 6 €9Alle Angaben
- Koordinaten
- 49.5544, 11.36
Inhalt 14 Abschnitte
Die Festungsruine Rothenberg gehört zu Schnaittach im Landkreis Nürnberger Land. Sie ist der Rest einer barocken Festung, die ab 1729 an der Stelle einer mittelalterlichen Burg entstand. Die Bayerische Schlösserverwaltung verwaltet heute die Anlage, die im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde und in großen Teilen erhalten ist.1, 6 Zugänglich ist sie bei Führungen des Heimatvereins Schnaittach.7, 9
Die mittelalterliche Burg
Für das Jahr 1254 nennt die Schlösserverwaltung als ersten bekannten Namen einen Hilpold von Rothenberg. Über die Burggrafen von Nürnberg kam der Rothenberg später an Kaiser Karl IV. König Ruprecht von der Pfalz entriss die Burg 1401 König Wenzel.1 Der Heimatverein datiert die Vorgängerburg in das frühe 14. Jahrhundert. Bis ins 17. Jahrhundert wurde sie nach seinen Angaben immer wieder umgebaut.8
1478 kauften 46 fränkische Adlige die Burg samt einem kleinen Herrschaftsgebiet. Sie schlossen sich zu einer Ganerbschaft zusammen, einer gemeinsamen Besitzergemeinschaft.11
Im Dreißigjährigen Krieg lag eine bayerische Besatzung auf der Burg. Für die protestantische Reichsstadt Nürnberg hatte das nach Darstellung der Schlösserverwaltung erhebliche Nachteile.1
Zerstörung 1703 und Neubau als Festung
Bis zum Spanischen Erbfolgekrieg war die Burg stark befestigt worden. 1703 nahmen kaiserliche Truppen sie ein und zerstörten sie gründlich.1
Die Schlösserverwaltung schreibt den Wiederaufbau nach dem Friedensschluss von 1714 Kurfürst Max Emanuel zu.1 Die Denkmalliste nennt für den Neubau nach 1703 Peter de Coquille (1729-1743) und Claude de Rozart (1752-1767).6 Der Heimatverein nennt als Hauptbauzeit 1729 bis 1760, der Markt Schnaittach etwa 1729 bis 1750.8, 10
Die spätbarocke Anlage folgte nach dem Heimatverein dem Stand der französischen Festungsbaukunst ihrer Zeit. Bis zu 800 Soldaten fanden darin Platz. In Kriegen suchten die Bewohner der umliegenden Orte mit Vieh und Habe Schutz in der Festung.8 Im Österreichischen Erbfolgekrieg widerstand sie 1744 dem Angriff der österreichischen Armee.1
Auflassung und Verfall
Nach den Napoleonischen Kriegen verlor die Festung an Bedeutung.1 Zunächst diente sie nach Angaben des Heimatvereins als bayerisches Militärgefängnis. 1838 wurde sie aufgelassen, laut Heimatverein wegen der hohen Unterhaltskosten.6, 8 Im selben Jahr verkaufte das Kriegsministerium nach der Begründung eines Haushaltsantrags im Landtag das gesamte Inventar.4 Die Schlösserverwaltung nennt 1841 als Jahr der Räumung.1
Danach konnte die Bevölkerung die Mauern als Steinbruch nutzen.4 Nach Angaben des Marktes Schnaittach wurde Material für den Bau des Nürnberger Hauptbahnhofs abgetragen. 1876 diente der Ravelin für Sprengversuche.10
Ausflugsziel und Sicherung seit 1966
Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Rothenberg ein beliebtes Ausflugsziel, gefördert auch durch die Bahnlinie Nürnberg-Simmelsdorf. Der 1892 gegründete Heimat- und Verschönerungsverein wollte die Ruine für Besucher erschließen und pflegen.8
1966 ging die Ruine an die Bayerische Schlösserverwaltung über. Nach eigenen Angaben arbeitet sie seither daran, den Verfall aufzuhalten.1 Der Landtagsantrag von 2024 beschreibt diese Arbeit als Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Schnaittach e. V.4 Von 1997 bis 2008 sicherte der Freistaat die Ruine nach Angaben des Heimatvereins mit großem Aufwand. Seitdem sind große Teile wieder zugänglich.8
Schlösserverwaltung und Landtagsantrag nennen dasselbe Ziel: Bei Führungen sollen Besucher die Bastion Schnaittach als Aussichtsplattform und einen großen Teil der Kasematten betreten können.1, 4
Im April 2024 beantragten Abgeordnete von CSU und Freien Wählern für das Jahr 2024 zusätzlich 150.000 € für die Festung. Damit sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, den Festungsaltar wieder öffentlich zugänglich zu machen.4
Chronik
1254 - 2008- 1254ErsterwähnungErste Nennung eines Hilpold von Rothenberg1
- 1401BesitzwechselKönig Ruprecht von der Pfalz erobert die Burg von König Wenzel1
- 1478Besitzwechsel46 fränkische Adlige kaufen die Burg und gründen eine Ganerbschaft11
- 1703ZerstörungIm Spanischen Erbfolgekrieg von kaiserlichen Truppen eingenommen und gründlich zerstört1, 6
- 1729BaubeginnBeginn des Festungsneubaus6, 8
- 1729-1743UmbauNeubau der Festung unter Peter de Coquille6
- 1752-1767UmbauWeiterbau der Festung unter Claude de Rozart6
- 1838NutzungsänderungDie Festung wird aufgelassen6, 8
- 1838NutzungsänderungDas Kriegsministerium verkauft das gesamte Inventar4
- 1841NutzungsänderungDie Festung wird geräumt und dem Verfall überlassen1
- 1892NutzungsänderungGründung des Heimat- und Verschönerungsvereins mit dem Ziel, die Ruine zu erschließen8
- 1966NutzungsänderungDie Ruine geht an die Bayerische Schlösserverwaltung über1, 4
- 1997-2008RestaurierungSicherung der Ruine durch den Freistaat Bayern8
Besitz und Herrschaft
- 1401König Ruprecht von der Pfalz1durch Eroberung von König Wenzel
- 1478Ganerbschaft von 46 fränkischen Adligen11Kauf der Burg mit kleinem Herrschaftsgebiet
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und heutiger Zustand
Nach der Denkmalliste umschließen hohe Ringmauern aus Steinquadern einen unregelmäßig trapezförmigen Grundriss. Sechs Bastionen ragen spitz nach außen, rundum liegen Kasematten. Das Festungsportal an der Nordseite ist ein Rundbogentor mit Pilastern und Dreiecksgiebel. Im Inneren stehen Mauerreste zweigeschossiger Kasernen und der Garnisonskirche.6
Zum Hauptbau führte nur eine Brücke über den Halsgraben, davor liegt als Vorwerk der Ravelin.8 Das Gelände innerhalb der Festung ist teilweise steil.1 Nach den Anlagenvorschriften dient die Festungsruine der stillen Erholung. Mauern und Felsen dürfen wegen Absturzgefahr nicht bestiegen werden, Drohnen sind nur mit Erlaubnis gestattet.3
Besonderheiten
- Festungsaltar: Wolf Xaver Schiestel schuf 1784 den spätbarocken Hochaltar der Garnisonskirche. Reste davon verzeichnet die Denkmalliste derzeit im Torhaus.6 Nach dem Landtagsantrag von 2024 lag der Altar seit etwa zehn Jahren eingelagert. Der Heimatverein wollte ihn damals restaurieren und auf der Festung zeigen.4
- Festungsfriedhof: Am Hang südlich der Festung liegt der frühere Friedhof der Garnison mit Grabsteinen des 18. und 19. Jahrhunderts.6
- Schriftenreihe: 1989 erschien im Verlag des Heimatvereins Schnaittach Band 11 der Reihe "Vom Rothenberg". Claus Schönwald behandelt darin die Geschichte der Ruine seit 1838.5
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- nur mit Führung9
- Öffnungszeiten
- Di-So und an Feiertagen 11-16 Uhr, Führungen zur vollen Stunde, letzte Führung 16 Uhr, bei geeigneter Witterung
Ab November keine Besichtigung der Kasematten (Fledermausschutz)
Saison beim Betreiber nicht angegeben, vor einem Winterbesuch beim Heimatverein nachfragen9 - Eintritt
- Erwachsene ab 14 Jahren 6 €
Kinder und Jugendliche von 5 bis 13 Jahren 4 €
Kinder bis 4 Jahre frei
Keine Kartenzahlung9 - Führungen
- Zutritt nur mit Festungsführer, Dauer ca. 45 Minuten, höchstens ca. 20 Personen
Helmpflicht, Helme werden gestellt
Gruppen- und Sonderführungen auf Anfrage per E-Mail an info@heimatverein-schnaittach.com9 - Parken
- Parkplätze 15 Minuten von der Festung entfernt. Mit Schwerbehindertenparkausweis Zufahrt bis zum Ravelin, dort ausgewiesener Behindertenparkplatz.1, 2
- Barrierefreiheit
- teilweise: Vom Behindertenparkplatz am Ravelin sind Brücke und Torbau mit dem Rollstuhl selbstständig erreichbar. Das Gelände innerhalb der Festung ist teilweise zu steil, dort ist Hilfe Dritter nötig.1
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Die Schlösserverwaltung betreibt die Festungsruine nicht selbst, ihre Jahres- und Mehrtageskarten gelten hier nicht.1, 2 Die Festung ist nur mit einem Festungsführer des Heimatvereins zugänglich. Die Führungen beginnen dienstags bis sonntags und an Feiertagen zur vollen Stunde, die letzte um 16 Uhr. Sie dauern etwa 45 Minuten und finden bei geeigneter Witterung statt, Helme werden gestellt.9 Ab November sind die Kasematten wegen der dort lebenden Fledermäuse nicht zu besichtigen.9
Mit Schwerbehindertenparkausweis ist die Zufahrt bis zum Ravelin erlaubt, dort gibt es einen ausgewiesenen Behindertenparkplatz. Brücke und Torbau sind von dort mit dem Rollstuhl ohne fremde Hilfe erreichbar. Im weiteren Gelände ist Hilfe nötig.1 Hunde sind beim Heimatverein willkommen, auf dem Gelände gilt die kurze Leine.3, 9
Anreise
Mit der Bahn geht es nach Schnaittach, von dort weiter mit dem Bus bis zur Haltestelle Rabenhof. Die Parkplätze liegen nach Angaben der Schlösserverwaltung 15 Minuten von der Festung entfernt.1, 2 Mit dem Auto verweist der Heimatverein auf die Ausfahrt Schnaittach der A 9.7
Umgebung und weitere Ziele
Rund 23 Kilometer Luftlinie westsüdwestlich liegt die Nürnberger Burg. Die Burgverwaltung Nürnberg mit Anschrift "Auf der Burg 17" ist auch für den Rothenberg zuständig.1 Knapp 30 Kilometer Luftlinie nördlich steht Burg Rabenstein. Weitere Anlagen dieses Typs zeigt die Übersicht der Festungen.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Nürnberger Land, das ganze Land die Seite Bayern.
Lage und Karte
49.5544° N · 11.3600° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Festungsruine Rothenberg (Schnaittach)Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, abgerufen am 10.10.2026
- Rothenberg Fortress Ruins (Schnaittach)Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, abgerufen am 10.10.2026
- Anlagenvorschriften Festungsruine Rothenberg (Stand 03.03.2026)Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Burgverwaltung Nürnberg, abgerufen am 10.10.2026
- Drucksache 19/1149: Änderungsantrag zum Haushaltsplan 2024/2025, Schlösserverwaltung, Festung Rothenberg und Schloss Höchstädt (03.04.2024)Bayerischer Landtag, abgerufen am 10.10.2026
- Claus Schönwald: Die Geschichte der Festungsruine Rothenberg seit 1838 (Vom Rothenberg, Bd. 11), Schnaittach 1989Deutsche Burgenvereinigung, Literaturdatenbank, abgerufen am 10.10.2026
- Denkmalliste Markt Schnaittach (Stand 23.09.2026), Baudenkmal D-5-74-155-60, Bodendenkmal D-5-6434-0114Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 10.10.2026
- Festung Rothenberg (Startseite)Heimatverein Schnaittach 1892 e. V., abgerufen am 10.10.2026
- Die FestungHeimatverein Schnaittach 1892 e. V., abgerufen am 10.10.2026
- Öffnungszeiten/EintrittHeimatverein Schnaittach 1892 e. V., abgerufen am 10.10.2026
- Festung RothenbergMarkt Schnaittach, abgerufen am 10.10.2026
- Klaus Rupprecht: Adelsgesellschaften und -einungen (30.10.2018)Historisches Lexikon Bayerns, abgerufen am 10.10.2026
- Rothenberg (Kartenobjekt way/340010619)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 10.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: pegasus2 · Gemeinfrei · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Bayern
Burg · 16,0 kmBurg Veldenstein
Burg · 23,2 kmNürnberger Burg
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Burg · 29,8 kmBurg Rabenstein (Oberfranken)
Bildnachweise
- Burg Veldenstein: Foto: Derzno · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Nürnberger Burg: Foto: I, ArtMechanic · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Pottenstein: Foto: Derzno · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Rabenstein (Oberfranken): Foto: Ermell · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons