Burg Gleichen
Burgruine bei Wandersleben, eine der Drei Gleichen und namengebender Sitz der Grafen von Gleichen, mit Bergfried, Museum und Aussichtsplattform.

Steckbrief
- Kreis
- Landkreis Gotha
- Bundesland
- Thüringen
- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich1
- Öffnungszeiten
- Burggelände und Burgmuseum: April-Oktober Mo-So 10-18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr1Alle Angaben
- Website
- thueringerschloesser.de1
- Koordinaten
- 50.8803, 10.8389
Inhalt 16 Abschnitte
- Überblick
- Entstehung und die Grafen von Tonna
- Fehde, Brand und Ausbau
- Vom Grafensitz zum Amtssitz
- Erhaltung seit dem 19. Jahrhundert
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Die Sage vom Grafen mit zwei Frauen
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung
- Wandern und Anreise
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Auf einem Bergkegel bei Wandersleben liegt die Ruine der Burg Gleichen. Mit der Mühlburg und der Veste Wachsenburg bildet sie die Burgengruppe der Drei Gleichen, einen gemeinsamen Besitzer hatten die drei Anlagen aber nie.1, 5, 7 Nach dieser Burg benannten sich im 12. Jahrhundert die Grafen von Gleichen. Erhalten sind unter anderem der Bergfried mit Aussichtsplattform, das Herrenhaus und ein romanischer Wohnbau. Die Anlage zählt zu den Objekten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Burggelände und Museum betreibt das Naturkundemuseum Erfurt.1, 2
Entstehung und die Grafen von Tonna
Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten datiert die Burg ins 11. Jahrhundert. Urkundlich erwähnt wird sie nach ihren Angaben erstmals um 1089.1
Die Burg lag nahe der mittelalterlichen Handelsstraße "via regia" und war deshalb nach Angaben der Stiftung immer wieder Ziel von Angriffen und Belagerungen.1
1139 kam die Burg nach Angaben der Stiftung an die Grafen von Tonna, die einen Neubau begannen. Wenige Jahre später nannten sie sich nach ihrem neuen Sitz Grafen von Gleichen. Sie waren Vögte der Stadt Erfurt und dienten den Mainzer Erzbischöfen.1, 6
Steffen Raßloff beschreibt den Vorgang von 1139 in einem Zeitungsbeitrag von 2014 als Belehnung durch den Mainzer Erzbischof. Dieser hatte dem Geschlecht schon 1120 die Vogtei über Erfurt verliehen.5
Fehde, Brand und Ausbau
Die Stiftung berichtet von einer Zerstörung in einer Fehde. 1231 erlitt die Anlage bei einem Großbrand vermutlich schwere Schäden. Die erhaltenen Bauten stammen nach der Stiftung überwiegend aus dem 12. und dem 16. Jahrhundert.1
Über Jahrhunderte wurde die weitläufige Ringburg ausgebaut, mit Gebäuden entlang der Ringmauer. 1588 kam als letzter repräsentativer Bau das Herrenhaus im Renaissancestil hinzu. Am Quaderportal des Herrenhauses beschrieb Raßloff 2014 noch das gräfliche Wappen mit steigendem Löwen.5
Vom Grafensitz zum Amtssitz
Den Umzug der Grafen ins nahe Ohrdruf datieren die Quellen verschieden. Nach der Stiftung war die Burg bis 1537 ständige Residenz, Raßloff datiert den Umzug auf 1597.1, 5
1599 gaben die Grafen die Burg nach Angaben der Stiftung endgültig auf. Ein Großteil der Ausstattung kam in andere Gebäude, die Burg diente nur noch als Amtssitz. Danach wechselte sie mehrfach den Besitzer und verfiel allmählich.1 1725 nannte der herzogliche Sekretär und Hofadvokat Johann Zacherias Gleichmann die Burg "diese curieuse Antiquität".1
1631 starben die Grafen von Gleichen aus.5
Erhaltung seit dem 19. Jahrhundert
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bemühten sich Erfurter Bürger um den Erhalt der Ruine.5
1984 ging die Verwaltung an die Erfurter Museen. 1998 kam die Ruine nach Raßloff zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, betreut wurde sie weiterhin von der Stadt Erfurt. Naturkundemuseum und Stadtmuseum erarbeiteten eine neue Dauerausstellung im Wehrturm, die laut Raßloffs Beitrag vom Mai 2014 im Vorjahr eröffnet worden war.5
Chronik
11. Jh. - 2024- 11. JahrhundertGründungEntstehung der Burg im 11. Jahrhundert1, 7
- 1139BesitzwechselDer Erzbischof von Mainz belehnt die Grafen von Tonna mit der Burg, sie beginnen einen Neubau und nennen sich bald Grafen von Gleichen1, 5
- 1231ZerstörungGroßbrand, die Burg wird vermutlich schwer beschädigt1
- 1588UmbauBau des Herrenhauses im Renaissancestil5
- 1599NutzungsänderungDie Grafen geben die Burg endgültig auf, ein Großteil der Ausstattung kommt in andere Bauten, danach nur noch Amtssitz1
- 2. Hälfte 19. JahrhundertRestaurierungErfurter Bürger setzen sich für den Erhalt der Ruine ein5
- 1984NutzungsänderungDie Erfurter Museen übernehmen die Verwaltung5
- 1998NutzungsänderungDie Ruine kommt zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Stadt Erfurt betreut sie weiter5
- 2013NutzungsänderungNeue Dauerausstellung von Naturkunde- und Stadtmuseum Erfurt im Wehrturm5
- 2024RestaurierungInstandsetzung ausgewählter Bereiche innerhalb der Burg (Mörtelfugen, Steinoberflächen, Mauerkronen), rund 25.000 €, Abschluss für Oktober geplant3
Besitz und Herrschaft
- 1139-1631Grafen von Tonna, bald Grafen von Gleichen1, 5Lehen der Mainzer Erzbischöfe, 1631 erloschen
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Für die Burg wurde der Bergkegel künstlich eingeebnet und vergrößert. So entstand eine Anlage von 105 mal 60 Metern.1
Zur Anlage gehören der Bergfried mit annähernd quadratischem Grundriss und ein romanischer Wohnbau mit drei Geschossen. Dazu kommen Reste der Ringmauer, das Torgewölbe mit Kapelle, der Kanzleibau und das Herrenhaus. Der Bergfried wird teils museal genutzt und trägt eine Aussichtsplattform.1 Die Stiftung beschreibt Burg und Burgberg als bedeutendes Kulturdenkmal und zugleich als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten.4
Die Sage vom Grafen mit zwei Frauen
Nach der Sage zog ein Graf von Gleichen mit dem Kaiser ins Heilige Land und kam dort in Gefangenschaft. Je nach Fassung heißt er Ernst oder Ludwig. Die Tochter des Sultans half ihm bei der Flucht und folgte ihm nach Thüringen, wo seine Frau auf ihn wartete. Der Papst soll die Verbindung gesegnet haben.1
In Ludwig Bechsteins Fassung von 1837 beginnt die Handlung im Jahr 1227, als Kaiser Friedrich II. zum Zug gegen die Sarazenen aufbrach.10 Historisch belegt ist die Geschichte nach Raßloff nicht. Die früheste Nachricht von der angeblichen Doppelehe steht in einem Schreiben Landgraf Philipps von Hessen an Luther aus dem Jahr 1539.5
Eine Grabplatte im Erfurter Dom zeigt den Grafen zwischen zwei Frauen.1 Sie lag bis 1813 in der Peterskirche. Raßloff hält es für möglich, dass sie die Sage angeregt hat. Das Wiedersehen mit der Gräfin soll im Freudenthal unterhalb der Burg stattgefunden haben.5
Besonderheiten
- Goethe und Schubert: Goethe griff den Stoff in der ersten Fassung seines Schauspiels "Stella" von 1775 auf. Franz Schubert arbeitete 1827/28 an der unvollendeten Oper "Der Graf von Gleichen".1, 10
- Erfurter Rathaus: Für das Rathaus in Erfurt schuf der Historienmaler Eduard Kämpffer bis 1896 einen Zyklus von sechs Bildern zur Sage.10
- Name der Drei Gleichen: Nach dem Förderverein hieß bis ins 18. Jahrhundert allein diese Burg Gleichen, später ging der Name auf die ganze Gruppe über.6 Eine Sage erklärt ihn mit einem Kugelblitz am 31. Mai 1231: Danach sollen die Burgen "wie drei gleiche Fackeln" gebrannt haben.7
- Badlands: Eine Kappe aus Rätsandstein des Oberen Keupers schützt den Gipfel des Burgbergs. An den Südhängen darunter tritt fast ohne Bewuchs roter und grüngrauer Ton- und Mergelstein zutage, diese Badlands stehen unter Geotop- und Naturschutz.8, 9
Heutiger Zustand
Das Museum im Wehrturm ist eine Außenstelle des Naturkundemuseums Erfurt, das auch das Burggelände betreibt. Seine Ausstellung behandelt nach Angaben der Stiftung die Geschichte der Burg und den Naturraum des Drei-Gleichen-Gebiets.1, 2, 3
2022 ließ die Stiftung in der Burg eine Besuchertoilette nach dem Kompostprinzip aufstellen. Unterirdische Tanks wären in der archäologisch sensiblen Burganlage nicht umsetzbar gewesen.2 2024 ließ die Stiftung in ausgewählten Bereichen innerhalb der Burg Mörtelfugen, Steinoberflächen und Mauerkronen ausbessern, die unter der Witterung gelitten hatten. Das Volumen lag bei rund 25.000 €, abgeschlossen werden sollten die Arbeiten im Oktober.3
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- Innenbesichtigung möglich1
- Öffnungszeiten
- Burggelände und Burgmuseum: April-Oktober Mo-So 10-18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr
November-März geschlossen
Angabe der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ohne Jahresangabe (Stand 09.10.2026)1
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Burggelände und Museum sind nach Angaben der Stiftung von April bis Oktober täglich geöffnet, von November bis März bleiben sie geschlossen.1
Wandern und Anreise
Wanderwege verbinden die Burg mit Mühlburg und Wachsenburg.1 Die GeoRoute 3 des Geoparks ist ein Rundweg von etwa 31 Kilometern durch das Burgengebiet, Auskunft gibt das GeoInfozentrum in der Kulturscheune Mühlberg.9 Im Frühjahr blühen an den Burghängen Märzenbecher.7
Umgebung und weitere Ziele
Rund 12 Kilometer Luftlinie nordwestlich steht in Gotha Schloss Friedenstein, rund 39 Kilometer westlich liegt die Wartburg bei Eisenach.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Gotha, das ganze Land die Seite Thüringen.
Lage und Karte
50.8803° N · 10.8389° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burgruine GleichenStiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgerufen am 09.10.2026
- Besuchertoilette auf der Burg Gleichen (Pressemitteilung 18.03.2022)Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgerufen am 09.10.2026
- Mauerwerk auf der Burg Gleichen in der Kur (Pressemitteilung 14.08.2024)Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgerufen am 09.10.2026
- Baumpflegearbeiten an der Burgruine Gleichen bei Wandersleben (Pressemitteilung 28.01.2022)Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgerufen am 09.10.2026
- Steffen Raßloff: Ruine Burg Gleichen (Denkmale in Erfurt, Thüringer Allgemeine 24.05.2014)Erfurt-Web, abgerufen am 09.10.2026
- Burgruine GleichenFörderverein Thüringer Burgenland Drei Gleichen e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Die Drei GleichenBurgenstraße Thüringen e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Badlands unterhalb der Wachsenburg und der Burg GleichenUNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg - Drei Gleichen, abgerufen am 09.10.2026
- GeoRoute 3: BurgenrouteUNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg - Drei Gleichen, abgerufen am 09.10.2026
- Jutta Assel, Georg Jäger: Graf von Gleichen und seine Doppelehe (Stand April 2018)Goethezeitportal, abgerufen am 09.10.2026
- Burg Gleichen (historic=castle, castle_type=defensive, ruins=yes, Q315148) (Kartenobjekt way/204232390)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Thuringius · CC0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Schloss Friedenstein: Foto: Thuringius · CC0 · Wikimedia Commons
- Schloss Altenstein: Foto: Rainer Lippert · CC0 · Wikimedia Commons
- Schloss Belvedere: Foto: FrDr · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Wartburg: Foto: A.Savin · FAL · Wikimedia Commons