Burgenführer
Burgruine · Hattingen · Nordrhein-Westfalen

Isenburg (Hattingen)

Burgruine im Süden von Hattingen: Stammburg der Grafen von Isenberg, vermutlich nach 1193 begonnen, nach dem Tod Erzbischof Engelberts 1225/26 zerstört.

51.3875° N · 7.1522° E
Isenburg (Hattingen)
Isenburg (Hattingen)Foto: André Schäfer · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine1Ruine mit späteren Bauten
Baubeginn
nach 11931
Ort
Hattingen1, 2
Betreiber
Verein zur Erhaltung der Isenburg e.V.1, 2
Koordinaten
51.3875, 7.15222
Inhalt 14 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung: eine neue Stammburg an der Ruhr
  3. Der Überfall bei Gevelsberg und die Zerstörung
  4. Landhaus, Steinbruch und Freilichtbühne
  5. Ausgrabung ab 1969
  6. Chronik
  7. Architektur und Aufbau
  8. Besonderheiten
  9. Heutiger Zustand
  10. Besichtigung
  11. Anreise
  12. Umgebung und weitere Ziele
  13. Lage und Karte
  14. Quellen
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 20263 Quellen

Auf einem schmalen Bergsporn im Süden von Hattingen, über einer Schleife der Ruhr, liegen die Reste der Isenburg. In der Fachliteratur heißt sie auch Burg Isenberg. Der Bau dieser neuen Stammburg der Isenberger begann vermutlich nach 1193. Nach dem Tod des Kölner Erzbischofs Engelbert 1225 wurde sie zerstört. Heute betreut der Verein zur Erhaltung der Isenburg die freigelegten Mauern und ein kleines Museum im Haus Custodis.1, 2

Geschichte

Entstehung: eine neue Stammburg an der Ruhr

Die Grafen von Altena zählt das Heft der Altertumskommission für Westfalen zu den bedeutendsten Hochadelsfamilien Westfalens am Ende des 12. Jahrhunderts. Im letzten Viertel des Jahrhunderts wurde ihr Besitz unter zwei Söhnen geteilt. Der jüngere Bruder Friedrich bekam die Burg Mark nahe der Lippe. Der Anteil des älteren, Arnold, reichte vom Oberlauf von Wipper und Volme bis an den Südrand des Teutoburger Waldes und zum Niederrhein.1

Vermutlich nach 1193 begann auf dem Isenberg der Bau einer neuen Stammburg, wohl als vollständiger Neubau. Als möglichen Grund für den Standort nennt das Heft eine Furt am Fuß des Bergs. Wichtiger war nach dem Heft offenbar die Nähe zu den geistlichen Gemeinschaften in Werden, Rellinghausen und besonders Essen. Der Berg reicht vom Deilbachtal im Süden bis an die Ruhr im Norden.1

Graf Arnold und sein ältester Sohn starben früh und erlebten die Fertigstellung nicht mehr. Um 1209 trat wohl Arnolds jüngerer Sohn Friedrich das Erbe an. Er war mit einer Tochter des Herzogs von Limburg an der Vesdre verheiratet. Um 1216/17 konnte das Paar in die neue Burg einziehen.1

Der Überfall bei Gevelsberg und die Zerstörung

Am 7. November 1225 wurde Erzbischof Engelbert von Köln in einem Hohlweg bei Gevelsberg überfallen. Nach dem Heft war der Überfall wohl der Versuch, den Erzbischof gefangen zu nehmen. Das misslang, Engelbert kam dabei ums Leben. Eine im Heft zitierte Quelle spricht dagegen von Mord durch seinen Verwandten, den Grafen von Isenberg. Friedrich wurde als Haupttäter angeklagt, der König verhängte die Acht über ihn. Ein Jahr darauf geriet er in Gefangenschaft und wurde in Köln hingerichtet.1

Die Besatzung der Isenburg hatte keine Aussicht auf Hilfe. Sie übergab die Burg, die als uneinnehmbar galt, wahrscheinlich ohne Kampf. Bei den Grabungen fanden sich keine Spuren von Kämpfen. Im Rachefeldzug des neuen Erzbischofs und seiner Verbündeten wurde die Anlage 1225/26 gründlich zerstört.1

Dazu schlitzte man den Fuß der Mauern auf und höhlte das Füllmauerwerk aus. Holzstempel stützten die Hohlräume, dann wurden sie angezündet, bis die Mauern umfielen. Aufgebaut wurde die Burg nicht wieder, die neue märkische Burg Blankenstein in Sichtweite sorgte dafür.1

Friedrichs Sohn Dietrich ließ um 1240 mit Hilfe von Verwandten flussabwärts eine Neue Isenburg errichten, heute auf Essener Stadtgebiet. Auch sie kam bald an den Erzbischof und wurde 1288 zerstört. Die späteren Generationen der Familie nannten sich nach ihrer neuen Stammburg Limburg.1

Landhaus, Steinbruch und Freilichtbühne

Im 18. Jahrhundert verpachtete der preußische Staat das bewaldete Areal. Später kam es an einen Fabrikanten, der den Berg aufteilte und die Parzellen einzeln verkaufte. Den Burgteil erwarb ein Landwirt, der die Ruine als Steinbruch nutzte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Josef Custodis, Hofbaumeister in Düsseldorf, auf den Mauerresten ein Landhaus. Darin entstand bald ein Ausflugslokal.1

Etwa zur selben Zeit wuchs an der Ostseite des Bergs ein Steinbruch. Insgesamt ging durch ihn rund ein Drittel der Burgfläche verloren. 1933/34 sprengte man einen Teil der südlichen Grabenwand, um Platz für eine große Freilichtbühne zu schaffen. Nachdem der Steinbruch stillgelegt war, kaufte die Gemeinde 1937 das Gelände.1

Ausgrabung ab 1969

Archäologisch untersucht wurde die Burg erst ab 1969. Damals legte Heinrich Eversberg, Gymnasiallehrer in Hattingen und Kreisheimatpfleger, mit Schülern erste Mauern frei. Mehr als 20 Jahre lang wurde die Anlage ehrenamtlich Stück für Stück ausgegraben. Einige Mauern wurden dabei bis zu einer gewissen Höhe neu aufgemauert.1

Chronik

1193 - 1969
  1. nach 1193BaubeginnBaubeginn der neuen Stammburg auf dem Isenberg, vermutlich bald nach 11931
  2. um 1209BesitzwechselGraf Friedrich von Isenberg tritt wohl das Erbe seines Vaters Arnold an1
  3. um 1216-1217NutzungsänderungFriedrich und seine Frau beziehen die Burg1
  4. 1225-1226ZerstörungNach dem Tod Erzbischof Engelberts von Köln übergeben und gründlich zerstört1
  5. nach 1850UmbauJosef Custodis baut auf den Ruinen ein Landhaus, darin bald ein Ausflugslokal1
  6. 1933-1934NutzungsänderungTeile der südlichen Grabenwand für eine Freilichtbühne gesprengt1
  7. 1937BesitzwechselDie Gemeinde erwirbt das Gelände nach dem Ende des Steinbruchs1
  8. 1969RestaurierungBeginn der ehrenamtlichen Ausgrabung unter Heinrich Eversberg, mehr als 20 Jahre1

Besitz und Herrschaft

  • um 1209Graf Friedrich von Isenberg1Erbe, wohl um 1209 angetreten; nach dem Tod Erzbischof Engelberts geächtet

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Architektur und Aufbau

Die Burg war fast 250 Meter lang und bedeckte beinahe einen Hektar. Sie bestand aus einer Vorburg und einer Hauptburg von etwa gleicher Länge. Gebaut wurden die Mauern überwiegend aus dem Sandstein des Bergs, in zweischaliger Technik. Die Ringmauer der Vorburg war im Westen etwa 1,20 bis 1,30 Meter stark, im Osten 1,50 Meter.1

Im Norden der Hauptburg lag eine Dreiflügelanlage um einen schmalen Innenhof. Einen der Bauten deutet das Heft vermutungsweise als Burgkapelle. Am Südende umschloss die Ringmauer den Sockel des Hauptturms, der mit 20 Metern Breite fast den ganzen Sporn ausfüllte. Seine mittelalterliche Höhe ist unbekannt, nach dem Heft könnten es 30 Meter und mehr gewesen sein.1

Ein Brunnen in der Hauptburg muss bis unter die Sohle des Grabens gereicht haben. Dieser Graben ist bis heute erhalten, bis zu 11,50 Meter tief und etwa 16 Meter breit.1

Besonderheiten

  • Haus Custodis: Das Museum zeigt nach Angaben der Stadt die Geschichte der Burg im 12. und 13. Jahrhundert, eine Rekonstruktion der Burganlage und ein Faksimile der Urkunde mit der ersten Nennung der Burg.2
  • Funde: Eine Auswahl der Grabungsfunde ist im Haus Custodis ausgestellt. Waffen kamen kaum zutage, nur einige Geschossspitzen.1

Heutiger Zustand

Zu sehen sind die ausgegrabenen und teils neu aufgemauerten Mauern von Vor- und Hauptburg mit Kellern, Treppen und Nischen sowie das Haus Custodis auf den Ruinen.1, 2 Nach dem Heft der Altertumskommission sind die Ruine und Teile ihrer Umgebung eingetragene Denkmäler. Trümmer der Burg liegen noch verstreut an den Hängen des Isenbergs.1

Besuch

Besichtigung

Öffentliche Führungen über das Burggelände gibt der Verein nach Angaben der Stadt Hattingen auf seiner Internetseite bekannt. Einzelführungen lassen sich telefonisch vereinbaren.2

Anreise

Eine öffentliche Zufahrt zur Ruine gibt es nach dem Heft der Altertumskommission (2009) nicht. Es beschreibt einen Parkplatz am Fuß des Bergs an der Nierenhofer Straße (L 924), die von der Hattinger Ortsmitte Richtung Velbert führt. Er liegt noch vor der Einmündung der Tippelstraße. Von dort geht es zu Fuß über den Weg "Am Isenberg" hinauf.1

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 7 Kilometer Luftlinie entfernt liegt das Haus Kemnade, ebenfalls in Hattingen. Die Neue Isenburg in Essen-Bredeney ist rund 9 Kilometer Luftlinie entfernt, etwa 11 Kilometer sind es zur Burg Hardenstein.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Ennepe-Ruhr-Kreis, das ganze Land die Seite Nordrhein-Westfalen.

Lage und Karte

51.3875° N · 7.1522° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Stefan Leenen: Die Burg Isenberg in Hattingen, Ennepe-Ruhr-Kreis (Frühe Burgen in Westfalen 25, 2. Auflage 2009)Altertumskommission für Westfalen, LWL, abgerufen am 11.10.2026
  2. Haus CustodisStadt Hattingen, abgerufen am 11.10.2026
  3. Burg Isenberg (Isenburg) (historic=archaeological_site, leisure=park) (Kartenobjekt way/23955136)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: André Schäfer · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

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