Burg Reichenberg
Burgruine der Grafen von Katzenelnbogen über Reichenberg, ab 1319 erbaut, mit Schildmauer und Saalbau, heute in Privatbesitz.

Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 10. August 13193
- Kreis
- Rhein-Lahn-Kreis
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Koordinaten
- 50.1585, 7.75997
Inhalt 14 Abschnitte
Die Burg Reichenberg steht auf einem Felsrücken zwischen Reitzenhainer Bach und Hasenbach, oberhalb des gleichnamigen Dorfes im Rhein-Lahn-Kreis. Die Grafen von Katzenelnbogen ließen sie ab 1319 errichten. Von der Anlage des 14. Jahrhunderts stehen vor allem die mächtige Schildmauer und ein Saalbau. Die Burg ist in Privatbesitz.1, 6, 9
Entstehung unter den Grafen von Katzenelnbogen
Am 10. August 1319 erlaubte Erzbischof Balduin von Trier Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen und seiner Frau, auf dem Berg eine Burg zu bauen. Aus derselben Urkunde stammt die erste Nennung Reichenbergs.1, 2, 3 Nach der Ortsgemeinde entstand der Ort im Tal als Siedlung der Handwerker und Arbeiter, die am Burgbau beschäftigt waren.8
Die Loreley Touristik beschreibt die Burg als Vorposten der Katzenelnbogener zu ihren Burgen Neukatzenelnbogen und Rheinfels, an einer alten Römerstraße gelegen.10 Abweichend setzt regionalgeschichte.net den Baubeginn einer Burg schon kurz nach 1284 an. Diese ältere Anlage sei 1302 im Zollkrieg durch König Albrecht I. zerstört worden.2
1324 stellte König Ludwig IV. die neu erbaute Burg und das Dorf Husen unter seinen Schutz.3 Die heutige Anlage entstand nach EBIDAT und Ortsgemeinde in zwei Phasen. Zur ersten ab 1319 gehören die Schildmauer mit ihren beiden Flankentürmen und die Ringmauer des Vorhofs.1, 6
1352 teilte Wilhelm II. die Rechte an der Burg mit seinem Bruder Eberhard V., ein Jahr später schlossen beide einen Burgfrieden. Wilhelm II. baute danach die ihm zugefallene Osthälfte aus. Dort entstanden Saalbau und Wohntrakte, entgegen der ersten Planung im früheren östlichen Vorhof.1, 3, 6 Nach Wilhelms Tod 1385 erbte Eberhard V. Reichenberg.3
Hessisches Amt und Zerstörung 1647
Mit dem Tod des letzten Grafen von Katzenelnbogen kam die Burg 1479 an Landgraf Heinrich von Hessen. Reichenberg wurde Sitz eines Oberamtmanns und blieb bis 1806 hessischer Amtssitz.1, 3, 4 Seit 1626 gehörte es zu Hessen-Darmstadt.4
Im Dreißigjährigen Krieg suchten Menschen aus der Umgebung Schutz in der Burg. 1647 wurde sie nach langem Beschuss und dem Untergraben der Ringmauer eingenommen und danach verwüstet. Im 18. Jahrhundert verfiel die Anlage weiter, bis 1806 lagen nur noch kleine Besatzungen aus meist Invaliden darin.4
Abbruch und Rettung als Ruine
Nach der französischen Verwaltung kam Reichenberg an das Herzogtum Nassau. Die Ortsgemeinde nennt dafür 1816, regionalgeschichte.net den Wiener Kongress 1815, EBIDAT führt beide Jahre.1, 2, 4 Schon 1813 stürzte das obere Drittel des Südturms ab, der Rest wurde gesprengt. Nach regionalgeschichte.net geschah die Sprengung 1814.2, 4
Die nassauische Verwaltung gab die Burg zum Abbruch frei. EBIDAT und regionalgeschichte.net datieren den Verkauf auf 1818, die Ortsgemeinde nennt eine stückweise Versteigerung 1821.1, 2, 4 Das Hauptgebäude kaufte Moses Aron von Ruppertshofen zum Abriss. Ganz abgetragen wurde die Burg aber nicht.1, 5
Private Besitzer seit dem 19. Jahrhundert
1836 erwarb der Archivar Friedrich Gustav Habel die Ruine für 50 Gulden.5 1880 vermachte Gräfin Charlotte von Mellin die Burg ihrem Neffen Baron Wolfgang von Oettingen. Er ließ auf der Westseite in mehreren Abschnitten einen Wohnkomplex errichten. Von 1909 bis 1918 leitete er das Goethe-Nationalmuseum in Weimar, danach lebte er auf Reichenberg.5, 8
1953 starb Karl Johann von Oettingen, seine Erben verkauften die Burg. 1956 nennt die Ortsgemeinde den rheinischen Kaufmann Friedrich Holz als Besitzer. Am 13. April 1971 stürzte nach Angaben der Ortsgemeinde auch der Nordturm ein, 1988 kamen Burg und Burgberg unter Denkmalschutz.5 1990 ging die Burg an Hans Quintes. 2003 wurde sie unter Zwangsverwaltung gestellt.2, 5
Mehrere Versteigerungen scheiterten, 2006 etwa wurde der gebotene Preis nicht bezahlt. 2010 erhielt schließlich ein Unternehmer aus dem Ruhrgebiet als Zweitbietender den Zuschlag.5
Chronik
1319 - 2010- ab 1319BaubeginnErste Bauphase mit Schildmauer, Flankentürmen und Ringmauer des Vorhofs1, 6
- 10. August 1319ErsterwähnungErzbischof Balduin von Trier erlaubt Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen den Bau der Burg3
- 1324NutzungsänderungKönig Ludwig IV. nimmt die neu erbaute Burg und das Dorf Husen in seinen Schutz3
- ab 1352UmbauNach der Teilung Ausbau der Osthälfte mit Saalbau und Wohntrakten durch Graf Wilhelm II.1, 6
- 1479BesitzwechselNach dem Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen an die Landgrafen von Hessen1, 2, 3
- 1479NutzungsänderungSitz eines hessischen Oberamtmanns4
- 1626BesitzwechselReichenberg kommt an Hessen-Darmstadt4
- 1647ZerstörungNach langem Beschuss eingenommen und verwüstet4
- 1813ZerstörungTeileinsturz des Südturms1, 4, 6
- 1836BesitzwechselDer Archivar Friedrich Gustav Habel erwirbt die Ruine5
- 1880BesitzwechselErbe an Baron Wolfgang von Oettingen5
- 1881ZerstörungEinsturz der Mittelsäule des Saalbaus2
- 1971ZerstörungEinsturz des Nordturms1, 2, 5, 6
- 1990BesitzwechselHans Quintes wird Besitzer2, 5
- 2003NutzungsänderungBurg und Ländereien unter Zwangsverwaltung5
- 2010BesitzwechselZuschlag in der Versteigerung an einen Unternehmer aus dem Ruhrgebiet5
Besitz und Herrschaft
- 1319-1479Grafen von Katzenelnbogen1, 2, 3Bauherren, Lehen des Erzstifts Trier
- ab 1479Landgrafen von Hessen1, 3, 4ab 1626 Hessen-Darmstadt
- 1836Friedrich Gustav Habel5Archivar, Erwerb der Ruine
- ab 1880Familie von Oettingen5Erbe an Baron Wolfgang von Oettingen, später Verkauf durch die Erben
- 1956Friedrich Holz5Kaufmann aus dem Rheinland
- 1990Hans Quintes2, 5Besitzer, ab 2003 Zwangsverwaltung
- 2010Unternehmer aus dem Ruhrgebiet5Zuschlag in der Zwangsversteigerung 2010
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Nach der Ortsgemeinde ist die Schildmauer 20 Meter hoch und vier Meter stark.6 EBIDAT beschreibt eine Verbreiterung zur Mitte auf fast acht Meter.1 An ihren Enden standen zwei runde Türme, nach EBIDAT je 43 Meter hoch. Keiner der beiden ist erhalten.1 Der Zweckverband Welterbe nennt die Schildmauer "manieristisch" und zählt Reichenberg zu den bedeutendsten Burganlagen in Rheinland-Pfalz.9
Mittig vor der Schildmauer steht der Saalbau: drei Geschosse über einem Keller, je Seite 13 Meter lang. Säulen gliedern das Innere in zwei Schiffe und greifen romanische Formen auf, das oberste Geschoss schließt ein Kreuzgewölbe.1 Nach dem Zweckverband Welterbe ruht die Decke auf Würfelkapitellen.9 Die Mittelsäule des Saalbaus stürzte 1881 ein.2 1913 wurde der Saalbau nach der Ortsgemeinde unter Leitung des königlichen Hochbauamts Rüdesheim restauriert und erhielt neue Sandsteinsäulen.5
Über dem Tor lag nach EBIDAT eine Kapelle, die 1371 geweiht wurde. In der Vorburg mit ihren Wirtschaftsgebäuden steht eine weitere Kapelle.1 Nach der Ortsgemeinde liegt sie im äußersten Süden der Vorburg und wurde 1380 zu Ehren der Heiligen Georg und Christophorus geweiht.3 Mit der Altarweihe dieses Jahres könnte die zweite Bauphase abgeschlossen gewesen sein.6
EBIDAT bezeichnet Reichenberg als "eine der bedeutendsten, nie ganz vollendeten Wehranlagen des 14. Jhs."1
Besonderheiten
- Ungewöhnliche Schildmauer: Mit den einst sehr hohen Flankentürmen gilt die Schildmauer dem Zweckverband Welterbe als Besonderheit im spätmittelalterlichen Burgenbau.9
- Kirche an der Burg: Die an die Burg angebaute Kapelle nutzt die evangelische Kirchengemeinde nach Angaben der Loreley Touristik regelmäßig für Gottesdienste.10
- Gräber der Oettingen: Auf dem Friedhof zwischen Kirche und Burg liegen viele Mitglieder der Familie von Oettingen begraben.8
Heutiger Zustand
Erhalten sind Schildmauer, Saalbau und Teile der Vorburg, die beiden Flankentürme fehlen.1, 9 Auf der Westseite steht der Wohnkomplex aus der Zeit der Familie von Oettingen.5 Den Nordbau hat man nach Angaben der Ortsgemeinde inzwischen vollständig neu errichtet.5
Besuch auf einen Blick
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Die Burg ist nicht öffentlich zugänglich. Nach dem Zweckverband Welterbe lässt sie sich derzeit nur von außen ansehen.7, 9
Umgebung und weitere Ziele
Rund 2,7 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Burg Katz. Etwa 4 Kilometer sind es bis zur Burg Rheinfels, rund 4,8 Kilometer bis zur Burg Maus.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Rhein-Lahn-Kreis, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
50.1585° N · 7.7600° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Burg Katz 2,7 km
- Burg Rheinfels 4,0 km
- Burg Maus 4,8 km
- Schönburg 6,7 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Reichenberg am MittelrheinEuropäisches Burgeninstitut, EBIDAT (Reinhard Friedrich, Jens Friedhoff), abgerufen am 11.10.2026
- Burg ReichenbergInstitut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, regionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Katzenelnbogener ZeitOrtsgemeinde Reichenberg, abgerufen am 11.10.2026
- Hessische HerrschaftOrtsgemeinde Reichenberg, abgerufen am 11.10.2026
- PrivatbesitzOrtsgemeinde Reichenberg, abgerufen am 11.10.2026
- BauwerkOrtsgemeinde Reichenberg, abgerufen am 11.10.2026
- Informationen BurgOrtsgemeinde Reichenberg, abgerufen am 11.10.2026
- Ortsgemeinde ReichenbergOrtsgemeinde Reichenberg, Welterbe Oberes Mittelrheintal, abgerufen am 11.10.2026
- Burg ReichenbergZweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal, abgerufen am 11.10.2026
- ReichenbergLoreley Touristik GmbH, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Reichenberg (building) (Kartenobjekt relation/13573437)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
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Bildnachweis Titelbild: Foto: Johannes Robalotoff · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Rheinland-Pfalz
Bildnachweise
- Burg Katz: Foto: Ingo Mehling · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Rheinfels: Foto: Rainer Lippert · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Maus: Foto: Johannes Robalotoff · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons
- Schönburg: Foto: Gillfoto · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons



