Godesburg
Ruine der kurkölnischen Höhenburg von 1210 in Bad Godesberg, 1583 gesprengt, mit Bergfried und Restaurantbau von Gottfried Böhm.

Steckbrief
- Gründung
- 15. Oktober 12102
- Denkmalstatus
- Baudenkmal (Denkmalliste Bonn, Nr. A 3752)1
- Ort
- Bonn (Bad Godesberg)2
- Kreis
- Bonn (Stadt)
- Bundesland
- Nordrhein-Westfalen
- Koordinaten
- 50.68515, 7.15074
Inhalt 12 Abschnitte
Die Godesburg steht auf dem Godesberg im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Gegründet hat sie 1210 der Kölner Erzbischof Dietrich von Hengebach, 1583 wurde sie im Truchsessischen Krieg gesprengt. Erhalten sind der Bergfried und Teile der Kernburg und der Vorburg. In die Ruine baute der Architekt Gottfried Böhm um 1960 ein Restaurant ein.1, 2, 3
Entstehung: eine Burg der Kölner Erzbischöfe
Der Godesberg ist ein Vulkankegel, der in vorgeschichtlicher Zeit erloschen ist. Im Godesberger Rheintaltrichter ist er die einzige markante Erhebung. Schon die Römer siedelten hier, wie ein in die Burgmauern eingefügter Altarstein zeigt.2
Am 15. Oktober 1210 wurde der Grundstein der heutigen Anlage gelegt. Bauherr war Erzbischof Dietrich von Hengebach. Etwa eineinhalb Jahre später wurde er exkommuniziert und verlor sein Amt.1, 2
Um 1244, ungefähr zur selben Zeit wie die Bonner Stadtmauer, entstanden weitere Gebäude und ein freistehender Bergfried mit fünf Geschossen. Zwischen 1340 und 1350 wurde der Turm auf 32 Meter erhöht. In derselben Bauphase kam eine Vorburg hinzu.1, 2
Fehden und Pfandschaften
Zwischen 1288 und 1298 war die Burg mehrfach umkämpft und wechselte dabei öfter den Besitzer. 1296 wurde sie fünf Monate lang belagert.1
1393 musste Friedrich von Saarwerden sie an das Kölner Domkapitel verpfänden. 1450, in der Regierungszeit Erzbischof Dietrichs von Moers, wurde sie für 17.000 Gulden dem Ritter Ludwig von Diesbach übertragen. Der Vertrag wurde bald aufgelöst, weil die Stadt Bonn ihm die zustehenden Abgaben nicht auszahlte. Diesbach starb 1452 an der Pest. Danach kam die Burg wieder an Erzbischof Dietrich von Moers. 1465 beschloss das Domkapitel, die Godesburg nie wieder zu verpfänden. Damit hörten die häufigen Besitzwechsel auf.1
Die Sprengung von 1583
Im Kölnischen oder Truchsessischen Krieg um Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg wurde die Burg 1583 belagert und gesprengt.3 Nach KuLaDig hielt eine kleine Besatzung die Anlage, die Truppen Herzog Ernsts von Bayern schlossen sie ein. Sie zündeten eine Mine, die angeblich 1.500 Kilo Schwarzpulver enthielt. Fast alle Verteidiger kamen dabei ums Leben.1
Die 178 Toten wurden in zwei Massengräbern bestattet. Nach dem KuLaDig-Text von 2013 waren diese bis dahin nicht gefunden.1
Ruine, Kapelle und preußisches Geschenk
Aufgebaut wurde die Burg danach nicht mehr.1, 3 Die Michaelskapelle in der Vorburg wurde später wiederhergestellt. Nach KuLaDig wurde sie 1660 mit finanzieller Hilfe der Godesberger Bevölkerung restauriert und ausgebaut. Die Stadt Bonn nennt dagegen einen Wiederaufbau unter Kurfürst Joseph Clemens von 1697 bis 1699, dem die Kapelle auch ihre barocke Ausstattung verdankt. Nach dieser Darstellung stand sie ursprünglich dort, wo heute der Bergfried aufragt.1, 3
Um 1715 gab es Pläne, aus der Ruine eine barocke Sommerresidenz zu machen. Den Vorzug erhielten jedoch die Residenzen in Brühl und Poppelsdorf.1
1843 erhob der preußische Staat Anspruch auf die Godesburg. Danach bekam Kaiserin Augusta von Preußen die Ruine geschenkt. Wilhelm II. übergab sie 1891 an die Gemeinde Godesberg. Verbunden waren damit Auflagen: Die Aussicht sollte erhalten bleiben, die Burg öffentlich zugänglich sein.1, 2 Nach dem KuLaDig-Text von 2013/2014 gehören Grundstücke und Ruine der Stadt Bonn.1
Gaststätte und Umbau durch Gottfried Böhm
1895 und 1896 entstand auf der Burg eine Gastwirtschaft in historisierenden Formen.1, 2 Danach wurde dort ein Restaurantbetrieb eingerichtet.2 1959 wurden diese Bauten des 19. Jahrhunderts abgerissen. Bis 1961 folgte der grundlegende Umbau zu Restaurant und Hotel.2
Die Erweiterungsbauten aus Sichtbeton und Glas stammen von Gottfried Böhm. Nach KuLaDig geben sie der Kernburg heute ein eigenes Gepräge. Die Stadt Bonn datiert den Einbau des Restaurants auf 1959/60.2, 3 Seit einem weiteren Umbau 2003 ist die Burg nach dem KuLaDig-Text von 2020 barrierefrei. Genutzt wurden die Räume damals als Restaurant und als Wohnungen.2
Im September 2012 begann die Sanierung des Bergfrieds. Sie sollte nach damaliger Planung bis Ende 2013 dauern.1 Unter dem Berg liegt ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, offenbar für mehrere hundert Menschen angelegt.1
Heutiger Zustand
Aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind Teile der Palas-Außenwand erhalten, dazu der Bergfried und der Treppenturm. Tiefer am Hang liegen Reste der Vorburg mit Tor und Michaelskapelle.2 Die Godesburg ist in der Denkmalliste der Stadt Bonn unter der Nummer A 3752 eingetragen.1
Chronik
1210 - 2012- 15. Oktober 1210GründungGrundsteinlegung durch den Kölner Erzbischof Dietrich von Hengebach2
- um 1244UmbauErweiterung um weitere Gebäude und einen freistehenden Bergfried1, 2
- 1340-1350UmbauErhöhung des Bergfrieds auf 32 Meter, Bau der Vorburg2
- 1393BesitzwechselVerpfändung an das Kölner Domkapitel1
- 1450BesitzwechselÜbertragung an Ritter Ludwig von Diesbach für 17.000 Gulden1
- 1452BesitzwechselNach dem Tod Ludwigs von Diesbach zurück an Erzbischof Dietrich von Moers1
- 1583ZerstörungBelagerung und Sprengung im Truchsessischen Krieg1, 3
- 1843BesitzwechselPreußen beansprucht die Ruine, danach Geschenk an Kaiserin Augusta1
- 1891BesitzwechselWilhelm II. übergibt die Ruine an die Gemeinde Godesberg1, 2
- 1895-1896NutzungsänderungBau einer Gastwirtschaft auf der Burg1, 2
- 1959-1961UmbauUmbau zu Restaurant und Hotel mit Erweiterungsbauten von Gottfried Böhm2
- 2003UmbauUmbau, danach barrierefrei2
- September 2012RestaurierungBeginn der Sanierung des Bergfrieds1
Besitz und Herrschaft
- 1210Erzbischöfe von Köln1, 2Bauherr Erzbischof Dietrich von Hengebach
- 1393Kölner Domkapitel1Pfandbesitz
- 1450Ritter Ludwig von Diesbach1Übertragung für 17.000 Gulden
- 1452Erzbischof Dietrich von Moers1Rückfall nach dem Tod Diesbachs
- 1843Preußischer Staat1erhob Anspruch auf die Ruine
- 1891Gemeinde Godesberg1, 2Geschenk Wilhelms II.
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Besichtigung und Anreise
Hinauf führt ein Stationsweg.2 Der Rundgang der Stadt Bonn führt von der Aennchenstraße über den Burgfriedhof und an der Michaelskapelle vorbei zur Burg. Der Bergfried war nach dieser Broschüre von 2015 für Besucher zu ersteigen. Oben reicht der Blick über das Rheintal und das Siebengebirge bis nach Bad Godesberg und Bonn.3 Aktuelle Öffnungszeiten liegen aus einer offiziellen Quelle nicht vor.
Umgebung und weitere Ziele
Nach KuLaDig (2020) öffnen die Böhm-Bauten den Blick zum Siebengebirge gegenüber.2 Dort steht rund 4 Kilometer Luftlinie entfernt Schloss Drachenburg, knapp 5 Kilometer entfernt die Ruine der Burg Drachenfels.
Weitere Anlagen in Bonn zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser in Bonn, das ganze Land die Seite Nordrhein-Westfalen.
Lage und Karte
50.6851° N · 7.1507° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Schloss Drachenburg 4,3 km
- Burg Drachenfels (Siebengebirge) 4,7 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Godesburg (Nils Wulfestieg 2013, Christoph Boddenberg 2014)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 11.10.2026
- Godesburg und Altstadt Center in Bad Godesberg (Elke Janßen-Schnabel, Ute Schumacher 2020)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 11.10.2026
- Bad Godesberg zu Fuß. Rundgang durch die historische City (Oktober 2015)Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv und Bonninformation, abgerufen am 11.10.2026
- Godesburg (historic=castle, ruins) (Kartenobjekt way/115092313)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Dickbauch · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Schloss Drachenburg: Foto: dronepicr · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons
- Burg Drachenfels (Siebengebirge): Foto: A.Savin · Free Art License 1.3 · Wikimedia Commons
- Schloss Augustusburg (Brühl): Foto: Martin Falbisoner · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Satzvey: Foto: Thomas Hummel · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons