Schloss Paretz
Frühklassizistisches Schloss von David Gilly in Ketzin/Havel, Sommersitz von Friedrich Wilhelm III. und Luise, nach 1999 rekonstruiert, heute Museum.

Steckbrief
- Baubeginn
- 17971
- Baustil
- Klassizismus1
- Denkmalstatus
- Baudenkmal, Teil von Schloss und Parkanlage Paretz (09150297)1
- Kreis
- Landkreis Havelland
- Bundesland
- Brandenburg
- Betreiber
- Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg2
- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich2
- Öffnungszeiten
- April bis Oktober: Di-So 10-17.30 Uhr, Mo geschlossen2, 3Alle Angaben
- Eintritt
- Schloss inkl. Schlossremise: 8 €, ermäßigt 6 € (gültig für einen Tag)2, 3Alle Angaben
- Koordinaten
- 52.4684, 12.87688
Inhalt 14 Abschnitte
Schloss Paretz steht im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel im Landkreis Havelland. Der Architekt David Gilly baute das zweigeschossige Haus ab 1797 für den preußischen Thronfolger Friedrich Wilhelm (III.) und seine Frau Luise.1, 2 Zur denkmalgeschützten Gesamtanlage gehören außerdem der dreiteilige Park, das Saalgebäude und die Remise.1 Heute betreibt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Schloss als Museum mit der wiederhergestellten Königswohnung, in der Remise zeigt sie Kutschen und Schlitten des preußischen Herrscherhauses.2, 4
Vom Gut zum königlichen Sommersitz
Wann das Gut Paretz an das Kronprinzenpaar kam, geben die Quellen verschieden an. Die Stadt Ketzin nennt 1795, die Schlösserstiftung auf ihrer Parkseite den Anfang des Jahres 1797.3, 10 Für das neue Haus griff Gilly nach dem Dehio auf Teile eines älteren Baus aus dem frühen 18. Jahrhundert zurück.1 Der Dehio datiert den Bau auf 1797-98, die Denkmaldatenbank auf 1797-1799 und nennt Friedrich Wilhelm III. als Bauherrn.1
Nach Angaben der Stiftung plante Gilly zwischen 1797 und 1804 nicht nur das Schloss, sondern auch das Dorf. Paretz sollte zugleich königlicher Landsitz und funktionierendes Bauerndorf sein.2, 5 Den Park legte Hofgärtner David Garmatter 1797-1803 an, wohl nach Entwürfen von David und Friedrich Gilly. Er besteht aus Schlossgarten, Kirchgarten und Rohrhausgarten und bezieht das Dorf mit ein.1, 3
Im Schlossgarten entstand 1797/98 ein aufgeschütteter Grottenberg. Auf der Grotte stand ein bemaltes "Japanisches Haus", am Hang eine künstliche Tempelruine.8
Landleben der Königsfamilie und Ort der Erinnerung
Die Stiftung schildert Paretz als Rückzugsort, an dem Luise mit ihrer Familie Jahr für Jahr den Sommer verbrachte. Statt Hofetikette und Berliner Prunk habe dort ein bürgerliches Familienleben geherrscht.2 Den letzten gemeinsamen Sommer verbrachte die Familie hier 1805.7
Nach Luises Tod 1810 wurde die Königswohnung verändert. Das bisherige Wohnzimmer wurde zum Schlafzimmer, das eigentliche Schlafzimmer zu einem Wohnraum, der auch dem Andenken an die Königin diente.7 Eric Hartmann von der Schlösserstiftung zeigt anhand der Inventare, dass kein Raum der Wohnung nach 1805 unverändert blieb.7
Unter Friedrich Wilhelm IV. erhielten einige Zimmer im westlichen Erdgeschoss und im Obergeschoss neue Tapeten und Möbel. Einen Raum im Obergeschoss nutzte Königin Elisabeth. Ein anderer diente wohl der Fürstin Liegnitz, der zweiten Frau Friedrich Wilhelms III.7 Theodor Fontane, der Paretz 1869 und 1870 besuchte, hielt das Haus für weitgehend unverändert seit 1805.7
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging das Schloss an Prinz Heinrich über, den jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II.7 Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs konnte man es nach Angaben der Stiftung als Museum besichtigen. Ihr Pressetext beschreibt die Einrichtung, vor allem der Königswohnung, bis 1945 als weitgehend die der Zeit um 1800.6 Im Park setzte dagegen ab 1900 ein Verfall ein, bei dem viel von der Ausstattung verloren ging.3
Nach 1945: Umbau und Verluste
Die Grafiken des Schlosses blieben nach Hartmann wohl zum weit überwiegenden Teil im Haus und sind seit 1945 verschollen. 2021 besaß die Stiftung nur noch 24 Blätter.7 1947 wurden die bemalten Papiertapeten abgenommen und geborgen.1, 6
Danach verlor das Schloss sein Gesicht. Der Dehio spricht von einem entstellenden Umbau 1947/48. Die Stiftung verbindet die Eingriffe mit einer Bauernhochschule und nennt die Jahre 1948-1950.1, 6 Die Denkmaldatenbank führt den Umbau mit 1948/1960.1
Auch Park und Gartenbauten litten. In den 1960er-Jahren trennten neue Wohnblöcke den Rohrhausgarten vom übrigen Ensemble.3 Der Grottenberg verfiel nach 1945, 1962 wurden seine Reste abgetragen und zugeschüttet.8
Rückbau und Museum
1999 begann die Rekonstruktion des Schlosses, die bis 2002 dauerte. Dabei wurde auch die Vorfläche mit Pflanzung, Aha-Graben und Zaun wiederhergestellt.1, 3, 10 Die geborgenen Tapeten wurden von 1998 bis 2002 restauriert und wieder in die rekonstruierten Räume gebracht.1 Nach Detlef Fuchs, bis 2018 Kustos der Stiftung, ermöglichte eine Spende der Cornelsen Kulturstiftung ihre Restaurierung.8
Die Stadt Ketzin verzeichnet für 2001 eine erste Teileröffnung.10 Seit 2002 ist das Haus nach dem Dehio Museum, im selben Jahr übernahm die Stiftung die Verwaltung.1, 6 Ab 2006 zog die Kutschenausstellung in die Remise, 2008 wurde das Saalgebäude modernisiert.6
Bei Grabungen am Grottenberg kamen 2013 große Teile von Tempelruine und Grotte zum Vorschein. Gedrängt hatte darauf der Verein Historisches Paretz. Von 2018 bis 2020 wurden beide Bauten mit Unterstützung mehrerer Stiftungen wiederaufgebaut.8, 3
Chronik
1797 - 2020- 1797BaubeginnBaubeginn des Schlosses nach Entwurf von David Gilly, unter Verwendung von Teilen eines Vorgängerbaus1
- 1797-1803FertigstellungAnlage des dreiteiligen Landschaftsparks durch Hofgärtner David Garmatter1
- 1797-1798FertigstellungGrottenberg mit Japanischem Haus und Tempelruine im Schlossgarten8
- 1810UmbauNach dem Tod der Königin Luise Umgestaltung der Königswohnung, ein Raum wird Gedenkzimmer7
- bis 1939NutzungsänderungDas Schloss ist als Museum zugänglich6
- 1947UmbauDie bemalten Papiertapeten werden abgenommen und geborgen1, 6
- um 1948UmbauTiefgreifender Umbau, das Schloss verliert sein historisches Erscheinungsbild1, 6
- 1962ZerstörungDie Reste des Grottenbergs werden abgetragen und verschüttet8
- 1999-2002RestaurierungRückbau und Rekonstruktion des Schlosses und seiner Vorfläche1, 3
- 2002NutzungsänderungDas Schloss wird Museum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten1, 6
- 2006NutzungsänderungKutschenausstellung in der Schlossremise6
- 2008UmbauModernisierung des Saalgebäudes6
- 2018-2020WiederaufbauWiederaufbau von Tempelruine und Grotte am Grottenberg8
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Das Schloss ist ein verputzter Ziegelbau mit zwei Geschossen, 17 Achsen und einem Walmdach.1 Die Mittelachse ist durch Lünettenfenster betont. Der Dehio beschreibt die Formen als schlicht und frühklassizistisch und nennt den Bau ein Hauptwerk der preußischen Landbaukunst um 1800.1
Die Denkmaldatenbank verzeichnet am Ehrenhof zwei flankierende Bauten: im Osten den Saalbau von 1949/50, im Westen die Remise von etwa 1895.1 Nach dem Dehio wurde der zum Dorf offene Platz in seine alte Form zurückgeführt. Einst rahmten ihn ein heute zerstörter Pferdestall auf der Ost- und eine später veränderte Scheune auf der Westseite.1
Die Königswohnung im östlichen Erdgeschoss wurde als einziger Teil bis 2001 weitgehend wiederhergestellt. Nach Hartmann (2021) zeigen die Räume im westlichen Erdgeschoss die Dauerausstellung, das Obergeschoss nutzt die Verwaltung.7
Besonderheiten
- Papiertapeten: Die Stiftung nennt die bemalten und bedruckten Tapeten der Königswohnung besonders sehenswert.2, 11
- Krönungswagen: Die Stiftung hebt in der Remise einen Staatswagen von 1789 hervor. August Christian und Johann Christian Ginzrot aus Straßburg fertigten ihn für König Friedrich Wilhelm II. Nach schwersten Kriegsschäden ist er restauriert.4
- Harfe der Königin: Eine um 1795 in Paris gebaute Standharfe mit sieben Pedalen, auf der Luise spielte, kam im April 2023 in den Gartensaal.9
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich2
- Öffnungszeiten
- April bis Oktober: Di-So 10-17.30 Uhr, Mo geschlossen
November bis März: Sa und So 10-16 Uhr, Mo-Fr geschlossen
Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung; an Feiertagen gelten die Wochenendzeiten, sofern nicht anders angegeben (Stand 19.10.2026)
Park: täglich ab 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit2, 3 - Eintritt
- Schloss inkl. Schlossremise: 8 €, ermäßigt 6 € (gültig für einen Tag)
Familienkarte Märkisches Schloss 16 € (an einem Tag für 2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr)
Eintritt frei mit Jahreskarte; Park ohne Eintritt (Stand 19.10.2026)2, 3 - Führungen
- April bis Oktober individuelle Besichtigung; November bis März Besichtigung mit Führung auf Deutsch (Informationen in anderen Sprachen erhältlich), Wartezeiten möglich (Stand 19.10.2026).2
- Parken
- Parkplätze hinter der Kulturscheune (ehemalige Gutsscheune) und auf der Wiese dahinter, Zufahrt über die Werderdammstraße.2
- Bus und Bahn
- Haltestelle "Paretz, Schloss".2
- Familien
- Familienkarte 16 €; in der App "SANSSOUCI" die Rallye mit Flora und Pomona für Kinder von 6 bis 10 Jahren.2
- Barrierefreiheit
- teilweise: Bedingt rollstuhlgeeignet; das WC im Saalgebäude ist rollstuhlgeeignet. Kinderwagen dürfen aus konservatorischen Gründen nicht in die Ausstellungsräume.2
- Hunde
- Assistenzhunde willkommen.2
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Von April bis Oktober kann man Schloss und Remise auf eigene Faust besichtigen. Von November bis März ist das Schloss nur am Wochenende und nur mit Führung auf Deutsch zu sehen.2 Ein Ticket gilt an einem Tag für beide Häuser.2 Das Schloss ist nur bedingt für Rollstühle geeignet, Kinderwagen sind in den Ausstellungsräumen nicht erlaubt.2 Den Park kann man täglich ohne Eintritt betreten.3
Anreise
Die nächste Haltestelle für öffentliche Verkehrsmittel heißt "Paretz, Schloss". Wer mit dem Auto kommt, parkt hinter der Kulturscheune, der früheren Gutsscheune, die Zufahrt erfolgt über die Werderdammstraße.2
Umgebung und weitere Ziele
Rund 12 Kilometer Luftlinie entfernt liegt das Neue Palais, etwa 13 Kilometer sind es bis Schloss Sanssouci und zum Orangerieschloss.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Havelland, das ganze Land die Seite Brandenburg.
Lage und Karte
52.4684° N · 12.8769° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Neues Palais 12,0 km
- Orangerieschloss 12,5 km
- Neue Kammern 12,9 km
- Schloss Charlottenhof 13,0 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Dehio Brandenburg 2012, S. 789 f., über BLDAM-Denkmaldatenbank 09150297 (Schloss und Parkanlage Paretz)Dehio-Vereinigung / Deutscher Kunstverlag; BLDAM, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss Paretz - Königliches LandlebenStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Park Paretz - Ländliche EleganzStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Schlossremise Paretz - Königlicher FuhrparkStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Paretz. Ein königlicher Landsitz um 1800 (Dauerausstellung)Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Press material: Paretz HouseStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Eric Hartmann: "Bilder wohl tausend an der Zahl" - Die ehemalige Graphiksammlung von Schloss Paretz, Texte des RECS #45 (26.11.2021)Research Center Sanssouci (RECS), abgerufen am 19.10.2026
- Das zweite Wunder von Paretz (05.04.2021)Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Die Harfe der Königin Luise (05.05.2023)Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- StadtgeschichteStadt Ketzin/Havel, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss und Schlossremise Paretz (Faltblatt, Oktober 2023)Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, abgerufen am 19.10.2026
- Schloss Paretz (Kartenobjekt way/28092264)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Gregor Rom · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Neues Palais: Foto: Angel Miklashevsky · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Orangerieschloss: Foto: Arild Vågen · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Neue Kammern: Foto: Dieter Brügmann · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Schloss Charlottenhof: Foto: Klaus Bärwinkel · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons