Schloss Schwarzenberg (Scheinfeld)
Renaissanceschloss auf einem Bergsporn über Scheinfeld, namengebende Burg des Hauses Schwarzenberg, nach dem Brand von 1607 neu gebaut.

Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 11501
- Baustil
- Renaissance2
- Denkmalstatus
- Baudenkmal (D-5-75-161-136)3
- Ort
- Scheinfeld1
- Bundesland
- Bayern
- Besichtigung
- nur mit Führung4
- Öffnungszeiten
- Rundgang im Hochschloss von Ostern bis Oktober an Sonn- und Feiertagen, 14 Uhr4Alle Angaben
- Eintritt
- Führung 5 € pro Person, Kinder bis 6 Jahre frei4Alle Angaben
- Koordinaten
- 49.67185, 10.47329
Inhalt 16 Abschnitte
- Überblick
- Entstehung: eine Burg der Edelfreien
- Seinsheim wird Schwarzenberg
- Wehrhaft durch das 16. Jahrhundert
- Neubau nach dem Brand von 1607
- Ausbau zur Residenz
- Instandsetzung und Archiv
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Schloss Schwarzenberg steht auf einem Bergsporn oberhalb von Scheinfeld im Landkreis Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim. Von dieser Burg nahm das Haus Schwarzenberg seinen Namen, vom 15. bis ins 17. Jahrhundert diente sie ihm als Residenz.1, 2 Nach einem Brand 1607 wurde die Kernburg zu einem Renaissanceschloss umgebaut, ab 1654 folgte der Ausbau zur Residenz. Das Bild der Anlage bestimmt der Schwarze Turm. Das Hochschloss ist bei Führungen der Stadt Scheinfeld zu sehen.1, 2, 4
Entstehung: eine Burg der Edelfreien
Nach dem Handbuch der Residenzen-Kommission wurde die Burg im hohen Mittelalter offenbar von Edelfreien gegründet. Der Name erscheint dort zuerst 1150 als "de Swarcenburc", um 1266 ist von einem castrum die Rede.1 Die Denkmalliste setzt die Burganlage ins 12. Jahrhundert. Der Ausstellungskatalog der Staatlichen Archive Bayerns hält dagegen einen Bau im 13. Jahrhundert für wahrscheinlich.2, 3
Im 13. Jahrhundert waren Ministerialen der Grafen von Castell mit der Burg verbunden. 1328/30 gelangte sie durch Kauf an die Hohenlohe. Diese veräußerten sie 1385 an zwei Herren von Vestenberg.1, 2
Seinsheim wird Schwarzenberg
Erkinger von Seinsheim brachte die Burg nur Stück für Stück an sich. Das Handbuch nennt Erwerbungen in den Jahren 1405, 1411 und 1421. Unter den Verkäufern waren die Vestenberg und die Abenberg, als Letzter der Bischof von Würzburg.1, 2
1428 trug Erkinger die Burg dem König zu Lehen auf. Gestützt auf dieses Reichslehen folgte 1429 seine Erhebung in den Frei- und Bannerherrenstand. Seine Söhne benannten sich zunehmend nach Schwarzenberg. Im selben Jahr 1429 wurde in der Burg die Kapelle Trium Regum geweiht.1
Johann der Starke musste 1511 die Afterlehnshoheit des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach anerkennen. Seine männliche Linie, die fränkische, erlosch 1588. Über die bayerische Linie gelangte die Herrschaft nach dem Handbuch 1646 an die Stephansberger, inzwischen rheinische Linie. Diese ging auf Erkingers erste Ehe zurück.1
Wehrhaft durch das 16. Jahrhundert
1518 wurde die Burg zu großen Teilen erneuert. Sie war mit Schildmauer, zwei hohen Türmen und zwei Halsgräben gesichert.1 Im Bauernkrieg 1525 und im zweiten Markgrafenkrieg 1552/55 blieb das Schloss unzerstört. Nach dem Schmalkaldischen Krieg hielten brandenburg-kulmbachische Truppen es nur kurz besetzt, von 1548 bis 1553. Für 1568 und 1589/90 sind weitere Bauarbeiten überliefert, deren Umfang man nicht kennt.1
Neubau nach dem Brand von 1607
1607 brannten die gesamte Südostseite und ein Teil der Nordostseite des Kernschlosses ab. Noch im Brandjahr erhielt der Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl den Planungsauftrag.1 Ausgeführt haben den Bau nach dem Handbuch jedoch die Nürnberger Steinmetzen Jakob Wolff, Vater und Sohn, über mehrere Jahre. Die Denkmalliste spricht von einem Umbau nach Plänen Holls durch die beiden Wolff.1, 3
Die Gräben wurden dabei aufgefüllt, den alten Grundriss behielt man im Wesentlichen bei. So entstand ein dreigeschossiger Bau um einen schmalen, trapezförmigen Innenhof. Der Ausstellungskatalog betont, dass die Kernburg einheitlich im Renaissancestil umgestaltet wurde.1, 2
Von 1610 bis 1615 entstand im südwestlichen Zwinger, zur Stadt hin, die katholische Schlosskirche. Die Denkmalliste nennt als Planer wohl Elias Holl. Ein Gang führt von der Kirche ins erste Obergeschoss des Schlosses.1, 2, 3 Der Hochaltar aus Stuckmarmor ist 1615 datiert, die zwei schwarzen, vergoldeten Seitenaltäre stammen von 1658. Unter der Apsis befindet sich eine Gruft.1
Ausbau zur Residenz
Zum eigentlichen Residenzschloss machte erst Graf Johann Adolf die Anlage, in den Jahren 1654 bis 1668. Im Rollsaalbau ließ er 1654 einen zweigeschossigen Festsaal mit sechs Fensterachsen einrichten. Die Denkmalliste datiert den Umbau des Palas zum Rollsaal auf 1654-56.1, 3
Im zweiten Obergeschoss des Südostflügels erhielt die Decke des ersten Saals Ölgemälde zu Ovids Metamorphosen. Die Decke des dritten Saals zeigt gemalte Wappen der Schwarzenberg von Erkinger bis Adam, der 1641 starb.1
An die Stelle des alten Bergfrieds trat unter Johann Adolf der Schwarze Turm. Pläne lieferten Melchior Beck aus Ansbach und Wilhelm Schneider aus Würzburg. Das Handbuch datiert den Bau 1671/74, der Ausstellungskatalog 1670-1674, die Denkmalliste nennt 1771-74.1, 2, 3 Nach dem Handbuch stand die Hinwendung des Hauses nach Böhmen damals noch bevor, die Ansiedlung in Wien hatte begonnen.1
Instandsetzung und Archiv
Seinen Erhalt verdankt das Schloss nach dem Ausstellungskatalog den großen Bauarbeiten, die ab 1893 unter Fürst Adolf Josef zu Schwarzenberg liefen.2 Die Denkmalliste nennt Sicherungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert und einen Umbau der Schlosskapelle im Stil der Neurenaissance von 1888 bis 1903.3
Bis 1944 lag im Schloss ein großes, gewachsenes Archiv der Familie. Infolge der Enteignung durch den NS-Staat wurden die Archivalien nach Böhmen gebracht. Erst 2011 kam das Archiv in die Obhut der Staatlichen Archive Bayerns. Im Staatsarchiv Nürnberg wurden über 41.000 Einheiten einzeln erschlossen.2
Chronik
1150 - 1944- 1150ErsterwähnungErste Nennung als "de Swarcenburc"1
- 1328-1330BesitzwechselDurch Kauf an die Hohenlohe1, 2
- 1385BesitzwechselVerkauf an zwei Herren von Vestenberg1, 2
- 1405-1421BesitzwechselErkinger von Seinsheim erwirbt die Burg in mehreren Teilen1, 2
- 1518UmbauErneuerung der Burg in wesentlichen Teilen1
- 1607ZerstörungBrand der Südostseite und eines Teils der Nordostseite des Kernschlosses1, 2
- ab 1607UmbauNeubau im Renaissancestil, Planung Elias Holl, Ausführung Jakob Wolff Vater und Sohn1, 3
- 1610-1615BaubeginnBau der Schlosskirche im südwestlichen Zwinger2, 3
- 1654-1668UmbauAusbau zum Residenzschloss unter Graf Johann Adolf1
- 1888-1903UmbauUmbau der Schlosskapelle im Stil der Neurenaissance3
- ab 1893RestaurierungUmfangreiche Baumaßnahmen unter Fürst Adolf Josef zu Schwarzenberg2
- 1944NutzungsänderungDas Familienarchiv wird nach der Enteignung durch den NS-Staat nach Böhmen verbracht2
Besitz und Herrschaft
- 1328-1385Hohenlohe1, 2Kauf, 1385 Verkauf an die Herren von Vestenberg
- ab 1385Herren von Vestenberg1, 2Kauf, später an Erkinger von Seinsheim verkauft
- ab 1421Erkinger von Seinsheim1, 2stückweiser Erwerb 1405-1421, Stammvater des Hauses Schwarzenberg
- ab 1646Stephansberger, inzwischen rheinische Linie des Hauses Schwarzenberg1Übergang nach dem Erlöschen der fränkischen Linie 1588
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Der lang gezogene Bergsporn fällt nach drei Seiten mehr oder weniger steil ab.1 Die Denkmalliste beschreibt die Hauptburg als unregelmäßige, dreigeschossige Vierflügelanlage. Im Hof steht am Südflügel der Schwanenturm, ein quadratischer Treppenturm mit fünf Geschossen. Auch der Schwarze Turm hat einen quadratischen Grundriss und fünf Geschosse.3
Zur Befestigung gehört eine Bruchsteinmauer mit sechs Türmen, meist runden Türmen mit achteckigem Pyramidendach. Im Wirtschaftshof stehen ein großer, zweigeschossiger Beamtenbau mit Walmdach, ein Brauereiflügel, Meierei und Stallungen, außerhalb eine Brennerei.3
Besonderheiten
- Wappen am Turm: Auf halber Höhe der Frontseite trägt der Schwarze Turm das Vollwappen des Hauses Schwarzenberg, gerahmt von der Ordenskette des Goldenen Vlieses.1
- Ahnensaal: Auf der Führungsseite der Stadt ist der große Ahnensaal mit seinen Deckenbildern abgebildet.4
- Schwarzenberg-Archiv: Die Bestände aus dem Schloss stellte die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns 2018 in einer Ausstellung vor.2
Heutiger Zustand
Nach den Um- und Ausbauten des 17. und 18. Jahrhunderts beschreibt der Ausstellungskatalog die Anlage heute als frühneuzeitliches Schloss.2 Die Denkmalliste führt Schloss, Schlosskirche, Befestigung, Wirtschaftshof und Garten gemeinsam als Baudenkmal.3
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- nur mit Führung4
- Öffnungszeiten
- Rundgang im Hochschloss von Ostern bis Oktober an Sonn- und Feiertagen, 14 Uhr
Außenbereich und Außenhöfe tagsüber frei und kostenlos zugänglich4 - Eintritt
- Führung 5 € pro Person, Kinder bis 6 Jahre frei
Gruppenführung bis 25 Personen pauschal 50 €
Stand: Saison 20264 - Führungen
- Rundgang im Hochschloss, etwa 1 Stunde. Treffpunkt 14 Uhr am Eingangstor zum Schlosshof, keine Anmeldung nötig. Gruppenführungen bis 25 Personen zu anderen Zeiten nach Voranmeldung beim Kulturamt der Stadt Scheinfeld (09162 9291-1300). Kurzfristige Ausfälle gibt die Stadt auf ihrer Website bekannt.4
- Familien
- Kinder bis 6 Jahre bei der Führung frei.4
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Von Ostern bis Oktober bietet die Stadt Scheinfeld an Sonn- und Feiertagen einen Rundgang durch das Hochschloss an. Er dauert etwa eine Stunde und beginnt am Eingangstor zum Schlosshof, anmelden muss man sich nicht. Gruppen bis 25 Personen können über das Kulturamt der Stadt eigene Termine vereinbaren. Außenbereich und Außenhöfe der Anlage sind tagsüber frei und kostenlos zugänglich. Kurzfristige Ausfälle von Führungen gibt die Stadt auf ihrer Website bekannt.4
Umgebung und weitere Ziele
Rund 17 Kilometer Luftlinie entfernt liegt Burg Hoheneck bei Ipsheim, etwa 27 Kilometer sind es bis Schloss Weißenstein. Rund 41 Kilometer Luftlinie entfernt steht die Würzburger Residenz.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim, das ganze Land die Seite Bayern.
Lage und Karte
49.6718° N · 10.4733° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Kurt Andermann: Schwarzenberg, in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Handbuch IV, S. 1363-1366Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 17.10.2026
- Highlights aus dem Schwarzenberg-Archiv (Kleine Ausstellungen 56, 2018)Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, abgerufen am 17.10.2026
- Bayerischer Denkmal-Atlas, Einzeldenkmal D-5-75-161-136 (Schloss Schwarzenberg)Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 17.10.2026
- SchlossführungenStadt Scheinfeld, abgerufen am 17.10.2026
- Vierflügelbau Schloss Schwarzenberg (unbenanntes Gebäude-Multipolygon) (Kartenobjekt relation/5813356)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 17.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Reinhold Möller · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Bayern
Burg · 16,9 kmBurg Hoheneck (Ipsheim)
Schloss · 26,9 kmSchloss Weißenstein
Burg · 35,0 kmBurg Colmberg
Burg · 36,0 kmBurg Cadolzburg
Bildnachweise
- Burg Hoheneck (Ipsheim): Foto: Pegasus2 · Gemeinfrei · Wikimedia Commons
- Schloss Weißenstein: Foto: Carsten Steger · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Colmberg: Foto: Rainer Lippert · CC0 · Wikimedia Commons
- Burg Cadolzburg: Foto: Simon Koopmann · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons