Burgenführer
Burg · Cochem · Rheinland-Pfalz

Reichsburg Cochem

Höhenburg über der Mosel: 1689 zerstört und bis 1877 für den Berliner Kaufmann Louis Ravené neugotisch wiederaufgebaut.

50.1422° N · 7.1669° E
Reichsburg Cochem
Reichsburg CochemFoto: Holger Weinandt · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Führungen täglich 9.30-17 Uhr (14. März-1. November 2026)Letzte Führung um 17 Uhr2. November-23. Dezember 2026 täglich 10-15 UhrEintritt: Erwachsene 10 €Besuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burg1, 2, 5wiederaufgebaut
Baustil
Neugotik3, 4
Höhe
170 m ü. NHN18
Denkmalstatus
Kulturdenkmal (Gesamtanlage)4
Ort
Cochem4, 12
Bundesland
Rheinland-Pfalz
Eigentümer
Stadt Cochem6, 7
Betreiber
Reichsburg Cochem GmbH17
Besichtigung
nur mit Führung11
Öffnungszeiten
Führungen täglich 9.30-17 Uhr (14. März-1. November 2026)9Alle Angaben
Eintritt
Erwachsene 10 €10Alle Angaben
Koordinaten
50.1422, 7.16694
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung und Bauphasen
  3. Besitzer und bedeutende Personen
  4. Wichtige Ereignisse
  5. Zerstörung und Wiederaufbau
  6. Chronik
  7. Architektur und Aufbau
  8. Besonderheiten
  9. Heutiger Zustand
  10. Auf einen Blick
  11. Besichtigung
  12. Anreise
  13. Umgebung und weitere Ziele
  14. Lage und Karte
  15. Quellen
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 202618 Quellen

Die Reichsburg Cochem steht auf einem Felskegel mehr als 100 Meter über der Mosel. Was heute mit Türmen, Erkern und Kegeldächern über der Stadt aufragt, ist zum größten Teil ein Bau des 19. Jahrhunderts: Der Berliner Kaufmann Louis Ravené ließ die 1689 zerstörte Burg ab 1868 wiederaufbauen, 1877 wurde sie eingeweiht. Im Kern steckt der mittelalterliche Bergfried.1, 3, 4 Innenräume und Höfe sind nur bei einer Führung zugänglich.11

Geschichte

Entstehung und Bauphasen

Wann die Burg entstand, ist nicht sicher. Der Betreiber gibt die verbreitete Annahme wieder, sie sei um das Jahr 1000 unter Pfalzgraf Ezzo erbaut worden.1 Das Denkmalverzeichnis des Landes nennt einen Baubeginn wohl im 10. Jahrhundert oder um 1020.4 Die Burgendatenbank EBIDAT setzt den Beginn in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts.5

Auch die erste Nennung ist umstritten. Nach Angaben des Betreibers übertrug Richeza, Tochter des Pfalzgrafen Ezzo und frühere Königin von Polen, die Burg 1051 ihrem Neffen, Pfalzgraf Heinrich I.1 Das Kulturlandschaftsportal KuLaDig hält die Burg erst 1130 für sicher bezeugt.3

Ältester erhaltener Teil ist der Bergfried. Sein Inneres datiert das Denkmalverzeichnis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts, die Ummantelung ins 14. Jahrhundert.4 In dieser Zeit baute Erzbischof Balduin von Trier die Burg zur Zollfeste aus. Er verband in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Burg und Stadt mit starken Mauern, eine Kette unterhalb der Burg konnte die Mosel sperren.1, 3

Besitzer und bedeutende Personen

Bis 1151 hielten die rheinischen Pfalzgrafen auf der Burg Hof. In jenem Jahr beendete König Konrad III. einen Streit um die Pfalzgrafenwürde, besetzte die Burg und zog sie als erledigtes Reichslehen ein. So wurde sie in der Stauferzeit zur Reichsburg, verwaltet von Burggrafen aus dem Kreis der Reichsministerialen.1, 6 KuLaDig weist darauf hin, dass "Reichsburg" keine zeitgenössische Bezeichnung ist.3

1294 verpfändete König Adolf von Nassau Cochem an Erzbischof Boemund I. von Trier. Das Pfand wurde nie eingelöst, bis 1794 gehörte Cochem zu Kurtrier. KuLaDig setzt den Übergang an Kurtrier um 1294/98 an.3, 6

Louis Ravené stammte aus einer hugenottischen Familie, die 1685 als Glaubensflüchtlinge von Metz nach Berlin gekommen war. Er kaufte die Ruine 1868. Die Familie nutzte die wiederhergestellte Burg als Sommersitz.1, 3 Nach Angaben des Betreibers ging sie 1942 durch Verkauf an das Deutsche Reich, im Leitbild desselben Betreibers steht 1943.1, 7 Seit dem 1. April 1978 gehört die Burg der Stadt Cochem, betrieben wird sie von der Reichsburg Cochem GmbH.6, 7, 17

Wichtige Ereignisse

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg besetzten Truppen Ludwigs XIV. 1688 die Burg. Am 19. Mai 1689 wurde sie nach Angaben des Betreibers in Brand gesteckt, unterminiert und gesprengt, danach blieb sie fast 180 Jahre Ruine.1 Die Stadtchronik zitiert, die Burg sei "bei hellem Sonnenschein dem Vulcano geopfert" worden.6

1877 wurde die Einweihung der Burg mit einem Festbankett im Rittersaal gefeiert, zusammen mit der ersten Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Tunnel.1

1943 richtete Reichsjustizminister Thierack auf der Burg eine NS-Schulungsstätte für Juristen ein.8

Zerstörung und Wiederaufbau

Der preußische König Wilhelm I. genehmigte den Verkauf 1868 unter Auflagen: Die Reste der Ruine sollten erhalten bleiben, der Aufbau historischen Vorlagen folgen, darunter dem Kupferstich von Braun und Hogenberg. Die Burg sollte teilweise öffentlich zugänglich sein, und der Staat behielt ein Vorkaufsrecht.1

Im Juni 1868 begann unter Baurat Hermann Ende die Räumung der Schuttmassen. Ab 1871 leitete Julius Carl Raschdorff den zweiten Bauabschnitt, die Innenarchitektur übernahm Ernst Ewald aus Berlin. KuLaDig betont, dass keine getreue Rekonstruktion beabsichtigt war. Der Bau steht für einen romantisch überhöhten Historismus.1, 3

Im Zweiten Weltkrieg gingen bei Bombenangriffen 1945 die Originalfenster der Kemenate verloren. Die Bleiglasfenster wurden 1987 erneuert, die Wandmalereien 2017/2018 restauriert.2

Chronik

1151 - 2018
  1. 1151BesitzwechselKönig Konrad III. zieht die Burg als Reichslehen ein1, 6
  2. 1294BesitzwechselVerpfändung an Erzbischof Boemund I. von Trier, Beginn der kurtrierischen Zeit3, 6
  3. 1. Hälfte 14. JahrhundertUmbauAusbau zur Zollfeste unter Erzbischof Balduin, Mauern zwischen Burg und Stadt1, 3, 4
  4. 19. Mai 1689ZerstörungBurg in Brand gesteckt, unterminiert und gesprengt1, 4
  5. 1868BesitzwechselLouis Ravené kauft die Ruine1, 3
  6. Juni 1868RestaurierungRäumung der Schuttmassen unter Baurat Hermann Ende1
  7. ab 1871RestaurierungZweiter Bauabschnitt unter Julius Carl Raschdorff1
  8. 1877FertigstellungEinweihung der wiederaufgebauten Burg1, 3, 6
  9. 1943NutzungsänderungNS-Schulungsstätte für Juristen unter Reichsjustizminister Thierack8
  10. 1. April 1978BesitzwechselDie Stadt Cochem wird Eigentümerin6, 7
  11. 2017-2018RestaurierungWandmalereien der Kemenate restauriert2

Besitz und Herrschaft

  • bis 1151Rheinische Pfalzgrafen6Herren der Burg
  • 1151-1294Reich (Stauferzeit), verwaltet von Burggrafen1, 6Reichslehen
  • 1294-1794Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier3, 6Pfand, nie eingelöst
  • ab 1868Familie Ravené1, 7Sommersitz, Verkauf 1942 (Leitbild des Betreibers: 1943)
  • seit 1. April 1978Stadt Cochem6, 7Eigentümerin

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Burg heute

Architektur und Aufbau

Die Reichsburg ist eine Höhenburg. EBIDAT ordnet sie als Randhausanlage in Gipfellage ein.2, 5 Den Mittelpunkt bildet der rund 40 Meter hohe Bergfried. Sein romanischer Kern ist ein Quadrat von 5,40 Metern Kantenlänge. Beim Wiederaufbau wurde er erhöht und erhielt ein Zeltdach statt der Zinnen. An der Westseite zeigt ein Mosaik von vier mal acht Metern den heiligen Christophorus.1, 2, 3

Der runde Hexenturm überstand die Zerstörung von 1689. Zur Anlage gehören Mauern, Wege und Gärten mit einem Pavillon aus dem 19. Jahrhundert, das Denkmalverzeichnis führt sie als Gesamtanlage.2, 4

Von etwa 50 Räumen zeigt die Führung sieben. Der Speisesaal ist im Stil der Neorenaissance eingerichtet, die Kemenate mit gotischer Deckenkonstruktion, der Rittersaal ist der größte Saal der Burg.1, 2

Besonderheiten

  • Burgbrunnen: Der Brunnen ist etwa 50 Meter tief. In dieser Tiefe trifft er eine Wasserader aus der Eifel.2
  • Speisesaal: Ein geschnitztes Buffet von 4,5 mal 5 Metern beherrscht den Raum, im Aufsatz Keramik aus Delft.2
  • Waffenraum: Ein Fassadenschrank aus der Renaissance gilt als das wertvollste Möbelstück der Burg.2
  • Rittersaal: Hier wurde 1877 die Einweihung gefeiert, die Stuckdecke stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts.1, 2

Heutiger Zustand

Von der mittelalterlichen Burg sind vor allem der Bergfried und der Hexenturm erhalten. Der übrige Bau ist ein Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts, der auf historischen Fundamenten steht. KuLaDig zählt die Reichsburg zu den architektonischen Hauptwerken des Späthistorismus in Deutschland.2, 3 Die meisten der rund 50 Räume stehen leer. Neben den Führungen gibt es Veranstaltungen, die ehemalige Burgkapelle wird für standesamtliche Trauungen genutzt.2, 15

Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
nur mit Führung11
Öffnungszeiten
Führungen täglich 9.30-17 Uhr (14. März-1. November 2026)
Letzte Führung um 17 Uhr
2. November-23. Dezember 2026 täglich 10-15 Uhr
24. Dezember 10-13 Uhr, 25. Dezember keine Führungen
26. Dezember 2026-10. Januar 2027 täglich 10-15 Uhr
11. Januar-12. Februar 2027 Mittwoch, Samstag und Sonntag 10-15 Uhr
13. Februar-12. März 2027 täglich 10-15 Uhr9
Eintritt
Erwachsene 10 €
Kinder 6-17 Jahre 5 €
Schüler über 18 Jahre und Studenten 9 €
Familienkarte (Eltern mit mindestens 2 Kindern unter 18) 26 €
Gruppen ab 12 Personen 9 € pro Person
Preise gültig ab 1. Januar 202510
Führungen
Besichtigung nur mit Führung, Dauer etwa 40 Minuten. Karten nur vor Ort im Souvenirladen, keine Reservierung. Gruppenführungen auch auf Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch.11
Parken
Keine Zufahrt bis zur Burg. Parkhaus Endertstraße oder Cityparkplatz Pinnerstraße hinter dem Bahnhof.11, 12
Bus und Bahn
Bahnhof Cochem (Mosel) an der Strecke Koblenz-Trier. Reichsburg-Shuttle von Mai bis Ende Oktober vom Endertplatz zur Haltestelle Reichsburg-Alte Linde, danach etwa 150 m steiler Fußweg.11, 12, 14
Fußweg
Vom Bahnhof etwa 45 Minuten, vom Busbahnhof Endertplatz etwa 15 Minuten bergauf. Asphaltiert bzw. gepflastert, ohne Stufen, aber steil.11, 12
Gastronomie
Burgschänke mit überdachter Panoramaterrasse, in der Sommersaison täglich 10-18 Uhr. Rittermahl im Burgkeller nur mit Voranmeldung.9, 13, 16
Familien
Kinder 6-17 Jahre 5 €, Familienkarte 26 €. Kinderwagen bleiben während der Führung hinter dem Haupttor.10, 11
Barrierefreiheit
nicht barrierefrei: Während der Führung Treppen (30 Stufen in den ersten Stock, 15 Stufen schmale Wendeltreppe, 10 Stufen Balustrade), nicht umgehbar. Für die Auffahrt empfiehlt der Betreiber ein Taxi.11
Hunde
ja: Angeleint bei der Führung und in den Innenräumen.11

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Die Führung dauert etwa 40 Minuten, Karten gibt es nur vor Ort im Souvenirladen der Burg, reservieren lässt sich nicht. Gruppenführungen bietet der Betreiber auch auf Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch an.11

Während der Führung sind Treppen zu steigen, darunter 30 Stufen in den ersten Stock und eine schmale Wendeltreppe. Sie lassen sich nicht umgehen, für Rollstuhl und Rollator ist die Führung nicht möglich. Kinderwagen bleiben während der Besichtigung hinter dem Haupttor. Hunde dürfen angeleint mit in die Innenräume. Fotografieren ist ohne Stativ erlaubt, Filmen in den Innenräumen nicht.11

Anreise

Bis zur Burg kommt man nicht mit dem Auto. Der Betreiber empfiehlt das Parkhaus in der Endertstraße oder den Cityparkplatz in der Pinnerstraße hinter dem Bahnhof. Am Bahnhof Cochem halten die Züge der Moselstrecke Koblenz-Trier. Vom Bahnhof sind es zu Fuß etwa 45 Minuten, vom Busbahnhof am Endertplatz rund 15 Minuten bergauf. Der Weg ist asphaltiert oder gepflastert und ohne Stufen, aber steil.11, 12, 14

Von Mai bis Ende Oktober fährt der Reichsburg-Shuttle vom Endertplatz zur Haltestelle Reichsburg-Alte Linde, von dort sind es noch etwa 150 Meter auf einem steilen Weg.11, 12

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 2 Kilometer Luftlinie nordwestlich liegt die Ruine der Winneburg. Nach der Stadtchronik wurde sie 1689 zwei Tage vor der Reichsburg zerstört.6 Etwa 14 Kilometer Luftlinie nordöstlich steht Burg Eltz im Elzbachtal.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Cochem-Zell, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.

Lage und Karte

50.1422° N · 7.1669° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Die BurgReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  2. Digitale BurgführungReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  3. Reichsburg Cochem (Hans-Gerd Dick)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 05.10.2026
  4. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Stand 22.04.2026)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 05.10.2026
  5. Burg CochemEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 05.10.2026
  6. HistorischesStadt Cochem, abgerufen am 05.10.2026
  7. LeitbildReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  8. Martin Broszat: Zur Perversion der Strafjustiz im Dritten Reich, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1958Institut für Zeitgeschichte, abgerufen am 05.10.2026
  9. ÖffnungszeitenReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  10. PreiseReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  11. Planen Sie Ihren BesuchReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  12. Kontakt und AnfahrtReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  13. BurgschänkeReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  14. AnreiseStadt Cochem, abgerufen am 05.10.2026
  15. Reichsburg CochemReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  16. Ritter-GastereyReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  17. ImpressumReichsburg Cochem GmbH, abgerufen am 05.10.2026
  18. Digitales Geländemodell 1 m (DGM1), Kachel 32_369_5556 (Stand 2024), Höhenbezug DHHN2016GeoBasis-DE / LVermGeoRP 2026, dl-de/by-2-0, abgerufen am 05.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Holger Weinandt · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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