Burg Wahrberg
Spornburg bei Aurach, 1316 von Ludwig dem Bayern zerstört, danach Amtssitz der Eichstätter Fürstbischöfe, heute in Privatbesitz.
Steckbrief
- Erste Erwähnung
- 12582
- Gründung
- 12. bis 13. Jahrhundert1
- Denkmalstatus
- Baudenkmal (D-5-71-114-23), Bodendenkmal (D-5-6728-0094)1
- Kreis
- Landkreis Ansbach
- Bundesland
- Bayern
- Website
- wahrberg.de5
- Koordinaten
- 49.2387, 10.4084
Inhalt 12 Abschnitte
Burg Wahrberg besetzt einen nach Osten vorspringenden Bergsporn am Südwestrand von Aurach im Landkreis Ansbach.3 Vom 14. Jahrhundert bis zur Säkularisation gehörte sie den Bischöfen von Eichstätt, ab 1568 hatte hier ein fürstbischöfliches Oberamt seinen Sitz.2 Das Denkmalamt führt die Anlage unter "Gut Wahrberg" als Spornburg, die man Schloss Wahrberg nennt.1 Heute ist sie in Privatbesitz. Die Eigentümerfamilie lebt selbst auf der Burg und betreibt dort ein Seminarhaus, Landwirtschaft und einen Pferdehof.2, 5
Lage und Anfänge
Der Sporn liegt am Rand des Altmühltals, unweit des Klosters Herrieden.2 Diese Nähe spricht nach EBIDAT dafür, dass Wahrberg zunächst zum Besitz des Klosters zählte. Mit dessen Umwandlung in ein Chorherrenstift kam dieser Besitz 888 an das Hochstift Eichstätt.2
Wann und durch wen die Burg entstand, ist nicht gesichert. EBIDAT hält einen Vogt des Hochstifts für den wahrscheinlichen Bauherrn und denkt dabei an die Grafen von Oettingen.2 Die Denkmalliste datiert die Errichtung ins 12./13. Jahrhundert, EBIDAT setzt den Beginn in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.1, 3
Zwischen 1228 und 1289 sind edelfreie Herren von Wahrberg bezeugt. Die Burg selbst wird 1258 greifbar: Ulrich von Wahrberg gab damals die zugehörigen Güter an Graf Ludwig von Oettingen zurück, seinen Dienstherrn und Eichstätter Obervogt. 1289 bestätigte der Bischof von Eichstätt den Oettingern, dass sie Wahrberg als sein Lehen innehatten.2
Die Fehde um Wahrberg
Zwischen 1310 und 1316 wechselte die Burg mehrfach den Besatzer. Hintergrund war ein Erbstreit: Die Grafen von Hirschberg waren mit den Oettingern verwandt, ihr Erbe hatte aber nach EBIDAT der Eichstätter Bischof widerrechtlich übernommen.2
Auf Seiten der Oettinger kämpften zunächst Graf Conrad mit Eberhard von Württemberg, später Conrads Schwager Kraft von Hohenlohe. Conrad nahm 1310 neben anderen Orten Wahrberg ein und ließ das Umland verwüsten, König Heinrich VII. verhängte darauf die Reichsacht über ihn.2 Nach der Niederlage der Oettinger zog der Bischof ihre Vogtei als heimgefallen ein. Kraft von Hohenlohe setzte sich trotzdem erneut auf Wahrberg fest.2
Auch der Schiedsspruch von 1313 brachte keinen Frieden. Er sprach die Burg dem Bischof zu, seine übrigen Auflagen blieben aber unerfüllt. Kraft besetzte deshalb noch einmal Wahrberg und dazu Herrieden, wo sich König Ludwig der Bayer gerade aufhielt und in Gefahr geriet.2 Der König rückte daraufhin mit dem Bischof und weiteren Verbündeten vor Wahrberg und ließ die Burg 1316 zerstören. Der Bischof erhielt die Ruine samt dem Recht zur Neubefestigung zurück.2
Amtssitz der Eichstätter Bischöfe
Nach dem Wiederaufbau verwalteten Vögte aus verschiedenen Ministerialenfamilien die Burg für das Hochstift. 1568 richteten die Fürstbischöfe hier ein Oberamt ein.2 EBIDAT führt Wahrberg als Landesburg und Amtssitz, in der Kurzbeschreibung als Landesburg der Grafen von Oettingen und des Bistums Eichstätt.3
Aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt der Kern von Haupthaus und Schlossökonomie, die Denkmalliste nennt Umbauten 1613.1 Nach EBIDAT ließ Bischof Johann Christoph von Westerstetten das Schloss laut einer Inschrift 1615 renovieren.2 Eine weitere Renovierung folgte unter Bischof Johann Anton II. von Freiberg (1736-1757), in dieser Zeit entstand auch der Torturm.2 Die Tordurchfahrt trägt eine Wappenkartusche und die Jahreszahl 1745. Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen außerdem die steinerne Grabenbrücke und der terrassierte Barockgarten.1
Verkauf und Brände
Mit der Säkularisation endete die Eichstätter Zeit. 1808 veräußerte das Königreich Bayern Wahrberg an Freiherr Eduard von Andrian-Werburg, 1863 verkaufte seine Witwe das Schlossgut weiter an die Universitätsstiftung Würzburg.2 Danach besaßen es die Familien Gutmann und Sauer. Seit 1902 gehört das Schloss nach EBIDAT einer Familie, die es bis heute hält.2
1864 brannte das Schloss selbst aus, mit Turm und Kapelle; der Wiederaufbau fiel kleiner aus. Spätere Brände 1894, 1897, 1905 und 1974 betrafen die Wirtschaftsgebäude.2 Die Denkmalliste verzeichnet nach dem Brand von 1905 auch Veränderungen an Haupthaus und Ökonomie.1
Chronik
12. Jh. - 1905- 12. bis 13. JahrhundertGründungErrichtung der Burganlage im 12./13. Jahrhundert1
- 1258ErsterwähnungNennung der Burg in den Quellen: Ulrich von Wahrberg gibt die zugehörigen Güter an Graf Ludwig von Oettingen zurück2
- 1316ZerstörungBelagert und zerstört durch König Ludwig den Bayern, den Bischof von Eichstätt und Verbündete2
- 1316BesitzwechselDer Bischof von Eichstätt erhält die zerstörte Burg mit dem Recht zur Neubefestigung zurück2
- nach 1316WiederaufbauWiederaufbau durch das Hochstift Eichstätt2
- 1568NutzungsänderungEinrichtung eines fürstbischöflichen Oberamts2
- 1613UmbauUmbauten, Haupthaus und Schlossökonomie im Kern aus dieser Zeit1
- 1736-1757UmbauRenovierung unter Bischof Johann Anton II. von Freiberg, Bau des Torturms2
- 1745UmbauTordurchfahrt mit Wappenkartusche, mit der Jahreszahl 1745 bezeichnet1
- 1808BesitzwechselDas Königreich Bayern verkauft Wahrberg an Freiherr Eduard von Andrian-Werburg2
- 1863BesitzwechselVerkauf des Schlossguts an die Universitätsstiftung Würzburg2
- 1864ZerstörungBrand von Schloss, Turm und Kapelle, danach verkleinerter Wiederaufbau2
- 1902BesitzwechselÜbergang an die Familie, die das Schloss bis heute besitzt2
- nach 1905UmbauUmbauten an Haupthaus und Schlossökonomie nach einem Brand1
Besitz und Herrschaft
- 1289Grafen von Oettingen2Lehensinhaber des Bischofs von Eichstätt, 1289 bestätigt
- ab 1316Fürstbischöfe von Eichstätt2nach der Zerstörung zurückerhalten, ab 1568 Sitz eines Oberamts
- bis 1808Königreich Bayern2nach der Säkularisation, Verkauf 1808
- 1808-1863Eduard Freiherr von Andrian-Werburg und seine Witwe2Kauf vom Königreich Bayern
- ab 1863Universitätsstiftung Würzburg2Kauf des Schlossguts
- bis 1902Familien Gutmann und Sauer2Zwischenbesitz bis 1902
- seit 1902Privatbesitz2Übergang an eine Familie, die das Schloss bis heute besitzt
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Zur Befestigung zählen Gräben und Mauern. Nach der Denkmalliste ist die mittelalterliche Grabenanlage weitgehend verfüllt, die Bruchsteinmauer mit Schießscharten stammt aus dem Mittelalter.1 EBIDAT beschreibt zwei Gräben und eine Ringmauer an Nord- und Ostseite, den westlichen Halsgraben nur noch in Resten. Nach Süden schützte der Steilhang.2
Die Hauptburg auf der Spornspitze hat etwa 60 mal 28 Meter Fläche. Hohe Futtermauern stützen ihr Ostende.2 Zum ursprünglichen Bestand rechnet EBIDAT dort einen Keller sowie West- und Nordseite der Außenmauer, die aus Buckelquadern gemauert sind.2
Hauptgebäude ist nach der Denkmalliste der frühere Palas, heute ein verputzter, zweigeschossiger Dreiflügelbau in F-Form mit Walmdächern.1 Am Westflügel steht ein schmaler, hoher Rechteckturm mit achteckigem, zinnenbekröntem Obergeschoss.1 EBIDAT nennt den Hauptbau im 20. Jahrhundert stark verändert, mit einem Schmuckportal des 18. Jahrhunderts. Im Westen schließt ein langer Wirtschaftsbau an, in der Westmauer steht der teils in Fachwerk errichtete Torturm.2
Besonderheiten
- Schachtkeller: Im unbebauten Ostteil liegen zwei hohe Kellergewölbe. Das tiefere setzt sich nach EBIDAT schachtartig über mehrere Geschosse nach unten fort.2
- Verlies: Keller und Verlies des Haupthauses datiert die Denkmalliste ins 12. bis 14. Jahrhundert.1
- Barockgarten: Südlich der Schlossgebäude liegt ein terrassierter Garten mit Pfeilern aus Sandstein, die Vasen tragen.1
- Steinpflaster: Im ehemaligen Burghof und auf der alten Straße nordwestlich um die Burg ist eine Pflasterung des 17./18. Jahrhunderts erhalten.1
- Bodendenkmal: Auf dem östlichen Bergsporn sind eine Freilandstation der Mittelsteinzeit und eine jungsteinzeitliche Siedlung erfasst. Geschützt sind auch Befunde der hoch- und spätmittelalterlichen Vorgängeranlagen des Schlosses.1
Heutiger Zustand und Zugang
EBIDAT bewertet den Bestand als bedeutende Reste. Die Gebäude sind modern stark verändert, Keller, Mauern und Gräben aber erhalten.3 Das Seminarhaus bietet Zimmer, Ferienwohnungen und Seminarräume, die Ferienwohnungen werden auch für Seminare vermietet. Das zugehörige Gut wird nach eigenen Angaben seit 1979 biologisch-organisch bewirtschaftet, neben dem Getreideanbau liegt der Schwerpunkt auf der Pferdehaltung.5
Nach den touristischen Angaben von EBIDAT führen nur Privatstraßen zur Burg, als Besichtigung ist dort nur die Außenansicht genannt.4 Öffnungszeiten oder Führungen nennen weder EBIDAT noch die Website des Seminarhauses.4, 5
Umgebung und weitere Ziele
Rund 13,5 Kilometer Luftlinie nördlich steht die Burg Colmberg. Etwa 14 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Residenz Ansbach.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Ansbach, das ganze Land die Seite Bayern.
Lage und Karte
49.2387° N · 10.4084° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
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Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Denkmalliste Aurach: Baudenkmal D-5-71-114-23, Bodendenkmal D-5-6728-0094 (Stand 11.09.2026)Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 19.10.2026
- Wahrberg bei Aurach, EBIDAT-ID 8541: Geschichte, Bauentwicklung, Baubeschreibung (Stefan Eismann)Europäisches Burgeninstitut, Deutsche Burgenvereinigung, abgerufen am 19.10.2026
- Wahrberg bei Aurach, EBIDAT-ID 8541: HauptdatenEuropäisches Burgeninstitut, Deutsche Burgenvereinigung, abgerufen am 19.10.2026
- Wahrberg bei Aurach, EBIDAT-ID 8541: Touristische InformationenEuropäisches Burgeninstitut, Deutsche Burgenvereinigung, abgerufen am 19.10.2026
- Tagungshaus, Seminarhaus Burg WahrbergSeminarhaus Burg Wahrberg, abgerufen am 19.10.2026
- Burg Wahrberg (Kartenobjekt way/196895977)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026
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Bildnachweise
- Stadtschloss Herrieden: Foto: Tilman2007 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Colmberg: Foto: Rainer Lippert · CC0 · Wikimedia Commons
- Residenz Ansbach: Foto: Tilman2007 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Hoheneck (Ipsheim): Foto: Pegasus2 · Gemeinfrei · Wikimedia Commons