Burgenführer
Schloss · Finsterwalde · Brandenburg

Schloss Finsterwalde

Renaissanceschloss der Herren von Dieskau mit Vorder- und Hinterschloss am Rand der Altstadt, seit 1885 Sitz der Stadtverwaltung.

51.6282° N · 13.7101° E
Schloss Finsterwalde
Schloss FinsterwaldeFoto: Falk2 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Schloss1vollständig erhalten
Erste Erwähnung
13011, 2
Gründung
nach 12001
Baustil
Renaissance1, 2
Denkmalstatus
Denkmal (Schlossanlage, ID 09135088)1
Ort
Finsterwalde1, 3
Bundesland
Brandenburg
Betreiber
Stadt Finsterwalde (Stadtverwaltung)3, 5
Koordinaten
51.6282, 13.7101
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Von der Wasserburg zum Lehen der Maltitz
  3. Der Renaissancebau der Dieskau
  4. Amtssitz, Tuchfabrik, Stadtverwaltung
  5. Sanierung
  6. Vorderschloss und Hinterschloss
  7. Chronik
  8. Besonderheiten
  9. Heute: Rathaus der Stadt
  10. Umgebung und weitere Ziele
  11. Lage und Karte
  12. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 20266 Quellen

Am Südrand der Altstadt von Finsterwalde im Landkreis Elbe-Elster steht ein Schloss aus zwei deutlich getrennten Teilen. Im Norden liegt das Vorderschloss, ein lang gezogener ehemaliger Wirtschaftshof. Dahinter folgt das Hinterschloss, ein Hauptbau mit vier Flügeln um einen fast quadratischen Hof.1, 2 Seine Gestalt erhielt der Komplex vor allem im 16. Jahrhundert unter den Herren von Dieskau.1, 2 Heute ist das Schloss Sitz der Stadtverwaltung.1, 3

Geschichte

Von der Wasserburg zum Lehen der Maltitz

Der Dehio vermutet, dass die Anlage bald nach 1200 als Wasserburg gegründet wurde. Erstmals genannt wird sie 1301.1 Für dasselbe Jahr belegt das Handbuch der Residenzstädte Markt und Burg nebeneinander. Die Burg entstand demnach beim Landesausbau und hatte wohl keinen slawischen Vorgängerbau.2

Als früheste belegte Besitzer nennt das Handbuch die Ministerialen von Landsberg, ab 1282 bis vor 1324.2 Die Stadt Finsterwalde führt aus einer Urkunde von 1282 einen "Dominus Heinemanus de Vynsterwalde" als ersten Burgherrn an.3 Danach wechselten die Herren mehrfach in kurzer Folge. Nach einer Überlieferung, die die Stadt wiedergibt, soll im 14./15. Jahrhundert ein Raubritter namens von Gorenzen auf der Burg gesessen haben.2, 3

1425 verkaufte die Familie Pack Stadt und Schloss an Herzog Friedrich IV. von Sachsen. Die sächsischen Landesherren vergaben die Herrschaft danach als erbliches Lehen: 1425 zum Teil und 1437 ganz an die Familie von Maltitz, 1519 bis 1532 an die Minkwitz-Drehna.2 Unter Heinrich I. von Maltitz rechnet das Handbuch wohl schon vor 1437 mit ersten größeren Bauarbeiten. Die Denkmaldatenbank nennt Heinrich und Christoph von Maltitz als Bauherren.1, 2

Der Renaissancebau der Dieskau

Wann die Dieskau die Herrschaft übernahmen, wird verschieden angegeben. Der Dehio nennt 1531, das Handbuch und die Stadt nennen 1533.1, 2, 3 Als Residenzstadt dieser sächsischen Adelsfamilie sieht das Handbuch Finsterwalde von 1533 bis 1625. Vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ließ sie Schloss und Stadtkirche ausbauen.2

Der Dehio beschreibt einen großzügigen Neubau in Renaissanceformen. Er trat an die Stelle der mittelalterlichen Burg oder bezog Teile von ihr ein. Möglicherweise wirkte der Dresdner Baumeister M. Piger mit.1 Die Vorburg, das spätere Vorderschloss, wurde wohl Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts an drei Seiten bebaut.1

Bei der Bauzeit liegen die Quellen sechs Jahre auseinander. Der Dehio und die Denkmaldatenbank datieren den Neubau auf 1559 bis 1597.1 Das Handbuch setzt die wichtigste Bauzeit unter Otto II. von Dieskau auf 1553 bis 1597. Die Stadt nennt einen Otto von Dieskau als Schlossherrn derselben Jahre.2, 3

Das Jahr 1553 ist zugleich das Todesjahr eines älteren Otto von Dieskau. Die Allgemeine Deutsche Biographie nennt ihn Ritter auf Finsterwalde und sächsischen Kriegsobersten. Er starb an Wunden, die er am 9. Juli 1553 bei Sievershausen erhalten hatte.4 Ein Gedenkbild für den Feldoberst von 1553 zeigt nach dem Handbuch Schloss und Kirche.2

Amtssitz, Tuchfabrik, Stadtverwaltung

Kurfürst Johann Georg I. kaufte die Herrschaft von den Dieskau zurück, 1625 und endgültig 1635. Er machte daraus ein Amt, dessen Amtmann im Schloss saß.2 Ab 1657 gehörte das Amt zur Nebenlinie Sachsen-Merseburg. Nach deren Aussterben 1738 fiel es an die sächsische Kurlinie zurück.2 1815 kam Finsterwalde mit der Niederlausitz an Preußen, das Schloss wurde preußischer Gutsbezirk.1, 2

Im 19. Jahrhundert wurde in der Anlage eine Tuchfabrik eingerichtet. Welcher Teil betroffen war, schildern die Quellen verschieden. Nach dem Dehio baute man das Hinterschloss zur Fabrik um.1 Das Planungsbüro der jüngsten Sanierung nennt dagegen 1830 das Vorderschloss als Fabrik und das Hinterschloss als Wohnsitz des Fabrikanten.5

Das Vorderschloss nutzte später das Amtsgericht, 1885 zog die Stadtverwaltung ein.1, 3 1925 wurde der Nordteil seines Ostflügels für die Feuerwehr neu gebaut.1 1919 ging das Hinterschloss in städtische Hand über. Bis 1929 folgte eine umfassende Instandsetzung. Den großen Rittersaal im Obergeschoss des Westflügels richtete man 1919-21 als Sitzungssaal ein.1

Sanierung

Für die jüngere Restaurierung nennt der Dehio die Jahre 1991-2011.1 Die Stadt spricht von einer Sanierung mit Mitteln der Städtebauförderung, die in den 1990er-Jahren begann und bis 2020 dauerte.3 Das Büro Krekeler Architekten plante von 2005 bis 2019 eine Gesamtsanierung. Damit die Verwaltung weiterarbeiten konnte, lief sie in zehn Abschnitten.5

Dazu gehörten die Sicherung historischer Befunde an Wänden und Decken und die Erneuerung des Stadtverordnetensaals. Eine frühere Feuerwehrhalle wurde zum Bürgerbüro, die Innenhöfe erhielten eine neue Gestaltung, die Schlossbrücke wurde neu gebaut.5 Am Hinterschloss sind die Volutengiebel der Eingangsfront nach Befunden rekonstruiert. Im Ostflügel wurden die vermauerten Arkaden des Erdgeschosses teilweise wieder geöffnet.1

Vorderschloss und Hinterschloss

Das Vorderschloss ist schlicht gehalten.2 Es umgibt einen langen Hof mit unregelmäßig rechteckigem Grundriss. Der Kern von Nord- und Westflügel stammt nach dem Dehio teils vom Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts. Durch die Mitte der breiten Nordseite führt eine Durchfahrt mit Kreuzrippengewölbe, seitlich begleitet von erkerartigen Ausbauten.1

Den ältesten Kern des Hinterschlosses bildet nach dem Dehio der Südflügel, wohl weitgehend aus dem Spätmittelalter. Über seinem lang gestreckten, rechteckigen Grundriss erheben sich vier Geschosse. Darunter reichen Keller mit Tonnengewölben zwei Ebenen in die Tiefe.1

Das Handbuch nennt das Hinterschloss reich im Renaissancestil gestaltet und vermerkt teils erhaltene Arkaden und Tonnengewölbe.2 Der Nordflügel dient allein der Verbindung und öffnet sich in beiden Obergeschossen zu überdachten Galerien mit Stichbögen. Im Hof stehen zwei Wendelsteine, ein achteckiger in der Nordwestecke und ein quadratischer vor dem Südflügel. Sandstein rahmt die Fenster der verputzten Fassaden.1

Wer vom Vorderschloss kommt, passiert einen quadratischen Torturm, der vor die Flucht tritt. Ihn schließt ein Zeltdach mit einem kleinen, offenen Glockenturm ab. Das Wappen der Dieskau erscheint über dem Portal der Durchfahrt.1 Im Westflügel liegen zwei Säle übereinander: unten das sogenannte Fürstenzimmer mit Netzrippengewölbe, oben der große Rittersaal.1

Chronik

1200 - 2019
  1. nach 1200GründungGründung als Wasserburg, wohl bald nach 12001
  2. 1301ErsterwähnungErste Nennung der Burg1, 2
  3. 1425BesitzwechselDie Familie Pack verkauft Stadt und Schloss an Herzog Friedrich IV. von Sachsen2
  4. vor 1437UmbauErste größere Bauarbeiten unter Heinrich I. von Maltitz, wohl schon vor 14372
  5. 1437BesitzwechselDie Herrschaft geht als erbliches Lehen ganz an die Familie von Maltitz2
  6. 1519BesitzwechselLehen an die Familie von Minkwitz-Drehna2
  7. bis 1597UmbauNeubau in Renaissanceformen unter den Herren von Dieskau, unter Verwendung von Teilen der mittelalterlichen Burg1, 2
  8. 1625-1635BesitzwechselKurfürst Johann Georg I. kauft die Herrschaft zurück, das Schloss wird Sitz des Amtmanns2
  9. 19. JahrhundertNutzungsänderungEinrichtung einer Tuchfabrik im Schloss1, 5
  10. 1815NutzungsänderungFinsterwalde kommt mit der Niederlausitz an Preußen, das Schloss wird preußischer Gutsbezirk1, 2
  11. 1885NutzungsänderungDie Stadtverwaltung bezieht das Vorderschloss1, 3
  12. 1919BesitzwechselDas Hinterschloss kommt an die Stadt Finsterwalde1
  13. 1919-1921UmbauUmgestaltung des Rittersaals zum Sitzungssaal1
  14. 1925FertigstellungNeubau des Nordteils im Ostflügel des Vorderschlosses für die Feuerwehr1
  15. bis 1929RestaurierungUmfassende Sanierung des Hinterschlosses1
  16. 2005-2019RestaurierungGesamtsanierung in zehn Bauabschnitten bei laufendem Verwaltungsbetrieb5

Besitz und Herrschaft

  • ab 1282Ministerialen von Landsberg2erste belegte Besitzer, bis vor 1324
  • 1425Herzog Friedrich IV. von Sachsen2Kauf von Stadt und Schloss von der Familie Pack
  • 1437-1519Familie von Maltitz2erbliches Lehen, 1425 anteilig, ab 1437 ganz
  • 1519-1532Familie von Minkwitz-Drehna2erbliches Lehen
  • um 1533-1625Familie von Dieskau2erbliches Lehen, Residenz der Familie
  • ab 1625Kurfürsten von Sachsen2Rückkauf 1625 und endgültig 1635, Sitz des Amtes
  • ab 1919Stadt Finsterwalde1Erwerb des Hinterschlosses

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Das Schloss heute

Besonderheiten

  • Datierte Stücke: Die Jahreszahl 1554 nennt ein Relief der Kreuzigung, das samt Wappen in den Südflügel eingelassen ist. Eine figürliche Konsole im Vorderschloss war früher mit 1572 datiert.1
  • Malereien: Im Ostflügel des Hinterschlosses ist eine farbige, illusionistische Ausmalung der Renaissance teilweise freigelegt. Im Westflügel des Vorderschlosses blieben Reste einer Jagdszene, wohl aus der Bauzeit.1
  • Schloss und Kirche: Das Gewölbe des Fürstenzimmers ähnelt nach dem Dehio dem der Stadtkirche St. Trinitatis.1 Die Stadt liest an den Netzrippengewölben der Kirche ab, dass sie zeitgleich mit dem Schloss umgebaut wurde. Dort sind Angehörige der Dieskau bestattet.3
  • Familie in der Stadt: Ursula von Dieskau sang nach dem Handbuch im Chor der Kantorei mit. Curd von Dieskau, ein Vetter des Schlossherrn, ließ 1572 ein Bürgerhaus zu einem Adelssitz umbauen, genannt Curds Burg.2

Heute: Rathaus der Stadt

Das Schloss dient der Stadtverwaltung Finsterwalde als Sitz, die Anschrift lautet Schloßstraße 7/8. Das Bürgerservicebüro erreicht man über den Schlosshof, Eingang C.3 Die Stadt zählt Schloss und Schlosspark zu ihren Sehenswürdigkeiten. Eigene Öffnungszeiten, Eintrittspreise oder Führungen für das Schloss nennt sie dort nicht (Stand Oktober 2026).3

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Die nächsten Anlagen im Burgenführer liegen weiter entfernt. Schloss Branitz ist rund 47 Kilometer Luftlinie entfernt, Schloss Hartenfels rund 49 Kilometer.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Elbe-Elster, das ganze Land die Seite Brandenburg.

Lage und Karte

51.6282° N · 13.7101° E

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Burgen und Schlösser in der Nähe

Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Dehio Brandenburg 2012, S. 300 f., über BLDAM-Denkmaldatenbank 09135088Dehio-Vereinigung / Deutscher Kunstverlag; BLDAM, abgerufen am 19.10.2026
  2. Handbuch der Residenzstädte, Artikel Finsterwalde (Grabin), S. 149-152Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 19.10.2026
  3. Sehenswürdigkeiten: Schloss mit SchlossparkStadt Finsterwalde, abgerufen am 19.10.2026
  4. Dieskau, Otto von (Allgemeine Deutsche Biographie)Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 19.10.2026
  5. Schloss Finsterwalde, Gesamtsanierung in zehn BauabschnittenKrekeler Architekten Generalplaner GmbH, abgerufen am 19.10.2026
  6. Finsterwalder Schloss (Kartenobjekt relation/6147716)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Falk2 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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