Burgenführer
Burgruine · Jena · Thüringen

Lobdeburg

Romanische Burgruine in Jena, ab Mitte des 12. Jahrhunderts Stammsitz der Lobdeburger, mit gesichertem Wohnturm und Burgkapelle.

50.8906° N · 11.6203° E
Lobdeburg
LobdeburgFoto: Thuringius · CC0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine1, 2Ruine
Erste Erwähnung
11663
Gründung
2. Hälfte 12. Jahrhundert1, 2
Denkmalstatus
Kulturdenkmal2
Ort
Jena2
Bundesland
Thüringen
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung: Stammsitz der Lobdeburger
  3. Aufgabe und Rückkehr
  4. Chronik
  5. Architektur und Aufbau
  6. Sicherung und Sanierung
  7. Besonderheiten
  8. Heutiger Zustand
  9. Anreise
  10. Umgebung und weitere Ziele
  11. Lage und Karte
  12. Quellen
Lesezeit etwa 4 MinutenStand: Oktober 20264 Quellen

Die Lobdeburg ist eine romanische Burgruine im Stadtgebiet von Jena. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand sie als Herrschaftssitz der Herren von Lobdeburg, die aus der Gegend von Nördlingen stammten.1, 2 Erhalten ist vor allem der zweiteilige Wohnturm mit Burgkapelle, daneben ein Zisternenturm und Mauerreste. JenaKultur zählt die Ruine zu den am besten erhaltenen romanischen Profanbauten Thüringens und zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen der Stadt.1, 2

Geschichte

Entstehung: Stammsitz der Lobdeburger

Gebaut wurde die Burg nach JenaKultur von den schwäbisch-fränkischen Herren von Alerheim/Auhausen. Sie sollte repräsentativer Sitz und Zentrum einer Grundherrschaft sein.1, 2 Die Stadtgeschichte Jena verweist auf eine Urkunde von 1166, in der die Brüder Hartmann und Otto von Lobdeburg genannt sind. Sie zeigt nach dieser Darstellung die Burg als neuen Stammsitz der Familie, eine Nennung schon um 1150 hält sie für möglich.3

Die Lobdeburger prägten Jena über rund 150 Jahre. Aus der Zeit zwischen 1175 und 1200 sind fünf in Jena geprägte Brakteaten der Familie erhalten. Beim planmäßigen Ausbau der Siedlung um 1200 waren sie nach der Stadtgeschichte die treibende Kraft.3

Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts spaltete sich das Geschlecht in mehrere Linien. Aus der Linie Lobdeburg-Burgau wurde Otto 1203 Bischof von Würzburg, 1225 folgte ihm Hermann von Lobdeburg-Burgau.1

Aufgabe und Rückkehr

1235 brach eine Revolte gegen den Kaiser offen aus. Wohl weil die Familie darin verstrickt war, wurde die Burg im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts aufgegeben. Einen Mehrzweckbau hinter dem Burgtor brach man wohl als Folge der Ächtung der Lobdeburger systematisch ab.1

Erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts ist wieder Bautätigkeit nachweisbar. 1327 wurde die Burg bei einer Erbteilung in drei Teile geteilt. Ab den 1340er-Jahren kamen Anteile durch Verkauf an die Grafen von Schwarzburg.1

Vermutlich 1345 geriet die Burg in kriegerische Auseinandersetzungen. Sie wurde in Brand gesetzt, aber nicht erobert. Nach der Wiederherstellung fiel sie 1358 an die Markgrafen von Meißen, die der Familie Lobdeburg-Burgau das Nutzungsrecht ließen. Mit dem Tod von Johannes von Lobdeburg-Burgau um die Mitte des 15. Jahrhunderts endete die Nutzung der Burg.1

Chronik

12. Jh. - 2018
  1. 2. Hälfte 12. JahrhundertGründungBau als Herrschaftssitz der Herren von Lobdeburg ab der Mitte des 12. Jahrhunderts1, 2
  2. 1166ErsterwähnungUrkundliche Nennung der Brüder Hartmann und Otto von Lobdeburg3
  3. Mitte 13. JahrhundertNutzungsänderungAufgabe der Burg nach der Revolte von 1235, Abbruch des Mehrzweckbaus1
  4. 2. Hälfte 13. JahrhundertUmbauNeue Bautätigkeit gegen Ende des 13. Jahrhunderts1
  5. 1. Hälfte 14. JahrhundertFertigstellungBau des Zisternenturms, wohl in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts1
  6. 1327BesitzwechselTeilung der Burg in drei Teile bei einer Erbteilung1
  7. ab 1340-1349BesitzwechselAnteile gehen durch Verkauf an die Grafen von Schwarzburg1
  8. um 1345ZerstörungDie Burg wird in Brand gesetzt, aber nicht erobert1
  9. 1358BesitzwechselDie Burg fällt an die Markgrafen von Meißen, die Lobdeburg-Burgau behalten das Nutzungsrecht1
  10. um 1450NutzungsänderungEnde der Nutzung mit dem Tod von Johannes von Lobdeburg-Burgau1
  11. 1907-1912RestaurierungErste umfassende Sicherung der Ruine1
  12. ab 1998RestaurierungBeginn der schrittweisen denkmalgerechten Sanierung1
  13. 2004RestaurierungNotsicherung des Wohnturms mit Stahltraversen1, 2
  14. 2005RestaurierungGabionenmauer zur Felssicherung, Bergung der Arkadensäulen1, 2
  15. 2007RestaurierungRestaurierung der Arkadensäulen1, 2
  16. 2012NutzungsänderungÜbernahme in den Verwaltungsbereich der Kommunalen Immobilien Jena2
  17. 2018RestaurierungUmfassende Instandsetzung und Sicherung des Wohnturms mit Burgkapelle2

Besitz und Herrschaft

  • 1166Herren von Lobdeburg3Erbauer, Stammsitz der Familie
  • 1358Markgrafen von Meißen1Lehnsherren, Nutzungsrecht bei der Familie Lobdeburg-Burgau

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Architektur und Aufbau

Der Wohnturm steht am höchsten Punkt des Burgplatzes. Wegen der Hanglage hat sein Südteil vier, sein Nordteil drei Geschosse. Im südlichen Erdgeschoss liegt eine Küche mit Kamin.1

Die Kapelle im ersten Obergeschoss des Nordteils hat an der Ostseite eine Altarnische, die aus der Fassade vorspringt. Für ihre Ausstattung nennt das Faltblatt Stuck, Inkrustation, figurative Bauplastik, Farbverglasung und figürliche Glasmalerei. Zum Wohnturm gehört eine Doppelarkade auf Säulen.1

Der Zisternenturm wurde nach JenaKultur wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als zunächst frei stehende Tankzisterne gebaut. Sein Entnahmeschacht reicht 1,9 Meter tief in den Fels.1

Sicherung und Sanierung

Ein erstes Mal umfassend gesichert wurde die Ruine 1907-12. Ab 1998 ließ JenaKultur sie schrittweise denkmalgerecht sanieren.1 Im Jahr 2000 wurde das Burgtor im Osten freigelegt. 2004 folgte die Notsicherung des Wohnturms mit Stahltraversen, 2005 eine Gabionenmauer zur Felssicherung westlich davon.1, 2

Die beschädigten Säulen der Doppelarkade wurden 2005 geborgen und 2007 restauriert. 2011 wurde der Zisternenturm neu verfugt. 2012 kam die Ruine in den Verwaltungsbereich der Kommunalen Immobilien Jena.1, 2 2018 ließ die Stadt den Wohnturm mit der Burgkapelle umfassend instand setzen und sichern.2

Besonderheiten

  • Goethe: 1802 kam Johann Wolfgang von Goethe mit der 17-jährigen Silvie von Ziegesar zur Ruine. Er verarbeitete den Ort in der Ballade "Bergschloss".1
  • Transromanica: Die Lobdeburg liegt an der Kulturroute Transromanica, die Bauten der Romanik in Europa verbindet.1

Heutiger Zustand

Die Lobdeburg ist eine Ruine. Neben dem gesicherten Wohnturm mit Kapelle stehen der Zisternenturm und Teile der Mauern; der Mehrzweckbau hinter dem Tor fehlt.1, 2 Um Pflege und Unterhalt kümmert sich die Lobdeburg-Gemeinde 1912 e. V. mit rund 135 Mitgliedern. Nach JenaKultur war ab 2023 eine Neugestaltung des Umfelds geplant, damit die Anlage öffentlich begehbar wird. Ob sie umgesetzt ist, nennt die Seite nicht.2

Besuch

Anreise

Feste Öffnungszeiten oder Eintrittspreise nennt JenaKultur nicht. Die erste Etappe des Wanderwegs SaaleHorizontale beginnt nach Angaben von JenaKultur direkt an der Lobdeburg.2

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 10 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Leuchtenburg bei Seitenroda. Etwa 20 Kilometer Luftlinie sind es zum Schloss Belvedere bei Weimar.

Weitere Anlagen in Jena zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser in Jena, das ganze Land die Seite Thüringen.

Lage und Karte

50.8906° N · 11.6203° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Lobdeburg, Faltblatt (Redaktionsschluss Mai 2023)JenaKultur, Eigenbetrieb der Stadt Jena, abgerufen am 11.10.2026
  2. LobdeburgJenaKultur, Eigenbetrieb der Stadt Jena, abgerufen am 11.10.2026
  3. Before 1200, Jena GeschichteStadt Jena, abgerufen am 11.10.2026
  4. Lobdeburg (historic=castle, ruins) (Kartenobjekt way/182035640)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons

Bildnachweis Titelbild: Foto: Thuringius · CC0 · Wikimedia Commons

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