Burgenführer
Burg · Halle (Saale) · Sachsen-Anhalt

Burg Giebichenstein

Burg der Magdeburger Erzbischöfe über der Saale in Halle: Ruine der Oberburg mit Museum, Unterburg mit Kunsthochschule.

51.5033° N · 11.9539° E
Burg Giebichenstein
Burg GiebichensteinFoto: Romzig · CC0 · Wikimedia Commons
Oberburg, Saison 4. April-31. Oktober 2026:Mi-Fr 12-18 UhrSa, So und Feiertag 11-19 Uhr, ab September bis 18 UhrEintritt: Erwachsene 4 €Besuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burg1, 2, 4teilweise erhalten
Erste Erwähnung
9611, 2
Baubeginn
12. bis 13. Jahrhundert1, 2
Ort
Halle (Saale)1, 5
Bundesland
Sachsen-Anhalt
Betreiber
Stadtmuseum Halle (Oberburg)1, 5, 10
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich1
Öffnungszeiten
Oberburg, Saison 4. April-31. Oktober 2026:1Alle Angaben
Eintritt
Erwachsene 4 €1Alle Angaben
Koordinaten
51.5033, 11.9539
Inhalt 16 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Burgort, Saline und Schenkung von 961
  3. Die Oberburg als Sitz der Erzbischöfe
  4. Die Unterburg und der Weg in die Moritzburg
  5. Brand von 1636 und Romantik
  6. Kunstgewerbeschule in der Unterburg
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Heutiger Zustand
  11. Auf einen Blick
  12. Besichtigung
  13. Anreise
  14. Umgebung und weitere Ziele
  15. Lage und Karte
  16. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 202611 Quellen

Die Burg Giebichenstein liegt in Halle (Saale) auf einem steilen Porphyrfelsen rechts der Saale. Das Residenzen-Handbuch der Göttinger Akademie nennt sie neben Magdeburg den wichtigsten Aufenthaltsort der Magdeburger Erzbischöfe.2, 4 Zum Ensemble gehören die Ruine der Oberburg, die Unterburg und die Alte Burg. Die Oberburg ist ein Standort des Stadtmuseums Halle, die Straße der Romanik bezeichnet sie als Freilichtmuseum. In der Unterburg arbeitet die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.1, 4, 6

Geschichte

Burgort, Saline und Schenkung von 961

Nach Angaben des Stadtmuseums zählt das Gebiet am Giebichenstein zu den ältesten Siedlungsräumen Halles. Seit dem frühen 9. Jahrhundert gehörte es zum Frankenreich. Für den Platz sprachen die Salzgewinnung im benachbarten Wittekindtal, ein Übergang über den Fluss und nahe Handelsstraßen.1

Zum ersten Mal genannt wird die Burg 961. König Otto I. schenkte sie damals mit dem Gau Neletici und einer Saline dem Moritzkloster in Magdeburg. 968 kam sie an das neu gegründete Erzbistum Magdeburg. Otto III. übertrug der Magdeburger Kirche 987 zudem Zoll, Bann und Münze am Giebichenstein.1, 2

Den Burgort dieser Zeit setzt das Stadtmuseum auf das Gelände des heutigen Amtsgartens, erhalten ist davon nichts.1 Nach dem Residenzen-Handbuch dürfte die Burg bis ins 12. Jahrhundert auf der Alten Burg gestanden haben. Die Alte Burg grenzt östlich an die Oberburg.2

Die Oberburg als Sitz der Erzbischöfe

Schon im 10. Jahrhundert hielten sich Erzbischöfe auf dem Giebichenstein auf. Im 11. und 12. Jahrhundert diente die Burg auch als Gewahrsam für Gefangene des Königs.2

Auf dem Felsen entstand im 12. und 13. Jahrhundert die Oberburg, nach dem Stadtmuseum ein Palast mit repräsentativem Anspruch. Das Residenzen-Handbuch datiert sie enger, wohl auf das Ende des 12. und den Beginn des 13. Jahrhunderts.1, 2 Freigelegte Reste zeigen nach dem Stadtmuseum, dass die Erzbischöfe hier wohnten und ihre Verwaltung hatten. Die Burg war zugleich Zoll- und Münzstätte.1

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg mehrfach verpfändet. Seit der Regierung von Erzbischof Dietrich Portitz (1361-1367) wurde immer wieder an ihr gebaut. Möglicherweise entstanden damals ein neuer Palas und gotisierende Umbauten an romanischen Gebäuden.2

Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts war die Oberburg die Hauptresidenz der Erzbischöfe, die zugleich Stadtherren von Halle waren. Die Straße der Romanik nennt dafür das Jahr 1382.1, 4

Die Unterburg und der Weg in die Moritzburg

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Unterburg in ihrer heutigen Form angelegt. Das Residenzen-Handbuch beschreibt sie als kastellartige Anlage mit Gebäuden an der Süd- und Westseite und einem Trockengraben ringsum.2

Mitten im Hof steht das Kornhaus, eine Inschrift datiert es auf 1473. Um 1500 lagerten dort die schweren Waffen des Erzbischofs.2 Bis 1500 entstanden im Westflügel die Residenz und das Speise- und Brauhaus.1

Später verlegte der Erzbischof seinen Sitz in die neu gebaute Moritzburg innerhalb der Stadtmauern von Halle. Nach dem Residenzen-Handbuch endeten die Aufenthalte der Erzbischöfe auf dem Giebichenstein, als die Moritzburg 1503 fertig war. Burg und Amt dienten danach als Wirtschaftshof für den Hof in Halle. Die Unterburg war nach dem Stadtmuseum nun Sitz für Zoll, Wirtschaft und Verwaltung.1, 2

Brand von 1636 und Romantik

Nach Angaben des Stadtmuseums wurde die Burg 1636 durch einen schweren Brand zerstört. Wieder aufgebaut wurde nur die Unterburg, die Oberburg blieb Ruine.1

Die Ruine und der Amtsgarten zogen später Romantiker an. Das Stadtmuseum nennt Johann Friedrich Reichardt und Joseph von Eichendorff, der die Burg in einem Gedicht festhielt. Die Straße der Romanik fügt Ludwig Tieck und Achim von Arnim hinzu.1, 4

Kunstgewerbeschule in der Unterburg

1915 wurde der Architekt Paul Thiersch Direktor der Handwerkerschule der Stadt Halle. Er formte sie zu einer Kunstgewerbeschule mit Werkstätten und praktischer Ausrichtung um.3

1918 erwarb die Stadt Halle die Unterburg. In den Jahren 1921 und 1922 wurde sie nach Plänen von Wilhelm Jost und Paul Thiersch für die Schule umgebaut. 1922 waren die kunstgewerblichen Abteilungen eingezogen.3

Die Schule trug seitdem mehrere Namen. 1958 wurde sie Hochschule für industrielle Formgestaltung, seit 2010 heißt sie Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Ab 1972 wurde die Unterburg umfassend instand gesetzt und rekonstruiert.3

Chronik

961 - 2010
  1. 961ErsterwähnungKönig Otto I. schenkt die Burg mit dem Gau Neletici und einer Saline dem Moritzkloster in Magdeburg1, 2
  2. 968BesitzwechselDie Burg kommt an das neu gegründete Erzbistum Magdeburg2
  3. 987NutzungsänderungOtto III. überträgt der Magdeburger Kirche Zoll, Bann und Münze am Giebichenstein2
  4. 11. bis 12. JahrhundertNutzungsänderungDie Burg dient auch zur Verwahrung königlicher Gefangener2
  5. 12. bis 13. JahrhundertBaubeginnBau der Oberburg auf dem Felsen (Residenzen-Handbuch: wohl Ende 12. und Anfang 13. Jh.)1, 2
  6. 1. Hälfte 14. JahrhundertBesitzwechselDie Burg ist mehrfach an Pfandinhaber verpfändet2
  7. ab 1361UmbauWiederholte Baumaßnahmen seit Erzbischof Dietrich Portitz (1361-1367)2
  8. ab 1382NutzungsänderungDie Oberburg wird Hauptresidenz der Erzbischöfe von Magdeburg4
  9. um 1450BaubeginnAnlage der Unterburg in ihrer heutigen Form1, 2
  10. 1473FertigstellungKornhaus im Hof der Unterburg, inschriftlich datiert1, 2
  11. bis 1500UmbauResidenz, Speise- und Brauhaus im Westflügel der Unterburg1
  12. 1503NutzungsänderungMit der Fertigstellung der Moritzburg enden die Aufenthalte der Erzbischöfe, die Burg bleibt Wirtschaftshof2
  13. 1636ZerstörungBrand der Burg, wieder aufgebaut wird nur die Unterburg1
  14. 1918BesitzwechselDie Stadt Halle erwirbt die Unterburg3
  15. 1921-1922UmbauUmbau der Unterburg für die Kunstgewerbeschule nach Plänen von Wilhelm Jost und Paul Thiersch3
  16. 1922NutzungsänderungDie kunstgewerblichen Abteilungen sind in die Unterburg umgezogen3
  17. 1958NutzungsänderungDie Schule wird Hochschule für industrielle Formgestaltung3, 4
  18. ab 1972RestaurierungUmfangreiche Instandsetzung und Rekonstruktion der Unterburg3
  19. 2010NutzungsänderungUmbenennung in Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle3

Besitz und Herrschaft

  • 961-968Moritzkloster Magdeburg1, 2Schenkung König Ottos I.
  • ab 968Erzbistum Magdeburg2Burg und Residenz der Erzbischöfe, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mehrfach verpfändet
  • ab 1918Stadt Halle3Erwerb der Unterburg

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Burg heute

Architektur und Aufbau

Auf der Oberburg sind nach der Straße der Romanik die Ringmauer, ein romanischer Eckturm und mächtige Fundamente der Kemenate erhalten. Das Residenzen-Handbuch nennt den Torturm im Südosten das einzige Gebäude der Oberburg, das noch steht.2, 4

An der Nordseite lag der Palas, im späten 15. Jahrhundert die Wohnung des Erzbischofs. Dort lagen wohl auch Räume für mehrere Räte und die 1524 erstmals genannte Kanzleikammer. Die Burgkapelle nahe dem Palas war der heiligen Margareta geweiht.2

Zu sehen sind nach dem Stadtmuseum die Reste von Palast und Wohnturm, darunter Pfeiler und Kamine. Torturm und Gewölbekeller lassen sich nach der Straße der Romanik besichtigen. Von der Alten Burg zeugen nur noch geringe Spuren, die kaum auffallen.1, 4

Besonderheiten

  • Ludwig der Springer: Nach der Darstellung des Stadtmuseums entkam Ludwig der Springer hier aus der Kerkerhaft, indem er in die Saale sprang. Der Museumsguide widmet ihm eine eigene Station.1, 8
  • Lochgefängnis: In einem Hörbeitrag spricht ein Gefangener aus dem Lochgefängnis im Turm.1
  • Erlebnisfernrohr: Ein Fernrohr zeigt die Burg in 3D und in Farbe, wie sie vor ihrer Zerstörung aussah.1
  • Aussicht: Von der Oberburg reicht der Blick über das Saaletal mit den Klausbergen. Vom Turm sind Kröllwitz und die Giebichensteinbrücke zu sehen, an deren Enden ein Pferd und eine Kuh aus Stein stehen.1, 5

Heutiger Zustand

Die Ruine der Oberburg zeigt das Stadtmuseum mit einer Ausstellung, die es nach eigener Darstellung neu gestaltet hat. Die Ausstellung zieht sich bis zum Amtsgarten. Texte und Hörbeiträge gibt es per QR-Code oder Museumsguide auf dem eigenen Smartphone, unter anderem zu Palas, Wohnturm, Torturm und Kapelle.1, 8

Die Unterburg gehört zum Campus der Kunsthochschule, hier liegen die Ateliers der Studierenden der Kunst. Den Hof der Unterburg nutzen Studierende nach dem Stadtmuseum zum Arbeiten und für Ausstellungen.1, 6

Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich1
Öffnungszeiten
Oberburg, Saison 4. April-31. Oktober 2026:
Mi-Fr 12-18 Uhr
Sa, So und Feiertag 11-19 Uhr, ab September bis 18 Uhr
Zusätzlich geöffnet zu Veranstaltungen laut Veranstaltungskalender
Außerhalb der Saison nennt das Stadtmuseum keine Öffnungszeiten1
Eintritt
Erwachsene 4 €
Ermäßigt 2,50 € (u. a. Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentner, mit Nachweis)
Kinder bis 14 Jahre und Inhaber des Halle-Passes A frei
Gruppen ab 10 Personen 3,50 €, ermäßigt 2 €
Jahreskarte Stadtmuseum und Oberburg 20 €, ermäßigt 15 €
Kombiticket Stadtmuseum und Oberburg 6 €, ermäßigt 3,50 €
Preise Saison 20261
Führungen
Öffentliche Führung ab 12. April 2026 jeden Sonntag um 11 Uhr. Weitere Führungen nach Vereinbarung, Tel. 0345 2213030. Angemeldete Gruppen bis 15 Personen 30 € zuzüglich Eintritt, für größere Gruppen nennt das Stadtmuseum einen Aufschlag je Person (Stand Saison 2026).1
Bus und Bahn
Haltestelle "Burg Giebichenstein".1
Fußweg
Ab Seebener Straße über die Stichstraße gleichen Namens zum Eingang der Unterburg, daran vorbei und geradeaus zur Tür in der Mauer. Aufstieg und Plateau sind uneben.1
Familien
Kinder bis 14 Jahre frei. Von Ostern bis Oktober Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene, darunter Familiennachmittage, Theater und Sommerkino (Saison 2026).1
Barrierefreiheit
nicht barrierefrei: Laut Stadtmuseum keine barrierefreien Zugänge zur Oberburg, Aufstieg und Plateau uneben. Assistenz- und Blindenhunde sind an allen Standorten des Stadtmuseums erlaubt.1, 7

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Die Oberburg ist in der Saison gegen Eintritt geöffnet, 2026 vom 4. April bis 31. Oktober. Für die Zeit danach nennt das Stadtmuseum keine Öffnungszeiten. Sonntags um 11 Uhr gibt es eine Führung, weitere Führungen nach Vereinbarung.1

Von Ostern bis Oktober veranstaltet das Museum auf der Oberburg Burgfeste, Führungen, Lesungen, Theater, Konzerte und Sommerkino. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Barrierefreie Zugänge gibt es nicht, Aufstieg und Plateau sind uneben.1

Anreise

Die Anschrift der Oberburg ist Seebener Straße 1, die Haltestelle heißt "Burg Giebichenstein". Von der Seebener Straße führt eine gleichnamige Stichstraße in Richtung Unterburg. Am Eingang der Unterburg vorbei geht es geradeaus bis zu einer Tür in der Mauer.1 Nach der Stadtmarketing-Gesellschaft führt der Zugang über den Amtsgarten, einen Torbogen und Stufen.5

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 2 Kilometer Luftlinie südsüdöstlich liegt die Moritzburg, die spätere Residenz der Erzbischöfe in der Stadt.2 Etwa 29 Kilometer Luftlinie westsüdwestlich steht die Burg Querfurt, rund 47 Kilometer südsüdwestlich die Rudelsburg.

Weitere Anlagen der Stadt zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser in Halle (Saale), das ganze Land die Seite Sachsen-Anhalt.

Lage und Karte

51.5033° N · 11.9539° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Oberburg GiebichensteinStadtmuseum Halle, abgerufen am 09.10.2026
  2. Giebichenstein (Michael Scholz), in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Residenzenforschung Bd. 15.I, 2003, S. 212-213Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 09.10.2026
  3. GeschichteBurg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, abgerufen am 09.10.2026
  4. Oberburg GiebichensteinStraße der Romanik, abgerufen am 09.10.2026
  5. Burg GiebichensteinStadtmarketing Halle (Saale) GmbH, abgerufen am 09.10.2026
  6. Burg Giebichenstein Kunsthochschule HalleStadtmarketing Halle (Saale) GmbH, abgerufen am 09.10.2026
  7. BarrierefreiheitStadtmuseum Halle, abgerufen am 09.10.2026
  8. Museumsguide (Stationsübersicht)Stadtmuseum Halle, abgerufen am 09.10.2026
  9. Giebichenstein, Oberburg (Stand 29.04.2014)Burgenwelt (private Website), abgerufen am 09.10.2026
  10. ImpressumStadtmuseum Halle, abgerufen am 09.10.2026
  11. Burg Giebichenstein - Oberburg (historic=castle, ruins=yes, Q885088) (Kartenobjekt way/305139565)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Romzig · CC0 · Wikimedia Commons

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