Berliner Schloss
Das Berliner Schloss: Hohenzollernresidenz, 1950 gesprengt, als Humboldt Forum wiederaufgebaut. Geschichte, Rekonstruktion, Öffnungszeiten, Eintritt.

Steckbrief
- Typ
- Schloss
- Erste Erwähnung / Bau
- 1451
- Baustil
- Architektur der Renaissance, Barockarchitektur, klassizistische Architektur
- Ort
- Bezirk Mitte
- Kreis
- Berlin (Stadt)
- Bundesland
- Berlin
- Nächste größere Stadt
- Berlin1,3 km
- Website
- www.stadtschloss-berlin.de
- Koordinaten
- 52.5175, 13.40278
Inhalt 12 Abschnitte
Mitten in Berlin, zwischen Lustgarten, Spree und Schlossplatz, steht ein Gebäude mit doppelter Identität. Von außen zeigt es auf drei Seiten die barocke Fassade des Berliner Schlosses, in dem über Jahrhunderte die Hohenzollern residierten. Tatsächlich ist der Bau aber ein Neubau aus den Jahren 2013 bis 2020: Das historische Schloss wurde nach schweren Kriegsschäden 1950 gesprengt. Heute beherbergt die Rekonstruktion das Humboldt Forum mit Museen, Ausstellungen und einer Dachterrasse. An diesem Bau lässt sich der wechselhafte Umgang mit Geschichte unmittelbar ablesen.
Von der Zwingburg zur Residenz
Den Grundstein legte Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, genannt "Eisenzahn", im Jahr 1443. Die erste Anlage war eine befestigte Burg an der Spree, die 1451 fertig war. Ab 1538 baute Caspar Theiss sie im Stil der Renaissance zu einem Schloss um.
Das Gesicht, das bis heute mit dem Berliner Schloss verbunden wird, entstand um 1700. Ab 1698 gestaltete Andreas Schlüter die Anlage zu einem prächtigen Barockschloss um. Nach seinem Ausscheiden übernahm 1706 Johann Friedrich Eosander von Göthe die Leitung, die Arbeiten dauerten bis 1713. Das Schloss wurde damit zum Symbol der Macht der Hohenzollern, die inzwischen Könige in Preußen waren.
Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt das Schloss seine markante Kuppel. Friedrich August Stüler errichtete sie zwischen 1845 und 1853.
Schauplatz deutscher Geschichte
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war das Schloss immer wieder Bühne politischer Ereignisse. 1847 tagte hier der Vereinigte Landtag, und im März 1848 wurde das Schloss zum Schauplatz der Revolution, als Militär gewaltsam gegen Demonstranten vorging. Am 1. August 1914 verkündete Kaiser Wilhelm II. vom Balkon aus die Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg. Und am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht vor dem Schloss eine sozialistische Republik aus.
Mit dem Ende der Monarchie verlor der Bau seine politische Rolle. In der Weimarer Republik zog 1921 ein Schlossmuseum ein, das als meistbesuchtes Museum Berlins galt. Daneben diente der Bau als Veranstaltungsort. In der NS-Zeit diente das Umfeld des Schlosses als Kulisse für Aufmärsche und Kundgebungen.
Zerstörung und Sprengung
Am 3. Februar 1945 trafen Spreng- und Brandbomben das Schloss. Es brannte fast vier Tage lang und war danach im Inneren völlig ausgebrannt. Die massiven Außenmauern blieben jedoch stehen.
Im Juli 1950 beschloss die DDR-Führung trotzdem den Abriss. Aus ideologischen Gründen sollte das Erbe der preußischen Monarchie aus dem Stadtbild verschwinden, an seine Stelle ein Demonstrationsplatz treten. Im September 1950 begannen die abschnittsweisen Sprengungen, die bis Ende Dezember 1950 dauerten. Nur wenige Teile wurden geborgen. Das bekannteste ist das Portal IV, das 1963 in die Fassade des Staatsratsgebäudes eingebaut wurde.
Vom Palast der Republik zum Humboldt Forum
Auf der Freifläche entstand der Marx-Engels-Platz. Zwischen 1973 und 1976 baute die DDR an der Ostseite den Palast der Republik, Sitz der Volkskammer und zugleich Kulturhaus. Wegen Asbestbelastung wurde er nach der Wiedervereinigung zwischen 2006 und 2008 abgerissen.
Bereits 2002 hatte der Bundestag beschlossen, das Schloss in seiner äußeren Gestalt wiederaufzubauen. 2008 gewann der italienische Architekt Franco Stella den internationalen Wettbewerb. Grundsteinlegung war am 12. Juni 2013, Richtfest genau zwei Jahre später. Ende 2020 öffnete das Humboldt Forum zunächst digital, die Ausstellungen folgten schrittweise bis 2022.
Laut Architekturdossier des Humboldt Forums lag das Gesamtbudget bei 682 Millionen Euro, den größten Teil trug der Bund. Rund 80 Millionen Euro für die barocken Fassaden kamen aus privaten Spenden.
Das Projekt war von Beginn an umstritten. Diskutiert wurden die Rekonstruktion selbst, der Abriss des Palasts der Republik und zuletzt der koloniale Kontext der ausgestellten Sammlungen. Das Humboldt Forum greift diese Debatten mit Kunstwerken und Ausstellungen zur Geschichte des Ortes auf.
Was man heute sieht
Rekonstruiert sind die drei barocken Außenfassaden nach Norden, Süden und Westen, die Kuppel und die Fassaden des großen Innenhofs, des Schlüterhofs. Nach Osten zur Spree zeigt Stellas Entwurf dagegen eine bewusst moderne, strenge Fassade. Die Kuppel reicht rund 70 Meter hoch, für den Fassadenschmuck wurden etwa 2.800 figürliche Elemente neu geschaffen. Verbaut wurden rund 9.000 Kubikmeter Sandstein.
Der Schlüterhof misst etwa 50 mal 80 Meter und ist von prächtigen Portalen gerahmt. Neu ist die Passage, die als öffentlicher Durchgang von Norden nach Süden durch das Gebäude führt. Dazu kommt ein glasüberdachtes Foyer mit 35 Metern Seitenlänge. Sieben Werke der Kunst am Bau und 36 sogenannte Spuren im ganzen Haus setzen sich mit der Geschichte des Ortes auseinander.
Im Inneren zeigen das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin ihre Sammlungen. Die Ausstellung "Berlin Global" widmet sich der Stadt und ihren weltweiten Verflechtungen. Kostenlos sind unter anderem der Schlosskeller, der Skulpturensaal und eine Ausstellung zu den Brüdern Humboldt. Von der Dachterrasse in rund 30 Metern Höhe reicht der Blick zum Brandenburger Tor, über die Museumsinsel und zum Alexanderplatz.
Öffnungszeiten und Eintritt
| Ausstellungen | Mi-Mo 10:30-18:30 Uhr |
| Dienstag | geschlossen |
| Dachterrasse | wie Ausstellungen, freitags bis 20 Uhr |
| Berlin Global | 9 €, unter 18 Jahren frei |
| Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst | 9 €, unter 19 Jahren frei |
| Ermäßigung | 50 % für Berechtigte |
| Dachterrasse | 3 €, ermäßigt 1,50 € |
| Schlosskeller, Skulpturensaal, Humboldt-Ausstellung | frei |
Ein Medienguide kostet 3 €, Gruppen ab zehn Personen zahlen 8 € pro Person. Bei Schnee oder Glätte kann die Dachterrasse kurzfristig geschlossen werden.
Anfahrt und Parken
Die Adresse lautet Schlossplatz, 10178 Berlin. Am schnellsten erreicht man das Humboldt Forum mit der U5 bis Museumsinsel, der Bahnhof liegt direkt vor dem Gebäude. Die S-Bahnhöfe Hackescher Markt und Alexanderplatz sind 10 bzw. 15 Minuten zu Fuß entfernt. Die Buslinien 100 und 300 halten am Lustgarten.
Eigene Besucherparkplätze gibt es nicht. In der Nähe liegen die Parkhäuser Dom Aquarée, Bebelplatz und Rathauspassagen.
Barrierefreiheit
Alle öffentlichen Bereiche oberhalb des Erdgeschosses sind über Aufzüge erreichbar, auch die Dachterrasse. Rollstuhlgerechte Toiletten sind vorhanden. Auf der Südseite gibt es 22 Behindertenparkplätze ohne Anmeldung, wegen Bauarbeiten sind sie derzeit in den Bereich von Tor 2 am südlichen Schlossplatz verlegt. Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es ein taktiles Leitsystem, für gehörlose Besucher Videos und Führungen in Deutscher Gebärdensprache.
Tipps für den Besuch
- Dienstag meiden: An diesem Tag sind Ausstellungen und Dachterrasse geschlossen.
- Kostenlos beginnen: Schlosskeller, Skulpturensaal und die Humboldt-Ausstellung sind ohne Ticket zugänglich.
- Schlüterhof betreten: Der große Innenhof vermittelt am besten, wie das barocke Schloss einmal wirkte.
- Dachterrasse am Freitag: Dann ist sie bis 20 Uhr geöffnet, gut für einen Blick über die Stadt am Abend.
- Kombinieren: Museumsinsel, Lustgarten und Berliner Dom liegen direkt gegenüber.
Lage und Umgebung
52.5175° N · 13.4028° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 09/2026Quellen der Redaktion
- humboldtforum.org/en/visit/
- humboldtforum.org/en/visit/prices-and-tickets/
- humboldtforum.org/en/barrierefreiheit/
- humboldtforum.org/en/programm/dauerangebot/must-see-en/roof-terrace-34465/
- humboldtforum.org/wp-content/uploads/2020/08/HF_Architekturdossier_240516_DE.pdf
- humboldtforum.org/de/magazin/artikel/kritische-auseinandersetzung-mit-der-architektur/
- bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/211639/1950-das-berliner-stadtschloss-wird-gesprengt/
- berliner-schloss.de/das-historische-schloss/zerstoerung-und-vernichtung/
- de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Schloss
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Königlich Preußische Messbildanstalt · Public domain · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Berlin
Bildnachweise
- Schloss Bellevue (Berlin): Foto: W. Bulach · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Charlottenburg: Foto: abbilder · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

