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Palais · Ettal · Bayern

Schloss Linderhof

Schloss Linderhof im Graswangtal ist das einzige vollendete Schloss Ludwigs II. Geschichte, Venusgrotte, Park, Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt.

47.5716° N · 10.9608° E
Schloss Linderhof
Schloss LinderhofFoto: Softeis · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Grunddaten aus Wikidata
Typ
Palais
Erste Erwähnung / Bau
1870
Denkmalstatus
UNESCO-Welterbe, Baudenkmal in Bayern
Ort
Ettal
Bundesland
Bayern
Nächste größere Stadt
Weilheim in Oberbayern31,8 km
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Vom Försterhaus zur Königsvilla
  3. Ein Schloss in sechs Bauphasen
  4. Theaterwelten im Park
  5. Vom Rückzugsort zum Besuchermagnet
  6. Was man heute sieht
  7. Öffnungszeiten und Eintritt
  8. Anfahrt und Parken
  9. Barrierefreiheit
  10. Tipps für den Besuch
  11. Lage und Umgebung
  12. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: September 202611 Quellen

Im stillen Graswangtal bei Ettal, umgeben von den Bergen der Ammergauer Alpen, liegt Schloss Linderhof. Es ist das einzige Schloss, das König Ludwig II. vollenden konnte, und ab Mitte der 1870er-Jahre war es faktisch sein Hauptwohnsitz. Hinter der barocken Fassade verbergen sich Räume von überbordender Pracht, draußen ein Park mit Wasserspielen, Terrassen und Fantasiebauten wie der Venusgrotte. Seit 2025 gehört Linderhof zusammen mit Neuschwanstein, Herrenchiemsee und dem Königshaus am Schachen zum UNESCO-Welterbe "Die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern".

Geschichte

Vom Försterhaus zur Königsvilla

Am Anfang stand ein bescheidenes Gebäude. Auf dem Gelände des alten "Linder-Hofs", eines schon 1479 belegten Schwaighofs, besaß schon Ludwigs Vater Maximilian II. ein Jagdhaus. Das spätere Königshäuschen ist seit 1797 als Nebengebäude des Hofs nachweisbar. Ludwig II. erwarb den Platz im Mai 1869 und ließ das Häuschen zunächst im Inneren umgestalten.

Seine Pläne gingen anfangs viel weiter. Er dachte an ein Schloss nach dem Vorbild von Versailles und an einen byzantinischen Palast im Graswangtal. Beide Projekte blieben auf dem Papier. Stattdessen wuchs Linderhof Schritt für Schritt: 1870 errichtete Hofbaudirektor Georg Dollmann einen ersten Flügelanbau, 1871 folgte ein zweiter, beide verbunden durch das Schlafzimmer.

Ein Schloss in sechs Bauphasen

Ab Februar 1873 erhielten die Holzbauten steinerne Fassaden, die das Aussehen des Schlosses endgültig festlegten. Im Januar 1874 folgte der Südtrakt mit Vestibül und Treppenhaus. Das alte Königshäuschen stand im Weg und wurde ein Stück versetzt, wo es bis heute steht.

Die Formensprache verbindet ein herrschaftlich barockes Äußeres mit Innenräumen im Stil des sogenannten Zweiten Rokoko. Nach Angaben der Bayerischen Schlösserverwaltung orientierte sich Ludwig dabei an französischen Lustschlössern des 18. Jahrhunderts, aber ebenso an oberbayerischen Vorbildern wie der Amalienburg im Nymphenburger Park und der Münchner Residenz, die er aus seiner Kindheit kannte.

Die letzte Bauphase betraf das Schlafzimmer, das 1885/86 unter Julius Hofmann vergrößert wurde. Beim Tod des Königs im Juni 1886 waren die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, sie wurden danach in vereinfachter Form beendet. Am Ende maß der Bau rund 30 auf 27 Meter, für ein Königsschloss erstaunlich klein.

Theaterwelten im Park

Parallel zum Schloss entstand ab 1872 der Park nach Plänen von Hofgartendirektor Carl von Effner. Als Ludwig 1873 sein Versailles-Projekt auf die Herreninsel im Chiemsee verlegte, wurde in Linderhof Raum für eine eigene Gartenidee. Um 1880 war die Anlage weitgehend fertig. Zeitweise arbeiteten bis zu 180 Menschen daran, und damit die Bäume im rauen Bergtal gediehen, wurden jährlich bis zu 100 Fuhren Rindermist ausgebracht. Effner wurde 1877 für seine Verdienste in den persönlichen Adelsstand erhoben.

Das Besondere sind die Parkbauten, mit denen Ludwig sich Bühnenwelten schuf. Die Venusgrotte, ab 1875 in den Berg gebaut, stellt den ersten Akt von Richard Wagners "Tannhäuser" nach. Zwischen 1878 und 1881 erhielt sie eine für die Zeit hochmoderne elektrische Beleuchtung mit wechselnden Farbgläsern. Nach Wagner-Opern gestaltet sind auch die Hundinghütte ("Die Walküre") und die Einsiedelei des Gurnemanz ("Parsifal"), in denen der König Sagen und mittelalterliche Dichtung las.

Orientalische Sehnsüchte bedienen zwei zugekaufte Pavillons. Der Maurische Kiosk war für die Pariser Weltausstellung 1867 entstanden, Ludwig erwarb ihn 1876. Das Marokkanische Haus stammt von der Wiener Weltausstellung 1873 und kam 1878 in seinen Besitz.

Vom Rückzugsort zum Besuchermagnet

Ab Mitte der 1870er-Jahre löste Linderhof die Münchner Residenz praktisch als Wohnsitz des Königs ab. Er verbrachte hier Wintermonate und unternahm von hier aus nächtliche Schlittenfahrten. Schon am 1. August 1886, wenige Wochen nach seinem Tod, wurde das Schloss für Besucher geöffnet, auch um die Schulden des Königs abzutragen. Die Bahnverbindung nach Oberammergau ab 1900 brachte deutlich mehr Gäste, 1918 übernahm der bayerische Staat die Anlage.

Das Historische Lexikon Bayerns beziffert die Besucherzahl zwischen 1886 und 2013 auf rund 40 Millionen. 2018 kamen gut 437.000 Menschen.

Heute

Was man heute sieht

Die Führung durch das Schloss dauert etwa 25 Minuten. Höhepunkte sind der nach Süden ausgerichtete Spiegelsaal, flankiert von Gobelinzimmern, und das Schlafzimmer, der größte Raum des Hauses. Im Speisezimmer steht das "Tischleindeckdich": Der Tisch ließ sich mechanisch in die Küche hinablassen, wurde dort gedeckt und wieder hinaufgekurbelt, sodass der König allein speisen konnte. Die Ausstattung ist bis ins Detail von Schnitzwerk, Vergoldung und Ornament bestimmt.

Vor der Südseite liegt das Wasserparterre mit einer Fontäne, die rund 25 Meter hoch steigt. Nach Norden führt eine Kaskade mit 30 Marmorstufen hinauf, seitlich erheben sich Terrassengärten mit einem Rundtempel. Eine rund 300 Jahre alte Linde wurde beim Bau bewusst stehen gelassen.

Im Königshäuschen zeigt eine Ausstellung die Geschichte des Ortes. Die Venusgrotte kann nur mit Führung besichtigt werden. Der Maurische Kiosk ist wegen Sanierung voraussichtlich bis 2028 gesperrt.

Besuch

Öffnungszeiten und Eintritt

Schloss, 15. April bis 15. Oktobertäglich 9-18 Uhr
Schloss, 16. Oktober bis 14. Apriltäglich 10-16:30 Uhr
Kartenverkauf15. April bis 15. Oktober 8:30-17:30 Uhr, 16. Oktober bis 14. April 9:30-16 Uhr
Venusgrotte, Marokkanisches HausSommersaison 9-18 Uhr, im Winter geschlossen
Hundinghütte, Gurnemanz-EinsiedeleiSommersaison 11-18 Uhr, im Winter geschlossen
Geschlossen1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember
Schloss11 €, ermäßigt 10 €
Venusgrotte (nur Sommer)9 €, ermäßigt 8 €
Gesamtkarte Schloss und Venusgrotte (nur Sommer)18 €, ermäßigt 16 €
Königshäuschen2 €, ermäßigt 1 €
Unter 18 Jahrenfrei

Schloss und Venusgrotte sind nur mit Führung zu sehen. Schlossführungen starten alle 5-10 Minuten, Grottenführungen (etwa 15 Minuten) alle 20 Minuten. Tickets gibt es auch online im Ticketshop der Schlösserverwaltung. Die übrigen Parkbauten sind kostenfrei.

Anfahrt und Parken

Die Adresse lautet Linderhof, 82488 Ettal. Mit dem Auto geht es über die A95 und die B2 Richtung Oberau, dann über die B23 nach Ettal. Hinter Ettal zweigt die Staatsstraße 2060 ins Graswangtal ab. Am Schloss gibt es 550 gebührenpflichtige Pkw- und 14 Busstellplätze sowie Ladesäulen für E-Autos.

Der nächste Bahnhof ist Oberammergau. Von dort fährt die Buslinie 9622 nach Linderhof, von Oberau und Reutte aus die Linie 9624.

Barrierefreiheit

Am Parkplatz gibt es sechs Behindertenstellplätze. Bis zur Kasse sind es etwa 260 Meter, von dort noch rund 400 Meter mit Steigungen bis 12,5 % zum Schloss, eine Begleitperson wird empfohlen. Im Schloss steht eine mobile Treppensteighilfe bereit (bis 120 kg), die Räume im Obergeschoss sind stufenlos. Rollstuhlfahrer melden sich vorab telefonisch an. Die Venusgrotte hat einen barrierefreien Eingang, das Marokkanische Haus ist nur über Stufen erreichbar. Rollstühle und Rollatoren können gegen Pfand ausgeliehen werden.

Tipps für den Besuch

  • Sommer wählen: Nur von Mitte April bis Mitte Oktober sind Venusgrotte und die meisten Parkbauten geöffnet.
  • Wasserspiele: Von Mitte April bis Mitte Oktober springen die Fontänen stündlich jeweils zur halben Stunde.
  • Zeit für den Park: Hundinghütte und Einsiedelei liegen etwas abseits, dafür sollte man eine zusätzliche Stunde einplanen.
  • Tickets vorab: Bei mehreren Hunderttausend Besuchern im Jahr lohnt der Online-Ticketshop, um Wartezeiten an der Kasse zu vermeiden.
  • Kombinieren: Das Kloster Ettal liegt nur wenige Kilometer entfernt am Weg ins Graswangtal.
Umgebung

Lage und Umgebung

47.5716° N · 10.9608° E

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Quellen

Stand 09/2026

Quellen der Redaktion

  1. schlosslinderhof.de/deutsch/tourist/oeffnung.htm
  2. schlosslinderhof.de/deutsch/tourist/eintritt.htm
  3. schlosslinderhof.de/deutsch/tourist/anfahrt.htm
  4. schlosslinderhof.de/deutsch/tourist/mobilitaet.htm
  5. schlosslinderhof.de/deutsch/tourist/fuehr.htm
  6. schlosslinderhof.de/deutsch/schloss/entsteh.htm
  7. schlosslinderhof.de/deutsch/park/entsteh.htm
  8. schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/li_schl.htm
  9. schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/li_parkb.htm
  10. historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schloss_Linderhof
  11. de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Linderhof

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Softeis · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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