Burg Lemberg
Burgruine der Grafen von Zweibrücken über Lemberg, im 16. Jahrhundert zum Renaissanceschloss umgebaut, im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.
Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 12302
- Gründung
- um 1198-12302
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Besichtigung
- frei zugänglich2
- Koordinaten
- 49.17389, 7.66139
Inhalt 15 Abschnitte
- Überblick
- Entstehung unter den Grafen von Zweibrücken
- Lehnsherren, Teilungen und Modernisierung
- Renaissanceschloss und Erbstreit
- Kriege und Zerstörung
- Gemeindebesitz und Ausgrabungen
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung und Anreise
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Die Burgruine Lemberg liegt auf einer Bergspitze östlich des gleichnamigen Ortes im Landkreis Südwestpfalz. Errichtet wurde sie von den Grafen von Zweibrücken, im 16. Jahrhundert entstand daraus ein wehrhaftes Renaissanceschloss.1, 2 Seit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg ist die Anlage eine Ruine.2 Zu sehen sind Mauerreste von Ober- und Unterburg, Keller, Felskammern und ein Brunnenstollen.1
Entstehung unter den Grafen von Zweibrücken
Graf Heinrich von Zweibrücken erwarb 1198 vom Kloster Hornbach zwei Berge, um dort Burgen zu bauen. Als "castro Leenberc" wird Lemberg 1230 zum ersten Mal genannt. Die Burg muss also in der Zeit zwischen diesen beiden Jahren entstanden sein.2 Das Denkmalverzeichnis datiert den Bau auf um 1200.1
Zwischen 1247 und 1294 tauchen häufig Ministeriale der Zweibrücker Grafen auf, die sich nach der Burg nannten. 1295 teilten die Brüder Eberhard und Walram von Zweibrücken ihre Güter erstmals auf. Lemberg fiel dabei an Eberhard.2
Lehnsherren, Teilungen und Modernisierung
Eberhards Söhne Eberhard II. und Simon behielten die Burg und den größten Teil des Amtes Lemberg. 1334 machten sie Burg und Amt, dazu die Gerichte Pirmasens und Eischweiler, zum Lehen des Trierer Erzbischofs Balduin. Aus einer Verschreibung des Grafen Simon Wecker von 1366 zugunsten seiner Frau geht nach KuLaDig hervor, dass neben dem Erzbistum Trier auch der Herzog von Lothringen Lehnsherr war.2
Graf Friedrich von Zweibrücken-Bitsch starb 1474. Zwei Jahre später teilten seine vier Söhne die Herrschaft, Burg und Herrschaft Lemberg gingen an den Sohn Friedrich. Auf ihn folgte sein Sohn Graf Reinhard, der die Burg ab 1502 mit großem Aufwand modernisieren ließ.2
Renaissanceschloss und Erbstreit
Nach einer Teilung der Grafschaft 1533/34 erhielt Graf Jakob die Burg Lemberg. Bis 1566 ließ er sie zu einem wehrhaften Renaissanceschloss umbauen, das für Feuerwaffen ausgelegt war.2
Jakob starb 1570 ohne Erben. Lange Streitigkeiten innerhalb der Familie folgten, die Lothringen zu seinem Vorteil nutzte. Noch 1570 wurden nacheinander mehrere Erben belehnt, unter anderem mit der halben Burg Lemberg. Dazu gehörten Graf Philipp V. von Hanau-Lichtenberg, Graf Philipp I. von Leiningen-Westerburg sowie die Gräfinnen Elisabeth und Agatha.2
Im Juli 1572 ließ der Herzog von Lothringen die Burgen Bitsch und Lemberg besetzen. Seine Truppen räumten Lemberg erst Ende 1599, verspätet und mit sämtlichen Geschützen. Beendet wurde der Streit erst durch den Sohn Philipps V., Graf Johann Reinhard I. von Hanau-Lichtenberg. Im Friedensvertrag von 1606 gab Lothringen unter anderem Burg und Amt Lemberg auf, Johann Reinhard verzichtete auf Herrschaft und Schloss Bitsch.2
Kriege und Zerstörung
Im Herbst 1634 erreichte der Dreißigjährige Krieg Lemberg. Österreichische Reichstruppen quartierten sich in der Burg ein und plünderten sie und die dazugehörigen Dörfer aus. Erst mit ihrem Abzug 1635 war das vorbei. 1636 plünderten kaiserliche Truppen die Burg und brannten sie nieder. Auch 1641 war das Schloss noch in sehr schlechtem Zustand.2
Endgültig zerstört wurde die Burg im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Nach KuLaDig ließ der französische General Montclar die verbliebenen Bauten im Herbst 1689 "schleifen und einebnen".2 Das Denkmalverzeichnis nennt dagegen 1698 als Beginn des Ruinenzustands.1 1761 erlaubte Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, die Ruine abzubrechen. Damit begann nach KuLaDig ihr vollständiger Verfall.2
Gemeindebesitz und Ausgrabungen
1950 erwarb nach KuLaDig die Gemeinde die Burg. Seither ist sie nach KuLaDig in der Obhut des örtlichen Pfälzerwald-Vereins. Seit 1996 wurde an der Ruine archäologisch gegraben, ein erster Bericht erschien 1997.2
Chronik
1198 - 1950- um 1198-1230GründungBau durch die Grafen von Zweibrücken nach dem Erwerb zweier Berge vom Kloster Hornbach 11982
- 1230ErsterwähnungErste Nennung als "castro Leenberc"2
- 1295BesitzwechselBei der ersten Gütertrennung der Brüder Eberhard und Walram von Zweibrücken fällt die Burg an Eberhard2
- 1334BesitzwechselEberhard II. und Simon von Zweibrücken tragen Burg und Amt dem Trierer Erzbischof Balduin zu Lehen auf2
- nach 1474BesitzwechselBei der Teilung unter den Söhnen des Grafen Friedrich von Zweibrücken-Bitsch erhält der Sohn Friedrich Burg und Herrschaft Lemberg2
- ab 1502UmbauAufwendige Modernisierung unter Graf Reinhard von Zweibrücken-Bitsch2
- 1533-1534BesitzwechselNach einer Teilung der Grafschaft kommt die Burg an Graf Jakob2
- bis 1566UmbauUmgestaltung zum wehrhaften, für Feuerwaffen tauglichen Renaissanceschloss2
- 1570BesitzwechselNach dem erbenlosen Tod des Grafen Jakob Belehnung mehrerer Grafen und Gräfinnen, unter anderem mit der halben Burg2
- 1572NutzungsänderungDer Herzog von Lothringen besetzt die Burgen Bitsch und Lemberg2
- 1599NutzungsänderungAbzug der lothringischen Besatzung mit allen Geschützen2
- 1606BesitzwechselIm Friedensvertrag verzichtet Lothringen auf Burg und Amt Lemberg2
- 1634-1635NutzungsänderungEinquartierung von Reichstruppen, Plünderung von Burg und Dörfern2
- 1636ZerstörungKaiserliche Truppen plündern die Burg und brennen sie nieder2
- 1761ZerstörungLandgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt erlaubt den Abbruch der Ruine2
- ab 1950NutzungsänderungDer örtliche Pfälzerwald-Verein übernimmt die Obhut der Burg2
Besitz und Herrschaft
- 1198Grafen von Zweibrücken2Bauherren, Erwerb des Burgbergs 1198
- 1295Graf Eberhard I. von Zweibrücken2Besitzer nach der Gütertrennung von 1295
- 1334Eberhard II. und Simon von Zweibrücken2Besitzer, 1334 Lehen des Erzbischofs von Trier
- 1502Graf Reinhard von Zweibrücken-Bitsch2Burgherr, ab 1502 belegt
- um 1533-1570Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch2Besitzer nach der Teilung von 1533/34 bis zu seinem Tod
- 1570Grafen von Hanau-Lichtenberg und Leiningen-Westerburg2Belehnung unter anderem mit der halben Burg
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Die Unterburg nimmt ein fast dreieckiges Felsareal ein. In ihrer Mitte erhebt sich ein sieben bis zwölf Meter hoher Felsen, auf dem die Oberburg steht. Deren Plateau ist im Westen breiter als im Osten.2
Der Hauptzugang zur Unterburg liegt im Nordosten. In einer Torgasse folgten dort drei gleich breite, gut gesicherte Doppeltore aufeinander. Im Südosten saß auf einer Felsstufe ein Turm mit annähernd quadratischem Grundriss von etwa 6,50 Metern. An der Ostspitze stand die gotische Burgkapelle, ein Saalbau, der vielleicht in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand.2
Von der Wehrmauer der Oberburg sind nur im Südwesten rund 14 Meter erhalten. Am Südwestrand des Plateaus stehen die fast zwei Meter dicken Mauerreste eines Bergfrieds mit 7 mal 7,60 Metern Seitenlänge. Sorgfältig bearbeitete Buckelquader finden sich auch an seinen Innenseiten.2
Erhalten sind laut Denkmalverzeichnis ein Teil der Mauer der Oberburg, Ringmauerreste, Reste eines runden Torturms und gewölbte Keller in der Unterburg. Hinzu kommen vier Felskammern, von denen zwei mit Fragezeichen als römisch gelten, und ein Brunnenstollen.1
Besonderheiten
- Brunnen und Stollen: Wasser lieferten ein Brunnen und vier Zisternen. Ein heute noch 117 Meter langer Stollen trifft von der Bergflanke aus in fast 60 Metern Tiefe auf den Brunnenschacht. Trotz mehrfacher Vertiefung auf rund 95 Meter sicherte der Schacht die Versorgung nach KuLaDig nicht. Das Vorhaben einer "Tiefzisterne" blieb nach KuLaDig unvollendet.2
- Kindergräber in der Kapelle: Im Chor der Kapelle, zwischen Altar und Durchgang zum Langhaus, sind die Gräber von 14 Kindern nachgewiesen.2
- Burgschänke: Das tonnengewölbte Kellergeschoss der früheren Schmiede wird nach KuLaDig als Burgschänke genutzt.2
Heutiger Zustand
Das Denkmalverzeichnis führt die Burgruine als Denkmalzone.1 KuLaDig nennt dafür § 5 des Denkmalschutzgesetzes Rheinland-Pfalz.2
Besuch auf einen Blick
- Besichtigung
- frei zugänglich2
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung und Anreise
Nach KuLaDig ist die Burgruine frei zugänglich.2 Unterhalb der Ruine liegt nach Angaben der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land ein Wanderparkplatz. Dort beginnt und endet der Graf-Heinrich-Weg, den das Deutsche Wanderinstitut nach dem Flyer der Verbandsgemeinde (Stand 2020) als Premiumweg ausgezeichnet hatte. Nahe der Ruine führt er an zahlreichen großen Felsen vorbei.3
Umgebung und weitere Ziele
Rund 10,2 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Burg Gräfenstein, etwa 10,6 Kilometer die Burg Altdahn. Rund 16,4 Kilometer Luftlinie sind es zur Burg Berwartstein.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Südwestpfalz, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
49.1739° N · 7.6614° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Burg Gräfenstein 10,2 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Südwestpfalz (21.09.2026)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 11.10.2026
- Burgruine LembergKuLaDig (LVR), Jürgen Keddigkeit, abgerufen am 11.10.2026
- Wanderkarte Graf-Heinrich-Weg (Mai 2020)Verbandsgemeindeverwaltung Pirmasens-Land, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Lemberg (historic=castle, ruins=yes) (Kartenobjekt way/200499320)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
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Burgruine · 10,2 kmBurg Gräfenstein
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Burgruine · 15,5 kmWegelnburg
Burg · 16,4 kmBurg Berwartstein
Bildnachweise
- Burg Gräfenstein: Foto: Steffen 962 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Altdahn: Foto: Llez · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Wegelnburg: Foto: Lokilech · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Berwartstein: Foto: H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons