Heimburg (Niederheimbach)
Mainzer Burg über Niederheimbach, ab 1295 erbaut, später Ruine, 1866-68 mit neugotischem Rheinflügel wiederhergestellt.

Steckbrief
- Typ
- Burg1wiederaufgebaut
- Baustil
- Neugotik1
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal (Denkmalzone "Heimburg Aufm Schloss")1
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Koordinaten
- 50.0339, 7.8066
Inhalt 14 Abschnitte
- Überblick
- Entstehung: eine Mainzer Burg gegen die Pfalzgrafen
- Mainzer Besitz im Mittelalter
- Verfall und Ruinenzeit
- Verkäufe und Wiederherstellung im 19. Jahrhundert
- Besitzer seit dem späten 19. Jahrhundert
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Besichtigung
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Über Niederheimbach am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen steht die Heimburg, die auch unter dem Namen Burg Hohneck bekannt ist. Ein Mainzer Erzbischof ließ sie ab 1295 errichten. Später verfiel sie zur Ruine und wurde 1866-68 wiederhergestellt. Zu sehen sind eine Schildmauer zwischen zwei Rundtürmen und ein neugotischer Wohnflügel aus dem 19. Jahrhundert.1, 2, 3
Entstehung: eine Mainzer Burg gegen die Pfalzgrafen
Die Burg steht dort, wo der Heimbach in den Rhein mündet. Den Bau ließ nach KuLaDig der Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein 1295 beginnen, um 1305 war er abgeschlossen. Anlass war, dass die Pfalzgrafen 1290 die Burgen Sooneck und Reichenstein unrechtmäßig an sich gebracht hatten.1
Nach der Ortschronik von Heinz Scheibe erwarb der Erzbischof 1295 für den Bau einen Weinberg des Frauenklosters Aulhausen.4 Das Ortslexikon auf regionalgeschichte.net nennt dagegen das Mainzer Domstift als Bauherrn. Es datiert die Burg allgemeiner auf das Ende des 13. oder den Anfang des 14. Jahrhunderts und sieht sie als Grenzposten gegen die Kurpfalz. Später war sie nach dem Lexikon Mittelpunkt eines Mainzer Untergerichts.2
Mainzer Besitz im Mittelalter
1347 räumte der Mainzer Erzbischof die Burg dem Domkapitel ein. 1354 verpfändete er sie zusammen mit Reichenstein und Fürsteneck an Kuno von Falkenstein. 1362 kam sie an Mainz zurück.2 In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Anlage unter Erzbischof Diether von Isenburg noch einmal verstärkt.1
Verfall und Ruinenzeit
Wann die mittelalterliche Burg unterging, wird unterschiedlich dargestellt. KuLaDig und die Stadt Bacharach nennen Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, nach denen sie zur Ruine wurde.1, 3 Die Ortschronik vermutet das Jahr 1639, als auch der Ort zerstört wurde. Danach hätten die verarmten Einwohner die Ruine als Steinbruch genutzt.4 Das Ortslexikon spricht von einem allmählichen Verfall seit dem 16. Jahrhundert und von einer Zerstörung durch die Franzosen 1689.2
1641 nahm nach der Ortschronik Rupert Goldinger die Ruine gegen Zins in Besitz. Später gab Kurmainz sie an Jakob Mertes aus Niederheimbach. Die Chronik nennt eine Erbpacht ab 1747, das Ortslexikon eine Belehnung 1787. 1808 ging die Burg laut Ortslexikon in seinen Besitz über.2, 4
Verkäufe und Wiederherstellung im 19. Jahrhundert
Die Ortschronik verzeichnet danach eine Reihe von Verkäufen. 1837 veräußerte der Winzer Korn, anscheinend ein Erbe von Mertes, die Ruine an den preußischen Generalmajor a. D. Franz Wilhelm von Barfuß. Er zahlte 1.000 Taler und verkaufte 1841 für 2.000 Taler an den Krefelder Notar Gerpott weiter. 1863 gehörte die Ruine Florian Webel aus Mainz, 1866 Freiherr von Wackerbarth.4
In den Jahren 1866-68 ließ der Rittergutsbesitzer Otto von Wackerbarth die Ruine wiederherstellen. Ausgeführt hat die Arbeiten nach KuLaDig der Kreisbaumeister Frank aus St. Goar, der die mittelalterlichen Teile behutsam einbezog. Über dem alten Keller entstand der zweigeschossige Rheinflügel im neugotischen Stil, mit Zinnen und kleinen Ecktürmen.1 Nach der Ortschronik galt die Burg 1868 mit Remisen, zwei Haupttürmen und Wohnungen als fertig.4 Das Ortslexikon lässt den Wiederaufbau schon 1865 beginnen.2
Besitzer seit dem späten 19. Jahrhundert
Später besaß Gräfin Charlotte von Mellin die Burg. Nach ihrem Tod 1879 ging sie laut KuLaDig an ihren Neffen, den Kunsthistoriker Wolfgang von Oettingen. Von 1882 an war der Weinhändler Eduard Rabeneck Eigentümer, 1898 erwarb der Großindustrielle Robert Müser die Burg.1 Das Ortslexikon nennt eine andere Folge: 1879 Wackerbarth, 1886 Baron von Oettinger.2
1920 kaufte Nora Dunlop die Heimburg nach Angaben der Stadt Bacharach für 1 Million Mark. Den Kauf wickelte ihr Schwager und Vetter Hugo Stinnes ab, KuLaDig nennt beide als neue Besitzer. Die Familie Stinnes bewohnte die Burg lange und empfing dort prominente Gäste. Bis 1965 blieb sie in Familienbesitz.1, 3
In der Inflationszeit fanden laut KuLaDig viele Niederheimbacher Arbeit bei Unterhaltungsarbeiten an der Burg.1 Für 1972 führt das Ortslexikon die Familie Kann auf. Wem die Heimburg heute gehört, sagen die ausgewerteten Quellen nicht.2
Chronik
1295 - 1965- 1295BaubeginnErzbischof Gerhard II. von Mainz lässt mit dem Bau beginnen1, 3
- um 1305FertigstellungAbschluss der Bauarbeiten1, 4
- 1354BesitzwechselVerpfändung an Kuno von Falkenstein, zusammen mit Reichenstein und Fürsteneck2
- 1362BesitzwechselRückgabe an Mainz2
- 2. Hälfte 15. JahrhundertUmbauVerstärkung unter Erzbischof Diether von Isenburg1
- 1618-1648ZerstörungZerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, danach Ruine1, 3
- 1866-1868WiederaufbauWiederherstellung im Auftrag von Otto von Wackerbarth, Bau des neugotischen Rheinflügels1, 3
- 1882BesitzwechselDer Weinhändler Eduard Rabeneck wird Eigentümer1
- 1898BesitzwechselÜbergang an den Industriellen Robert Müser1
- 1910NutzungsänderungErnst Heilmann sen. richtet einen Märchenpark ein1
- 1920BesitzwechselKauf durch Nora Dunlop, abgewickelt von Hugo Stinnes1, 3
- 1965BesitzwechselEnde des Familienbesitzes3
Besitz und Herrschaft
- ab 1295Erzbischöfe von Mainz1, 3Landesherren, Bau unter Gerhard II.
- 1354-1362Kuno von Falkenstein2Pfandbesitz
- ab 1362Erzbischöfe von Mainz2nach Rückgabe der Pfandschaft
- bis 1879Gräfin Charlotte von Mellin1, 4Eigentümerin bis zu ihrem Tod
- 1882-1898Eduard Rabeneck1Eigentümer
- 1898-1920Robert Müser1Eigentümer
- 1920-1965Nora Dunlop und Familie Stinnes1, 3Kauf 1920, bis 1965 Familienbesitz
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Der Grundriss der Burg ist annähernd quadratisch. Zum Rhein hin steht eine mächtige Schildmauer zwischen zwei Rundtürmen, von denen der südliche zum hohen Bergfried ausgebaut wurde. Aus der Zeit der Wiederherstellung stammt im Inneren der große Rittersaal. Er hat eine bemalte Kassettendecke, eine Holzvertäfelung und einen Erker mit Glasfenstern aus jener Bauzeit.1
Besonderheiten
- Namen: Das Ortslexikon führt die Namensformen Haineck (1305), Heyenburg, Heimburg (1344) und Heymberg sowie Hoh(e)neck auf. In der Ortschronik heißt sie 1837 noch "Ruine Hoheneck".2, 4
- Märchenpark: 1910 richtete Ernst Heilmann sen. an der Burg einen Märchenpark ein. Viele seiner Figurengruppen stehen nach KuLaDig noch am Kuhweg, einem Hohlweg hinter der Burg.1
Heutiger Zustand
Die Heimburg ist eine wiederhergestellte Burg mit mittelalterlichem Kern. Schildmauer und Rundtürme gehören zum älteren Baubestand, der südliche Turm wurde zum Bergfried ausgebaut. Der Rheinflügel stammt aus den 1860er-Jahren. Sie ist als Denkmalzone "Heimburg Aufm Schloss" in das Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Kreises Mainz-Bingen eingetragen.1
Besichtigung
Nach Angaben der Stadt Bacharach ist die Anlage zurzeit nicht öffentlich zugänglich.3 Öffnungszeiten oder Führungen nennt keine offizielle Stelle.
Umgebung und weitere Ziele
Rund 1,6 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Burg Fürstenberg bei Rheindiebach, etwa 2,1 Kilometer die Burg Sooneck. Rund 4 Kilometer Luftlinie sind es zur Burg Stahleck.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Mainz-Bingen, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
50.0339° N · 7.8066° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Burgen und Schlösser in der Nähe
- Burg Fürstenberg 1,6 km
- Burg Sooneck 2,1 km
- Burg Stahleck 4,0 km
- Burg Reichenstein 4,6 km
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Heimburg in NiederheimbachKuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital (Paul-Georg Custodis, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2019), abgerufen am 11.10.2026
- Heimburg, Burg (Gem. Niederheimbach), Ortslexikonregionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Burg Hohneck (Heimburg)Stadt Bacharach, abgerufen am 11.10.2026
- Niederheimbach und die Zeit unserer Vorfahren (Ortschronik, 2008)Heinz Scheibe, über regionalgeschichte.net, abgerufen am 11.10.2026
- Heimburg (historic=castle) (Kartenobjekt way/953642702)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Alexander Hoernigk · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Rheinland-Pfalz
Burgruine · 1,6 kmBurg Fürstenberg
Burg · 2,1 kmBurg Sooneck
Burg · 4,0 kmBurg Stahleck
Burg · 4,6 kmBurg Reichenstein
Bildnachweise
- Burg Fürstenberg: Foto: abbilder · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Sooneck: Foto: Phantom3Pix · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Stahleck: Foto: Joschi71 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Reichenstein: Foto: PopSpots · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons