Burgenführer
Burg · Lahnstein-Oberlahnstein · Rheinland-Pfalz

Burg Lahneck

Burg des Erzstifts Mainz an der Lahnmündung in Oberlahnstein, nach Zerstörungen im 17. Jahrhundert neugotisch wiederaufgebaut.

50.3063° N · 7.6125° E
Burg Lahneck
Burg LahneckFoto: Ulrich Prümm · CC0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burg1, 2, 4, 5wiederaufgebaut
Erste Erwähnung
12441, 5
Gründung
1. Hälfte 13. Jahrhundert2, 4, 5
Baustil
Neugotik1, 4, 5
Ort
Lahnstein-Oberlahnstein2, 4, 8
Bundesland
Rheinland-Pfalz
Eigentümer
Erben von Vizeadmiral Robert Mischke (Erbengemeinschaft Mischke/von Preuschen)1, 4
Koordinaten
50.3063, 7.61246
Inhalt 14 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Mainzer Burg an der Lahnmündung
  3. Burggrafen, Burgmannen und Zoll
  4. Ausbau im 15. Jahrhundert
  5. Verwüstung und Ruinenzeit
  6. Wiederaufbau und neue Eigentümer
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Heutiger Zustand
  11. Besichtigung
  12. Umgebung und weitere Ziele
  13. Lage und Karte
  14. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 20269 Quellen

Burg Lahneck steht in Oberlahnstein, das seit 1969 zusammen mit Niederlahnstein die Stadt Lahnstein im Rhein-Lahn-Kreis bildet. Die Burg sitzt am Rand eines Felsrückens, der steil zur Lahn abfällt, nicht weit von der Lahnmündung.2, 8 Das Erzstift Mainz ließ sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichten, als seine nördlichste Burg.1, 2

Nach Verwüstungen im 17. Jahrhundert verfiel Lahneck zur Ruine. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bauten neue Eigentümer sie im Stil der englischen Neugotik wieder auf. Seit 1907 ist die Burg im Eigentum der Familie Mischke beziehungsweise ihrer Erben.1, 4

Geschichte

Mainzer Burg an der Lahnmündung

Rund um Lahnstein hatte das Erzstift Mainz Besitz, zu dem nach EBIDAT ein Silberbergwerk gehörte. Die Erzbischöfe hielten es seit 1220 als Lehen Kaiser Friedrichs II.1 Zum Schutz dieser Güter ließ Erzbischof Siegfried III. von Eppstein an der Lahnmündung eine Burg bauen. Nach KuLaDig gab er ihr den Namen "Lonekke".4, 5

Über das Baujahr gehen die Angaben auseinander. KuLaDig setzt die Errichtung in die 1240er-Jahre, regionalgeschichte.net den Kernbau in die Zeit von etwa 1240 bis 1245.4, 5 EBIDAT datiert die Burg auf die Zeit vor 1244 und hält nach neueren Erkenntnissen einen Baubeginn ab 1233 für wahrscheinlich.1

Burggrafen, Burgmannen und Zoll

Ein Burggraf ist seit 1244 nachweisbar, EBIDAT nennt ihn Embricho von Lahneck.1, 5 Laut KuLaDig residierte auf der Burg ein Burggraf aus dem Ritterstand. Zeitweise waren auch adlige Burgmannen dort, außerdem gab es Wächter und Pförtner.4 Zu den Burgmannen gehörten nach 1295 laut EBIDAT führende Adelsfamilien der Region, darunter die Grafen von Sayn, Katzenelnbogen und Virneburg.1

KuLaDig erwähnt ein Zollprivileg der Burg.4 Den Mainzer Zoll verlegte das Erzstift nach EBIDAT 1292 von Boppard nach Lahnstein. Regionalgeschichte.net setzt den Wechsel des Bopparder Zolls nach Oberlahnstein dagegen um 1310 an.1, 6

Von 1428 bis ins 16. Jahrhundert diente die Burg nach regionalgeschichte.net als Wohnsitz eines Mainzer Amtmanns.5 Die Burgmannschaft war nach EBIDAT 1546 schon deutlich kleiner geworden.1

Ausbau im 15. Jahrhundert

In der Mainzer Bischofsfehde der Jahre 1461 bis 1464 spielte Lahneck nach regionalgeschichte.net eine wichtige Rolle. Danach baute man die Burg weiter aus und verstärkte sie.5 EBIDAT nennt für 1462 eine Einnahme der Burg.1 Laut KuLaDig kam sie 1464 an Diether von Isenburg, Burggraf wurde sein Bruder Johann.4

Im Süden und Westen erhielt die Burg einen weiteren Mauerring, dazu kam ein Zwinger. KuLaDig schreibt diesen Ausbau Diether zu. EBIDAT datiert die stärkere Befestigung auf die Zeit nach 1436 oder 1464, die Zwingeranlage auf die Zeit nach der Einnahme von 1462.1, 4 Am Tor auf der Ostseite ist nach KuLaDig noch das Wappen der Isenburger zu erkennen.4

Verwüstung und Ruinenzeit

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg verwüstet und verfiel danach.4 EBIDAT nennt für diese Verwüstung an einer Stelle das Jahr 1635, an anderer 1633, dazu eine weitere im Jahr 1662. Anschließend diente die Anlage als Steinbruch.1

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg steckten nach EBIDAT französische Truppen die Ruine 1688 in Brand, KuLaDig nennt 1689 als Jahr der Zerstörung. Bis zum Wiederaufbau blieb Lahneck eine Ruine.1, 4

Wiederaufbau und neue Eigentümer

Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte ein englischer Eisenbahnunternehmer die Ruine. Seinen Namen schreibt EBIDAT Edward Morartry, KuLaDig Graf Morartry und regionalgeschichte.net Edward Moriarity.1, 4, 5 Nach EBIDAT erwarb er die Burg 1854 von der Familie Lassaulx. KuLaDig und regionalgeschichte.net verbinden Kauf beziehungsweise Wiederaufbau mit dem Jahr 1852.1, 4, 5

Der neue Besitzer ließ die Burg im Stil der englischen Neugotik wiederherstellen, nach KuLaDig führten seine Nachfolger den Bau zu Ende.1, 4 Der Palas an der Nordseite des Hofes entstand ab 1854 weitgehend neu, aber über dem alten Grundriss. Die Burgkapelle war bis 1862 wiederaufgebaut. Zunächst bekamen die Gebäude neugotische Flachdächer mit Zinnenkranz, 1937 ersetzten ihn steile Dächer.1

1907 kaufte Admiral Mischke die Burg, KuLaDig nennt ihn den kaiserlichen Vizeadmiral Robert Mischke. Nach EBIDAT liegt die Burg seit 1946 bei der Erbengemeinschaft Mischke/von Preuschen.1, 4

Chronik

13. Jh. - 1946
  1. 1. Hälfte 13. JahrhundertGründungBau der Burg durch das Erzstift Mainz unter Erzbischof Siegfried III. von Eppstein2, 4, 5
  2. 1244ErsterwähnungErster Nachweis eines Burggrafen, Embricho von Lahneck1, 5
  3. 15. JahrhundertUmbauWeiterer Mauerring im Süden und Westen mit Zwinger1, 4, 5
  4. ab 1428NutzungsänderungWohnsitz eines Mainzer Amtmanns, bis ins 16. Jahrhundert5
  5. 1618-1648ZerstörungVerwüstung im Dreißigjährigen Krieg, danach Verfall1, 4
  6. 1662ZerstörungErneute Verwüstung, danach Nutzung als Steinbruch1
  7. 2. Hälfte 19. JahrhundertWiederaufbauWiederaufbau der Ruine im Stil der englischen Neugotik1, 4, 5
  8. bis 1862WiederaufbauBurgkapelle wiederaufgebaut1
  9. 1907BesitzwechselVizeadmiral Robert Mischke kauft die Burg1, 4
  10. 1937UmbauSteile Dächer ersetzen den neugotischen Zinnenkranz1
  11. 1946BesitzwechselDie Burg geht an die Erbengemeinschaft Mischke/von Preuschen1

Besitz und Herrschaft

  • um 1240Erzstift Mainz1, 2, 4, 5Bauherr, Landesburg der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz
  • um 1852Edward Morartry (auch Moriarity geschrieben)1, 4, 5englischer Eisenbahnunternehmer, Kauf der Ruine 1852 oder 1854, Bauherr des Wiederaufbaus
  • seit 1907Familie Mischke, seit 1946 Erbengemeinschaft Mischke/von Preuschen1, 4Eigentümer seit dem Kauf durch Vizeadmiral Robert Mischke

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Burg heute

Architektur und Aufbau

EBIDAT ordnet Lahneck als Frontturmburg und Randhausanlage ein. Nach EBIDAT ist die Kernburg annähernd rechteckig, ihre vier Flügel umschließen einen Innenhof.1, 2, 3 Ihr streng symmetrischer Grundriss gibt ihr nach regionalgeschichte.net spätstaufische Züge.5

Die Angriffsseite lag im Süden, wo der Fels nach KuLaDig nicht steil abfällt. Hier deckt eine etwa 3,5 Meter starke Schildmauer mit runden Ecktürmen die Burg. Die Kernburg umgab ein rund 8 Meter breiter Trockengraben.1, 4

Mittig in der Schildmauer steht der fünfeckige Bergfried. KuLaDig gibt seine Höhe mit 29 Metern an, EBIDAT mit 30 Metern.1, 3, 4 Über dem Verlies liegen vier gewölbte Geschosse, die eine Wendeltreppe verbindet. Auf Merians Ansicht von 1646 trug der Turm noch eine Wehrplattform mit Zinnen.1

Zum Tal hin, an der Nordseite des Hofes, liegt der Palas. Den Zugang im Westen bildet ein Torbau, den kleine Türme flankieren; eine Brücke führte über den Graben.1, 4

Die Burgkapelle liegt an der Ostseite, ihr Chor mit fünf Maßwerkfenstern tritt ostwärts vor die Mauerflucht. Errichtet wurde sie nach EBIDAT 1245, erwähnt ist sie 1332.1 KuLaDig datiert den Bau der Kapelle dagegen auf 1386. Geweiht war sie unter anderem der Muttergottes und dem heiligen Udalrich, ein Altar des 15. Jahrhunderts ist nach KuLaDig erhalten.4 Regionalgeschichte.net hob 2006 Glasscheiben um 1400 und einen Schrein aus Eichenholz aus dem frühen 15. Jahrhundert hervor. Hinzu kam ein 1450 datiertes Tafelbild der Heiligen Klara und Bernard.5

An der Süd- und Westseite entstand nach EBIDAT wohl im 15. Jahrhundert ein äußerer Bering. Er hatte vier Rundtürme und einen Torturm, im Süden verstärkte ihn ein schildmauerartiger Abschnitt mit abgeböschtem Sockel. Davor lag ein 15 Meter breiter Halsgraben, im Westen deckte ein äußerer Zwinger den Zugang.1

Besonderheiten

  • Goethe: Während seines Aufenthalts in Lahnstein mit Lavater und Basedow schrieb Goethe das Gedicht "Geistesgruß", nach der bei KuLaDig angeführten Literatur im Sommer 1774. Burg und Lage hatten ihn nach KuLaDig beeindruckt.4
  • Sage von Idilia Dubb: Einer Sage nach stieg 1851 eine Schottin namens Idilia Dubb über eine morsche Holztreppe auf den Turm. Die Treppe brach zusammen und schnitt ihr den Rückweg ab, oben auf dem Turm kam sie ums Leben. Jahre später soll man ein Skelett und ein Tagebuch gefunden haben, in das sie beim vergeblichen Warten auf Hilfe schrieb.4

Heutiger Zustand

Lahneck ist eine im 19. Jahrhundert wiederaufgebaute Höhenburg, die EBIDAT als weitgehend erhalten einstuft. Die Kernburg mit Schildmauer und Bergfried geht auf das 13. Jahrhundert zurück.1, 2

Besuch

Besichtigung

Nach KuLaDig kann die Burg besichtigt werden.4 2006 nannte regionalgeschichte.net für die Wohnräume barocke Möbel, Waffen und Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts. Dazu kam Keramik aus China, Berlin, Meißen, Delft und Lothringen.5

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 1,5 Kilometer Luftlinie westlich liegt Schloss Stolzenfels. Nach regionalgeschichte.net entstand die dortige Burg als Zollburg Kurtriers, gegenüber der Mainzer Burg Lahneck.7 Etwa 4,6 Kilometer Luftlinie südöstlich steht die Marksburg, rund 6,5 Kilometer Luftlinie nördlich die Festung Ehrenbreitstein.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Rhein-Lahn-Kreis, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.

Lage und Karte

50.3063° N · 7.6125° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Lahneck (Geschichte und Baubeschreibung: Reinhard Friedrich; Bauentwicklung: Jens Friedhoff)EBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 10.10.2026
  2. Lahneck, HauptdatenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 10.10.2026
  3. Lahneck, ObjektdatenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 10.10.2026
  4. Burg Lahneck in Oberlahnstein (Milena Bagic, Universität Koblenz-Landau, 2016; Bernd Geil, Stadtarchiv Lahnstein, 2020)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 10.10.2026
  5. Die Burg Lahneck in Oberlahnstein (Nathalie Rau, 31.01.2006)Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 10.10.2026
  6. OberlahnsteinInstitut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 10.10.2026
  7. Schloss StolzenfelsInstitut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 10.10.2026
  8. LahnsteinInstitut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 10.10.2026
  9. Burg Lahneck (Kartenobjekt way/625618169)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 10.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Ulrich Prümm · CC0 · Wikimedia Commons

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