Schloss Lichtenstein
Schloss Lichtenstein thront auf einem Felsen über dem Echaztal. Geschichte der Romantik-Burg nach Hauffs Roman, Führung, Öffnungszeiten und Anfahrt.

Steckbrief
- Typ
- Schloss
- Erste Erwähnung / Bau
- 1840
- Baustil
- Historismus
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal in Deutschland
- Ort
- Lichtenstein
- Kreis
- Landkreis Reutlingen
- Bundesland
- Baden-Württemberg
- Nächste größere Stadt
- Reutlingen9,1 km
- Website
- www.schloss-lichtenstein.de
- Koordinaten
- 48.40664, 9.25825
Inhalt 12 Abschnitte
Auf einem schmalen Felsen am Albtrauf, hoch über dem Tal der Echaz bei Honau, steht ein Schloss wie aus einem Bilderbuch der Romantik. Schloss Lichtenstein ist jünger, als es aussieht: Die neugotische Ritterburg entstand erst 1840-1842, angeregt durch einen Roman. Wilhelm Hauffs "Lichtenstein" hatte die Burg zum Schauplatz einer romantischen Geschichte gemacht, und ein württembergischer Graf ließ daraufhin eine Burg bauen, wie sie in diesem Buch hätte stehen können. Das Ergebnis ist eine kompakte Burg mit Türmen, Bastionen und reich ausgemalten Räumen.
Die Ritter von Lichtenstein
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Nach der Zeittafel des Schlosses entstand schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine erste Burganlage am heutigen Standort. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist der "Alte Lichtenstein" unter Gebhard von Lichtenstein belegt. Diese Stammburg der Ritter von Lichtenstein lag oberhalb von Honau bei den Quellen der Echaz, also nicht an der Stelle des heutigen Schlosses.
Um 1200 wurde dort in Buckelquadertechnik gebaut. Im 13. Jahrhundert tauchen Mitglieder der Familie mehrfach in Urkunden auf, 1236 etwa Gero von Lichtenstein als Zeuge. 1311 wurde die Burg vermutlich im Reichskrieg gegen Graf Eberhard I. von Württemberg ein erstes Mal zerstört. Im Städtekrieg des späten 14. Jahrhunderts kam das endgültige Aus durch die Reichsstadt Reutlingen, nach Angaben der Familie 1377.
Württembergische Wehrburg und Forsthaus
Um 1390 kam der Lichtenstein an Württemberg. Die neuen Herren errichteten etwa eine Viertelstunde Fußweg entfernt eine neue Burg auf einem Felskegel, dem Platz des heutigen Schlosses. Nach Angaben der Familie galt sie als eine der wehrhaftesten Burgen des Mittelalters.
1567 verlor die Burg ihren Rang als Herzogssitz und wurde als Forsthaus genutzt. In den folgenden Jahrhunderten verfiel sie. 1802 ließ Friedrich von Württemberg, der spätere König, die baufälligen Reste abbrechen und an ihrer Stelle ein schlichtes Forst- und Jagdhaus errichten.
Ein Roman wird zur Burg
1826 erschien Wilhelm Hauffs historischer Roman "Lichtenstein". Im Mittelpunkt steht Herzog Ulrich von Württemberg, der 1519 vom Schwäbischen Bund aus seinem Land vertrieben wurde. In der Erzählung findet der geächtete Herzog Zuflucht auf dem Lichtenstein und in der nahen Nebelhöhle.
Von diesem Buch ließ sich Wilhelm Graf von Württemberg inspirieren. 1837 kaufte er das Forsthaus samt Felsen. Er beauftragte den Architekten Carl Alexander Heideloff mit einem Neubau im neugotischen Stil. Die Bauleitung hatte Johann Georg Rupp. Von 1840 bis 1842 entstand auf den alten Grundmauern eine kompakte Ritterburg. Die Einweihung fand 1842 in Anwesenheit des württembergischen Königs statt.
Für die Ausstattung holte Wilhelm den Nürnberger Maler Georg Eberlein, der die Innenräume dekorativ ausmalte. Beteiligt waren außerdem der Bildhauer Ernst Machold und der Glasmaler Friedrich Pfort. Als leidenschaftlicher Sammler füllte der Graf die Räume mit Waffen, Rüstungen und Gemälden.
Bastionen, Herzöge und Sanierung
Nach der Revolution von 1848/49 ließ Wilhelm die Vorburgbefestigungen nach eigenen Entwürfen ausbauen. Nach dem Vorbild des zeitgenössischen Festungsbaus entstand eine Kaponniere mit vorgelagertem Außenwerk, in den Bastionen standen Kanonen. 1867 wurde Wilhelm zum Herzog von Urach erhoben. Das Schloss blieb im Besitz seiner Nachkommen.
1929 gründete die Familie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts für das Schloss. Ab 1980 begannen Restaurierungen, gefördert von der Wüstenrot Stiftung und einer Fördergemeinschaft zur Erhaltung des Schlosses. Zwischen 1997 und 1999 wurden das zweite und das dritte Stockwerk restauriert. Eigentümer ist nach Wikipedia seit 1991 Wilhelm Albert Herzog von Urach.
Was man heute sieht
Schon der Zugang ist ein Erlebnis. Über eine Holzbrücke gelangt man vom Vorgelände zum Burgfelsen, danach steht man im Schlosshof. Der Hof kann ohne Führung besucht werden.
Die Innenräume sind nur im Rahmen einer etwa 30-minütigen Führung zu sehen. Im Erdgeschoss geht es durch die Waffenhalle, die Schlosskapelle mit Glasmalereien des 15. und 16. Jahrhunderts und spätmittelalterlichen Gemälden sowie die Trinkstube. Im Treppenhaus steht der bekannte "Schütze vom Lichtenstein".
Im ersten Obergeschoss folgen das reich ausgemalte Königszimmer, das Wappenzimmer, das Erkerzimmer mit mittelalterlichen Möbeln und als Höhepunkt der Rittersaal, nach Angaben des Schlosses der größte Raum. Die Räume zeigen im Kleinen, wie sich das 19. Jahrhundert eine Ritterburg vorstellte. Die Ausmalungen stammen weitgehend von Georg Eberlein, dessen Arbeiten den Charakter der Innenräume bis heute bestimmen. Wer genau hinsieht, entdeckt neben den neugotischen Dekorationen auch ältere Stücke aus der Sammlung des Grafen.
Öffnungszeiten und Eintritt
| Januar und Februar | geschlossen |
| März | 10-16 Uhr, letzter Einlass 15:30 Uhr |
| April bis Oktober | 9-18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr |
| November und Dezember | 10-16 Uhr, letzter Einlass 15:30 Uhr |
| Geschlossen | 24., 25. und 26. Dezember |
| Schlosshof | 6 €, ermäßigt 5 €, Kinder 6-16 Jahre 4 € |
| Führung Innenräume (inkl. Schlosshof) | 16 €, ermäßigt 14 €, Kinder 6-16 Jahre 10 € |
Führungen finden täglich durchgehend etwa alle 20 Minuten statt. Tickets gibt es an der Kasse direkt am Eingang. Gruppen ab 15 Personen können über das Kontaktformular reservieren, englischsprachige Führungen gibt es für Gruppen nach Anmeldung. Im November und Dezember gibt es außerdem Laternenführungen.
Anfahrt und Parken
Die Adresse lautet Schloss Lichtenstein 1, 72805 Lichtenstein. Der Hauptparkplatz liegt direkt an der Schlossschenke und kostet 2 € pro Tag. Von dort sind es etwa 250 Meter auf befestigtem Weg, rund drei Minuten zu Fuß. In der Umgebung gibt es weitere kostenlose Parkmöglichkeiten mit 10 bis 35 Minuten Fußweg.
Bus und Bahn fahren nicht direkt bis zum Schloss. Die nächsten Haltestellen liegen in Unterhausen, Honau und am Traifelberg, von dort geht es zu Fuß weiter. An Sonn- und Feiertagen von Mai bis Oktober fährt der Ausflugsbus Sonnenalbexpress zwischen Reutlingen und Engstingen, er hält an der Station "Aufberg" in Schlossnähe.
Barrierefreiheit
Als denkmalgeschütztes Gebäude ist das Schloss nur eingeschränkt barrierefrei. Der Weg vom Parkplatz ist geteert, danach folgt eine hölzerne Zugbrücke. Mit dem Rollstuhl ist der Schlosshof erreichbar, das Schloss selbst ist nicht barrierefrei. Gummierte Gehhilfen, vereinzelt auch Rollatoren, sind im Inneren erlaubt. Im Inneren sind eine Wendeltreppe und weitere Stufen zu bewältigen. Kinderwagen sind nur im Hof erlaubt. Behindertengerechte Toiletten und ein Wickelraum befinden sich bei der Schlossschenke am Parkplatz.
Tipps für den Besuch
- Winterpause beachten: Im Januar und Februar ist das Schloss komplett geschlossen.
- Hunde: Im Hof sind angeleinte Hunde erlaubt, bei der Führung müssen sie die ganze Zeit getragen werden.
- Nicht rauchen: Seit 1. Juni 2026 gilt auf dem gesamten Schlosshof Rauchverbot, auch für E-Zigaretten.
- Keine Drohnen: Drohnenflüge über dem Schloss sind verboten.
- Wandern: Von Honau oder Unterhausen lässt sich der Besuch gut mit einer Wanderung am Albtrauf verbinden.
Lage und Umgebung
48.4066° N · 9.2583° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 09/2026Quellen der Redaktion
- schloss-lichtenstein.de/
- schloss-lichtenstein.de/de/oeffnungszeiten-preise/oeffnungszeiten
- schloss-lichtenstein.de/de/oeffnungszeiten-preise/preise
- schloss-lichtenstein.de/de/wichtige-informationen/besucher-informationen
- schloss-lichtenstein.de/de/fuehrungen/rundgang
- schloss-lichtenstein.de/de/anreise-und-umgebung/anfahrt
- schloss-lichtenstein.de/de/geschichte/zeittafel
- schloss-lichtenstein.de/de/geschichte/geschichte-und-familie
- de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Lichtenstein_(W%C3%BCrttemberg)
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: -donald- · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Baden-Württemberg
Bildnachweise
- Burg Hohenzollern: Foto: A. Kniesel (= User:-donald-), Lauffen · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Heidelberger Schloss: Foto: Pumuckel42 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

