Burgenführer
Burgruine · Detern (Stickhausen) · Niedersachsen

Burg Stickhausen

Burg- und Festungsanlage in Detern-Stickhausen, um 1435 von Hamburg angelegt, nach 1744 geschleift; erhalten ist der Rundturm mit Museum.

53.2180° N · 7.6432° E
Burg Stickhausen
Burg StickhausenFoto: Dickelbers · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Burggelände: ganzjährig geöffnetTurm: Ostern bis Oktober, sonntags 14-17 UhrEintritt: Gelände und Turm kostenlos, Spenden für den Museumsausbau willkommen.Besuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine2, 5geringe Reste
Erste Erwähnung
vor 14265
Gründung
um 14352, 5
Ort
Detern (Stickhausen)1, 5
Bundesland
Niedersachsen
Eigentümer
Samtgemeinde Jümme1, 2, 6
Betreiber
Burgverein Stickhausen1, 6
Besichtigung
frei zugänglich1
Öffnungszeiten
Burggelände: ganzjährig geöffnet1Alle Angaben
Eintritt
Gelände und Turm kostenlos, Spenden für den Museumsausbau willkommen.1
Koordinaten
53.218, 7.64321
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung: ein befestigter Platz der Hamburger
  3. Die Cirksena und der Rundturm
  4. Festung und Amtssitz
  5. Schleifung unter Preußen
  6. Amtssitz bis 1885
  7. Kirche, Privatbesitz und Neubeginn
  8. Das Museum im Turm
  9. Chronik
  10. Besonderheiten
  11. Auf einen Blick
  12. Besichtigung
  13. Umgebung und weitere Ziele
  14. Lage und Karte
  15. Quellen
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 20267 Quellen

Von der Burg Stickhausen in Stickhausen, Gemeinde Detern im Landkreis Leer, steht nach der Schleifung im 18. Jahrhundert vor allem noch der Rundturm. Dazu kommen ein Teil des Torhauses und Reste der Wälle. Die Anlage war Festung und Amtssitz, später Privathaus. Seit 2019 ist die Samtgemeinde Jümme Eigentümerin, im Turm baut der Burgverein Stickhausen ein Museum auf.1, 2, 5

Geschichte

Entstehung: ein befestigter Platz der Hamburger

Das Historische Ortslexikon der Ostfriesischen Landschaft datiert die Burg auf 1435. Errichtet hat sie danach die Stadt Hamburg, um ihre Handelsstraße nach Westen zu schützen. Es erwähnt auch Berichte, nach denen der Bau erst 1436 entstand.5

Der Burgverein stellt den Bau in den Zusammenhang der hansischen Herrschaft über Ostfriesland. Unter Hamburgs Führung wurde um 1435 in Leerort eine Festung gebaut, in Stickhausen ein befestigter Platz angelegt.2

Der Ortsname ist nach dem Ortslexikon schon früher überliefert: als "Stickhuisen" wohl vor 1426 und als "tho Stickhusen" 1433.5

Die Cirksena und der Rundturm

1453 gaben die Hamburger nach Angaben des Burgvereins ihre Stellung in Ostfriesland auf. Gründe waren die teure Besatzung und anhaltende Unruhen. Ihre Ansprüche verpfändeten sie an die verbündete Häuptlingsfamilie Cirksena.2 Das Ortslexikon nennt die Burg seit 1454 im Besitz des Häuptlings Ulrich Cirksena.5

Den Rundturm ließ nach dem Burgverein Graf Edzard I. 1498 bauen. Im selben Zusammenhang gab man die 500 Meter weiter östlich gelegene, schlecht erhaltene Schlüsselburg auf.2 Das Ortslexikon hält dagegen Ulrich Cirksena für den vermutlichen Bauherrn des Turms. Es nennt zugleich das Datum 1498 am Turm.5

Festung und Amtssitz

Um 1520 wurde Stickhausen Sitz des Amtes Stickhausen, die Cirksena bauten die Burg weiter aus. In Grenzkriegen griffen Heere unter Führung der Oldenburger Grafen die Burg mehrfach an und nahmen sie ein.2 Nach dem Ortslexikon fiel sie unter Edzard dem Großen während der Sächsischen Fehde an seine Gegner.5

Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg nach dem Ortslexikon hart umkämpft.5 Nacheinander besetzten nach dem Burgverein Söldner Ernst von Mansfelds, Truppen Johann von Tillys und hessische Truppen die Burg und bauten sie aus. Nach Kriegsende 1648 hatte die Festung ihre größte Ausdehnung, 600 Soldaten lagen hier.2

Insgesamt diente die Anlage nach Angaben des Burgvereins mehr als zwei Jahrhunderte als Festung gegen Einfälle aus Osten und Süden.1

Schleifung unter Preußen

Mit dem kinderlosen Tod Carl Edzards, des letzten Cirksena, kam Ostfriesland 1744 durch Erbfall an Preußen. König Friedrich II. wollte für die Sanierung baufälliger Burgen in Ostfriesland kein Geld ausgeben. Die verfallene Burg Stickhausen wurde daraufhin geschleift.2 Das Ortslexikon spricht von einem Befehl Friedrichs des Großen.5

Vom Bau blieben nach dem Burgverein nur der Turm und ein Teil des Torhauses. Das Ortslexikon nennt neben dem Rundturm Reste der Wallanlagen. Amtssitz blieb Stickhausen trotzdem.2, 5

Amtssitz bis 1885

Nach dem Wiener Kongress gab Preußen Ostfriesland an das Königreich Hannover ab. Dessen Verwaltung ließ nach Angaben des Burgvereins 1820 neben dem alten Torhaus ein Verwaltungsgebäude und später einen Erweiterungsbau errichten. Beide sind erhalten.2 Das Ortslexikon datiert das Amtshaus dagegen auf 1822. Es verweist auf ein älteres Wappen darin, datiert 1578.5

1866 kam Ostfriesland mit Hannover wieder an Preußen.2 Bis 1885 nutzte man den Turm nach museum.de als Gefängnis und als Wohnung des Amtmanns.6 1885 wurden die Ämter aufgelöst und durch Landkreise ersetzt. Auch das Amtsgericht zog nach Leer, Stickhausen war kein Verwaltungssitz mehr.2

Kirche, Privatbesitz und Neubeginn

Für das leerstehende Amtshaus suchte die Bezirksregierung Aurich lange einen Käufer, 1898 erwarb es die evangelische Kirche. Eine geplante Fort- und Ausbildungsstätte für Pastoren kam nicht zustande. Schließlich verkaufte die Kirche die Burg an Privatleute.2

Am Ende des Zweiten Weltkriegs trug die Burg nur leichte Schäden davon. Danach wohnten hier Flüchtlinge, vor allem aus Schlesien.2

2019 kaufte die Samtgemeinde Jümme die Burg aus privater Hand und ließ den Turm für rund 260.000 Euro sanieren.2 Im Juli 2019, ein halbes Jahr nach dem Kauf, gründete sich der Burgverein. Den Aufbau des Museums finanziert er vor allem aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.4 Nach museum.de wurde das Haus nach einer Außeninstandsetzung 2021 wiedereröffnet.6

Das Museum im Turm

Der Turm von 1498 wurde nach Angaben des Burgvereins von seinen Besitzern mehrfach umgebaut, nur seine äußere Gestalt ist geblieben. Die Ausstellung ist nach Stockwerken gegliedert. Im ersten Stock geht es um das Leben der Familie Gerdes, im zweiten um Alltagsgegenstände aus ihrer Zeit.3

Im zweiten Stock liegt auch die Zelle, in der vom benachbarten Amtsgericht Verurteilte saßen. Im dritten Stock zeigt der Verein die Geschichte der Burg. Erklärt wird dort auch, warum eine Kirchenuhr im Turm steht und weshalb das Gelände einmal einen Bahnanschluss hatte. Für den vierten Stock kündigt der Verein Folgen ferner Ereignisse für Stickhausen an, etwa eines Fenstersturzes in Prag.3

Für 2023 meldete museum.de, dass der Burgverein ein Modell der Festung in ihrer größten Ausdehnung bauen lässt.6

Chronik

1426 - 2021
  1. vor 1426ErsterwähnungErste Nennung des Ortes als "Stickhuisen", wohl vor 14265
  2. um 1435GründungDie Stadt Hamburg legt in Stickhausen einen befestigten Platz an2, 5
  3. 1453BesitzwechselDie Hamburger ziehen ab und verpfänden ihre Ansprüche an die Häuptlingsfamilie Cirksena2
  4. ab 1454BesitzwechselDie Burg ist im Besitz des Häuptlings Ulrich Cirksena5
  5. 1498FertigstellungBau des heute erhaltenen Rundturms2, 3
  6. um 1520NutzungsänderungDie Burg wird Sitz des Amtes Stickhausen und weiter ausgebaut2
  7. nach 1648UmbauGrößte Ausbaustufe der Festung mit 600 Soldaten2
  8. nach 1744ZerstörungNach dem Übergang Ostfrieslands an Preußen wird die Burg geschleift, Turm und ein Teil des Torhauses bleiben2
  9. 1885NutzungsänderungAuflösung des Amtes Stickhausen, Amtsgericht zieht nach Leer2
  10. 1898BesitzwechselDie evangelische Kirche kauft das leerstehende Amtshaus2
  11. nach 1945NutzungsänderungNotunterkunft für Flüchtlinge, vor allem aus Schlesien2
  12. 2019BesitzwechselDie Samtgemeinde Jümme kauft die Burg aus Privatbesitz2, 6
  13. 2019NutzungsänderungGründung des Burgvereins, Beginn des Museumsaufbaus im Turm2, 4
  14. 2021NutzungsänderungWiedereröffnung des Museums nach Außeninstandsetzung6

Besitz und Herrschaft

  • um 1435-1453Stadt Hamburg2, 5Bauherrin, 1453 Verpfändung der Ansprüche an die Cirksena
  • ab 1454Cirksena5Häuptlinge und Grafen, zuerst Ulrich Cirksena
  • 1898Evangelische Kirche2Käuferin des Amtshauses
  • bis 2019Privatbesitz2Verkauf an die Samtgemeinde Jümme 2019
  • seit 2019Samtgemeinde Jümme1, 2, 6Eigentümerin

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Besonderheiten

  • Name: Das Ortslexikon leitet den Namen von mittelniederdeutsch "sticke" (Stecken, Pfahl) und "Haus" ab, also ein mit Palisaden befestigtes Haus.5
  • Grenzlage: Stickhausen liegt auf einem Geestrücken an der Grenze zwischen Ostfriesland und Oldenburg. Der Burgverein beschreibt die Burg als Wache am südöstlichen Zugang nach Ostfriesland.1, 5
Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
frei zugänglich1
Öffnungszeiten
Burggelände: ganzjährig geöffnet
Turm: Ostern bis Oktober, sonntags 14-17 Uhr1
Eintritt
Gelände und Turm kostenlos, Spenden für den Museumsausbau willkommen.1
Führungen
Turmführungen für Gruppen nach Terminabsprache per E-Mail, größere Gruppen mit Anmeldung.1
Familien
Ostern bis Oktober mittwochs und freitags 14-17 Uhr Mitmachaktionen für Kinder zu altem Handwerk, nicht bei schlechtem Wetter. Kinder nur in Begleitung eines Erwachsenen.1

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Das Burggelände an der Burgstraße 3 ist das ganze Jahr zugänglich. Den Turm kann man von Ostern bis Oktober sonntags besichtigen, Gelände und Turm kosten keinen Eintritt. Gruppen erhalten Turmführungen nach Absprache. Für Kinder gibt es von Ostern bis Oktober Mitmachaktionen zu altem Handwerk.1

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 10 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Evenburg. Etwa 43 Kilometer sind es zum Schloss Clemenswerth.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Leer, das ganze Land die Seite Niedersachsen.

Lage und Karte

53.2180° N · 7.6432° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Burg StickhausenVerein zur Förderung und Erhaltung der Burg Stickhausen e.V., abgerufen am 11.10.2026
  2. Die Geschichte der BurgVerein zur Förderung und Erhaltung der Burg Stickhausen e.V., abgerufen am 11.10.2026
  3. Die BurgVerein zur Förderung und Erhaltung der Burg Stickhausen e.V., abgerufen am 11.10.2026
  4. Der BurgvereinVerein zur Förderung und Erhaltung der Burg Stickhausen e.V., abgerufen am 11.10.2026
  5. Stickhausen, Historisches Ortslexikon OstfrieslandOstfriesische Landschaft, Landschaftsbibliothek, abgerufen am 11.10.2026
  6. Museum Burg Stickhausenmuseum.de, abgerufen am 11.10.2026
  7. Burg Stickhausen (historic=castle, Punkt; Turm way/227851353) (Kartenobjekt node/703067490)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Dickelbers · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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