Burg Kastellaun
Burgruine über der Altstadt von Kastellaun, 1301 bis 1340 Residenz der Grafen von Sponheim, 1689 zerstört, heute mit Museum.

Steckbrief
- Typ
- Burgruine1Ruine
- Erste Erwähnung
- 12265
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal (Denkmalzone)1
- Kreis
- Rhein-Hunsrück-Kreis
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Öffnungszeiten
- Haus der regionalen Geschichte: Do und Fr 12-17 Uhr, Sa, So und Feiertag 11-17 Uhr7Alle Angaben
- Eintritt
- Erwachsene 3 €7Alle Angaben
- Website
- kastellaun.de2
- Koordinaten
- 50.0708, 7.43833
Inhalt 14 Abschnitte
Die Burg Kastellaun ist eine Ruine auf einem Schieferfelsen über der Altstadt von Kastellaun im Rhein-Hunsrück-Kreis. Von 1301 bis 1340 diente sie den Grafen von Sponheim als eine ihrer Residenzen, 1689 wurde sie im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.2, 4 In der Unterburg eröffnete 2007 das Museum "Haus der regionalen Geschichte", das kulturhistorische Themen auf vier Etagen zeigt.3
Entstehung im 13. Jahrhundert
Ein genaues Gründungsjahr ist nicht überliefert. Nach Bauuntersuchungen entstand die Oberburg in der ersten Hälfte bzw. zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Fritz Schellack sieht auch in den Schriftquellen und der politischen Lage Hinweise auf einen Bau vor 1248.5, 6 Das Denkmalverzeichnis der Landesdenkmalpflege spricht dagegen von einer im frühen 14. Jahrhundert gegründeten Anlage.1
Der Name erscheint nach Johannes Mötsch 1226 als "Kestilun". Ob es dabei um eine Neugründung oder um eine Umbenennung ging, ist in der Literatur strittig.5 Ausdrücklich als Burg, als "castrum Kestelun", nennt sie eine Schriftquelle von 1248.4
Beim Bau des Besucherzentrums konnten im Herbst 2005 Grabungen durchgeführt werden. Sie wiesen mindestens vier Bauphasen nach. Am ältesten sind in den Fels gehauene Pfostenlöcher eines Holzbaus, die bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückgehen. Zur jüngsten Phase gehören die Außenmauern eines Kanzleigebäudes.4
Residenz der Grafen von Sponheim
1248 überließ Heinrich von Sponheim, Herr von Heinsberg, die Burg seinem jüngeren Bruder Simon. Bis ins frühe 14. Jahrhundert hatte sie vor allem militärische Aufgaben. Simon und sein Sohn Johann hielten sich nach Schellack bevorzugt in Kreuznach auf.6
Den Ausbau der Burg beschloss man offenbar zwischen 1290 und 1300. Als Graf Simon im Jahr 1300 heiratete, setzte er seiner Frau die Burg als Wittum aus. Von 1301 bis 1340 war Kastellaun neben Kreuznach gräfliche Residenz. Mötsch verbindet das Ende dieser Zeit mit einer Teilung im Grafenhaus 1340.4, 5, 6
Im Dezember 1305 befreiten Graf und Gräfin die Bürger von Kastellaun von bestimmten Diensten und Abgaben. Schellack nennt den 28. Dezember 1305 als Tag der Stadtrechte. 1309 erhielt die Stadt von König Heinrich VII. einen Wochenmarkt.5, 6
Mit Graf Johann V. starb das Haus Sponheim im Oktober 1437 aus. Das Erbe ging an die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz, Kastellaun wurde zur Hinteren Grafschaft gerechnet. Von 1595 bis zu seinem Tod im Juni 1600 residierte Markgraf Eduard Fortunat von Baden-Baden auf der Burg.5
Bauphasen der Oberburg
Aus der ersten Bauphase sind nach Mötsch der Bergfried, ein Rundturm und mehrere Mauerzüge erhalten. In der zweiten Hälfte des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts kam unter anderem ein gewölbter Keller hinzu. Mit dem Ausbau zur Residenz setzte sich die Bautätigkeit fort, in der zweiten Hälfte des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstanden Palas und Viereckturm.5
Mötsch liest die Baugeschichte als Weg von der militärischen Anlage zur Residenz, die der Landesherr bewohnte.5
Zerstörung, Steinbruch und Sicherung
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten Soldaten Ludwigs XIV. Burg und Stadt im April und September 1689. Stark angeglühte Lehmschichten in der Grabung zeugen von dem Brand.4, 6 Danach wurde die Ruine als Steinbruch genutzt.5
1884 erwarb die Stadt Kastellaun die Burg. Es folgten Sicherungs- und Wiederaufbauarbeiten.4 In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Burg umfassend saniert. Den Neubau eines Besucherzentrums in der Unterburg genehmigte man 2006.6
Chronik
1226 - 2007- 1226ErsterwähnungFrüheste Nennung des Namens als Kestilun5
- 1248BesitzwechselHeinrich von Sponheim, Herr von Heinsberg, tritt die Burg an seinen jüngeren Bruder Simon ab6
- um 1250-1310UmbauBau eines gewölbten Kellers und weiterer Teile (2. Hälfte 13. bis Anfang 14. Jh.)5
- 1301-1340NutzungsänderungResidenz der Grafen von Sponheim4, 5
- um 1350-1420UmbauBau von Palas und Viereckturm (2. Hälfte 14. bis Anfang 15. Jh.)5
- 1437BesitzwechselNach dem Aussterben der Grafen von Sponheim an die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz5
- 1595-1600NutzungsänderungMarkgraf Eduard Fortunat von Baden-Baden residiert in Kastellaun5
- 1689ZerstörungZerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Soldaten Ludwigs XIV.4
- nach 1689NutzungsänderungDie Ruine dient als Steinbruch5
- 1884BesitzwechselDie Stadt Kastellaun erwirbt die Burg, es folgen Sicherung und Wiederaufbauarbeiten4
- um 1980-1999RestaurierungGrundlegende Sanierung der Burg6
- 2005NutzungsänderungGrabungen beim Bau des Besucherzentrums weisen mindestens vier Bauphasen nach4
- 2007NutzungsänderungEröffnung des Museums Haus der regionalen Geschichte in der Unterburg3
Besitz und Herrschaft
- 1248Simon von Sponheim6Burg durch seinen Bruder Heinrich übertragen
- 1437Markgrafen von Baden und Grafen von Veldenz5Erben der Grafschaft Sponheim
- 1884Stadt Kastellaun4Erwerb der Burg
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Der Schieferfelsen ragt nach Mötsch auf drei Seiten steil aus einer Talmulde auf. Das Plateau misst höchstens 100 Meter in der Länge und 60 Meter in der Breite. Im Süden lag die Oberburg, den nördlichen Teil nahm die Unterburg ein.4, 5
Das Denkmalverzeichnis beschreibt eine keilförmige Anlage mit Ober- und Niederburg. Vom Palas steht die zum Teil dreigeschossige Westwand, vom anschließenden Rechteckturm die westliche Hälfte, beide mit Bogenfriesen. Genannt werden außerdem der Bergfried und ein durch Grabungen nachgewiesener Rechteckbau.1
Heutiger Zustand
Die Landesdenkmalpflege führt die Burgruine als Denkmalzone.1 Nach Angaben der Stadt zählt sie zu den bedeutenderen der etwa 60 mittelalterlichen Burgen im Hunsrück und ist baugeschichtlich von großem Interesse.2
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Öffnungszeiten
- Haus der regionalen Geschichte: Do und Fr 12-17 Uhr, Sa, So und Feiertag 11-17 Uhr
Saison 2026 ab 25. April, Saisonende vom Betreiber nicht angegeben; Stand Oktober 20267 - Eintritt
- Erwachsene 3 €
Kinder unter 6 Jahren frei
Ermäßigt sowie Kinder von 6 bis 17 Jahren 1,50 €
Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 6 Kinder unter 18 Jahren) 6 €
Gruppen ab 10 Erwachsenen 2 € pro Person
Kombiticket Kastellaun-Simmern 7 €
Stand Oktober 20267 - Führungen
- Führung nach Absprache, Gruppe bis 25 Personen: 55 €
Burgführung nach Absprache während der Öffnungszeiten, inklusive Eintritt ins Museum: 75 €
Stand Oktober 20267 - Parken
- Keine Parkplätze direkt am Museum; kostenfreie Parkplätze etwa fünf Gehminuten entfernt, etwa auf dem Marktplatz nahe der katholischen Kirche oder im Parkdeck der Altstadtpassage (Perlengasse).7
- Barrierefreiheit
- teilweise: Drei der vier Ebenen des Museums sind rollstuhlgerecht erreichbar. Menschen mit Behinderung können zur Burg hinauffahren, das Fahrzeug muss danach auf einem öffentlichen Parkplatz stehen. Wer als Gehbehinderter bis zum Haus vorfahren möchte, meldet sich vorher.7
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Zu besichtigen sind die Burgruine und das Museum.4 Das Haus der regionalen Geschichte vermittelt seine Themen mit Multimedia.3 Nach regionalgeschichte.net sind die bei der Grabung 2005 entdeckten Baureste im Untergeschoss des Besucherzentrums zu sehen.4 Das Museum öffnet nach der Winterpause ab Ende April an Donnerstagen bis Sonntagen und an Feiertagen. Burgführungen gibt es nach Absprache während der Öffnungszeiten, der Museumseintritt ist inbegriffen.7
Anreise
Am Museum selbst gibt es keine Parkplätze. Die Stadt nennt den Marktplatz nahe der katholischen Kirche und das Parkdeck der Altstadtpassage. Menschen mit Behinderung können zur Burg hinauffahren, das Fahrzeug muss danach aber auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt werden.7
Umgebung und weitere Ziele
Rund 15 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Burg Metternich, etwa 17 Kilometer die Burg Eltz. Zur Reichsburg Cochem sind es rund 21 Kilometer Luftlinie.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Rhein-Hunsrück-Kreis, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
50.0708° N · 7.4383° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Rhein-Hunsrück-Kreis (Stand 12.02.2025)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Kastellaun: Allgemeine InformationenStadt und Verbandsgemeinde Kastellaun, abgerufen am 11.10.2026
- Historie erleben im Haus der regionalen GeschichteStadt und Verbandsgemeinde Kastellaun, abgerufen am 11.10.2026
- Burg (Burgruine), Kastellaun (M. Thoma)Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Sponheim, Grafen von; Artikel C. Kastellaun (Johannes Mötsch)Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Handbuch Höfe und Residenzen, abgerufen am 11.10.2026
- Kastellaun im Hunsrück (Fritz Schellack)Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Besucherinfos Haus der regionalen GeschichteStadt und Verbandsgemeinde Kastellaun, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Kastellaun (Kartenobjekt relation/452437)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Achim Berg · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
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Burgruine · 14,8 kmBurg Metternich
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Burg · 20,9 kmReichsburg Cochem
Bildnachweise
- Burg Metternich: Foto: Rolf Kranz · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Eltz: Foto: Johannes Dörrstock · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Thurant: Foto: © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons
- Reichsburg Cochem: Foto: Holger Weinandt · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons