Burg Neuscharfeneck
Ruine einer großen Burg der Herren von Scharfeneck und der Kurpfalz im Flemlinger Wald, mit sehr mächtiger Schildmauer.

Steckbrief
- Typ
- Burgruine1Ruine
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal (Denkmalzone)1
- Ort
- Flemlingen1
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Koordinaten
- 49.2527, 8.02182
Inhalt 12 Abschnitte
Burg Neuscharfeneck ist eine Burgruine im Flemlinger Wald im Landkreis Südliche Weinstraße, rund einen Kilometer Luftlinie östlich von Ramberg und Dernbach. Sie steht auf einem Ausläufer des Kalkofenbergs über dem Dernbachtal. Nach KuLaDig gehörte sie zu den größten Burganlagen der Pfalz. Heute stehen noch die mächtige Schildmauer sowie Reste von Vorburg, Ringmauer und Oberburg.1 Als Eigentümerin nannte ein Pressebericht 2021 die Gemeinde Flemlingen.4
Entstehung: zwei Datierungen
Ein sicheres Gründungsjahr gibt es nach KuLaDig nicht. Der KuLaDig-Text setzt den Bau durch die Herren von Scharfeneck in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts und ordnet die Kernanlage der Stauferzeit zu. Das Denkmalverzeichnis datiert die Burg dagegen an den Anfang des 13. Jahrhunderts und nennt sie ein Vorwerk der zerstörten Burg Altscharfeneck.1
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts trugen beide Burgen den Namen Scharfeneck. Eine Grenzbeschreibung von 1382 erwähnt eine "Nuwenburg", die laut KuLaDig nach Ansicht von Historikern mit Neuscharfeneck gleichzusetzen ist.1
Lehen der Kurpfalz
Die Burg war Familiensitz der Seitenlinie Scharfeneck-Metz. 1363 trug Heinrich III. von Scharfeneck, Sohn Johanns von Scharfeneck-Metz, sie der Kurpfalz zu Lehen auf. Er erhielt sie als Mannlehen zurück. Als die Linie 1416 ausstarb, fiel die Burg an die Kurpfalz.1
1469 löste Pfalzgraf Friedrich I., genannt der Siegreiche, die Burg wieder ein. Bis 1472 baute er sie zu einer zeitgemäßen Anlage mit starker Befestigung aus.1
Zerstörung und Verfall
Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 eingenommen und in Brand gesetzt. Bis 1530 wurde sie wiederaufgebaut und erweitert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört, das Denkmalverzeichnis nennt dafür das Jahr 1633. Einen Wiederaufbau gab es danach nicht.1
Die Ruine verfiel, und die Dörfer der Umgebung nutzten sie als Steinbruch. 1820 kam sie in dieser Funktion an die Gemeinde Flemlingen.1
Sicherung und Sanierung
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kümmerte sich der Gleisweilerer Verschönerungsverein um die Ruine. Er ließ aufräumen und baute 1888 unter anderem eine Treppe zum Torturm der Vorburg.1
Den Anstoß zur Gründung des Scharfeneck-Vereins 1971 gab der Einsturz weiter Teile der nördlichen Zwingermauer. Seither sorgt er für Erhalt und Renovierung der Ruine. Er stellte Infotafeln zur Geschichte auf und richtete Burgfeste aus.1, 4
2020 wurde eine Sanierungsplanung mit Gesamtkosten von 4,9 Millionen Euro vorgestellt. Zuerst sollten die Wege gegen herabfallende Steine gesichert werden, dazu der westliche Torturm und das Burgtor.2 Beantragt wurden zunächst dringende Verkehrssicherungen für 1,64 Millionen Euro über drei Jahre.3 Nach einem Bericht vom August 2021 sollte der Bund die Hälfte der Kosten tragen, das Land 40 Prozent. Der Arbeitsbeginn war für das Frühjahr 2022 vorgesehen.4
Chronik
1363 - 1971- 1363BesitzwechselHeinrich III. von Scharfeneck trägt die Burg der Kurpfalz zu Lehen auf und erhält sie als Mannlehen zurück1
- 1416BesitzwechselNach dem Aussterben der Linie Scharfeneck-Metz fällt die Burg an die Kurpfalz1
- 1469BesitzwechselPfalzgraf Friedrich I. löst die Burg wieder ein1
- 1469-1472UmbauAusbau zu einer zeitgemäßen, stark befestigten Anlage1
- 1525ZerstörungIm Bauernkrieg eingenommen und in Brand gesteckt1
- bis 1530WiederaufbauWiederaufbau und Erweiterung1
- 1633ZerstörungEndgültige Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, kein Wiederaufbau1
- 1820BesitzwechselDie Ruine kommt als Steinbruch an die Gemeinde Flemlingen1
- 1888RestaurierungDer Gleisweilerer Verschönerungsverein baut eine Treppe zum Torturm der Vorburg1
- 1971NutzungsänderungGründung des Scharfeneck-Vereins nach dem Einsturz eines großen Teils der nördlichen Zwingermauer4
Besitz und Herrschaft
- 1363-1416Herren von Scharfeneck-Metz1Familiensitz, 1363 der Kurpfalz zu Lehen aufgetragen und als Mannlehen zurückerhalten
- ab 1416Kurpfalz1Rückfall nach dem Aussterben der Linie, 1469 von Pfalzgraf Friedrich I. wieder eingelöst
- ab 1820Gemeinde Flemlingen1, 4Eigentümerin, 2021 noch als Eigentümerin genannt
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Die Anlage ist etwa 150 Meter lang und an der Schildmauer bis zu 60 Meter breit. Sie besteht aus einer rechteckigen Hauptburg mit Unter- und Oberburg und einer trapezförmigen Vorburg im Westen. In der Vorburg standen vor allem Wirtschaftsgebäude. Eine Ringmauer mit Wehrgang umgab die Burg.1
Die Schildmauer im Osten misst noch rund 60 Meter in der Länge und etwa 20 Meter in der Höhe. Ihre Mauern sind bis zu 12 Meter dick. Vor ihr lag ein aus dem Fels gearbeiteter Halsgraben.1
Das Denkmalverzeichnis datiert den Kern der Schildmauer ins 13. Jahrhundert, in spätgotischer Zeit wurde sie mit Großquadern erneuert. Außerdem nennt es einen Palas des 16. Jahrhunderts, einen Zwinger auf der Nordseite und einen Torbau mit Rundturm an der Westseite der Vorburg.1
Besichtigung
Eine Betreiberseite mit Öffnungszeiten ließ sich nicht ermitteln. 2020 hieß es, die Burg solle auch nach den ersten Sicherungen für Einzelbesucher gesperrt bleiben.2 Laut einem Bericht vom Januar 2021 sollte sie danach wieder für organisierte Führungen öffnen.3 Im August 2021 galt ein Besuch frühestens 2024 wieder als möglich.4 Einen aktuellen Stand zur Öffnung nennen die ausgewerteten Quellen nicht.
Anreise
Zu erreichen ist die Ruine nach KuLaDig unter anderem über einen Wanderweg vom Ramberger Waldhaus "Drei Buchen". Das Waldhaus liegt rund 2,5 Kilometer nördlich der Burg.1
Umgebung und weitere Ziele
Rund 7 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Reichsburg Trifels. Etwa 9,4 Kilometer sind es zur Madenburg, rund 10,7 Kilometer zum Hambacher Schloss.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Südliche Weinstraße, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
49.2527° N · 8.0218° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burgruine Neuscharfeneck bei DernbachKuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital (Barbara Hillers, Rolf Übel), abgerufen am 11.10.2026
- Planung zur Sanierung von Burg Neuscharfeneck (25.09.2020)Wochenblatt Reporter, abgerufen am 11.10.2026
- Sanierung der Burgruine Scharfeneck verursacht hohe Kosten (22.01.2021)Wochenblatt Reporter, abgerufen am 11.10.2026
- Der Besuch der Burg soll 2024 wieder möglich sein (11.08.2021)Wochenblatt Reporter, abgerufen am 11.10.2026
- Neuscharfeneck (Kartenobjekt way/128963132)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Areuland · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Rheinland-Pfalz
Burg · 7,0 kmReichsburg Trifels
Burgruine · 9,4 kmMadenburg
Burg · 10,7 kmHambacher Schloss
Burgruine · 12,5 kmBurg Landeck
Bildnachweise
- Reichsburg Trifels: Foto: Llez · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Madenburg: Foto: Rolohauck · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Hambacher Schloss: Foto: © Achim Lammerts (Syntaxys) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Landeck: Foto: BlueBreezeWiki · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons