Würzburger Residenz
Die Würzburger Residenz ist UNESCO-Welterbe. Geschichte, Tiepolos Treppenhaus-Fresko, Kaisersaal, Hofkirche, Hofgarten, Öffnungszeiten und Anfahrt.

Steckbrief
- Typ
- Schloss
- Erste Erwähnung / Bau
- 1719
- Baustil
- Barockarchitektur
- Denkmalstatus
- Baudenkmal in Bayern, Teil einer UNESCO Welterbestätte
- Ort
- Würzburg
- Kreis
- Würzburg (Stadt)
- Bundesland
- Bayern
- Nächste größere Stadt
- Würzburg700 m
- Website
- www.residenz-wuerzburg.de
- Koordinaten
- 49.7928, 9.93889
Inhalt 12 Abschnitte
Mitten in Würzburg, am Rand der Altstadt, liegt eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas. Die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe ist zusammen mit Hofgarten und Residenzplatz seit 1981 UNESCO-Welterbe. Ihr berühmtestes Stück ist das Treppenhaus, über dem Giovanni Battista Tiepolo ein gewaltiges Deckenfresko malte. Dazu kommen der Kaisersaal, die prachtvolle Hofkirche und ein Garten, der sich an die alten Stadtbastionen schmiegt. Die UNESCO würdigt sie als besonders einheitliches Barockschloss, an dem Künstler aus mehreren Ländern Europas zusammenwirkten.
Vom Marienberg in die Stadt
Vor dem Bau der Residenz hatten die Würzburger Fürstbischöfe ihren Sitz auf der Festung Marienberg über dem Main. Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn beschloss einen Neubau in der Stadt. Nach Wikipedia half dabei eine unerwartete Einnahme: 600.000 Gulden aus einem Unterschlagungsverfahren.
Im Mai 1720 wurde der Grundstein gelegt. Mit der Planung beauftragte der Fürstbischof einen damals noch wenig bekannten Baumeister: Balthasar Neumann (1687-1753). Er musste die oft auseinandergehenden Wünsche der kunstsinnigen Familie Schönborn zusammenbringen. Außerdem sollte er Entwürfe führender Architekten seiner Zeit einarbeiten, darunter Maximilian von Welsch aus Mainz und Lucas von Hildebrandt aus Wien sowie Germain Boffrand und Robert de Cotte aus Paris.
Das Ergebnis verbindet Anregungen aus Wien, Paris und Franken zu einem erstaunlich einheitlichen Bau. 1744 stand der Rohbau. Die Baukosten beliefen sich nach Angaben der Bayerischen Schlösserverwaltung auf rund 1,5 Millionen Gulden.
Neumanns Hofkirche und Tiepolos Fresken
Noch während am Hauptbau gearbeitet wurde, entstand die Hofkirche. Von außen verrät sie sich kaum, denn sie sitzt hinter einer gewöhnlichen Schlossfassade. Innen überrascht Neumann mit geschwungenen Wänden und drei ovalen Gewölben. Die Ausstattung entstand zwischen 1735 und 1743, im Jahr 1743 wurde die Kirche geweiht. Beteiligt waren Rudolf Byss mit den Deckenfresken, Antonio Bossi mit Stuck und Figuren sowie Johann Wolfgang van der Auwera mit den Heiligenfiguren aus Marmor.
Den künstlerischen Höhepunkt setzte ein Venezianer. Giovanni Battista Tiepolo malte in den Jahren 1751-1753 die Fresken im Kaisersaal und das Deckenfresko über dem Treppenhaus. Für die Hofkirche schuf er 1752 zwei Altarbilder: den Engelsturz und die Himmelfahrt Mariens.
Das Treppenhausfresko zeigt die vier damals bekannten Erdteile, die dem Fürstbischof huldigen. Es misst nach Wikipedia-Angaben rund 580 Quadratmeter. Tiepolo verewigte darin auch die Künstler des Baus, darunter Neumann selbst, der auf einer Kanone sitzt. Im Kaisersaal erinnern die Fresken an die Hochzeit Kaiser Friedrich Barbarossas 1156 in Würzburg und an die Belehnung des Würzburger Bischofs 1168. Die Bilder sollten die weltliche Macht der Fürstbischöfe unterstreichen.
Die Innenausstattung war erst 1780 abgeschlossen. Den Hofgarten ließ Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1755-1779) durch den böhmischen Hofgärtner Johann Prokop Mayer anlegen.
Großherzöge und Könige
Mit dem Ende des geistlichen Fürstentums begann eine bewegte Zeit. Von 1806 bis 1814 war Würzburg ein weltliches Großherzogtum unter Ferdinand III., dem aus Florenz vertriebenen Großherzog der Toskana. Er erhielt das Land im Tausch gegen Salzburg, das ihm zuvor als Ersatz für die Toskana zugefallen war, und ließ Räume der Residenz mit hochwertigen Möbeln im Empire-Stil einrichten. 1814 bekam er die Toskana zurück, Würzburg fiel an Bayern.
Danach nutzte unter anderem der bayerische Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., die Residenz. Heute betreut sie die Bayerische Schlösserverwaltung.
Zerstörung 1945 und Wiederaufbau
Am 16. März 1945 zerstörte ein schwerer Luftangriff rund 90 Prozent der Würzburger Innenstadt. Auch die Residenz brannte fast völlig aus. Die steinernen Gewölbe der zentralen Räume hielten jedoch stand, und mit ihnen Tiepolos Fresken. Laut Wikipedia sorgte der amerikanische Kunstschutzoffizier John D. Skilton dafür, dass die offenen Räume rasch provisorisch abgedeckt wurden.
Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin und kostete nach Angaben der Schlösserverwaltung rund 20 Millionen Euro. Als letzter großer Schritt wurde 1987 das aufwendig rekonstruierte Spiegelkabinett wieder zugänglich gemacht.
Was man heute sieht
Rund 40 Räume mit Möbeln, Wandteppichen und Gemälden des 18. Jahrhunderts sind zu besichtigen. Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss mit Vestibül und Gartensaal und führt über das große Treppenhaus ins Obergeschoss. Dort folgen der Weiße Saal mit dem Stuck Antonio Bossis und der Kaisersaal, danach die südlichen Kaiserzimmer, die Toskanaräume, die nördlichen Kaiserzimmer, die Staatsgalerie, das Ingelheimzimmer und der Fürstensaal.
In den Toskanaräumen stehen gerettete Empiremöbel aus der Zeit des Großherzogs vor großformatigen Fotos der 1945 zerstörten Originalräume. Zu den Stücken gehört ein über 200 Jahre altes Spielzeugkarussell, das Ferdinand für seine Kinder anfertigen ließ.
Die Hofkirche ist kostenlos zugänglich, eigener Eingang vom südlichen Innenhof. Der Hofgarten gliedert sich in Ostgarten, Südgarten und Küchengarten. Im Ostgarten liegt ein großes rundes Broderieparterre. Den Südgarten prägen acht zu Kegeln geschnittene Eiben um ein rundes Wasserbecken. Unterhalb der Orangerie wurde 2001 der Küchengarten mit jungen Obstbäumen neu bepflanzt.
Öffnungszeiten und Eintritt
| April bis Oktober | täglich 9-18 Uhr, Kassenschluss 17:15 Uhr |
| November bis März | täglich 10-16:30 Uhr, Kassenschluss 16 Uhr |
| Geschlossen | 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember |
| Eintritt | 10 €, ermäßigt 9 € |
| Unter 18 Jahren | frei |
| Hofkirche und Hofgarten | Eintritt frei, Hofgarten bis zur Dunkelheit (längstens 20 Uhr) |
Die Residenz kann frei oder mit Führung besichtigt werden. Führungen auf Deutsch beginnen jede volle und halbe Stunde, auf Englisch täglich um 11 und 15 Uhr. Sie dauern bis zu 45 Minuten und sind im Eintritt enthalten. Tickets gibt es an der Kasse und online. Gruppen ab 15 Personen müssen sich sechs Werktage vorher anmelden. Jahreskarte und Mehrtagesticket der Bayerischen Schlösserverwaltung gelten auch hier.
Anfahrt und Parken
Die Residenz liegt an der Balthasar-Neumann-Promenade. Auf dem Residenzplatz stehen rund 300 gebührenpflichtige Pkw-Stellplätze zur Verfügung, Busse parken in der Husarenstraße (15 Plätze).
Vom Hauptbahnhof sind es etwa 20 Minuten zu Fuß. Alternativ fährt man mit den Straßenbahnlinien 1, 3 oder 5 bis zur Haltestelle "Dom". Die Buslinie 9 hält direkt an der Haltestelle "Residenz", mehrere weitere Linien an der Haltestelle "Mainfranken Theater".
Barrierefreiheit
Direkt vor der Residenz gibt es drei Behindertenparkplätze, der Weg zum Eingang ist rund 100 Meter lang. Der Eingang ist über eine Rampe erreichbar, alle wichtigen Bereiche sind stufenlos über einen Aufzug (130 x 120 cm) zugänglich. Behindertentoiletten liegen im Erdgeschoss bei den Schließfächern. Die Hofkirche erreicht man über eine Rampe im zweiten Innenhof. Der Hofgarten ist über mehrere Tore barrierefrei zugänglich, die Wege sind meist mit Kies befestigt, einige Wege zur oberen Promenade sind steil. Es gibt Führungen in Deutscher Gebärdensprache und in vereinfachter Sprache.
Tipps für den Besuch
- Führung nutzen: Die kostenlosen Führungen erklären die Fresken im Treppenhaus und im Kaisersaal im Detail.
- Online-Ticket: Mit einem vorab gekauften Ticket entfällt das Anstehen an der Kasse.
- Hofkirche nicht verpassen: Der Eingang liegt etwas versteckt im südlichen Innenhof und ist frei zugänglich.
- Gartenrunde: Der Hofgarten lohnt sich vor oder nach der Besichtigung, auch ohne Ticket.
- Kombinieren: Die Festung Marienberg, der frühere Sitz der Fürstbischöfe, liegt auf der anderen Mainseite.
Lage und Umgebung
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Quellen
Stand 09/2026Quellen der Redaktion
- residenz-wuerzburg.de/
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/tourist/oeffnung.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/tourist/eintritt.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/tourist/fuehr.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/tourist/anfahrt.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/tourist/mobilitaet.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/residenz/bauges.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/residenz/rundgang.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/residenz/hofkirch.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/residenz/toskana.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/garten/geschichte.htm
- residenz-wuerzburg.de/deutsch/unesco.htm
- historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Gro%C3%9Fherzogtum_W%C3%BCrzburg_(1805/06-1814)
- de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrzburger_Residenz
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: CC0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Nürnberger Burg: Foto: I, ArtMechanic · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Trausnitz: Foto: Bertl 85 · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Nymphenburg: Foto: Burkhard Mücke · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Hohenschwangau: Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons