Burg Runkel
Burg über der Lahn in Runkel, 1159 erstmals erwähnt, mit Ruine der Kernburg und der nach 1634 wiederhergestellten Unterburg.

Steckbrief
- Typ
- Burg1teilweise erhalten
- Gründung
- um 11501
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal (§ 2 Abs. 1 HDSchG)1
- Bundesland
- Hessen
- Koordinaten
- 50.4053, 8.15589
Inhalt 14 Abschnitte
Die Burg Runkel steht auf einem Felsen über der Lahn in Runkel im Landkreis Limburg-Weilburg. Zu ihr gehören die Ruine der mittelalterlichen Kernburg mit drei durch Mauern verbundenen Türmen und die Unterburg, die nach der Zerstörung von 1634 wiederhergestellt wurde.1, 4 Nach Angaben der Stadt Runkel ist die Burg bis heute im Besitz der Familie zu Wied. Die Stadt nennt die Ruine mit Turmbesteigung und historische Räume als Besichtigungsziele.2, 3
Entstehung um die Mitte des 12. Jahrhunderts
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen datiert die Gründung um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Erstmals erwähnt wird die Burg 1159.1 Die Stadtgeschichte verbindet die Anfänge mit Siegfried von Runkel. Er erscheint 1159 als Bürge und Zeuge, als Erzbischof Hillin von Trier die Gräfin Beatrix von Laurenburg mit der Burg Nassau belehnte.2
Die Stadt hält Siegfried für einen möglichen Sachwalter des Reiches beim Bau der Burg. Sie sieht in der Anlage höchstwahrscheinlich eine Gründung des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa.2
Runkel und Schadeck
Um 1250 brach ein Streit in der Familie aus. Er endete damit, dass Siegfried seinen Verwandten Heinrich von Runkel vertrieb. Heinrich baute daraufhin am gegenüberliegenden Lahnufer die Burg Schadeck, die 1288 erstmals genannt wird. 1288 trennten sich auch die Linien Runkel und Westerburg endgültig.2
Nach der Zeitschrift Monumente sollte Schadeck als "Eine Ecke zum Schaden der Burg Runkel" entstehen. Die Westerburger Vettern haben Burg Runkel demnach nie eingenommen.4 Mit dem Bau der Lahnbrücke begann man 1440. Wegen eines Streits mit Graf Reinhard von Westerburg wurde sie erst 1448 fertig.2
Ausbau im 13. und 14. Jahrhundert
Das Landesamt beschreibt die Burg als mehrfach ausgebaut und erweitert. Den mittleren Bergfried setzt es in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, den fünfeckigen Wehrturm in die Mitte des 14. Jahrhunderts.1 Die Stadt schreibt, die Burg habe im Mittelalter als uneinnehmbar gegolten. Das habe sich mit der starken Erweiterung nach Westen im 13. und vor allem im 14. Jahrhundert geändert.3
Dietrich III. von Runkel erwarb 1376 die Zehnten von Schupbach und Aumenau. Nach der Stadtgeschichte ließ er außerdem Schlossbauten neben der Burg errichten.2
Grafen von Wied, Krieg und Zerstörung
1543 empfing Graf Johann IV. von Wied in Runkel Philipp Melanchthon, den die Stadt als Luthers Freund und Helfer bezeichnet. Am 9. September 1622 vertrieb Philipp Ludwig seinen älteren Bruder, den Landesherrn Graf Hermann II., aus Schloss und Herrschaft Runkel. Er sah sich bei der Erbteilung benachteiligt.2
Am 15. Oktober 1634 erstiegen Kroaten des Grafen Isolani die Mauern der Stadt. Sie legten den Ort und das Schloss in Asche.2 Die Kernburg blieb danach Ruine. Die tiefer liegende Unterburg wurde ab 1641 zum Wohnen wiederhergestellt und ausgebaut.1, 4
Unterburg und Fürsten zu Wied
Ein Erker im Hof der Unterburg trägt die Jahreszahl 1641. Der dreigeschossige Südflügel wurde 1701-1703 anstelle eines zerstörten Renaissancebaus errichtet und 1703 bezogen.1, 4 Um 1800 entstand im offenen Hof das "Neue Kelterhaus" mit zwei klassizistischen Spitzgiebeln.1
Nach der Stadtgeschichte war Friedrich Ludwig 1791 die Fürstenwürde zugefallen. Er starb 1824 als Letzter des Hauses Wied-Runkel. Runkel fiel an die Linie Wied-Neuwied.2 Die Zeitschrift Monumente nannte die Fürstenfamilie zu Wied 2007 Besitzer und Bewohner der Burg.4
Sicherung der Ruine
Von 1927 bis 1940 wurde die Burg umfangreich gesichert und instand gesetzt.1 2007 berichtete Monumente von tiefen Rissen und ausgebrochenen Steinen in den Mauern der Ruine. Auch die Zementfugen einer älteren Sanierung hatten sich gelöst. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Arbeiten damals mit über 123.000 Euro.4
Chronik
1150 - 1940- um 1150GründungGründung um die Mitte des 12. Jahrhunderts1
- 1159ErsterwähnungErste Erwähnung, verbunden mit Siegfried von Runkel1, 2
- 1. Hälfte 13. JahrhundertUmbauBau des mittleren Bergfrieds1
- um 1350UmbauBau des fünfeckigen Wehrturms mit Spitze gegen Schadeck1
- 15. Oktober 1634ZerstörungKroatische Truppen unter Graf Isolani brennen Stadt und Schloss nieder, die Kernburg bleibt Ruine1, 2, 4
- ab 1641WiederaufbauWiederherstellung und Ausbau der Unterburg zu Wohnzwecken4
- 1701-1703FertigstellungBau des dreigeschossigen Südflügels anstelle eines zerstörten Renaissancebaus1
- um 1800UmbauNeues Kelterhaus im offenen Hof der Unterburg1
- 1824BesitzwechselNach dem Erlöschen des Hauses Wied-Runkel fällt Runkel an die Linie Wied-Neuwied2, 4
- 1927-1940RestaurierungUmfangreiche Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten1
Besitz und Herrschaft
- 1543Grafen von Wied2Graf Johann IV. von Wied als Gastgeber auf Schloss Runkel belegt
- seit 1824Fürsten zu Wied2, 4Linie Wied-Neuwied nach dem Erlöschen des Hauses Wied-Runkel, heute Familie zu Wied
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Die Spornburg steht im Norden und Osten über steilen Felshängen. Im Süden und Westen musste sie aufwendig gesichert werden.1 Der mittlere Bergfried hat einen kielähnlichen Grundriss. Seine Spitze zeigt nach Westen, zur Angriffsseite. Als Vorbilder nennt das Landesamt französische Burgen wie Château Gaillard oder La Roche Guyon.1
Nördlich schließt der Palas mit abgeschrägten Ecken und Staffelgiebel an. Daneben steht der fünfeckige Wehrturm, dessen Spitze auf Schadeck weist. Südlich des Bergfrieds liegen ein hofartiges Plateau und ein quadratischer Wehrturm. Nach Westen schließen Mantelmauern von bis zu 6 Metern Stärke und ein schmaler Zwinger die Kernburg ab.1
Die Unterburg besteht aus drei Querflügeln mit einem geschlossenen und einem offenen Hof. Der viergeschossige Mittelflügel, der sogenannte gotische Palas, hat eine Wendeltreppe und eine kleine gewölbte Kapelle. Das äußere Tor am Schlossplatz bilden zwei gedrungene Rundtürme, das Außenwappen stammt von 1714. In Renaissance und Barock nutzte man Höfe, Zwinger und Gräben als Gärten, teils sind sie noch vorhanden.1
Besonderheiten
- Zwei Burgen an der Lahn: Runkel und Schadeck stehen sich auf beiden Seiten des Flusses gegenüber und gehen auf einen Familienstreit zurück.2, 4
- Kelterpresse: Die Stadt nennt ein Gewölbe mit großer Kelterpresse, in dem früher der "Runkeler Rote" gekeltert wurde.3
- Denkmalschutz: Die Burg steht aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen.1
Besichtigung
Laut Stadt Runkel sind neben der Ruine mit Turmbesteigung historische Räume mit Gemälden, Möbeln, Waffen und Gerät zu sehen. Für Gruppen ab 15 Personen gibt es Führungen. Auf Anfrage sind standesamtliche Trauungen möglich.3
Umgebung und weitere Ziele
Gegenüber auf der anderen Lahnseite liegt die Burg Schadeck, deren Erhaltung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ebenfalls förderte.4 Rund 20 Kilometer Luftlinie entfernt steht Schloss Braunfels, etwa 26 Kilometer sind es zur Burg Greifenstein.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Limburg-Weilburg, das ganze Land die Seite Hessen.
Lage und Karte
50.4053° N · 8.1559° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burg Runkel (DenkXweb)Landesamt für Denkmalpflege Hessen, abgerufen am 11.10.2026
- GeschichteMagistrat der Stadt Runkel, abgerufen am 11.10.2026
- SehenswürdigkeitenMagistrat der Stadt Runkel, abgerufen am 11.10.2026
- Über den Dächern von Runkel (Monumente 6/2007)Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente Online, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Runkel (historic=castle) (Kartenobjekt node/288448204)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata
Bildnachweis Titelbild: Foto: © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Schloss Braunfels: Foto: Rainer Lippert · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Burg Greifenstein: Foto: Oliver Abels (SBT) · CC BY 2.5 · Wikimedia Commons
- Burg Königstein: Foto: Johannes Robalotoff · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons
- Burg Kronberg: Foto: Johannes Robalotoff · CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons