Schloss Altdöbern
Barockschloss mit Renaissancekern und Rokoko-Ausstattung südlich des Spreewalds, nach langem Verfall seit 1996 von der Brandenburgischen Schlösser GmbH gerettet.

Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 13771
- Baubeginn
- um 1577-15791
- Baustil
- Barock, Rokoko, Historismus1
- Denkmalstatus
- Denkmal (Schlossanlage, ID 09120002)1
- Bundesland
- Brandenburg
- Website
- schloesser-gmbh.de3
- Koordinaten
- 51.6536, 14.0353
Inhalt 18 Abschnitte
- Überblick
- Von der Burg zum Renaissancebau
- Barockschloss für General von Eickstedt
- Rokoko für Heineken
- Historismus unter Graf Witzleben
- Garbáty, Caritas und Verfall
- Rettung nach der Wende
- Chronik
- Architektur und Ausstattung
- Park und Nebengebäude
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung
- Anreise
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Am nordöstlichen Ortsrand von Altdöbern, südlich des Spreewalds im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, liegt eine ausgedehnte Schlossanlage mit dreiflügeligem Herrenhaus.1, 2 Dazu gehören zwei Kavaliershäuser an der Zufahrt, Marstall, Reithalle, Orangerie, ein früherer Gutshof und ein Park, dessen Fläche die Eigentümerin mit 60 Hektar angibt.1, 3 Im Kern steckt ein Renaissancebau, innen prägt ihn die Ausstattung des sächsischen Rokoko, außen der Umbau der 1880er-Jahre.1, 2 Seit 1996 gehört das Schloss der Brandenburgischen Schlösser GmbH, die es nach langem Leerstand schrittweise instand setzt.2, 3
Von der Burg zum Renaissancebau
Schon im 12. Jahrhundert stand hier nach dem Dehio wohl eine Burg. Für 1377 ist ein Schloss mit Garten überliefert, Besitzer war ein Walter von Köckritz.1 Das Erfassungsprojekt Lausitz des Landesdenkmalamts nennt für dasselbe Jahr die erste Erwähnung einer Wasserburg.5
Das heutige Herrenhaus geht auf einen Neubau der Renaissance zurück. Hans von Dieskau ließ ihn anstelle älterer Gebäude errichten, die Hölzer sind auf 1577/79 datiert. Unter dem Fundament fanden sich Eichenbalken aus der Zeit um 1446. Umgeben war der Bau wohl von einem breiten Wassergraben.1
Barockschloss für General von Eickstedt
Im frühen 18. Jahrhundert entstand daraus ein Barockschloss. Umgebaut wurde es für den sächsischen General Alexander Dietrich von Eickstedt. Nach dem Dehio entstand dabei nach 1712 bis etwa 1720 ein zweigeschossiger Putzbau mit hohem Mansardwalmdach.1 Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz datiert den Bau auf 1717 und beschreibt dazu einen barocken Park mit Wasserkanälen und Bosketts.2 Das Amt Altdöbern bezeichnet das Schloss als Ruhesitz des Generals.7 Pläne der barocken Gärten von etwa 1720 und 1756 sind erhalten.1
Rokoko für Heineken
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts folgte die prächtigste Phase. Bauherr war Carl Heinrich von Heineken, Intendant des sächsischen Ministers Graf Brühl und Leiter des Dresdner Kupferstichkabinetts. Der Dehio lässt den Umbau 1748 beginnen, die Denkmaldatenbank datiert ihn auf 1749-1752.1
Heineken ließ ein zweites Obergeschoss aufsetzen, die Fassaden erhielten eine aufgemalte Gliederung. Für die Ausmalung der Räume und die Skulpturen im vergrößerten Park holte er Künstler aus Dresden.2 Nach dem Dehio wirkten vermutlich J. Chr. Knöffel und zahlreiche Dresdner Hofkünstler mit.1 Nach dem Amt Altdöbern wuchs der Park auf das Sechsfache.7
Historismus unter Graf Witzleben
Sein heutiges Äußeres erhielt das Schloss unter Graf Heinrich von Witzleben. Nach Entwürfen des Berliner Büros Kayser & von Großheim von 1881-1883 wurde es neubarock umgestaltet, auch das Dach änderte sich.1 Zum Garten hin setzte man den Flügeln schlanke Türme an. Die Eingangsseite verkleidete man mit plastisch gegliedertem Sandstein.1 Beide Bauherren sind dort mit ihren Wappen vertreten: Witzleben oben am Traufgesims, Heineken mit seiner älteren Kartusche an der offenen Vorhalle.1
Ab 1887 entstand ein neuromanischer Anbau mit Rundturm. Den Entwurf lieferte Witzlebens Frau, Prinzessin Marie Reuß zu Köstritz, gebaut hat ihn Baumeister H. Nicolai. Als Ende nennt der Dehio 1892, der Datensatz der Denkmaldatenbank 1890.1 Aus derselben Zeit stammen der Marstall von 1882, ebenfalls von Kayser & von Großheim, und die Orangerie.1
Den Garten ließ Witzleben ab 1880 von Eduard Petzold in einen Landschaftspark verwandeln, der die angrenzende Landschaft einbezog.1, 5 Das Amt Altdöbern nennt Petzold einen Schüler des Fürsten Pückler.7
Garbáty, Caritas und Verfall
Von 1917 bis 1938 war Altdöbern der Sommersitz des Berliner Zigarettenfabrikanten Eugen Garbáty.5
1945 kam es zu Plünderungen, danach verwilderte der Park.2 Katholische Ordensschwestern übernahmen das Haus im Frühjahr 1946 als Pächterinnen. Neben einer Kapelle entstand ein Heim für Flüchtlinge namens Maria Rast, ab 1947 unter der Bezeichnung Caritasheim.6 Bis 1974 diente das Haus der Caritas als Kinder- und Altenheim, dann lief die Pacht aus. Danach verfiel die Anlage, weil sie leer stand.5, 6
In den 1980er-Jahren rückte der Tagebau Greifenhain bis unmittelbar an Schloss und Park heran. Mit dem Grundwasser sanken die Torfböden ab, Wurzeln alter Bäume lagen frei.5 Der Dehio beschrieb den Landschaftspark 2012 als durch den Tagebau stark beeinträchtigt.1 Zur Wende hatte nach Angaben der Stiftung Denkmalschutz Echter Hausschwamm fast das ganze Gebäude befallen. Wasser lief an den Wandmalereien herab.2
Rettung nach der Wende
Die Stiftung Denkmalschutz und das Land Brandenburg gründeten gemeinsam die Brandenburgische Schlösser GmbH. Sie kann bedrohte Schlösser zur Sicherung auch selbst übernehmen.2, 4 Ab 1995 stellten Stiftung und Gesellschaft Geld für die Instandsetzung bereit, 1996 ging das Schloss in das Eigentum der Gesellschaft über.2, 3 Die Restaurierung begann nach dem Dehio 1998.1
Nach dem Ende des Tagebaus stieg das Grundwasser wieder. Weil dadurch die alten Bohlenfundamente in Gefahr gerieten, wurde das ganze Gebäude 2008/2009 mit einer 50 Zentimeter starken Betonplatte unterfangen. Träger war die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV, die schon in den 1990er-Jahren beschädigte Gartenteile wiederhergestellt hatte.5, 7
Seit 2009 ist die Anlage Einsatzstelle der Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege, eines Projekts der Stiftung Denkmalschutz.3, 5 Junge Freiwillige lernen hier die Pflege historischer Parks.2 Für eine feste Einsatzstelle baute die Eigentümerin von 2018 bis 2021 die beiden südlichen Wirtschaftsgebäude des Gutshofs um.3
Chronik
1377 - 2018- 1377ErsterwähnungErste Nennung, als Schloss mit Garten im Besitz Walters von Köckritz1
- um 1577-1579BaubeginnRenaissancebau unter Hans von Dieskau, Hölzer dendrochronologisch datiert1
- um 1717UmbauBarocker Umbau für General Alexander Dietrich von Eickstedt1, 2
- um 1750UmbauAusbau und Rokoko-Ausstattung für Carl Heinrich von Heineken, zweites Obergeschoss1, 2
- 1880-1882UmbauLandschaftspark nach Entwürfen von Eduard Petzold1
- 1881-1883UmbauNeubarocke Umgestaltung des Äußeren nach Entwürfen von Kayser & von Großheim1
- ab 1887UmbauNeuromanischer Anbau mit Rundturm, Entwurf Marie Reuß zu Köstritz1
- 1917-1938NutzungsänderungSommersitz des Berliner Zigarettenfabrikanten Eugen Garbáty5
- 1946NutzungsänderungOrdensschwestern pachten das Schloss, Flüchtlingsheim Maria Rast, ab 1947 Caritasheim6
- 1974NutzungsänderungEnde der Pacht, danach Leerstand und Verfall5, 6
- 1996BesitzwechselDie Brandenburgische Schlösser GmbH übernimmt das Schloss3, 7
- ab 1998RestaurierungBeginn der Restaurierung1
- 2008-2009RestaurierungUnterfangung des Gebäudes mit einer Betonplatte gegen das steigende Grundwasser5
- 2009NutzungsänderungEinsatzstelle der Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege5
- 2018-2021RestaurierungUmbau der südlichen Wirtschaftsgebäude des Gutshofs für die Jugendbauhütte3
- 24. Februar 2018NutzungsänderungAufnahme des Schlossparks in den Europäischen Parkverbund Lausitz7
Besitz und Herrschaft
- 1377Walter von Köckritz1Besitzer des Schlosses mit Garten
- 1880Heinrich von Witzleben5Schlossbesitzer, Bauherr des historistischen Umbaus
- seit 1996Brandenburgische Schlösser GmbH3, 7Eigentümerin
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Ausstattung
Das Herrenhaus ist eine dreigeschossige Dreiflügelanlage unter einem Mansarddach, die Flügel weisen zum Garten.1 Die Stiftung Denkmalschutz zählt 50 Räume.2 Im Inneren blieb die Raumfolge der Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend bestehen, die Anbauten des späten 19. Jahrhunderts haben sie jedoch stark gestört.1
Im Vestibül, das nicht in der Mittelachse liegt, sind unter dem Kreuzgratgewölbe noch Strukturen des Renaissancebaus zu erkennen. Ausgemalt ist es wie ein Gartensaal, mit Putten, grau in grau gemalten Allegorien und farbigen Blumengehängen.1 Eine dreiläufige Treppe mit Rokokogitter führt nach oben. Ihre Wände zeigen gemalte Architektur, Blicke in den Park und Büsten, signiert 1750 von J. Krinner. Das stark übermalte Deckenbild "Allegorie der Nacht" stammt wohl von F. X. K. Palko.1
Als Höhepunkt gilt dem Dehio der Große Saal im Ostflügel. Seine Wände sind mit Stuckmarmor in der Art Knöffels verkleidet. Sechs ovale Medaillons von P. Coudray zeigen Putten als Jahreszeiten oder Elemente.1 Über dem Kamin hing früher ein Bildnis des Grafen Brühl, das sich nach dem Dehio heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet.1
Park und Nebengebäude
Die Nebengebäude stammen aus zwei Epochen. Barock sind die beiden Kavaliershäuser mit Mansarddächern, die den weiten Vorhof flankieren, den sogenannten Premier Cour.1 Aus der Zeit Witzlebens stammen westlich des Schlosses im Park der Marstall und die Reithalle sowie die Orangerie von um 1890/95. Diese ist ein verputzter Ziegelbau mit Zinnen, die Konstruktion ihres Gewächshauses ist aus Puddeleisen.1 Der frühere Gutshof mit Scheunen des 18. und 19. Jahrhunderts ist stark verändert.1
Vom barocken Garten ist östlich des Schlosses der Französische Garten mit großem Wasserbecken und Springbrunnen erhalten, axial darauf ausgerichtet der Neptunbrunnen. Auf der Westseite liegt das Heckentheater.1 Die meisten Sandsteinfiguren kamen wohl um 1750/60 aus den Werkstätten von G. Knöffler und Coudray, etwa Bacchus, Hygeia, Apoll und ein 1755 datierter Amor. Die acht Putten auf der Westterrasse sollen um 1720 entstanden sein.1 Zum Park gehört nach Angaben der Eigentümerin auch der 13 Hektar große Salzteich.3
Besonderheiten
- Neptunbrunnen: Vier Muschelschalen staffeln sich in einer halbrunden Anlage übereinander, oben steht Neptun, seitlich sitzen Kindergruppen auf Delphinen.1
- Datierte Hölzer: Die Hölzer des Renaissancebaus und des Springbrunnens im Französischen Garten wurden dendrochronologisch untersucht, der Brunnen auf 1748.1
- Parkverbund: Seit Februar 2018 gehört der Schlosspark zum Europäischen Parkverbund Lausitz, dem auch die Pückler-Parks in Bad Muskau und Branitz angehören.7
Heutiger Zustand
Die Eigentümerin beschreibt das Ensemble als in seiner Grundstruktur nahezu unverändert erhalten.3 Für das Schloss mit 3.290 Quadratmetern Nutzfläche hält sie etwa Tagungen, Seminare, ein Hotel oder eine Akademie für denkbar.3 Die Parkskulpturen werden seit einigen Jahren nach und nach restauriert. Im Oktober 2026 bat die Gesellschaft um Spenden, um zwei Vasen im Französischen Garten über den Winter einzuhausen.8
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Der Schlosspark ist öffentlich zugänglich, die Brandenburgische Schlösser GmbH hält die Parks aller ihrer Anlagen für Besucher offen.3, 4 Das Schloss selbst ist Schauplatz von Ausstellungen. Nach Angaben des Amtes Altdöbern zeigt der 31. ROHKUNSTBAU dort vom 13. Juni bis 1. November 2026 Werke von 16 Künstlerinnen und Künstlern.9 Geöffnet ist freitags bis sonntags, Zutritt nur mit Ticket, das online oder vor Ort erhältlich ist.9
Anreise
Die Anschrift lautet Am Park, 03229 Altdöbern. Der Ort liegt zwischen Calau und Großräschen, bis zur Anschlussstelle der A 13 Berlin-Dresden sind es nach Angaben der Eigentümerin 7 Kilometer.3
Umgebung und weitere Ziele
Rund 25 Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schloss Branitz mit dem Park des Fürsten Pückler. Beide Parks gehören zum Europäischen Parkverbund Lausitz.7 Etwa 59 Kilometer sind es bis zur Burg Beeskow.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, das ganze Land die Seite Brandenburg.
Lage und Karte
51.6536° N · 14.0353° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Dehio Brandenburg 2012, S. 5 ff., über BLDAM-Denkmaldatenbank 09120002 (Schlossanlage)Dehio-Handbuch Brandenburg; Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss und Park AltdöbernDeutsche Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss in AltdöbernBrandenburgische Schlösser GmbH, abgerufen am 19.10.2026
- Über unsBrandenburgische Schlösser GmbH, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss und Schlosspark Altdöbern (Erfassungsprojekt Lausitz, BLDAM 2023)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland; Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 19.10.2026
- Kath. Kirche St. Maria, Hilfe der Christen (Erfassungsprojekt Lausitz, BLDAM 2023)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland; Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss und Park AltdöbernAmt Altdöbern, abgerufen am 19.10.2026
- Spendenaufruf: Winterschutz für die Skulpturen im Schlosspark Altdöbern (13.10.2026)Amt Altdöbern, abgerufen am 19.10.2026
- ROHKUNSTBAUAmt Altdöbern, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss Altdöbern (Kartenobjekt way/251318650)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
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Schloss · 22,6 kmSchloss Finsterwalde
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Schloss · 34,1 kmSchloss Doberlug
Burg · 59,4 kmBurg Beeskow
Bildnachweise
- Schloss Finsterwalde: Foto: Falk2 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Branitz: Foto: Jörg Blobelt · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Doberlug: Foto: A.Savin · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Beeskow: Foto: Michielverbeek · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons