Schloss Johannisburg
Vierflügeliges Renaissanceschloss in Aschaffenburg, 1605-1614 für die Mainzer Kurerzbischöfe erbaut und nach den Zerstörungen von 1945 wiederaufgebaut.

Steckbrief
- Baubeginn
- 16051
- Denkmalstatus
- Im Ensemble Oberstadt Aschaffenburg (E-6-61-000-1)9
- Ort
- Aschaffenburg1
- Bundesland
- Bayern
- Betreiber
- Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (Schloss- und Gartenverwaltung Aschaffenburg)1
- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich1
- Öffnungszeiten
- April bis 3. Oktober: 9-18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr1, 13Alle Angaben
- Eintritt
- 7 €, ermäßigt 6 €1, 15Alle Angaben
- Koordinaten
- 49.9761, 9.14167
Inhalt 15 Abschnitte
- Überblick
- Vorgängerbau: die mittelalterliche Burg
- Neubau unter Johann Schweikard von Kronberg
- Klassizistischer Umbau und Ende als Residenz
- Zerstörung 1945 und Wiederaufbau
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung
- Anreise
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
In Aschaffenburg steht mit Schloss Johannisburg ein symmetrischer Vierflügelbau aus rotem Sandstein, den die Mainzer Kurerzbischöfe bis 1803 als Residenz nutzten. Errichtet wurde er von 1605 bis 1614. Die Bayerische Schlösserverwaltung zählt ihn zu den bedeutendsten Schlossbauten der deutschen Spätrenaissance. Heute beherbergt das Schloss mehrere Museen und Sammlungen.1, 2, 10
Vorgängerbau: die mittelalterliche Burg
Am Platz des Schlosses stand zuvor eine Burg. Burgenwelt datiert ihre Errichtung ins frühe 13. Jahrhundert. Im Schmalkaldischen Krieg wurde sie 1547 schwer beschädigt, im Markgräflerkrieg 1552 zerstört.3
Danach wurde die Burg nach Burgenwelt teilweise wiederhergestellt. Für den Neubau ließ Ridinger ihre Reste bis auf den Bergfried abtragen, den er in das Schloss einbezog.3 Die Schlösserverwaltung datiert diesen Turm ins 13. Jahrhundert, auch die Denkmalliste nennt einen älteren Bergfried.9, 10
Neubau unter Johann Schweikard von Kronberg
Bauherr des Schlosses war Johann Schweikard von Kronberg, seit 1604 Erzbischof und Kurfürst von Mainz.1, 6 Nach Burgenwelt gab er den Neubau 1604 in Auftrag.3
Baumeister war der aus Straßburg stammende Georg Ridinger. Nach der Neuen Deutschen Biographie dürfte er schon im Frühjahr 1605 mit dem Bau begonnen haben. Die Urkunde, die ihn zum Baumeister des Kurfürsten bestellte, datiert vom 11. März 1607.2
Am 17. Februar 1614 wurde das Schloss feierlich eingeweiht, ein Jahr später bezog der Kurerzbischof es nach Angaben der Schlösserverwaltung.2, 10 Die endgültige Fertigstellung zog sich nach der NDB bis 1618 hin, Burgenwelt nennt für die letzten Arbeiten 1618/19.2, 3 Nach der NDB starb Ridinger im November 1617 in Aschaffenburg, die Schlösserverwaltung nennt als Todesjahr 1616.2, 10
Schon 1616 erschien in Mainz ein Stichwerk Ridingers über den neuen Schlossbau "St. Johannesburg".2
Klassizistischer Umbau und Ende als Residenz
Im späten 18. Jahrhundert erhielt das Innere ein neues Gesicht. Nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen wurde es klassizistisch umgestaltet.1 Die NDB datiert den Umbau auf etwa 1780 bis 1800. Dazu gehörten im Ostflügel die Durchfahrt und das Treppenhaus sowie Wohnräume mit Möbeln nach Herigoyens Entwürfen.5 Nach der Schlösserverwaltung wurde dabei der Arkadengang im Hof abgebrochen, im Stadtflügel ein dritter Zugang geschaffen und über dem Hauptportal ein Balkon angebracht.10
Herigoyen war Hofarchitekt des Kurfürsten Friedrich Carl von Erthal und folgte ihm 1798 nach Aschaffenburg.5 Im Schlossgarten errichtete er 1782 den Frühstückstempel und 1788 einen Arkadengang.7 Die Schlösserverwaltung bezeichnet das Schloss bis 1803 als zweite Residenz der Mainzer Kurerzbischöfe.1 Auf der Objektseite der Aschaffenburger Verwaltung heißt es genauer: Nachdem der Kurerzbischof ab 1792 vor französischen Truppen aus Mainz geflohen war, wurde Johannisburg kurzzeitig zur Hauptresidenz.11 Mit der Säkularisation 1803 endete diese Zeit.1, 11 Der Mainzer Kurstaat war damit aufgelöst, Aschaffenburg wurde Fürstentum und kam 1814 an Bayern. Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., wohnte dann regelmäßig im Sommer im Schloss.11
Zerstörung 1945 und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss schwer zerstört.1 Burgenwelt beschreibt Bombentreffer und Artilleriebeschuss im April 1945, danach sei der Bau völlig ausgebrannt.3 In der Kapelle stürzte das Gewölbe ein, herabfallende Teile des Dachstuhls beschädigten den Hochaltar schwer.4
Wiederhergestellt wurde zunächst das Äußere. 1964 öffneten die ersten Schauräume wieder.1 Die Baugeschichte der Schlösserverwaltung nennt für den Wiederaufbau die Jahre 1954 bis 1964. Der Außenbau entstand dabei originalgetreu neu, innen wurden die Räume neu aufgeteilt für Museum, Verwaltung und Bibliothek.10 Nach Burgenwelt brachten Stadt Aschaffenburg und Freistaat Bayern zusammen 20 Millionen auf. Ganz originalgetreu sei der Wiederaufbau nicht ausgefallen.3
Der Altar der Kapelle wurde aus zahllosen Bruchstücken neu zusammengesetzt. Die Restaurierungskampagnen reichten bis 2013.4 Seit 2016 wird das Schloss abschnittsweise saniert. Nach der Sanierung des Mainflügels öffneten 2023 die Staatsgalerie, die Paramentenkammer und die Fürstlichen Wohnräume wieder.10, 11
Chronik
1547 - 2023- 1547ZerstörungBurg im Schmalkaldischen Krieg schwer beschädigt3
- 1552ZerstörungBurg im Markgräflerkrieg zerstört3
- 1605BaubeginnBeginn des Schlossneubaus für Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg1
- 17. Februar 1614FertigstellungFeierliche Einweihung des Schlosses3, 10
- 1615NutzungsänderungDer Kurerzbischof bezieht das Schloss10
- um 1780-1800UmbauKlassizistische Umgestaltung des Inneren nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen5
- nach 1792NutzungsänderungNach der Flucht des Kurerzbischofs aus Mainz kurzzeitig Hauptresidenz11
- 1803NutzungsänderungSäkularisation, Ende als Residenz der Mainzer Kurerzbischöfe1, 11
- 1932NutzungsänderungErste museale Nutzung der Innenräume11
- April 1945ZerstörungBombentreffer und Artilleriebeschuss, das Schloss brennt aus3
- 1954-1964WiederaufbauWiederaufbau, Außenbau originalgetreu, Innenaufteilung verändert10
- 1964NutzungsänderungDie ersten Schauräume öffnen wieder1, 11
- 1972NutzungsänderungStädtisches Schlossmuseum kommt hinzu11
- bis 2013RestaurierungRestaurierung des Hochaltars der Schlosskapelle4
- 2016-2023RestaurierungSanierung des Mainflügels, 2023 Wiedereröffnung von Staatsgalerie, Paramentenkammer und Fürstlichen Wohnräumen10, 11
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Ridingers Schloss ist streng symmetrisch angelegt. Vier Flügel umschließen einen quadratischen Innenhof, an den Ecken stehen deutlich höher geführte Türme. Die NDB sieht darin den Übergang von der Renaissance zum Barock und Anregungen des französischen Schlossbaus.2 Im Ensembletext der Denkmalliste erscheinen Schloss und Stift als die beiden Monumentalbauten, die die Oberstadt architektonisch und städtebaulich beherrschen.9
Ein Kupferstich Merians zeigt das Schloss mit bastionären Befestigungen. Nach Burgenwelt gingen sie wohl auf ältere Planungen Ridingers zurück. Warum sie nicht in vollem Umfang gebaut wurden, ist dort als unbekannt angegeben.3 Außen prägt die Spätrenaissance den Bau, die Wohnräume im Inneren sind klassizistisch ausgestattet.1
Besonderheiten
- Korkmodelle: Die Schlösserverwaltung bezeichnet die Sammlung als weltweit größte ihrer Art. Die 45 Modelle zeigen Bauten des antiken Rom und entstanden von 1792 bis 1854.1
- Schlosskapelle: Altar, Kanzel und Portalskulpturen schuf Hans Juncker. Den Hochaltar mit Alabasterreliefs arbeitete er zwischen 1609 und 1613. Eine Licht-Ton-Installation erschließt die Skulpturen und Reliefs des Altars und stellt seinen Wiederaufbau dar.1, 4
- Paramentenkammer: Gezeigt werden Ornate aus dem früheren Mainzer Domschatz.1
- Gemäldegalerie: Sie ist ein Zweigmuseum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, mit Bildern Lucas Cranachs d. Ä.1
- Renaissancebefestigung: 1982 legte die Schlösserverwaltung beim Bau eines Straßentunnels vor dem Nordturm einen Rest der Befestigung frei.3
Heutiger Zustand
Im wiederaufgebauten Schloss liegen die Museumsräume der Schlösserverwaltung, darunter die Fürstlichen Wohnräume mit klassizistischem Mobiliar. Außerdem hat hier das Städtische Schlossmuseum seinen Sitz, das 1972 hinzukam. Auch die Hofbibliothek ist im Schloss untergebracht.1, 11 Museal genutzt wurde das Innere nach der Schlösserverwaltung erstmals 1932.11
Einige Räume werden vermietet. Der Ridingersaal dient Konzerten, Vorträgen und Empfängen, die Kapelle Gottesdiensten, katholischen Trauungen und Konzerten. Im Schlosshof finden Konzerte, Märkte und Weinfeste statt.8
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich1
- Öffnungszeiten
- April bis 3. Oktober: 9-18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr
4. Oktober bis März: 10-16 Uhr, letzter Einlass 15.30 Uhr
Montags geschlossen, geöffnet aber am 6. Januar, Ostermontag, 1. Mai, Pfingstmontag, 15. August, 3. Oktober und 1. November
Geschlossen am 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember1, 13 - Eintritt
- 7 €, ermäßigt 6 €
Kombikarte mit dem Pompejanum 10 €, ermäßigt 8 €
Kombikarte gilt nur am Tag des Kaufs
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei, Kinder unter 14 Jahren nur in Begleitung Erwachsener
Keine Kartenzahlung an der Kasse (Preise 2026)1, 15 - Führungen
- Besichtigung ohne Führung möglich. Offene Führungen für Erwachsene und Familien sowie Gruppenführungen zu Wunschterminen, auch in verschiedenen Sprachen, über das Führungsnetz der VHS Aschaffenburg. Aktuelle Themenführungen im Veranstaltungskalender der Schlösserverwaltung.1, 13
- Parken
- Parkmöglichkeiten vor dem Schloss bzw. am Schloßplatz und an der Suicardusstraße. Nächster Behindertenparkplatz auf dem Kapuzinerplatz gegenüber der Kirche St. Elisabeth.1, 12, 14
- Familien
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei, Kinder unter 14 Jahren nur mit Erwachsenen. Offene Führungen auch für Familien.1, 13, 15
- Barrierefreiheit
- teilweise: Eingang über eine Stufe, Schlosshof mit Granit-Kopfsteinpflaster. Aufzug vorhanden (Tür 100 cm, Kabine 165 x 125 cm), Nutzung an der Kasse anmelden. Sitzgelegenheiten vorhanden. Schlosskapelle über den Hof, eine Stufe am Eingang. Barrierefreies WC im Erdgeschoss (Tür 91 cm).12
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Von April bis zum 3. Oktober gelten längere Öffnungszeiten als im Winterhalbjahr. Montags ist in der Regel geschlossen, an einigen Feiertagen aber geöffnet. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei, Kinder unter 14 Jahren kommen nur mit Erwachsenen hinein. Die Kombikarte für das Pompejanum gilt nur am Tag des Kaufs, an der Kasse ist keine Kartenzahlung möglich.1, 15
Das Schloss lässt sich ohne Führung besichtigen. Führungen für Erwachsene, Familien und Gruppen bietet das Führungsnetz der Volkshochschule Aschaffenburg an. Gruppen können auch Termine in anderen Sprachen vereinbaren. Im Schloss gibt es freies WLAN.1, 13
In das Schloss führt eine Stufe, der Hof ist mit Granitpflaster belegt. Ein Aufzug lässt sich nach Anmeldung an der Kasse nutzen, im Erdgeschoss gibt es ein barrierefreies WC. Auch die Kapelle hat am Eingang eine Stufe.12
Anreise
Das Schloss hat die Adresse Schloßplatz 4. Parkplätze gibt es nach Angaben der Schlösserverwaltung vor dem Schloss und an der Suicardusstraße. Vom Hauptbahnhof fährt der Bus bis zur Haltestelle "Stadthalle".1, 14 Einen ausgewiesenen Behindertenparkplatz gibt es auf dem Kapuzinerplatz gegenüber der Kirche St. Elisabeth.12
Umgebung und weitere Ziele
Am Mainufer liegt der Schlossgarten, angelegt auf dem früheren Gelände von Stadtgraben und Wällen. Darin steht das Pompejanum, 1843 bis 1848 nach Plänen Friedrich von Gärtners erbaut.7
Rund 14 Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schloss Mespelbrunn, rund 25 Kilometer sind es bis Schloss Philippsruhe. Weitere Anlagen der Stadt zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser in Aschaffenburg, das ganze Land die Seite Bayern.
Lage und Karte
49.9761° N · 9.1417° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Schloss Johannisburg AschaffenburgBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Ridinger, Georg (Peter Prange, NDB 21, 2003; Erwin Hensler, ADB 53, 1907)Deutsche Biographie (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), abgerufen am 10.10.2026
- Schloss Johannisburg (Stand 30.05.2021)Burgenwelt, abgerufen am 10.10.2026
- Die Aschaffenburger Schlosskapelle: Museale Vermittlung von Zerstörung und Wiederaufbau (Cordula Mauß, 05.03.2025)Bayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Herigoyen, Emanuel von (Heinrich Habel, NDB 8, 1969)Deutsche Biographie (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), abgerufen am 10.10.2026
- Johann Schweikard von Cronberg (NDB und ADB)Deutsche Biographie (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), abgerufen am 10.10.2026
- Schlossgarten AschaffenburgBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Veranstaltungsräume Schloss JohannisburgBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Denkmalliste Aschaffenburg, Baudenkmäler (Stand 10.09.2026), Ensemble Oberstadt E-6-61-000-1Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 10.10.2026
- Schloss Johannisburg: BaugeschichteBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Schloss JohannisburgBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Service für Menschen mit BehinderungBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Öffnungszeiten und FührungenBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- AnfahrtBayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Eintrittspreise 2026Bayerische Schlösserverwaltung, abgerufen am 10.10.2026
- Schloss Johannisburg (Kartenobjekt relation/7644)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 10.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Jörg Braukmann · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Schloss Mespelbrunn: Foto: Rainer Lippert, Edit by Muhammad Mahdi Karim · Gemeinfrei · Wikimedia Commons
- Festung Marienberg: Foto: Diego Delso · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Würzburger Residenz: CC0 · Wikimedia Commons
- Burg Hoheneck (Ipsheim): Foto: Pegasus2 · Gemeinfrei · Wikimedia Commons