Burgenführer
Schloss · Herrieden · Bayern

Stadtschloss Herrieden

Frühere Burg der Eichstätter Bischöfe im Nordosten der Altstadt von Herrieden, ab 1685 Brauerei, 2009 von der Stadt erworben.

49.2337° N · 10.4999° E
Stadtschloss Herrieden
Stadtschloss HerriedenFoto: Tilman2007 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Bürgerpark öffentlich zugänglich (Stand 19.10.2026)Räume im Schloss für Tagungen, Veranstaltungen und Feiern mietbarKontakt Stadtschloss: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 8-12 UhrBesuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Schloss1, 3, 4, 5, 7teilweise erhalten
Erste Erwähnung
11222
Baubeginn
13422, 10
Denkmalstatus
Baudenkmal (D-5-71-166-57)1
Ort
Herrieden1, 7
Bundesland
Bayern
Eigentümer
Stadt Herrieden2, 5, 10
Betreiber
Stadt Herrieden7, 8, 9, 13
Besichtigung
nur von außen6, 7, 9
Öffnungszeiten
Bürgerpark öffentlich zugänglich (Stand 19.10.2026)6, 7, 9Alle Angaben
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Burg der Stiftsvögte
  3. Zerstörung 1316 und Neubau
  4. Vom Stadtbrand 1490 zur Brauerei
  5. Privatbrauerei, Brände und Verfall
  6. Sanierung durch die Stadt
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Heutiger Zustand und Nutzung
  11. Auf einen Blick
  12. Besichtigung
  13. Umgebung und weitere Ziele
  14. Lage und Karte
  15. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 202614 Quellen

Das Stadtschloss Herrieden im Landkreis Ansbach ist die frühere Burg der Eichstätter Bischöfe im Nordosten der Herrieder Altstadt, innerhalb des städtischen Mauerrings.3 Die bayerische Denkmalliste führt den Komplex als ehemaliges Schloss, die Burgendatenbank EBIDAT als Burg.1, 3 Erhalten sind ein Torbau, das nach dem Brand von 1877 neu errichtete Wohnhaus, das Brauereigebäude von 1717, eine Steinbrücke und Teile der Mauern.1 Die Stadt Herrieden erwarb die Anlage 2009 und nutzt den sanierten ersten Abschnitt als Tagungszentrum mit Ratssaal, den Garten als Bürgerpark.5, 6

Geschichte

Burg der Stiftsvögte

Herrieden geht auf ein Kloster zurück, das seit 888 zum Hochstift Eichstätt gehörte.11 Zum ersten Mal genannt wird die Burg nach EBIDAT im Jahr 1122. Sie diente damals als Sitz der Vögte des Herrieder Stifts, ein Amt, das die Grafen von Oettingen ausübten.2 Von ihnen hingen die Herren von Herrieden ab, die ab 1169 in den Quellen erscheinen.2

Die Denkmalliste setzt den ersten Bau vor 1122 an.1 Der Geschichtsbeauftragte der Stadt, Karl Buckel, nimmt ein Burggebäude in Herrieden schon für die Zeit Karls des Großen an.11

Zerstörung 1316 und Neubau

Nach der zwiespältigen Königswahl von 1314 hielt das Herrieder Kloster zu Friedrich dem Schönen und stellte sich gegen Ludwig den Bayern. 1316 nahm Ludwig die Burg ein, danach wurden Mauern und Türme niedergelegt.2 Buckel sieht die Belagerung als Folge der Fehden des Grafen Konrad von Oettingen, die die Reichsacht nach sich zogen.11

Wann die Burg wieder stand, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Die Denkmalliste nennt einen Neubau 1340/44.1 Nach EBIDAT begann der Wiederaufbau 1342, 1356 stürzte der unfertige Bau bei einem Erdbeben wieder ein. Bis 1383 wurde er behelfsmäßig hergerichtet, damit der Eichstätter Vogt einen Amtssitz hatte.2 Einen vollständigen Neubau ließ Bischof Friedrich IV. laut einer Inschrift von 1396 bis 1412 errichten.2 Die Stadt hält es für wahrscheinlich, dass das heute sichtbare Bauwerk kurz nach 1316 entstand.5

Eine Relieftafel im Torraum verweist nach Buckel auf eine umfassende Renovierung von 1412 unter diesem Bischof, den er als Grafen von Oettingen bezeichnet.11 Eine Urkunde von 1421 nennt Graf Thomas von Rieneck als Burgmann des Bischofs in Herrieden.11

Vom Stadtbrand 1490 zur Brauerei

1490 brannte die Stadt, Burg und Brücke wurden dabei zerstört.1, 2 Bischof Gabriel von Eyb ließ die Burg 1508 bis 1510 wieder aufbauen, zwei Inschriften erinnern daran.2 Den Torbau datiert EBIDAT um 1502, die Denkmalliste verzeichnet an ihm eine Wappentafel mit der Jahreszahl 1510.1, 2 Nach EBIDAT entstand damals auch ein äußerer Mauerring, dessen südlicher Abschnitt gegen Ende des 17. Jahrhunderts abgebrochen wurde.2

1610 und 1615 wurden die Innenräume für Aufenthalte der Bischöfe erneuert. 1633 legten die Schweden die Burg in Asche.2 Im Dreißigjährigen Krieg diente sie nach Buckel auch als Fluchtburg.11

Der Wiederaufbau zog sich bis in die 1680er-Jahre. Fürstbischof Johann Euchar Schenk von Castell ordnete 1685 an, in den Gebäuden eine Brauerei einzurichten.2 Buckel datiert den Umbau des Schlosses zur fürstbischöflichen Brauerei um 1686.11 1717 wurde die Brauerei vergrößert, aus diesem Jahr stammt das Brauereigebäude.1, 2 Eine Ansicht von Moritz Pedetti aus dem Jahr 1762 zeigt das Schloss noch mit seinem Turm.11

Privatbrauerei, Brände und Verfall

1806 kam Herrieden mit dem Schloss an das Königreich Bayern, die Brauerei wurde nach Buckel umgehend privatisiert.11 Für den Übergang in private Hand nennen die Quellen verschiedene Jahre: EBIDAT 1802 und 1806, die Stadt 1805 als Ende der fürstbischöflichen Brauerei.2, 5 Neue Besitzer waren laut EBIDAT die Gebrüder Uebelein, die die Gebäude renovierten.2

Beim Feuer von 1877 blieben vom Burggebäude nur die Grundmauern stehen, das Brauhaus überstand den Brand.2 Das Wohnhaus wurde 1877/78 neu errichtet.1, 11 1901 ging das Eigentum nach Buckel an die Familie Wehr über, 1907 vernichtete ein weiterer Brand das alte Brauhaus.11

Den Einsturz des Bergfrieds setzt EBIDAT auf 1907. Buckel verbindet ihn mit dem Neubaubeginn 1908, kurz davor sei der Schlossturm eingestürzt.2, 11 An anderer Stelle nennt EBIDAT einen Abriss des Bergfrieds nach 1762.2 1952 wurde das Hauptgebäude renoviert, 1969/70 der Wohnbereich modernisiert.2, 11

Die Brauerei bestand nach der Sehenswürdigkeitenseite der Stadt bis 1999, Buckel nennt 2000 als Jahr der Einstellung.10, 11 Mit dem Niedergang kleiner Privatbrauereien verfiel der Komplex nach Darstellung der Stadt lange Zeit teilweise.5

Sanierung durch die Stadt

2009 erwarb die Stadt Herrieden den Gebäudekomplex und sicherte zunächst Bereiche, die einzustürzen drohten.5 Danach ließ sie eine bauhistorische Studie, eine denkmalpflegerische Voruntersuchung mit Baualterskartierung und eine Prüfung des Tragwerks erstellen. Teile der Datierungen stützen sich auf Jahrringanalysen.5

2015 kam das Vorhaben in das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus". Die Förderung war mit 4,5 Millionen Euro veranschlagt und für 2016 bis 2018 eingeplant.5 Am 16. Mai 2019 wurde der erste Bauabschnitt eröffnet: ein Tagungszentrum mit Ratssaal und zwei Seminarräumen, dazu Terrassen und der Schlossgarten.5, 11

Über die übrigen Gebäudeteile berät der Stadtrat seit Jahren. Im November 2023 beschloss er mit 12 zu 9 Stimmen eine Variante mit großem Saal.5 Am 12. November 2025 hob er den Beschluss wieder auf. Ein großer Saal im Obergeschoss sei nach Angaben der Stadt nur mit Auflagen genehmigungsfähig, die einem sinnvollen Betrieb im Weg stehen.5 Nach Buckel befand sich der zweite Bauabschnitt 2024 noch in der abschließenden Planungsphase.11

Chronik

1122 - 2019
  1. 1122ErsterwähnungErste Nennung der Burg als Sitz der Vögte des Herrieder Stifts2
  2. 1316ZerstörungLudwig der Bayer erobert die Burg und lässt Mauern und Türme schleifen2
  3. 1342BaubeginnBeginn des Wiederaufbaus2, 10
  4. 1356ZerstörungEin Erdbeben bringt den unfertigen Neubau zum Einsturz2
  5. 1412FertigstellungAbschluss des Wiederaufbaus unter Bischof Friedrich IV. (Inschrift)2
  6. 1490ZerstörungBeim Stadtbrand werden Burg und Brücke zerstört1, 2
  7. 1508-1510WiederaufbauWiederaufbau unter Bischof Gabriel von Eyb1, 2
  8. 1610UmbauErneuerung der Innenräume für Aufenthalte der Bischöfe, erneut 16152
  9. 1633ZerstörungSchwedische Truppen brennen die Burg nieder2, 10
  10. 1685NutzungsänderungFürstbischof Johann Euchar Schenk von Castell ordnet die Einrichtung einer Brauerei an2
  11. 1717UmbauVergrößerung der Brauerei, Bau des Brauereigebäudes1, 2
  12. 1877ZerstörungBrand zerstört das Hauptgebäude bis auf die Grundmauern, das Brauhaus bleibt erhalten2
  13. 1877-1878WiederaufbauNeubau des Wohnhauses1, 11
  14. 1901BesitzwechselDas Eigentum geht an die Familie Wehr über11
  15. 1907ZerstörungEin Brand vernichtet das alte Brauhaus11
  16. 1952RestaurierungRenovierung des Hauptgebäudes2
  17. 1969-1970UmbauModernisierung des Wohnbereichs11
  18. 2009BesitzwechselDie Stadt Herrieden erwirbt den Gebäudekomplex2, 5, 11
  19. 2015NutzungsänderungAufnahme in das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus"5
  20. 16. Mai 2019NutzungsänderungEröffnung des ersten Bauabschnitts mit Tagungszentrum, Ratssaal und Schlossgarten5

Besitz und Herrschaft

  • ab 1901Familie Wehr11Eigentumsübergang 1901
  • seit 2009Stadt Herrieden2, 5, 10, 11Eigentümerin

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Das Schloss heute

Architektur und Aufbau

EBIDAT ordnet die Anlage als Ringmauerburg der Eichstätter Bischöfe ein, in Niederungslage ohne Überhöhung.3 Mit dem Bau der Stadtmauer wurde sie zum Bollwerk im Nordosten der Stadtbefestigung. Zur Stadt hin trennt sie ein eigener, halbkreisförmiger Graben.2

Erhalten ist eine Steinbrücke, die nach dem Brand von 1490 neu entstand.1 Der Torbau ist ein längsrechteckiger Steinbau mit Mansard-Walmdach, kleinen Rechteckfenstern und korbbogiger Durchfahrt.1, 2 Die Mauern der Befestigung sind im Kern vermutlich älter als ihre Erneuerungen von 1412 und 1508-1510.1

Das heutige Bild des Hauptbaus an der äußeren Mauer geht vor allem auf die Zeit nach dem Feuer von 1877 zurück. Die Denkmalliste nennt ihn ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach.1, 2 Ein Kreuzgratgewölbe über zwei Schiffen und drei Jochen überspannt sein Erdgeschoss.2

Zur Anlage gehören außerdem das Brauereigebäude von 1717, ein Gartenhäuschen und ein achtseitiger Pavillon auf der südlichen Bastion. Pavillon und Gartenhäuschen setzt die Denkmalliste um 1800 an, EBIDAT den Pavillon ins 18. Jahrhundert.1, 2

Besonderheiten

  • Gerstenweiche: Im gewölbten Erdgeschoss des Hauptgebäudes steht ein hoher Bottich aus Haustein, der in der fürstbischöflichen Brauerei als Gerstenweiche diente.2
  • Freiheitsbriefe der Schweiz: Vor der belagerten Stadt bestätigte Ludwig der Bayer nach Buckel die Freiheitsbriefe für die Schweiz. 2016 beging Herrieden dazu ein 700-Jahr-Jubiläum.11
  • Skulpturenweg: Im Bürgerpark stehen sieben Skulpturen der Bildhauerin Cornelia Königsperger aus Merkendorf zur Stadtgeschichte, die angefasst werden dürfen. Anfang 2026 kam am Parkeingang ein Tastmodell der Altstadt aus Bronze hinzu.12

Heutiger Zustand und Nutzung

Nach EBIDAT sind Torhaus, Hauptgebäude, Graben und Teile der Ringmauer erhalten, der Bergfried fehlt.2, 3 Für Tagungen bietet die Stadt den Ratssaal mit Bühne, Empore und Teeküche sowie Seminarräume im Obergeschoss an.9 Das Standesamt traut im Ratssaal im Erdgeschoss und im Reliefzimmer im ersten Stock, das nach einem historischen Relief benannt ist.8

Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
nur von außen6, 7, 9
Öffnungszeiten
Bürgerpark öffentlich zugänglich (Stand 19.10.2026)
Räume im Schloss für Tagungen, Veranstaltungen und Feiern mietbar
Kontakt Stadtschloss: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 8-12 Uhr6, 7, 9
Barrierefreiheit
teilweise: Ratssaal im Erdgeschoss barrierefrei erreichbar. Reliefzimmer im 1. Stock über Treppe oder mit Aufzug bis auf die letzten 6 Stufen (Stand 19.10.2026).8

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Der Bürgerpark ist öffentlich zugänglich. Er hat beleuchtete Wege, Sitzbänke, eine Freilichtbühne und Terrassen. Zwischen Schloss und Pavillon erinnern Hecken und Obstbäume an eine frühere Gartenanlage.6 Die Räume vermietet die Stadt für Tagungen, Kulturveranstaltungen und Feiern. Öffnungszeiten für Besichtigungen oder Führungen nennt sie auf der Website des Stadtschlosses nicht.5, 7, 9

Der Ratssaal ist barrierefrei erreichbar. Zum Reliefzimmer im ersten Stock führt ein Aufzug, die letzten sechs Stufen sind nur über die Treppe zu gehen.8

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 9 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Residenz Ansbach. Etwa 16 Kilometer sind es zur Burg Colmberg.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Ansbach, das ganze Land die Seite Bayern.

Lage und Karte

49.2337° N · 10.4999° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Denkmalliste Herrieden (Stadt), Eintrag D-5-71-166-57 (Stand 10.09.2026)Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 19.10.2026
  2. Herrieden (Geschichte, Bauentwicklung, Baubeschreibung; Texte Stefan Eismann)EBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 19.10.2026
  3. Herrieden, HauptdatenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 19.10.2026
  4. Herrieden, NachweiseEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 19.10.2026
  5. Geschichte des Herrieder StadtschlossStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  6. BürgerparkStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  7. Stadtschloss HerriedenStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  8. TrauräumeStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  9. TagungszentrumStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  10. SehenswürdigkeitenStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  11. Karl Buckel: Stadtschloss Herrieden (Hintergrundinformationen, 1. März 2025)Stadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  12. Museum auf dem Weg, Skulpturenweg im SchlossparkStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  13. Impressum Stadtschloss HerriedenStadt Herrieden, abgerufen am 19.10.2026
  14. Stadtschloss (Kartenobjekt way/1320364095)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Tilman2007 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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