Burg Fürstenberg
Burgruine über dem Rhein bei Rheindiebach: 1219 für den Kölner Erzbischof Engelbert I. erbaut, später pfälzisch, 1689 von französischen Truppen zerstört.

Steckbrief
- Gründung
- 1217-12192
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Koordinaten
- 50.0417, 7.78739
Inhalt 12 Abschnitte
Burg Fürstenberg steht als Ruine auf einem schmalen Bergsporn oberhalb von Rheindiebach, das zur Gemeinde Oberdiebach im Landkreis Mainz-Bingen gehört. Der Kölner Erzbischof Engelbert I. ließ sie 1219 bauen, französische Truppen zerstörten sie 1689.1, 4 Zu sehen sind der runde Bergfried, Mauern des Palas, Schild- und Ringmauer sowie Zwingeranlagen. Die Ruine ist in Privatbesitz.1, 2, 3
Entstehung: eine kölnische Burg am Rhein
Als Bauherr gilt Erzbischof Engelbert I. von Köln. EBIDAT setzt den Bau zwischen 1217 und 1219 an, KuLaDig nennt das Jahr 1219.1, 2 Nach EBIDAT sollte die Burg die Interessen des Kölner Erzstifts gegen die Pfalzgrafen sichern. KuLaDig sieht ihre Aufgabe vor allem darin, den Fluss militärisch zu überwachen und Zollrechte zu sichern.1, 2
Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde unterhalb der Burg Zoll erhoben, für den Landweg und für die Schiffe. Den runden Bergfried datiert EBIDAT dendrochronologisch in die Jahre 1220 bis 1240. Insgesamt unterscheidet EBIDAT mehrere Bauphasen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert.2
Pfalzgrafen, Pfandherren und Belagerungen
Schon wenige Jahrzehnte nach der Gründung kam Fürstenberg als Lehen an die Pfalzgrafen bei Rhein, nach KuLaDig noch im 13. Jahrhundert.1, 2 1321 belagerte und eroberte Ludwig der Bayer die Burg. 1325 belagerte Erzbischof Balduin von Trier die Burg. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts war Fürstenberg an Balduin verpfändet, 1410 fiel die Burg endgültig an die Pfalzgrafen.2
Im Dreißigjährigen Krieg nahmen Spanier unter Spinola die Burg ein und überließen sie 1632 den Schweden. Mit diesen Eroberungen begann nach der Stiftung Denkmalschutz der Verfall.2, 3 Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten französische Truppen die Anlage 1689. Die inzwischen militärisch bedeutungslose Burg wurde danach nicht wiederhergestellt.1, 2
Verkäufe und Schlosspläne im 19. Jahrhundert
1804 wurde die Ruine versteigert, sie ging an den Rheindiebacher Kaufmann Daniel Kurz.2, 5 Danach wechselten die Eigentümer nach EBIDAT häufig. Von den Brüdern Kurz ging das Gelände 1845 an ein Fürstenpaar. Erwerber waren Prinzessin Louise, eine Schwester des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., und ihr Mann Prinz Friedrich der Niederlande.2
Das Paar beauftragte den Architekten C. de Jong 1849/50 mit Entwürfen für einen Umbau zum neugotischen Schloss. Ausgeführt wurde der Ausbau nicht.1, 2 Anders als bei den meisten Burgen im Oberen Mittelrheintal folgte im 19. Jahrhundert kein Wiederaufbau. Die Stiftung Denkmalschutz hebt hervor, dass so mittelalterliches Mauerwerk mit Resten von Putz und Farbe erhalten ist.3
Sicherung seit den 1990er Jahren
Nach KuLaDig ging die Ruine 1993 an einen privaten Eigentümer aus Rheindiebach, der ihre Sicherung und Restaurierung seither vorangebracht hat. EBIDAT beschreibt eine schrittweise Sanierung der ganzen Anlage seit den 1990er Jahren.1, 2
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte die Arbeiten am Mauerwerk finanziell. Ihr Text nennt den Zeitraum 1998 bis 2003, ihre Kurzbeschreibung die Jahre 1998, 2000 und 2002. Zinnen wurden dabei zum Teil neu aufgemauert und lose Fugen erneuert. Für die Festigung ließ man einen eigenen Mörtel herstellen.3
Chronik
13. Jh. - 1993- 13. JahrhundertBesitzwechselDie Burg kommt als Lehen an die Pfalzgrafen bei Rhein1
- 1217-1219GründungBau unter dem Kölner Erzbischof Engelbert I.2
- 1220-1240BaubeginnBau des runden Bergfrieds, dendrochronologisch datiert2
- ab 1250NutzungsänderungLand- und Schiffszoll unterhalb der Burg2
- 1. Hälfte 14. JahrhundertBesitzwechselVerpfändung an Erzbischof Balduin von Trier2
- 1410BesitzwechselDie Burg fällt endgültig an die Pfalzgrafen bei Rhein2
- 1411UmbauBrücke zum Torhaus, dendrochronologisch datiert2
- 1689ZerstörungIm Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört1, 2, 3
- 1804BesitzwechselVersteigerung an den Kaufmann Daniel Kurz aus Rheindiebach2, 5
- 1845BesitzwechselPrinzessin Louise und Prinz Friedrich der Niederlande erwerben das Burggelände2
- 1993BesitzwechselEin privater Eigentümer aus Rheindiebach erwirbt die Ruine1
- ab 1993RestaurierungSchrittweise Sicherung und Restaurierung der Ruine1
Besitz und Herrschaft
- 1219Erzstift Köln1Bauherr Erzbischof Engelbert I.
- ab 1410Pfalzgrafen bei Rhein1, 2seit dem 13. Jahrhundert Lehensinhaber, im 14. Jahrhundert zeitweise an Trier verpfändet, 1410 endgültig
- 1804Daniel Kurz2Kaufmann aus Rheindiebach, ersteigert die Ruine
- 1845Prinzessin Louise und Prinz Friedrich der Niederlande2Erwerber des Burggeländes von den Brüdern Kurz
- seit 1993Privatbesitz1Eigentümer
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Der Sporn fällt steil zum Rhein ab.1 Die Burg hat nach EBIDAT einen polygonal-dreieckigen Grundriss, gebaut wurde vor allem mit Schieferbruchstein. Im Westen, auf der Angriffsseite, ist ein tiefer Halsgraben in den Schieferfels geschlagen.2 Dahinter steht die Schildmauer. KuLaDig nennt sie außergewöhnlich stark, die Ortsgemeinde gibt eine Höhe von bis zu zehn Metern an.1, 4
Über den Graben führt eine Brücke zum Torhaus. EBIDAT beschreibt sie als von einem schlanken Pfeiler gestützt und datiert sie dendrochronologisch auf 1411.2 Nach der Stiftung Denkmalschutz ruht sie dagegen auf zwei mittelalterlichen Pfeilern aus Bruchstein, der Graben ist dort zwölf Meter tief.3 Die Ortsgemeinde bezeichnet die Brücke als heute erneuert.4
Im Zentrum der Kernburg steht der runde Bergfried. KuLaDig und die Stiftung Denkmalschutz geben seine Höhe mit etwa 25 Metern an, EBIDAT mit 26 Metern. Ursprünglich lag sein Eingang in zwölf Metern Höhe. Sein Zinnenkranz ist nach EBIDAT original erhalten.1, 2, 3
Den Palas im Südosten der Kernburg datiert EBIDAT sehr wahrscheinlich ins 14. Jahrhundert.2 Teile seiner Mauern stehen noch bis in die Höhe von zwei Geschossen. Der Überlieferung nach hatte er vor der Zerstörung drei Geschosse, das oberste aus Fachwerk.3
Vor der Nordwestecke der Schildmauer liegt eine zweiteilige Zwingeranlage mit Türmchen aus der Zeit nach 1300.2 Nach der Stiftung Denkmalschutz nutzte man den Zwinger in Friedenszeiten als Wirtschaftshof. Die südliche Ringmauer folgt dem Hang, stellenweise ist sie bis zum Wehrgang erhalten.3 Am Nordende steht ein dreiviertelrunder Flankierungsturm mit Spitzbogenfriesen aus Ziegeln, nach EBIDAT höchstwahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert.2 Anpassungen an Feuerwaffen zeigt nach KuLaDig vor allem ein spätmittelalterlicher Geschützturm.1
Besonderheiten
- Putzflächen: Alle erhaltenen Bauteile tragen nach EBIDAT großflächig Putz. Am Bergfried sind nach der Stiftung Denkmalschutz Reste des Putzes aus der Bauzeit erhalten.2, 3
- Verschwundene Zinnen: Im frühen 20. Jahrhundert trugen Teile der Burg noch Zinnen mit Schlitzscharten, von ihnen ist laut EBIDAT nichts erhalten.2
Heutiger Zustand
Seit den 1990er Jahren wird die Ruine schrittweise gesichert. EBIDAT beschreibt die Anlage als sehr gepflegt. Den Zugang bildet die heute erneuerte Brücke über den Halsgraben.1, 2, 4
Umgebung und weitere Ziele
Rund 1,6 Kilometer Luftlinie südöstlich liegt die Heimburg in Niederheimbach. Etwa 2,4 Kilometer Luftlinie nordwestlich steht die Burg Stahleck, rund 3,6 Kilometer südöstlich die Burg Sooneck.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Mainz-Bingen, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
50.0417° N · 7.7874° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
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- Heimburg (Niederheimbach) 1,6 km
- Burg Stahleck 2,4 km
- Burg Sooneck 3,6 km
- Burg Pfalzgrafenstein 4,8 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Ruine Burg Fürstenberg (Karl Peter Wiemer, 2026)LVR, KuLaDig Kultur.Landschaft.Digital, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Fürstenberg (Rheindiebach), Bearbeiter Jens FriedhoffEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 11.10.2026
- Burgruine Fürstenberg - RheindiebachDeutsche Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 11.10.2026
- Tourist-Infos: SehenswertesOrtsgemeinde Oberdiebach, abgerufen am 11.10.2026
- Rheindiebach (Gem. Oberdiebach), Historisches Ortslexikonregionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Fürstenberg (historic=castle) (Kartenobjekt way/1270365376)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: abbilder · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons
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Bildnachweise
- Heimburg (Niederheimbach): Foto: Alexander Hoernigk · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Stahleck: Foto: Joschi71 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Sooneck: Foto: Phantom3Pix · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Pfalzgrafenstein: Foto: Jörg Braukmann · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons