Heidelberger Schloss
Das Heidelberger Schloss war Residenz der Kurfürsten von der Pfalz und ist heute eine berühmte Ruine. Geschichte, Großes Fass, Eintritt und Anfahrt.

Steckbrief
- Typ
- Burg
- Baustil
- Gotische Architektur, Architektur der Renaissance
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal in Deutschland
- Ort
- Heidelberg
- Kreis
- Heidelberg (Stadt)
- Bundesland
- Baden-Württemberg
- Nächste größere Stadt
- Heidelberg1,5 km
- Website
- www.schloss-heidelberg.de
- Koordinaten
- 49.41056, 8.71583
Inhalt 13 Abschnitte
- Überblick
- Burg der Pfalzgrafen bei Rhein
- Renaissancepracht: Ottheinrichsbau und Friedrichsbau
- Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg
- Der Blitz von 1764 und die Romantik
- Der Streit um den Wiederaufbau
- Was man heute sieht
- Öffnungszeiten und Eintritt
- Anfahrt und Parken
- Barrierefreiheit
- Tipps für den Besuch
- Lage und Umgebung
- Quellen
Auf halber Höhe des Königstuhls, über den Dächern der Heidelberger Altstadt, liegt eine der bekanntesten Schlossruinen Deutschlands, die zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Europas gezählt wird. Aus rotem Neckartäler Sandstein erbaut, war das Heidelberger Schloss über Jahrhunderte Residenz der Kurfürsten von der Pfalz. Kriege und ein Blitzschlag machten es zur Ruine, die Romantiker entdeckten es um 1800 neu. Wer heute hinaufsteigt, findet Prachtfassaden der Renaissance, gesprengte Türme, das riesige Große Fass und einen weiten Blick ins Neckartal.
Burg der Pfalzgrafen bei Rhein
Seit 1214 herrschten die Wittelsbacher als Pfalzgrafen bei Rhein über das Gebiet um Heidelberg. Eine Burg ist dort 1225 erstmals als "castrum in Heidelberg" belegt. Sie lag auf einer Terrasse am Nordhang des Königstuhls, dem Jettenbühl, und damit strategisch günstig über dem Neckar.
Aus der Burg wurde nach und nach ein Herrschersitz. Unter Ruprecht III., der 1400 zum römisch-deutschen König gewählt wurde, entstand der Ruprechtsbau. Im 16. Jahrhundert ließ Kurfürst Ludwig V. das Schloss mit starken Befestigungen ausbauen.
Renaissancepracht: Ottheinrichsbau und Friedrichsbau
Kurfürst Ottheinrich ließ ab 1556 einen Palastbau errichten, der bei seinem Tod 1559 noch unvollendet war. Er gilt bis heute als eines der schönsten und ältesten Bauwerke der deutschen Renaissance. Die Fassade des Ottheinrichsbaus gestaltete der Bildhauer Alexander Colin. Ihr Figurenprogramm zeigt antike Helden, römische Kaiser und christliche Tugenden, also Vorbilder und Eigenschaften, die man von einem Herrscher erwartete. Im Giebel des Mittelportals ist Ottheinrich selbst dargestellt.
Kurfürst Friedrich IV. folgte mit dem Friedrichsbau, den der Baumeister Johannes Schoch von 1601 bis 1607 auf dem Sockel eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtete. Seine Fassade zeigt eine idealisierte Ahnengalerie des kurfürstlichen Hauses, die bis auf Karl den Großen zurückgeführt wird. Im Erdgeschoss liegt die Schlosskapelle.
Unter Friedrich V. entstanden 1612 und 1613 der Englische Bau und der Schlossgarten Hortus Palatinus nach Plänen von Salomon de Caus.
Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg
Schon im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss mehrfach beschädigt. Die schwerste Zerstörung brachte aber der Pfälzische Erbfolgekrieg. Ludwig XIV. von Frankreich erhob im Namen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz Erbansprüche auf die Kurpfalz. Im September 1688 marschierten französische Truppen ohne formelle Kriegserklärung ein.
Beim Rückzug im Frühjahr 1689 setzten sie Stadt und Schloss in Brand. Am 6. September 1693 folgte die planmäßige Zerstörung: Nach Angaben der Schlösserverwaltung zündeten französische Soldaten 38 Minen mit 27.000 Pfund Pulver. Ein Turm wurde dabei zur Hälfte in den Graben gesprengt. Die Kurfürsten verlegten ihre Residenz 1720 nach Mannheim.
Der Blitz von 1764 und die Romantik
Kurfürst Carl Theodor wollte das Schloss zunächst wieder bewohnen und ließ Gebäude sichern. Am 24. Juni 1764 schlugen jedoch bei einem Gewitter zwei Blitze ein. Gläserner Saalbau und Glockenturm brannten, das Feuer griff auf Ottheinrichsbau und Friedrichsbau über. Danach war das Schloss endgültig eine Ruine. Spätestens 1778, als Carl Theodor nach München zog, waren die Wiederaufbaupläne vom Tisch.
Um 1800 wurde die Ruine neu entdeckt. Dichter wie Goethe, Hölderlin und Eichendorff sowie Maler wie William Turner und Carl Rottmann ließen sich vom Zusammenspiel aus Architektur, Wald und Neckartal inspirieren. Wesentlich für die Erhaltung war der französische Emigrant Charles de Graimberg, der die Ruine dokumentierte und sich für ihren Schutz einsetzte.
Der Streit um den Wiederaufbau
Ende des 19. Jahrhunderts stellte sich die Frage, ob man das Schloss wieder aufbauen sollte. Baden richtete 1883 ein eigenes Schlossbaubüro ein, das die Ruine vermessen ließ. Ab 1893 restaurierte der Architekt Carl Schäfer den Friedrichsbau, ersetzte Skulpturen durch Kopien und gestaltete die Innenräume mit Decken und Türen im Stil der Neorenaissance.
Daraus entwickelte sich der sogenannte Heidelberger Schlossstreit. Der Kunsthistoriker Georg Dehio prägte dabei den Grundsatz "Konservieren, nicht restaurieren". Er setzte sich durch: Die übrigen Gebäude wurden nur gesichert. Der Friedrichsbau blieb das einzige wieder ausgebaute Gebäude.
Was man heute sieht
Ohne Führung zugänglich sind mit dem Schlossticket der Schlosshof, der Altan mit Blick über Altstadt und Neckar sowie der Fassbau. Dort lagert das Große Fass, das heutige ist bereits das dritte seiner Art. Es geht auf Kurfürst Carl Theodor zurück und fasst nach Angaben der Schlösserverwaltung 220.000 Liter Wein. Über eine Treppe gelangt man auf eine Plattform über dem Fass. Eine bemalte Holzfigur erinnert an Perkeo, einen Hofnarren aus Südtirol, den Kurfürst Carl Philipp im frühen 18. Jahrhundert nach Heidelberg holte und der für seine Trinkfestigkeit berühmt war.
Im Ottheinrichsbau befindet sich seit 1958 das Deutsche Apotheken-Museum, das im Schlossticket enthalten ist. Die Innenräume des Schlosses sind nur mit Führung zu sehen. Dazu gehören die von Carl Schäfer gestalteten Räume im Friedrichsbau. Die Schlosskapelle mit Logen und Altar aus dem 18. Jahrhundert kann für Trauungen gebucht werden. Der Schlossgarten ist tagsüber frei zugänglich.
Öffnungszeiten und Eintritt
| Schlosshof, Altan, Fasskeller | täglich 9-18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr |
| Schlosskasse | täglich 9-17:15 Uhr |
| Deutsches Apotheken-Museum | 1. April bis 5. Januar 10-18 Uhr, 6. Januar bis 31. März 10-17:30 Uhr |
| 24. und 31. Dezember | 9-14 Uhr |
| 25. Dezember | geschlossen |
| 1. Januar | 11-18 Uhr |
| Schlossticket | 11 €, ermäßigt 5,50 € |
| Schlossführung (zusätzlich) | 6 €, ermäßigt 3 €, Familien 15 € |
| Audioguide (zusätzlich) | 6 € |
Das Schlossticket umfasst die Hin- und Rückfahrt mit der Bergbahn, den Schlosshof, das Große Fass und das Apotheken-Museum. Die klassische Schlossführung dauert 60 Minuten und findet mehrmals täglich statt, auch auf Englisch. Der Audioguide ist in acht Sprachen erhältlich.
Anfahrt und Parken
Die Adresse lautet Schlosshof 1, 69117 Heidelberg. Direkt bis zum Schloss fahren kann man nicht. Mit dem Auto geht es über die Neue Schlossstraße zu öffentlichen, gebührenpflichtigen Parkplätzen mit über 100 Stellplätzen, etwa 500 Meter vom Schloss entfernt.
Vom Hauptbahnhof fahren die Buslinien 36 und 20 zur Haltestelle Rathaus/Bergbahn. Von der Station Kornmarkt fährt die Bergbahn hinauf, alternativ führt der Burgweg links der Bergbahn zu Fuß zum Schlosshof.
Barrierefreiheit
Der Schlosshof ist mit grobem Kopfsteinpflaster belegt und mit Rollstuhl oder Rollator nur beschwerlich befahrbar. Mit dem Rollstuhl zugänglich sind Königssaal, Schlosskapelle, Gläserner Saalbau, Ottheinrichsbau und das Erdgeschoss des Ruprechtsbaus. Im Besucherzentrum stehen zwei Rollstühle zur Ausleihe und barrierefreie Toiletten bereit. Zwei Behindertenparkplätze liegen etwa 100 Meter vom Besucherzentrum entfernt nahe der Bergbahnstation Schloss. Es gibt Inklusionsführungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Hör- oder Sehbehinderung sowie in einfacher Sprache.
Tipps für den Besuch
- Bergbahn nutzen: Die Fahrt ist im Schlossticket bereits enthalten und erspart den steilen Aufstieg.
- Führung buchen: Nur so sieht man die Innenräume des Friedrichsbaus.
- Aussicht: Vom Altan reicht der Blick über die Altstadt bis ins Neckartal.
- Sommerhitze: Die Räume sind nicht klimatisiert und können an heißen Tagen etwa 30 Grad erreichen.
- Hunde: Im Garten sind Hunde an der Leine erlaubt, in den Innenräumen nur Assistenzhunde.
Lage und Umgebung
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Quellen
Stand 09/2026Quellen der Redaktion
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- schloss-heidelberg.de/en/visitor-experience/castle-garden/buildings/the-barrel-building
- de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Schloss
- de.wikipedia.org/wiki/Ottheinrichsbau
- schloss-heidelberg.de/tagen-feiern/privatkunden/heiraten-in-schloss-heidelberg
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Bildnachweis Titelbild: Foto: Pumuckel42 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Schloss Lichtenstein: Foto: -donald- · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Hohenzollern: Foto: A. Kniesel (= User:-donald-), Lauffen · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

