Burg Lindelbrunn
Burgruine bei Vorderweidenthal, wohl im 12. Jahrhundert als Reichsburg gegründet, später Ganerbenburg, 1525 im Bauernkrieg niedergebrannt.

Steckbrief
- Typ
- Burgruine1Ruine
- Erste Erwähnung
- um 12521
- Gründung
- 12. Jahrhundert1
- Denkmalstatus
- Denkmalzone (Burgruine Lindelbrunn)1
- Ort
- Vorderweidenthal1
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Eigentümer
- Land Rheinland-Pfalz1
- Koordinaten
- 49.14452, 7.89645
Inhalt 13 Abschnitte
Die Burg Lindelbrunn ist eine Burgruine bei Vorderweidenthal im Landkreis Südliche Weinstraße. Sie liegt auf dem Gipfel des Schlossbergs nördlich des Ortes an der K 10. Gegründet wurde sie wohl im 12. Jahrhundert als Reichsburg, im Bauernkrieg 1525 brannte sie nieder. Zu sehen sind vor allem der Palas mit großen Doppelfenstern, Reste der Kapelle und Teile der Ringmauer.1
Reichsburg und Ministerialen
Das Denkmalverzeichnis setzt die Gründung wohl ins 12. Jahrhundert. Schriftlich fassbar wird die Burg erst indirekt über ihre Ministerialen.1 Dieter von Lindelbrunn, nach KuLaDig offensichtlich ein 1273 gestorbener Reichsministeriale, nannte sich bereits um oder vor 1252 nach der Anlage. Weitere Angehörige der Familie sind 1268 und 1271 urkundlich bezeugt.1
Die Familie hielt ein Reichslehen, zu dem nach KuLaDig offensichtlich auch die Burg zählte. 1271 wird der Ministeriale Merkelin erstmals genannt. König Rudolf von Habsburg sagte dessen Reichslehen später den Grafen Emich IV. und Friedrich III. von Leiningen zu. Diese Zusage war an eine Bedingung geknüpft, und Merkelin lebte 1292 noch.1
Ganerbenburg der Leininger und Zweibrücker
Bei einer Teilung im Haus Leiningen fiel die Burg 1317/18 an Graf Jofried. Später besaßen die Grafen von Leiningen und von Zweibrücken-Bitsch Lindelbrunn gemeinsam als Ganerbenburg. Für 1358 nennt KuLaDig die Zweibrücker Grafen Hanemann I. und Simon Wecker II.1
Die Leininger teilten und verpfändeten ihre Rechte nach Bedarf. So kamen Niederadelige als Teilhaber oder Pfandnehmer auf die Burg. Genannt werden unter anderem Hanemann von Sickingen (1406) und Götz von Mühlhofen der Ältere (1422). Für 1407 ist ein Burgfriedensvertrag überliefert.1
Belagerungen im 15. Jahrhundert
1441 lagen Truppen des pfälzischen Kurfürsten und des Speyerer Bischofs Reinhard von Helmstatt sieben Wochen vor der Burg. Anlass war ein heftiger Streit mit dem Ganerben Heinrich von Steinhausen.1
1450 hatte der Ganerbe Simon Mauchenheimer von Zweibrücken Heinrich Holzapfel von Herxheim ohne Zustimmung der übrigen Teilhaber auf die Burg gelassen. Ein erster Angriff scheiterte nach wenigen Tagen. Im Juni und August folgten weitere Belagerungen. Am Ende nahmen Zweibrücken-Bitsch und Leiningen-Hardenburg die Burg ein. Wie stark sie dabei beschädigt wurde, ist nicht bekannt.1
Im Konflikt von 1460/61 stellten die Grafen von Leiningen-Hardenburg die Burg ihrem Verbündeten, Herzog Ludwig dem Schwarzen, als militärischen Stützpunkt zur Verfügung.1
Bauernkrieg und Ruine
1525 nahm der Kleeburger Kolbenhaufe, eine Abteilung des Bauernheers, die nur schwach besetzte Burg ein. Die Bauern plünderten sie und brannten sie danach nieder. Wiederaufgebaut wurde Lindelbrunn nicht, seither ist die Anlage eine Ruine.1
Die Besitzrechte bestanden weiter. 1539 fiel Lindelbrunn an Hans Heinrich von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg. Nach dem Aussterben der Linie Zweibrücken-Bitsch kam deren Anteil 1570 vertraglich an die Grafen von Leiningen.1
Chronik
12. Jh. - 1981- 12. JahrhundertGründungWohl als Reichsburg gegründet1
- um 1252ErsterwähnungDer Reichsministeriale Dieter von Lindelbrunn nennt sich nach der Burg1
- 1317-1318BesitzwechselBei einer leiningischen Teilung fällt die Burg an Graf Jofried1
- 1407NutzungsänderungBurgfriedensvertrag der Ganerben1
- 1441NutzungsänderungSieben Wochen Belagerung durch Kurpfalz und Bischof von Speyer1
- 1450NutzungsänderungMehrere Belagerungen, am Ende wird die Burg eingenommen1
- 1460-1461NutzungsänderungMilitärischer Stützpunkt für Herzog Ludwig den Schwarzen1
- 1525ZerstörungIm Bauernkrieg erobert, geplündert und niedergebrannt, danach Ruine1
- 1539BesitzwechselLindelbrunn fällt an Hans Heinrich von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg1
- 1570BesitzwechselDer Anteil der ausgestorbenen Grafen von Zweibrücken-Bitsch geht an die Grafen von Leiningen1
- 1963BesitzwechselDas Land Rheinland-Pfalz erwirbt die Ruine1
- 1979-1981RestaurierungSicherung vor allem von Kapelle, Palas und Ringmauern1
Besitz und Herrschaft
- um 1252Reichsministerialen von Lindelbrunn1Inhaber eines Reichslehens, zu dem die Burg offenbar gehörte
- ab 1317Graf Jofried von Leiningen1erhält die Burg bei einer Teilung 1317/18
- 1539Hans Heinrich von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg1Anteil der Grafen von Leiningen
- 1570Grafen von Leiningen1übernehmen den Anteil der Grafen von Zweibrücken-Bitsch
- seit 1963Land Rheinland-Pfalz1Eigentümer
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Aufbau der Anlage
Der Weg zur Burg steigt bis zur Nordspitze des Bergplateaus an. Dort lag ein weiteres Tor, dahinter ein knapp sechs Meter breiter Torzwinger. Vom inneren Tor sind nur Schwelle, Balkenlöcher und Spuren der Verriegelung geblieben.1
Gleich südlich dieses Tores zeichnen sich die Fundamente der Kapelle ab. Ihr Grundriss ist fast quadratisch, die Apsis rechteckig, KuLaDig datiert sie mit Fragezeichen um 1200. Recht gut erhalten ist der Bau im Südwesten, den die Forschung meist als Saalbau oder Palas deutet. Östlich davon steht noch die zweigeschossige Außenwand eines Wohnbaus.1
Zur Datierung des Palas gibt es zwei Angaben. Die Baubeschreibung bei KuLaDig nennt um 1200. Das Denkmalverzeichnis datiert die Überreste, darunter den Palas, im Wesentlichen ins zweite Viertel des 13. Jahrhunderts.1
Zur Anlage gehörte außerdem eine kleinere Unterburg, die heute weitgehend abgegangen ist. Verschüttet sind eine kleine Filterzisterne und ein Brunnen am Fuß der südwestlichen Felswand.1
Besonderheiten
- Fenster des Palas: Der Palas besitzt drei große Doppelfenster mit Maßwerk und Sitzbänken an den Seiten.1
- Heizung: An der östlichen Schmalseite des Ostwohnbaus blieb der Rest einer Heizungsanlage erhalten, nach KuLaDig ein außergewöhnlicher Befund.1
- Ohne Hauptturm: Ein Hauptturm fehlt der Anlage, was KuLaDig als auffällig hervorhebt.1
- Name: Nach Angaben des Tourismusvereins Südliche Weinstraße leitet sich der Name vermutlich vom Burgbrunnen ab.2
- Aussicht: Bei gutem Wetter bietet die Ruine laut Tourismusverein einen Rundblick über 360 Grad.2
Heutiger Zustand
Das Land Rheinland-Pfalz ist seit 1963 Eigentümer der Ruine. Von 1979 bis 1981 ließ es umfangreiche Sicherungsarbeiten vornehmen, vor allem an Kapelle, Palas und Ringmauern. Der nördliche Teil des Geländes blieb davon ausgenommen.1 Das Nachrichtliche Verzeichnis der Kulturdenkmäler führt die Burgruine als Denkmalzone.1
Besichtigung und Anreise
Eine Betreiberseite mit Besuchsangaben wurde nicht gefunden. Nach Angaben des Tourismusvereins Südliche Weinstraße ist die Ruine jederzeit zugänglich. Vom Forsthaus Lindelbrunn sind es demnach 15 bis 20 Minuten zu Fuß hinauf. Am Fuß des Berges nennt der Verein das Forsthaus und das Restaurant Cramerhaus.2
Umgebung und weitere Ziele
Rund 4,8 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Burg Berwartstein. Etwa 8 Kilometer Luftlinie sind es zur Burg Landeck, rund 8,3 Kilometer zur Reichsburg Trifels.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Südliche Weinstraße, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
49.1445° N · 7.8965° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Burg Berwartstein 4,8 km
- Burg Altdahn 6,9 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burgruine Lindelbrunn bei VorderweidenthalKuLaDig (LVR), Jürgen Keddigkeit 2024, mit Eintrag des Nachrichtlichen Verzeichnisses der Kulturdenkmäler (GDKE, Stand Januar 2025), abgerufen am 11.10.2026
- Lindelbrunn Castle ruinsSüdliche Weinstraße e. V., abgerufen am 11.10.2026
- Lindelbrunn (Kartenobjekt way/331411246)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Gerd Eichmann · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Burg Berwartstein: Foto: H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Altdahn: Foto: Llez · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Landeck: Foto: BlueBreezeWiki · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Reichsburg Trifels: Foto: Llez · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons