Burgenführer
Burg · Bad Kreuznach (Bad Münster am Stein-Ebernburg) · Rheinland-Pfalz

Burg Ebernburg

Burg der Sickinger über dem Nahetal, 1698 gesprengt und nach 1945 wieder aufgebaut, heute evangelische Familienferien- und Bildungsstätte.

49.8070° N · 7.8386° E
Burg Ebernburg
Burg EbernburgFoto: Deznek · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burg1, 6wiederaufgebaut
Gründung
1338-13476
Denkmalstatus
Kulturdenkmal6
Ort
Bad Kreuznach (Bad Münster am Stein-Ebernburg)2, 6
Bundesland
Rheinland-Pfalz
Betreiber
Ebernburg-Verein e.V. (Evangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg)2, 4, 5
Koordinaten
49.807, 7.83861
Inhalt 18 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Anfänge: zwei Standorte
  3. Die Sickinger und der Ausbau zum Schloss
  4. Reformation auf der Burg
  5. Zerstörung 1523 und Wiederaufbau
  6. Französische Besetzung und Sprengung 1698
  7. Ruine, Steinbruch, Gaststätte
  8. Wiederaufbau nach 1945
  9. Chronik
  10. Architektur und Aufbau
  11. Besonderheiten
  12. Heutige Nutzung
  13. Auf einen Blick
  14. Besichtigung
  15. Anreise
  16. Umgebung und weitere Ziele
  17. Lage und Karte
  18. Quellen
Lesezeit etwa 4 MinutenStand: Oktober 20268 Quellen

Die Ebernburg steht auf einem Bergvorsprung über dem Nahetal im Ortsteil Bad Münster am Stein-Ebernburg der Stadt Bad Kreuznach. Franz von Sickingen wurde hier geboren, in der frühen Reformation hielten sich Ulrich von Hutten und Oecolampad auf der Burg auf. Nach Sprengung und Verfall stammen alle aufragenden Gebäude aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.1, 2, 6, 7 Der Ebernburg-Verein betreibt hier heute eine evangelische Bildungs- und Ferienstätte für Familien.4, 5

Geschichte

Anfänge: zwei Standorte

Die frühe Geschichte ist unsicher. Die Betreiberseite nennt einen Bau durch die Salier im 11. Jahrhundert, vermerkt aber selbst, dass er nicht belegt ist. Als erste urkundliche Erwähnung gibt ihre Zeittafel 1237 an, an anderer Stelle spricht sie von einer ersten Erwähnung um das 11. Jahrhundert. Für 1214 verzeichnet sie Besitz der Grafen von Leiningen.1

Nach dem KuLaDig-Beitrag lagen Burg und Dorf zuvor an einer anderen Stelle, die bisher nicht nachgewiesen ist. Am heutigen Platz errichteten die Grafen Johann und Walram von Sponheim-Kreuznach die Burg zwischen 1338 und 1347 neu.6

Die Sickinger und der Ausbau zum Schloss

1448 erwarb Reinhard von Sickingen die Ebernburg als Pfand. Ab 1482 gehörte die Burg den Sickingern.6 Die Betreiberseite nennt in ihrer Zeittafel eine Übertragung als erbliches Lehen an Reinhards Sohn Schweikhard, an anderer Stelle eine 1482 erblich verpfändete Herrschaft.1 Franz von Sickingen kam am 2. März 1481 auf der Ebernburg zur Welt.7

Ab 1482 bauten die Sickinger die Anlage aufwendig zu einem festungsartigen Schloss aus. Auf der Nordseite entstand ein neuer Wohnbau. Bestückt wurde die Anlage mit vielen schweren und leichten Feuerwaffen. Schildmauer und Bergfried der Erstanlage aus dem 14. Jahrhundert wurden dabei beseitigt.6

Reformation auf der Burg

Nach der Betreiberseite gilt die Ebernburg seit 1520 als "Herberge der Gerechtigkeit".1 Im Winter 1520/21 planten Sickingen und Ulrich von Hutten hier nach der Allgemeinen Deutschen Biographie gemeinsam ihr weiteres Vorgehen. Hutten blieb anschließend auf der Ebernburg. 1522 nahm Oecolampad hier die Reform des Gottesdienstes in evangelischem Sinn in Angriff.7

Zerstörung 1523 und Wiederaufbau

1523 eroberte eine Fürstenallianz Burg und Ort und brannte beide nieder. Franz von Sickingen starb im selben Jahr auf der Burg Landstuhl in der Pfalz.6, 7 Schon 1542 bauten seine Söhne die Ebernburg wieder auf.6

Französische Besetzung und Sprengung 1698

In den Kriegen Ludwigs XIV. besetzten französische Truppen die Burg. Der KuLaDig-Beitrag setzt den Beginn 1684 an, die Betreiberseite nennt 1688 im Pfälzischen Erbfolgekrieg.1, 6 1697 eroberte der Markgraf von Baden die Burg zurück. Nach dem Frieden von Ryswijk wurde ihre Sprengung beschlossen, im Juni 1698 wurde sie ausgeführt.1, 6

Ruine, Steinbruch, Gaststätte

Die Sickinger hatten ihren repräsentativen Sitz damit endgültig verloren, die Burg blieb Ruine.6 Carl Ferdinand von Sickingen ließ sich 1746 bis 1748 ein großes Residenzschloss bauen. Er starb 1768. Im selben Jahr erlosch nach der Neuen Deutschen Biographie die Linie Sickingen-Ebernburg.1, 7

1771 kam die Herrschaft Ebernburg durch einen Vertrag zwischen Kurpfalz, Baden und den Sickingern zurück an die Inhaber der Grafschaft Sponheim. In den Revolutionskriegen nach 1789 erlitt die Burg schwere Schäden, 1794 wurde das Talschloss ganz zerstört.1

1812 erwarb Gräfin Lauer die Ebernburg als französisches Dominialgut. In der Folgezeit diente die Burg den Ebernburgern als Steinbruch.1 1840 baute Familie Günther, die im Bergbau tätig war, die Burg teilweise als Gaststätte wieder auf.6

Wiederaufbau nach 1945

Der KuLaDig-Beitrag nannte 2016 die Ebernburg-Stiftung als Eigentümerin seit 1914.6 Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude wieder aufgebaut. 1950 wurde der Ebernburg-Verein gegründet, der für die Instandhaltung der Burg zuständig ist.1

Von 2009 bis 2012 investierten die evangelischen Kirchen 3,25 Millionen Euro in Energiesanierung und Brandschutz der Häuser Palas, Sickingen und Hutten. Ab 2016 folgten nach Angaben der Bildungsstätte (Stand 2023) weitere Arbeiten an Gebäuden, Mauern und Brücke, finanziert mit Mitteln der Kirchen, des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz.1

Chronik

1338 - 2016
  1. 1338-1347GründungNeubau am heutigen Standort durch die Grafen Johann und Walram von Sponheim-Kreuznach6
  2. 1448BesitzwechselReinhard von Sickingen erwirbt die Burg als Pfand7
  3. 1482BesitzwechselDie Burg gehört ab 1482 erblich den Sickingern6
  4. ab 1482UmbauAusbau zu einem festungsartigen Schloss mit neuem Wohnbau und Feuerwaffen6
  5. 1523ZerstörungEroberung durch eine Fürstenallianz, Burg und Ort werden niedergebrannt1, 6
  6. 1542WiederaufbauWiederaufbau durch die Söhne Franz von Sickingens6
  7. 1698ZerstörungSprengung der Burg nach dem Frieden von Ryswijk1, 6
  8. 1771BesitzwechselDie Herrschaft Ebernburg kommt durch Vertrag zurück an die Inhaber der Grafschaft Sponheim1
  9. 1794ZerstörungDas Talschloss wird in den Revolutionskriegen völlig zerstört1
  10. 1812BesitzwechselGräfin Lauer erwirbt die Ebernburg als französisches Dominialgut1
  11. 1840WiederaufbauTeilweiser Wiederaufbau als Gaststätte durch Familie Günther6
  12. 1914BesitzwechselDie Burg kommt in das Eigentum der Ebernburg-Stiftung6
  13. nach 1945WiederaufbauWiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs1, 6
  14. 1950NutzungsänderungGründung des Ebernburg-Vereins, zuständig für die Instandhaltung1
  15. 2009-2012RestaurierungEnergetische Sanierung und Brandschutz der Häuser Palas, Sickingen und Hutten1
  16. ab 2016RestaurierungWeitere Sanierung von Gebäuden, Mauern und Brücke1

Besitz und Herrschaft

  • 1338Grafen Johann und Walram von Sponheim-Kreuznach6Bauherren des Neubaus am heutigen Standort
  • 1448Reinhard von Sickingen7Pfandbesitz
  • 1482Schweikhard von Sickingen und Nachkommen1, 6erblicher Besitz
  • 1771Inhaber der Grafschaft Sponheim1Herrschaft Ebernburg durch Vertrag zurückübertragen
  • 1812Gräfin Lauer1Erwerb als französisches Dominialgut
  • seit 1914Ebernburg-Stiftung6Eigentümerin, 2016 so belegt

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Burg heute

Architektur und Aufbau

Aus der Zeit der Sickinger sind Teile der Befestigungen erhalten, außerdem der Brunnen, einige Gewölbe und unterirdische Gänge.6

Besonderheiten

  • Wartburg des Westens: Franz von Sickingen bot Martin Luther Asyl auf der Ebernburg an. Daher stammt nach dem KuLaDig-Beitrag der Beiname "Wartburg des Westens".1, 6

Heutige Nutzung

Die Bildungsstätte bietet Familienurlaub mit Übernachtung in Familienzimmern und zehn Tagungsräume.2, 3 Nach eigenen Angaben bewahrt der Verein das historische Erbe gemeinsam mit der Ebernburg-Stiftung.5

Besuch

Besuch auf einen Blick

Familien
Familienurlaub mit Übernachtung in Familienzimmern der Burg (Evangelische Familienferien- und Bildungsstätte).
Stand Oktober 20262, 3

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Die Website der Bildungsstätte nennt keine Öffnungszeiten, Führungen oder Angebote für Tagesbesucher. Kontakt: Burg Ebernburg, 55583 Bad Kreuznach, Telefon 06708 6176611.2, 3 Der KuLaDig-Beitrag erwähnte 2016 neben der Bildungsstätte eine Gaststätte auf der Burg.6

Anreise

Nach Angaben der Bildungsstätte beginnen direkt vor den Toren der Burg Wanderwege.3

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 21 Kilometer Luftlinie entfernt liegt am Mittelrhein die Burg Rheinstein, etwa 22 Kilometer entfernt die Burg Reichenstein.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Bad Kreuznach, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.

Lage und Karte

49.8070° N · 7.8386° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. GeschichteEvangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg, abgerufen am 11.10.2026
  2. Evangelische Familienferien- und Bildungsstätte EbernburgEvangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg, abgerufen am 11.10.2026
  3. UrlaubEvangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg, abgerufen am 11.10.2026
  4. Träger & KooperationenEvangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg, abgerufen am 11.10.2026
  5. Ebernburg VereinEvangelische Familienferien- und Bildungsstätte Ebernburg, abgerufen am 11.10.2026
  6. Burg Ebernburg (Beitrag 2016)KuLaDig (LVR), J. Retz und S. Gebhard, Universität Koblenz-Landau, abgerufen am 11.10.2026
  7. Sickingen, Franz von (NDB 24, 2010; ADB 34, 1892)Deutsche Biographie, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11.10.2026
  8. Ebernburg (Kartenobjekt way/38936111)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Deznek · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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