Schweriner Schloss
Das Schweriner Schloss auf der Burginsel ist Landtagssitz, Museum und UNESCO-Welterbe. Geschichte, Thronsaal, Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt.

Steckbrief
- Typ
- Schloss
- Baustil
- Historismus
- Denkmalstatus
- Baudenkmal in Mecklenburg-Vorpommern, UNESCO-Welterbe
- Ort
- Schwerin
- Kreis
- Schwerin (Stadt)
- Bundesland
- Mecklenburg-Vorpommern
- Nächste größere Stadt
- Schwerin600 m
- Website
- www.museum-schwerin.de
- Koordinaten
- 53.62417, 11.41889
Inhalt 13 Abschnitte
Mit seinen zahlreichen Türmen, Erkern und der vergoldeten Kuppel erhebt sich das Schweriner Schloss auf einer Insel zwischen dem Schweriner See und der Altstadt. Die Stadt Schwerin beschreibt den Bau als Höhepunkt des romantischen Historismus. Das Gebäude ist dabei alles andere als ein reines Museum: Seit 1990 tagt hier der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, zugleich zeigt das Schlossmuseum die Wohn- und Festräume der mecklenburgischen Großherzöge. Seit 2024 gehört das Schloss zum UNESCO-Welterbe "Residenzensemble Schwerin".
Eine slawische Inselburg
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Um 973 berichtete der Reisende Ibrahim Ibn Jakub von einer slawischen Burg auf einer Insel in einem Süßwassersee. Die Anlage war eine Grenzfestung der Obotriten und bis 1160 Sitz ihres Fürsten Niklot. Sein Reiterstandbild schmückt heute das Hauptportal des Schlosses.
1160 eroberte Heinrich der Löwe die Burg, die Obotriten räumten sie. Auf den Resten entstand in den folgenden Jahrhunderten ein Schloss, das immer wieder erweitert wurde. Im 14. Jahrhundert wählten die Herzöge von Mecklenburg die Inselburg als Residenz, nachdem Albrecht II. 1358 die Grafschaft Schwerin erworben hatte.
Renaissance mit Terrakotta
Einen ersten großen Umbau veranlasste Herzog Johann Albrecht I. im 16. Jahrhundert. Ab 1560 ließ er das Schloss durch den Baumeister Johann Baptista Parr nach dem Vorbild italienischer Renaissancepaläste erweitern. Aus dieser Zeit stammen Gebäudeteile mit charakteristischem Terrakottaschmuck.
Besonders bedeutend ist die Schlosskirche. Nach Angaben des Landtags gehört sie zu den ersten protestantischen Kirchenneubauten in Deutschland. Sie ist bis heute Teil des Schlosskomplexes.
Der große Neubau im 19. Jahrhundert
Lange residierten die Herzöge im nahen Ludwigslust. Erst 1837 verlegte Großherzog Paul Friedrich den Hof zurück nach Schwerin. Sein Sohn Friedrich Franz II. entschied sich für eine grundlegende Neugestaltung des alten Schlosses. Mehrere Architekten legten Entwürfe vor, darunter Gottfried Semper, den Zuschlag erhielt jedoch Hofbaurat Georg Adolph Demmler.
Demmler hatte zuvor Schlösser in Frankreich und England studiert. Als Vorbild für Schwerin gilt vor allem das Loire-Schloss Chambord. 1851 übernahm Friedrich August Stüler die Bauleitung. Er ergänzte die Fassaden um plastischen Schmuck und krönte den Bau mit einer monumentalen Prunkkuppel. Am 26. Mai 1857 wurde das Schloss in Anwesenheit des preußischen Königs feierlich eingeweiht.
Brand, Revolution und neue Nutzung
In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1913 zerstörte ein Großbrand etwa ein Drittel des Schlosses, darunter den Goldenen Saal und das Haupttreppenhaus. Als der letzte Großherzog Friedrich Franz IV. 1918 im Zuge der Novemberrevolution abdankte, war erst die äußere Wiederherstellung abgeschlossen. An die Stelle des zerstörten Treppenhauses trat zwischen 1926 und 1931 eine Treppe aus rotem Marmor.
Im 20. Jahrhundert wechselten die Nutzungen häufig. Zunächst zogen Museumssammlungen ein, darunter eine archäologische Ausstellung, zeitweise auch ein Hygienemuseum. Ende 1944 wurde ein Wehrmachtslazarett eingerichtet. Nach 1945 nutzten Behörden und Gerichte die Räume, von 1949 bis 1952 tagte erstmals ein Landtag im Schloss. Von 1952 bis 1982 bildete hier eine pädagogische Schule Kindergärtnerinnen aus. Seit 1990 ist das Schloss verfassungsmäßiger Sitz des Landtags Mecklenburg-Vorpommern, 2017 wurde ein neuer Plenarsaal fertiggestellt. Am 27. Juli 2024 nahm die UNESCO das Residenzensemble Schwerin in die Welterbeliste auf.
Restaurierung eines Riesen
Schon zu DDR-Zeiten, ab 1974, begannen erste Restaurierungsarbeiten, 1979 kam das Schloss auf die Zentrale Denkmalliste. Die große Sanierung folgte aber erst, nachdem Schwerin 1990 Landeshauptstadt geworden war. Bis 2010 flossen nach Angaben des Landtags rund 110 Millionen Euro in das Gebäude.
Die Aufgabe war gewaltig. Das Schloss erstreckt sich über elf Geschosse und besitzt mehrere Hundert Räume. Restauratoren, Stuckateure und Holzschnitzer arbeiteten an Thronsaal, Ahnengalerie und Blumenzimmer, an Fassaden, Türmen und Dächern. Eine eigene Maßnahme galt der vergoldeten Prunkkuppel. Zugleich mussten Büros und Sitzungsräume für das Parlament entstehen und alte Setzungsprobleme der Fundamente gelöst werden.
Was man heute sieht
Schon von außen lohnt der genaue Blick: Die Fassaden sind übersät mit Fenstern, Nischen, Säulen, Erkern, Balustraden, goldenen Ornamenten und Figuren. In den Flügeln rund um den Innenhof arbeiten heute Parlament und Museum nebeneinander. Wer durch das Hauptportal geht, passiert das Reiterstandbild des Obotritenfürsten Niklot.
Das Schlossmuseum, betreut von den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, zeigt auf drei Etagen mehr als 30 Wohn-, Gesellschafts- und Festräume. Ausgestellt sind vor allem Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerk des 19. Jahrhunderts.
Höhepunkt ist der Thronsaal in der Festetage mit reichem Bildhauer- und Malereischmuck und kunstvollen Parkettböden. Ebenso eindrucksvoll ist die Ahnengalerie mit ihrer Fülle an Fürstenporträts. Zu den restaurierten Räumen gehört auch das Blumenzimmer, dazu kommen Speise- und Wohnräume der großherzoglichen Familie. Kostenlose Audioguides begleiten durch die Räume.
Außerhalb des Museums gehören die Schlosskirche, der Burggarten und die Orangerie zum Ensemble. Burggarten und Schlossgarten sind ganzjährig zugänglich. Zur Folklore des Hauses gehört das "Petermännchen", der sagenhafte Schlossgeist.
Öffnungszeiten und Eintritt
| 15. April bis 14. Oktober | Di-So 10-18 Uhr |
| 15. Oktober bis 14. April | Di-So 10-17 Uhr |
| Montag | geschlossen |
| Letzter Einlass | 30 Minuten vor Schließung |
| Eintritt | 13 €, ermäßigt 9 € |
| Unter 18 Jahren | frei |
| Öffentliche Führung | 5 €, ermäßigt 4 €, zuzüglich Eintritt |
| Schlosspark | ganzjährig geöffnet |
Gruppen können individuelle Führungen buchen (75 €, fremdsprachig 85 €). Für Stammgäste gibt es eine Jahreskarte für 75 €, ermäßigt 60 €.
Anfahrt und Parken
Die Adresse lautet Lennéstraße 1, 19053 Schwerin. Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuß etwa 20 Minuten, alternativ fährt die Buslinie 10 Richtung Buchenweg bis zum Schloss.
Gebührenpflichtige Parkplätze gibt es an der Grünen Straße, vor dem Staatstheater, an der Graf-Schack-Allee und an der Geschwister-Scholl-Straße. Reisebusse parken am Parkplatz Altstadt/Grüne Straße.
Barrierefreiheit
Der Eingang ins Schlossmuseum ist stufenfrei, die erste und zweite Etage sind per Aufzug erreichbar. Die Festetage mit dem Thronsaal ist nur eingeschränkt barrierefrei: Fünf Stufen überwindet ein Treppenlift, der für schwere Elektrorollstühle nicht geeignet ist. Eine Behindertentoilette befindet sich im ersten Obergeschoss.
Tipps für den Besuch
- Montag meiden: Das Schlossmuseum ist montags geschlossen, die Gärten dagegen sind zugänglich.
- Audioguide nutzen: Er ist kostenfrei und begleitet durch die Museumsräume.
- Gärten einplanen: Ein Spaziergang durch Burggarten und Schlossgarten gehört zum Besuch dazu.
- Rundgang von außen: Die Lage auf der Insel erschließt sich am besten bei einem Spaziergang rund um das Schloss.
- Welterbe erkunden: Das Schloss ist Teil eines größeren Residenzensembles, zu dem weitere Bauten in der Stadt gehören.
Lage und Umgebung
53.6242° N · 11.4189° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 09/2026Quellen der Redaktion
- mv-schloesser.de/de/location/schloss-schwerin/
- mv-schloesser.de/de/besucherservice-sn/
- landtag-mv.de/landtag/landtagssitz/geschichte-und-architektur/geschichte-des-schlosses
- landtag-mv.de/landtag/landtagssitz/schweriner-schloss-entdecken/schlossmuseum
- schwerin.de/kultur-tourismus/sehenswuerdigkeiten/schloss-schwerin/
- de.wikipedia.org/wiki/Schweriner_Schloss
- landtag-mv.de/aktuelles/artikel/restaurierung-des-schweriner-schlosses
- schwerin.de/kultur-tourismus/sehenswuerdigkeiten/schloss-schwerin/schlossmuseum/
- schwerin.de/kultur-tourismus/sehenswuerdigkeiten/schloss-schwerin/geschichte-des-schweriner-schlosses/
- landtag-mv.de/aktuelles/artikel/sammler-forscher-kitakinder-die-nutzung-des-schweriner-schlosses-seit-1913
- landtag-mv.de/landtag/landtagssitz/schweriner-schloss-entdecken/plenarsaal
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