Kieler Schloss
Schloss über der Kieler Förde an der Stelle der Burg der Schauenburger, später Gottorfer Nebenresidenz; nach 1944 bis auf den Westflügel neu gebaut.

Steckbrief
- Baubeginn
- 1695-16971
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal (in die Denkmalliste eingetragen)1
- Ort
- Kiel1
- Kreis
- Kiel (Stadt)
- Bundesland
- Schleswig-Holstein
- Koordinaten
- 54.3242, 10.1434
Inhalt 12 Abschnitte
Das Kieler Schloss steht in der Landeshauptstadt Kiel auf einer Anhöhe über der Förde. An seinem Platz lag im Mittelalter die Burg der Landesherren, am Nordrand der damaligen Stadt.1, 2 Nach einem Bombenangriff 1944 blieb vom alten Schloss nur der Westflügel von 1697 übrig, der Rantzaubau. Die anderen Gebäude entstanden in den 1960er-Jahren neu. Genutzt wird die Anlage heute für kulturelle Veranstaltungen, gelegentlich auch für Ausstellungen.1
Landesherrliche Burg der Schauenburger
Die Kieler Burg gehörte nach dem Beitrag in KuLaDig den Landesherren und war das Zentrum der Kieler Vogtei. Dem Beitrag zufolge entstand sie wohl etwa in derselben Zeit wie die Stadt, um 1242.1 Die Stadt Kiel setzt die Stadtgründung durch Adolf IV. dagegen in die 1230er-Jahre. Kirche, Kloster und Burg bildeten nach ihrer Darstellung die Mitte der mittelalterlichen Stadt.2
1261 belagerte der Braunschweiger Herzog Albrecht der Lange die Stadt vergeblich. Bei der Erbteilung von 1273 wurde Kiel Residenz der Kieler Linie der Schauenburger.1
1315 nahmen zwei Vettern den Kieler Grafen Johann II. auf seiner Burg Bramhorst gefangen, Johann III. aus der Plöner und Gerhard III. aus der Rendsburger Linie. Zeitweise saß Johann II. sogar auf seiner eigenen Burg in Kiel fest.1
Zwischen Burg und Stadt gab es Spannungen. Schon seit dem frühen 14. Jahrhundert sagten die Grafen mehrfach zu, an der Burg weder einen neuen Turm noch eine Brücke zu bauen. 1351 versprachen Johann III. und sein Sohn Adolf VII. den Kielern, die Burg nur mit Zustimmung des Rates zu verpfänden.1
Als die Plöner Linie 1390 ausstarb, kam Kiel an die Rendsburger Verwandten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts und erneut zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Burg zeitweise Witwensitz.1
Pfandschaft und Gottorfer Zeit
1460 wurde der Oldenburger Christian I. zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein gewählt. Er verpfändete viel, und so kam die Burg zwischenzeitlich an den Adligen Hans Rantzau, danach an Lübeck. Rantzau soll Inventar der Burg an sich genommen haben.1
Bei der Erbteilung zwischen Christians Söhnen Hans und Friedrich fiel die Burg 1490 an den jüngeren, Friedrich. Die Lübecker Pfandherren löste er erst 1495 aus, damit hatte er die Anlage tatsächlich in der Hand.1
1544 wurde Kiel bei einer weiteren Erbteilung dem Gottorfer Landesteil zugeschlagen. Von 1559 bis 1569 baute man die Burg um. Diesen Zustand zeigt die Stadtansicht von Braun und Hogenberg.1 Später diente das Schloss nach Angaben der Stadt den Gottorfer Herzögen als Witwensitz und Nebenresidenz.2
Barockbauten, Zarin und Prinz Heinrich
1695-97 errichtete D. Pelli nach KuLaDig einen Winkelbau mit dem Eingang zum inneren Schlosshof. Sein Südflügel ist verloren, der Westflügel von 1697 steht noch.1 Die Stadt nennt diesen Flügel Pelli-Bau.2
1763 ließ die Zarin Katharina II. das Schloss nach Angaben der Stadt umfassend umbauen und erneuern. Die Stadt bezeichnet sie dabei auch als Herzogin von Gottorf. Zehn Jahre später kam Kiel nach ihrer Darstellung an den dänischen Staat, das Schloss wurde Sitz verschiedener dänischer Prinzen.2 An den Umbau auf Befehl der Zarin erinnert eine Sandsteintafel von J. G. Moser aus dem Jahr 1765. KuLaDig nennt außerdem den Adolfsbau, den E. G. Sonnin 1765/66 vereinfachte und unter ein Mansarddach brachte.1
Von 1888 bis 1918 war das Schloss Residenz des Prinzen Heinrich von Preußen. Der Bruder Kaiser Wilhelms II. war nach Angaben der Stadt bei den Kielern sehr beliebt.2 Die Freitreppe am Westflügel stammt von 1887.1
Zerstörung und Neubau
Im Januar 1944 wurde das Schloss bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Nach KuLaDig waren die Gebäude weitgehend zerstört und wurden 1960 bis auf Kellerreste abgetragen.1 Die Stadt schreibt, der Renaissancebau sei bis auf den Westflügel ausgebrannt.2
Den Neubau planten die Hamburger Architekten Herbert Sprotte (1904-1962) und Peter Neve (1906-1985). KuLaDig datiert ihn auf 1961 bis 1965, die Stadt nennt das Jahr 1957.1, 2 Eingerichtet wurde das Schloss als zentrales Kulturzentrum des Landes. Für die Stadt steht der zurückhaltende Bau für den demokratischen Neubeginn und Kiels modernen Wiederaufbau nach dem Krieg.2
Chronik
1261 - 2005- 1261NutzungsänderungVergebliche Belagerung durch Herzog Albrecht den Langen von Braunschweig1
- 1273NutzungsänderungNach einer Erbteilung Residenz der Kieler Linie der Schauenburger1
- 1390BesitzwechselNach dem Aussterben der Plöner Linie an die Rendsburger Linie1
- 1490BesitzwechselBei der Erbteilung zwischen Hans und Friedrich an Friedrich1
- 1495BesitzwechselFriedrich löst die Pfandschaft der Lübecker aus1
- 1544BesitzwechselKiel kommt bei der Erbteilung zum Gottorfer Anteil1
- 1559-1569UmbauUmbau der Burg1
- 1695-1697BaubeginnWinkelbau von D. Pelli, Westflügel 16971
- 1763UmbauUmfassender Umbau im Auftrag Katharinas II.2
- 1765-1766UmbauE. G. Sonnin vereinfacht den Adolfsbau unter einem Mansarddach1
- 1888-1918NutzungsänderungResidenz des Prinzen Heinrich von Preußen2
- 1944ZerstörungIm Januar schwere Schäden bei einem Bombenangriff, nur der Westflügel bleibt1, 2
- 1960ZerstörungAbtragung der zerstörten Gebäude bis auf Kellerreste1
- 1961-1965WiederaufbauNeubau nach Plänen von Herbert Sprotte und Peter Neve1
- 2003NutzungsänderungPrivatisierung des Kulturzentrums1
- 2005NutzungsänderungDas Gesamtensemble wird unter Denkmalschutz gestellt1
Besitz und Herrschaft
- ab 1390Schauenburger, Rendsburger Linie1Erbe nach dem Aussterben der Plöner Linie
- ab 1460Christian I. von Oldenburg1Landesherr; Burg zwischenzeitlich an Hans Rantzau und an Lübeck verpfändet
- ab 1490Friedrich, Sohn Christians I.1Erbteilung, Auslösung der Pfandschaft 1495
- 1544Gottorfer Anteil1Kiel kommt bei der Erbteilung zum Gottorfer Anteil
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Die Anlage besteht aus drei Teilen. Vom alten Schloss stammt nur noch der Rantzaubau auf der Westseite. Der gestreckte Ziegelbau hat drei Geschosse. An seinem Südende kamen zwei Achsen später neu hinzu.1
Im Süden nimmt die Landeshalle den Platz des früheren Südflügels ein. Der mit Marmor verkleidete Querriegel ruht auf ovalen Stützen. Über ihrem Eingang sitzt die Inschrifttafel von 1765.1
Der fünfgeschossige Ostflügel steht auf den ursprünglichen Fundamenten. In seinem Umriss folgt der blockhafte Bau dem Adolfsbau des 18. Jahrhunderts. Unter Denkmalschutz steht die gesamte Anlage seit 2005.1
Nutzung heute
Im Ostflügel waren zunächst die Landesbibliothek und das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein untergebracht. 2003 wurde das Kulturzentrum privatisiert, inzwischen finden dort verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt.1
In der Landeshalle befasst sich der Verein Historische Landeshalle für Schleswig-Holstein mit der Kultur- und Landesgeschichte des Landes. Aus seinen wachsenden Beständen gibt es gelegentlich thematische Ausstellungen.1
Besonderheiten
- Kreuz auf der Brustwehr: Bei der Belagerung 1261 sollte nach der Braunschweigischen Reimchronik ein Schiff mit Brennmaterial die offenbar hölzerne Befestigung anzünden. Erst als man ein Kreuz auf die Brustwehr trug, soll der Wind gedreht und das Schiff aus der Förde getrieben haben.1
- Seegarten: Am Seegarten unterhalb des Schlosses entstanden im späten 19. Jahrhundert ein Vergnügungsort und ein Anleger. Zu den Olympischen Spielen 1936 wurde der Platz zum Aufmarschgelände, in den 1950er-Jahren folgte hier der Fährhafen nach Norwegen.2
- Hafen: Die Hafenbauten unter dem Schloss kamen nach Angaben der Stadt erst spät hinzu, als sich die Werften vom Schuhmachertor nach Norden ausbreiteten.2
Umgebung und weitere Ziele
Rund 26 Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schloss Plön, etwa 37 Kilometer sind es zum Eutiner Schloss. Rund 44 Kilometer Luftlinie entfernt steht Schloss Gottorf; zum Gottorfer Anteil gehörte Kiel ab 1544.
Weitere Anlagen in Kiel zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser in Kiel, das ganze Land die Seite Schleswig-Holstein.
Lage und Karte
54.3242° N · 10.1434° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burg Kiel (Kieler Schloss) (Frederic Zangel 2018, Claus Weber 2024)KuLaDig, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 17.10.2026
- The Kieler Schloss and the SeegartenLandeshauptstadt Kiel, abgerufen am 17.10.2026
- Ostflügel (Kieler Schloss, historic:castle) (Kartenobjekt way/28081279)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 17.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Diego Delso · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Schleswig-Holstein
Schloss · 25,6 kmSchloss Plön
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Schloss · 44,2 kmSchloss Gottorf
Schloss · 68,4 kmSchloss Glücksburg
Bildnachweise
- Schloss Plön: Foto: Matthias Süßen · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Eutiner Schloss: Foto: Matthias Süßen · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Gottorf: Foto: Matthias Süßen · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Glücksburg: Foto: Pelz · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons