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Schloss · Chiemsee · Bayern

Neues Schloss Herrenchiemsee

König Ludwig II. ließ auf der Herreninsel im Chiemsee sein eigenes Versailles bauen. Geschichte, Spiegelgalerie, Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt.

47.8604° N · 12.4022° E
Neues Schloss Herrenchiemsee
Neues Schloss HerrenchiemseeFoto: Carsten Steger · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Grunddaten aus Wikidata
Typ
Schloss
Erste Erwähnung / Bau
1878
Baustil
Neobarock
Denkmalstatus
UNESCO-Welterbe, Baudenkmal in Bayern
Ort
Chiemsee
Bundesland
Bayern
Nächste größere Stadt
Traunreut17,9 km
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Eine Insel wird gerettet
  3. Versailles im bayerischen Voralpenland
  4. Ein König für zehn Tage
  5. Das unvollendete Schloss
  6. Was man heute sieht
  7. Öffnungszeiten und Eintritt
  8. Anfahrt und Parken
  9. Barrierefreiheit
  10. Tipps für den Besuch
  11. Lage und Umgebung
  12. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: September 202611 Quellen

Mitten im Chiemsee, auf der Herreninsel, steht das ehrgeizigste Bauprojekt König Ludwigs II. von Bayern: ein Schloss nach dem Vorbild von Versailles, gedacht als "Tempel des Ruhmes" für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. Vollendet wurde es nie, und bewohnt hat es der König nur wenige Tage. Gerade dieser Gegensatz macht den Reiz aus: Auf prunkvolle Paraderäume und eine Spiegelgalerie, die länger ist als ihr französisches Vorbild, folgen Räume, die bis heute im Rohbau stehen. Seit 2025 gehört Herrenchiemsee zusammen mit Neuschwanstein, Linderhof und dem Königshaus am Schachen zum UNESCO-Welterbe.

Geschichte

Eine Insel wird gerettet

Die Herreninsel war jahrhundertelang Sitz eines Augustiner-Chorherrenstifts. Im 19. Jahrhundert wollte eine württembergische Holzverwertungsgesellschaft die Wälder der Insel vollständig abholzen, was in der Region auf breite Ablehnung stieß. Ludwig II. kaufte die Insel im September 1873. Per Telegramm wies er an: "Schließen Sie den Kauf sofort ab, das Gelände scheint entsprechend zu sein." Der Kaufpreis lag bei 350.000 Gulden.

Der König verfolgte schon länger den Plan, dem absolutistischen Königtum der Bourbonen ein Denkmal zu setzen. Zunächst war dafür ein Standort im Graswangtal bei Linderhof vorgesehen. Dreizehn Planungsphasen durchlief das Projekt, bevor die Wahl endgültig auf die Insel im Chiemsee fiel.

Versailles im bayerischen Voralpenland

Am 21. Mai 1878 wurde der Grundstein gelegt. Die Planung lag bei Georg Dollmann, der dafür Versailles genau studieren musste. Er rekonstruierte sogar Räume, die dort längst nicht mehr existierten. Ab Oktober 1884 übernahm Julius Hofmann die Bauleitung.

Das Schloss sollte keine praktische Funktion erfüllen. Die Bayerische Schlösserverwaltung beschreibt es als Denkmal des absolutistischen Königtums, das Ludwig XIV. als Sonnenkönig verherrlicht. Die Gartenfassade folgt fast genau dem Versailler Hauptbau, auch Treppenhaus und Paraderäume nehmen das Vorbild auf. Die Möblierung dagegen entstand ohne Bezug auf die Versailler Ausstattung, gefertigt vor allem von Münchner Kunsthandwerkern.

Der Rohbau des dreiflügeligen Hauptgebäudes stand bereits Anfang 1879, der Innenausbau zog sich bis 1885 hin. Als erster Raum war 1881 das Paradeschlafzimmer fertig, in dem der König allerdings nie geschlafen hat.

Ein König für zehn Tage

Erst im September 1885, als seine privaten Wohnräume fertig waren, bezog Ludwig II. das Schloss. Er blieb nur vom 7. bis zum 16. September. Es sollte sein einziger Aufenthalt bleiben.

Die Kosten waren inzwischen gewaltig gestiegen. Ursprünglich war mit 5,7 Millionen Mark gerechnet worden, bis zum Tod des Königs 1886 wurden es etwa 16,6 Millionen Mark. Das war mehr, als Linderhof und Neuschwanstein zusammen kosteten. Wegen der Finanzierungsprobleme kamen die Arbeiten fast völlig zum Stillstand.

Das unvollendete Schloss

Nach dem Tod Ludwigs II. im Juni 1886 blieb der Bau ein Torso. Geplant waren weitere Seitenflügel, eine Kapelle, Marställe und ein Theater, doch keines dieser Vorhaben kam über Entwürfe hinaus. Der nördliche Seitenflügel stand beim Tod des Königs im Rohbau und wurde 1907 wieder abgerissen, um die Symmetrie der Anlage zu wahren.

Auch der Park blieb unvollendet. Hofgartendirektor Carl von Effner legte ab 1875 Entwürfe für eine Anlage nach Versailler Vorbild vor. Aus Kostengründen wurden sie nicht im geplanten Umfang umgesetzt, bis 1886 war nur die Mittelachse mit ihren Wasserspielen fertig.

Schon im August 1886, wenige Wochen nach dem Tod des Königs, wurden seine Schlösser für Besucher geöffnet. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Schloss 1918 der Verwaltung des ehemaligen Kronguts übergeben. Am 12. Juli 2025 nahm das UNESCO-Welterbekomitee die Schlösser Ludwigs II. in die Welterbeliste auf.

Das Schloss heute

Was man heute sieht

Die Paraderäume gelten nach Angaben der Schlösserverwaltung als Höhepunkt der Ausstattungskunst des 19. Jahrhunderts und sind deutlich prunkvoller als ihre Vorbilder. Der Rundgang führt über die Gesandtentreppe, eine Nachbildung der 1752 abgebrochenen Treppe von Versailles, die anhand alter Stiche und Pläne rekonstruiert wurde. Es folgen das Paradeschlafzimmer und die Große Spiegelgalerie.

Die Spiegelgalerie ist 75 Meter lang und damit länger als der Spiegelsaal in Versailles. Zusammen mit den beiden Nebensälen erstreckt sich die Raumflucht über 98 Meter. Beleuchtet wird sie von 33 Deckenlüstern und 44 Standkandelabern. In den privaten Räumen, dem Kleinen Appartement im Stil des französischen Rokoko, fällt das ovale Speisezimmer auf: Sein Tisch ließ sich mechanisch versenken, sodass der König ohne Bedienstete speisen konnte.

Im Südflügel zeigt das König Ludwig II.-Museum Porträts, Fotografien und originale Prunkgewänder des Königs. Es erzählt auch von seiner Förderung Richard Wagners und von seinen Bauprojekten. Neu gestaltet ist ein Bereich zum ehemaligen Wintergarten des Königs.

Ebenfalls auf der Insel liegt das Augustiner-Chorherrenstift, auch Altes Schloss genannt. Hier tagte 1948 der Verfassungskonvent, der das Grundgesetz vorbereitete. Ein Museum erinnert daran. In den unvollendeten Rohbauräumen des Neuen Schlosses zeigt die Sonderausstellung "Könnt ihr noch? Kunst und Demokratie" vom 18. Mai bis 18. Oktober 2026 über 50 Werke der Sammlung Moderne Kunst.

Besuch

Öffnungszeiten und Eintritt

April bis 24. Oktobertäglich 9-18 Uhr, letzte Führung ca. 17 Uhr
25. Oktober bis Märztäglich 10-16.45 Uhr, letzte Führung ca. 16 Uhr
Geschlossen1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember
WasserspieleAnfang Mai bis 3. Oktober
Gesamtkarte Insel14 €, ermäßigt 13 €
König Ludwig II.-Museum einzeln6 €, ermäßigt 5 €
Unter 18 Jahrenfrei

Das Neue Schloss ist nur mit Führung zu besichtigen, ein Rundgang dauert etwa 40 Minuten. König Ludwig II.-Museum und Augustiner-Chorherrenstift sind ohne Führung zugänglich. Tickets gibt es auch online, für ermäßigte Karten ist vor Ort ein Nachweis im Original nötig.

Anfahrt und Parken

Die Herreninsel ist nur per Schiff erreichbar. Mit dem Auto fährt man über die A8 München-Salzburg bis zur Ausfahrt Bernau und dann nach Prien am Chiemsee, der Beschilderung "Chiemsee" oder "Königsschloss" folgend. In Prien/Stock gibt es einen gebührenpflichtigen Parkplatz, von dort legen regelmäßig Schiffe zur Insel ab.

Mit der Bahn ist Prien von München aus in etwa einer Stunde erreichbar. Im Sommer fährt die Chiemsee-Bahn vom Bahnhof zum Hafen Prien/Stock, zu Fuß sind es rund 30 Minuten. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten, vom Anleger zum Schloss geht man noch einmal etwa 20 Minuten. Von Mitte April bis Ende Oktober verkehren in der Regel auch Pferdekutschen. Die Schlösserverwaltung empfiehlt, für den Weg zum Neuen Schloss insgesamt rund eine Stunde einzuplanen.

Barrierefreiheit

Für Rollstuhlfahrer empfiehlt die Schlösserverwaltung die Schiffe ab Prien, die über mobile Rampen verfügen. Im Neuen Schloss sind alle wichtigen Bereiche stufenlos über Aufzüge erreichbar, Rollstühle können vor Ort ausgeliehen werden. Im nördlichen Teil der Insel sind die Wege überwiegend eben, im Süden gibt es unebene Waldwege mit Steigungen. Für Gäste mit Sehbehinderung steht ein Tastmodell vor dem Besucherzentrum, für hörgeschädigte Gäste gibt es Filme in Gebärdensprache mit Untertiteln.

Tipps für den Besuch

  • Zeit einplanen: Mit Überfahrt, Fußweg, Führung und Museen ist ein halber bis ganzer Tag schnell gefüllt.
  • Wasserspiele: Wer zwischen Anfang Mai und 3. Oktober kommt, sieht die Brunnen der Mittelachse in Betrieb.
  • Kinderführungen: Von April bis Oktober gibt es an Wochenenden und Feiertagen eigene Führungen für Kinder, im Juli und August täglich.
  • Kutsche: Bei Hitze oder extremem Wetter kann der Kutschbetrieb zum Schutz von Menschen und Tieren ausfallen.
  • Inseldom: Von April bis Ende Oktober führen an Wochenenden und Feiertagen Rundgänge um 11 und 14 Uhr durch den Inseldom des ehemaligen Klosters.
Umgebung

Lage und Umgebung

47.8604° N · 12.4022° E

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Quellen

Stand 09/2026

Quellen der Redaktion

  1. herrenchiemsee.de/
  2. herrenchiemsee.de/deutsch/tourist/oeffnung.htm
  3. herrenchiemsee.de/deutsch/tourist/eintritt.htm
  4. herrenchiemsee.de/deutsch/tourist/anfahrt.htm
  5. herrenchiemsee.de/deutsch/tourist/mobilitaet.htm
  6. herrenchiemsee.de/deutsch/n_schloss/index.htm
  7. schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/hch_ns.htm
  8. schloesserblog.bayern.de/heute-vor/140-jahre-grundsteinlegung-neues-schloss-herrenchiemsee
  9. tourismus.prien.de/erlebnisse/schloss-herrenchiemsee/
  10. unesco.de/aktuelles/schloesser-ludwigs-ii-von-bayern-zum-welterbe-erklaert/
  11. de.wikipedia.org/wiki/Neues_Schloss_Herrenchiemsee

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Carsten Steger · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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