Burg Plesse
Burgruine in Bovenden, ab 1150 Sitz der Edelherren von Plesse, ab 1571 hessisch, 1660 aufgegeben und seit dem 19. Jahrhundert gesichert.

Steckbrief
- Kreis
- Landkreis Göttingen
- Bundesland
- Niedersachsen
- Besichtigung
- frei zugänglich1
- Öffnungszeiten
- Burganlage ganzjährig geöffnet, ohne Uhrzeiten (Angabe des Fleckens Bovenden, Stand 09.10.2026)1
- Website
- plesseverein.de9, 10
- Koordinaten
- 51.5975, 9.96583
Inhalt 15 Abschnitte
- Überblick
- Erste Nennung und die Grafen von Winzenburg
- Sitz der Edelherren von Plesse
- Ausbau im 15. und 16. Jahrhundert
- Hessischer Amtssitz und Verfall
- Sicherung und Restaurierung
- Chronik
- Architektur und Aufbau
- Besonderheiten
- Heutiger Zustand
- Auf einen Blick
- Besichtigung und Anreise
- Umgebung und weitere Ziele
- Lage und Karte
- Quellen
Auf einem Bergsporn oberhalb von Bovenden im Landkreis Göttingen liegt die Ruine der Burg Plesse.1, 3 Von 1150 bis 1571 saßen hier die Edelherren von Plesse. Danach war die Burg Sitz eines hessischen Amtes, 1660 wurde sie aufgegeben.3, 6, 7 Die seit dem 19. Jahrhundert gesicherte Ruine umfasst Außenmauer, Vorhof und Burghof, Kapellenreste, den Alten Herrenbau mit der Burgschänke und zwei Türme. Der Bergfried dient als Aussichtsturm mit Blick ins Leinetal, zum Solling und zum Harz.8, 18, 22
Erste Nennung und die Grafen von Winzenburg
Zum Jahr 1015 wird die Plesse erstmals schriftlich genannt, in der Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks von Paderborn.6, 7 Nach dem Förderverein schenkte Meinwerk sie damals mit Ländereien und Hörigen dem Bistum Paderborn.17 Das Residenzen-Handbuch der Göttinger Akademie setzt die Burg ins 11. Jahrhundert. Bei Grabungen kam 1983 eine Mauer zutage, nach dem Förderverein vermutlich von einer Befestigung dieser Zeit.6, 17
Die Burgendatenbank EBIDAT widerspricht. Sie führt die Schenkung auf die um 1160 entstandene Lebensbeschreibung zurück und sieht darin "offenbar eine falsche Angabe des Verfassers". Zeitgenössische Belege für eine Burg fehlen, sicher fassbar wird sie erst 1138 mit der Nennung eines Burggrafen.3
Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts besaß Graf Hermann II. von Winzenburg die Plesse als Paderborner Lehen. Von 1139 bis 1144 nannte er sich nach ihr.6 Nach EBIDAT diente sie den Winzenburgern offenbar als Ausweichresidenz, bis ihnen 1150 die Winzenburg zurückübertragen wurde.3 Nach dem Förderverein baute Hermann II. die Burg im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts aus. Aus dieser Zeit stammen ein Wohnturm im heutigen Alten Herrenbau und wohl der Unterbau des Bergfrieds.15, 18, 20
Sitz der Edelherren von Plesse
1152 wurde Hermann II. ermordet. Paderborn erhielt die Burg zurück und vergab sie als Lehen an die Herren von Plesse. Die Familie stammte aus Höckelheim und nannte sich seit 1150 nach der Plesse.3, 6
1192 erwarb Kaiser Heinrich VI. die Plesse im Tausch gegen die Burg Desenberg bei Warburg, 1195 wurde das Geschäft rückgängig gemacht.3, 6 In diese Jahre setzt EBIDAT den Beginn eines größeren Bauprogramms. Dazu zählt die Datenbank unter anderem den unteren Bergfried, die Kapelle und drei Tore. Den Bergfried setzt sie damit später an als der Förderverein.3
Mitte des 15. Jahrhunderts machten die Herren von Plesse ihre Herrschaft zum Lehen der hessischen Landgrafen, nach EBIDAT 1447, nach dem Residenzen-Handbuch 1446.3, 6 Die Burg war die Residenz der Herren von Plesse. Ein Inventar aus der Zeit des Übergangs an Hessen 1571 unterscheidet 30 Räume, die Hälfte davon Wohnräume.6
Ausbau im 15. und 16. Jahrhundert
In der Spätgotik wurde die Kapelle teilweise eingewölbt und erhielt eine Sakristei sowie ein Obergeschoss für das Archiv der Herrschaft. Der Chronist Johannes Letzner nennt dafür die Jahre 1485/86.17 Vor dem Unteren Tor entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts oder um 1500 eine Barbakane mit Geschützscharten. Um 1542 wurde das Spitzdach des Bergfrieds abgenommen, daraufhin stürzten seine Gewölbe ein.11, 20
Hessischer Amtssitz und Verfall
1571 starb das Geschlecht mit Dietrich von Plesse im Mannesstamm aus. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen übernahm die Herrschaft und wandelte sie in das hessische Amt Plesse um.6, 7 Am Unteren Tor erinnert eine Inschrift von 1571, heute als Kopie, an die Inbesitznahme.11, 18
Landgraf Moritz nutzte die Burg zeitweise als Nebenresidenz, 1624/25 war sie Zufluchtsort für ihn und seine Familie. Seine Zeichnungen aus diesen Jahren zeigen Entwürfe für Bastionen, vor allem ein neues Außenwerk östlich der Burg.6, 7
Bald nach der Mitte des 17. Jahrhunderts verlegte man die Verwaltung ins Tal nach Bovenden. Die letzte Nachricht über die noch bewohnte Burg ist eine Holzlieferung an den Burggrafen 1659. 1660 wurde die Burg aufgegeben.3, 6 Danach diente sie als Steinbruch, 1713 zeigte Joachim Meier sie bereits als weitgehende Ruine.6, 7 1815 kam die Exklave Plesse durch den Wiener Kongress an das Königreich Hannover.6
Sicherung und Restaurierung
Um 1800 stürzten der Bogen des Mitteltors und bald darauf der Neue Herrenbau ein, von dem nur Fundamentmauern blieben.13, 19 Nach der Universitätsbibliothek Kassel begannen 1820 Sicherungsarbeiten, nach EBIDAT 1821 erste Renovierungen.3, 7 Den Beginn der Sicherung verbindet der Förderverein mit romantischer Begeisterung und der Förderung durch die hannoverschen Könige.8
Umfassend restauriert wurde die Burg nach EBIDAT von 1853 bis 1864. Am Bergfried wurde der Anfang des 19. Jahrhunderts teilweise eingestürzte Westteil 1853/54 wieder aufgemauert, 1861/62 folgten ein Zugang im Osten und eine Wendeltreppe.3, 20 Kapelle und Alter Herrenbau wurden im 19. Jahrhundert großenteils neu aufgemauert. Beim Herrenbau sollte vom Hof aus der Eindruck einer Ruine bleiben, sein Pultdach fällt deshalb zum Tal hin ab.17, 18
1978 wurde der Verein Freunde der Burg Plesse gegründet. Archäologisch untersucht wird die Anlage nach EBIDAT seit 1979.3, 9 1981 legte man den Keller unter der Gaststube frei und stellte ihn wieder her. Die 1879 und 1955 eingestürzte Eckbastion Eichsfeld entstand 1987/88 auf den alten Fundamenten neu, 1987-1989 folgte der Torbogen des Mitteltors.13, 15, 18
Chronik
1015 - 1996- 1015ErsterwähnungErste schriftliche Nennung zum Jahr 1015 in der Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks von Paderborn6, 7
- 1152BesitzwechselNach der Ermordung Hermanns II. von Winzenburg fällt die Burg an Paderborn zurück und geht als Lehen an die Herren von Plesse3, 6
- 1192BesitzwechselKaiser Heinrich VI. erhält die Plesse im Tausch gegen die Burg Desenberg3, 6
- 1195BesitzwechselDer Tausch mit Heinrich VI. wird rückgängig gemacht3, 6
- 1485-1486UmbauSpätgotischer Umbau der Kapelle mit Teilgewölbe, Sakristei und Archivgeschoss (nach dem Chronisten Letzner)17
- um 1542UmbauSpitzdach des Bergfrieds abgenommen, die Gewölbe stürzen ein20
- 1571BesitzwechselDie Herren von Plesse sterben im Mannesstamm aus, Landgraf Wilhelm IV. von Hessen übernimmt die Herrschaft6, 7, 11
- 1571NutzungsänderungDie Burg wird Sitz des hessischen Amtes Plesse3, 6, 7
- 1624-1625NutzungsänderungZufluchtsort für Landgraf Moritz und seine Familie, Pläne für Bastionen6, 7
- 1660NutzungsänderungDie Burg wird aufgegeben und danach als Steinbruch genutzt3, 7
- 1853-1864RestaurierungUmfassende Restaurierung der Ruine3
- 1861-1862RestaurierungZugang im Osten und Wendeltreppe im Bergfried20
- 1978NutzungsänderungGründung des Vereins Freunde der Burg Plesse9
- 1987NutzungsänderungAnlage des Burggartens14, 21
- 1987-1988WiederaufbauEckbastion Eichsfeld auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut15
- 1987-1989WiederaufbauTorbogen des Mitteltors wieder aufgebaut13
- 1993-1996RestaurierungSanierung des Bergfrieds mit Kalkschlämme20
Besitz und Herrschaft
- 1139-1152Graf Hermann II. von Winzenburg3, 6Paderborner Lehen, nannte sich 1139-1144 nach der Burg, 1152 ermordet
- 1150-1571Edelherren von Plesse3, 6seit 1150 nach der Burg benannt, nach 1152 Paderborner Lehen, Mitte des 15. Jahrhunderts hessisches Lehen; 1571 im Mannesstamm erloschen
- 1192-1195Kaiser Heinrich VI.3, 6im Tausch gegen die Burg Desenberg
- 1571-1627Landgrafen von Hessen-Kassel6, 7heimgefallenes Lehen, hessisches Amt Plesse
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Architektur und Aufbau
Ein Halsgraben trennt den nach Südwesten vorspringenden Bergsporn, auf dem die Burg steht, vom Hang.3 Durch das Untere Tor gelangt man in den Vorhof, im 17. Jahrhundert Caningarten genannt, durch das Mitteltor mit Torhaus in die Hauptburg.3, 11, 12
Der Bergfried, im Rundgang des Fördervereins Dicker Turm genannt, steht im Osten. EBIDAT gibt 23,80 Meter Höhe und 15 Meter Durchmesser an, der Förderverein über 15,20 Meter.3, 20 Die Mauern sind je nach Quelle gut 4 bis fast 4,50 Meter stark.3, 4, 8 Den Zinnenkranz datiert der Förderverein ins späte 14. oder frühe 15. Jahrhundert, nach EBIDAT ist er eine Ergänzung des 19. Jahrhunderts.3, 20
Im Westen steht der Kleine Turm, Südekum genannt (bei EBIDAT Sydekum), nach EBIDAT 22 Meter hoch und einst Warte.3, 16 Der Förderverein datiert ihn wegen eines im Fundament vergrabenen Krugs auf etwa 1485, das Residenzen-Handbuch ins frühe 15. Jahrhundert.6, 16
Die Kapelle war wie das Paderborner Abdinghofstift den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Nach der Neuaufmauerung im 19. Jahrhundert sind nur noch die Nordwand und der Westgiebel mit seinem gotischen Fenstergewände original.17
Besonderheiten
- Brunnen: Hinter dem Mitteltor soll ein Brunnen von etwa 100 bis 150 Metern Tiefe gelegen haben. Seine genaue Lage ist nicht bekannt, 1801 war er vollständig verfüllt.14
- Goethelinde: Goethe besuchte die Plesse am 12. August 1801. Daran erinnert eine Linde im Norden des Eichsfelds, die beim Einsturz der dortigen Mauern beinahe den Hang hinabgerutscht wäre.15
- Sagen: Erzählt wird etwa von der Entführung der Adelheid von Plesse durch die Herren von Hardenberg. Die Brüder Grimm veröffentlichten zwei von 20 bekannten Plesse-Sagen.8
- Burggarten: Der Garten von 1987 zeigt Pflanzen, die für die Zeit von etwa 780 bis 1250 schriftlich oder archäologisch belegt sind. Nur das Rosenbeet enthält auch spätere Arten.21
Heutiger Zustand
Im Alten Herrenbau liegen Gaststube und Küche der Burgschänke Plesse.18, 24 Nach Angaben des Fördervereins finden auf der Burg das ganze Jahr über Kulturveranstaltungen statt.10 Das Standesamt Bovenden traut einmal im Monat auf der Plesse, von Mai bis September im Bergfried, sonst im Gewölbekeller.2
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Besichtigung
- frei zugänglich1
- Öffnungszeiten
- Burganlage ganzjährig geöffnet, ohne Uhrzeiten (Angabe des Fleckens Bovenden, Stand 09.10.2026)1
- Führungen
- Burgführungen nach Vereinbarung, zwei Ansprechpartner nennt der Flecken Bovenden auf seiner Seite zur Burg (Stand 09.10.2026).1
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung und Anreise
Die Burganlage ist nach Angaben des Fleckens Bovenden ganzjährig geöffnet. Führungen gibt es nach Vereinbarung, die Gemeinde nennt dafür zwei Ansprechpartner.1
Zu den Öffnungszeiten der Burgschänke machen ihre Website und der Förderverein unterschiedliche Angaben.10, 24 Die Anschrift der Burg lautet Ritterstieg 99, 37120 Bovenden.23
Umgebung und weitere Ziele
Rund 29 Kilometer Luftlinie südlich steht im thüringischen Landkreis Eichsfeld die Burg Hanstein, etwa 30 Kilometer westlich im hessischen Landkreis Kassel die Sababurg. Etwa 43 Kilometer Luftlinie westnordwestlich liegt die Abtei Corvey, rund 46 Kilometer nordöstlich die Kaiserpfalz Goslar.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Göttingen, das ganze Land die Seite Niedersachsen.
Lage und Karte
51.5975° N · 9.9658° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Burg PlesseFlecken Bovenden, abgerufen am 09.10.2026
- StandesamtFlecken Bovenden, abgerufen am 09.10.2026
- Plesse (Stefan Eismann)EBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 09.10.2026
- Plesse, ObjektdatenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 09.10.2026
- Plesse, Touristische InformationenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 09.10.2026
- Plesse (Peter Aufgebauer), Handbuchartikel der Residenzen-Kommission, S. 1104-1108Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 09.10.2026
- Plesse, Zeichnungen Landgraf Moritz (2° Ms. Hass. 107)Universitätsbibliothek Kassel, abgerufen am 09.10.2026
- GeschichteFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- VereinFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Freunde der Burg Plesse (Startseite)Freunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 1: Unteres TorFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 2: Caningarten/VorhofFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 3: MitteltorFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 4: Brunnen, Backhaus, GartenFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 5: EichsfeldFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 6: Kleiner TurmFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 7: KapelleFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 8: Alter HerrenbauFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 9: Neuer HerrenbauFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Rundgang 10: Dicker TurmFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Der BurggartenFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Hochzeit auf der PlesseFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- AnfahrtFreunde der Burg Plesse e.V., abgerufen am 09.10.2026
- Burgschänke PlesseBurgschänke Plesse, abgerufen am 09.10.2026
- ImpressumBurgschänke Plesse, abgerufen am 09.10.2026
- Burg Plesse (Kartenobjekt relation/3519805)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026
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Bildnachweise
- Kaiserpfalz Goslar: Foto: C1scho · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Harzburg: Foto: A.Savin · Free Art License 1.3 · Wikimedia Commons
- Schloss Hämelschenburg: Foto: Ath · CC0 · Wikimedia Commons
- Schloss Marienburg: Foto: GZagatta · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons