Burgenführer
Schloss · Marburg · Hessen

Marburger Schloss

Schloss der Landgrafen von Hessen, im 13. Jahrhundert aus einer Burg zur Residenz ausgebaut, Ort des Religionsgesprächs von 1529, heute Museum der Universität.

50.8102° N · 8.7670° E
Marburger Schloss
Marburger SchlossFoto: Thomas Scheidt · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Di-So 10-17 Uhr, Montag geschlossen (Stand Oktober 2026)Zwischen den Jahren 2026/27: 24., 28. und 31. Dezember geschlossen, 25.-27. und 29.-30. Dezember geöffnetDie Kulturgeschichtliche Sammlung im Wilhelmsbau ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossenEintritt: Dauerausstellung 8 €, ermäßigt 5 €Besuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Schloss1, 3, 4vollständig erhalten
Gründung
um 10003, 9
Baustil
Gotik, Renaissance1, 3
Ort
Marburg5
Bundesland
Hessen
Eigentümer
Philipps-Universität Marburg9
Betreiber
Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg1, 5
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich1, 5
Öffnungszeiten
Di-So 10-17 Uhr, Montag geschlossen (Stand Oktober 2026)1, 5Alle Angaben
Eintritt
Dauerausstellung 8 €, ermäßigt 5 €1, 5Alle Angaben
Koordinaten
50.81019, 8.767
Inhalt 16 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Vom Festen Haus zur Turmburg
  3. Residenz der jungen Landgrafschaft
  4. Religionsgespräch und Landesteilung
  5. Festung, Gefängnis und Staatsarchiv
  6. Vom Sammlungsort zum Museum
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Heutiger Zustand
  11. Auf einen Blick
  12. Besichtigung
  13. Anreise
  14. Umgebung und weitere Ziele
  15. Lage und Karte
  16. Quellen
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 202611 Quellen

Aus einer Burg, deren älteste Teile ins späte 10. oder frühe 11. Jahrhundert zurückreichen, wurde in Marburg das Schloss der Landgrafen von Hessen. Landgraf Heinrich I. ließ sie in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer großen Höhenburg mit mehreren Flügeln ausbauen. 1529 trafen sich hier Martin Luther, Ulrich Zwingli und weitere Reformatoren zum Marburger Religionsgespräch.1, 3 Das Schloss gehört der Philipps-Universität Marburg.9 Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität zeigt den gotischen Fürstensaal, die ausgemalte Schlosskapelle und mehrere Ausstellungen. Die Kulturgeschichtliche Sammlung im Wilhelmsbau ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.1, 4

Geschichte

Vom Festen Haus zur Turmburg

Am Anfang stand nach Angaben des Universitätsmuseums ein Saalgeschosshaus, das man das Feste Haus nennt. Rund hundert Jahre danach folgte eine mehrteilige Turmburg. Zu ihr gehörten ein Wohnturm, eine Ringmauer rundherum und wahrscheinlich weitere Gebäude.3

Reste dieser Vorgängerbauten kamen bei archäologischen Grabungen 1989/90 zutage. Im Westsaal des Schlosses sind sie durch Bodenfenster zu sehen. Sechs Modelle zeichnen dort die Entwicklung von der Turmburg zum Schloss der Landgrafen nach.4, 8

Residenz der jungen Landgrafschaft

Heinrich I. war der erste Landgraf von Hessen. Er ließ die damals schon alte Burg zur Residenz der jungen Landgrafschaft ausbauen. 1292 wurde er in den Reichsfürstenstand aufgenommen.2, 3

In dieser Zeit entstanden die Schlosskapelle, geweiht 1288, und der Fürstensaal, der um 1300 fertiggestellt war. Das Museum sieht in beiden frühe Beispiele der Gotik und Höhepunkte der hessischen Architekturgeschichte.3

Später wurde Marburg noch einmal Residenz: Von 1458 bis 1500 diente das Schloss unter Heinrich III. und Wilhelm III. erneut als Sitz der Landgrafen. Nach Wilhelm III. ist der spätmittelalterliche Wilhelmsbau benannt, ein Erweiterungsbau im Osten der Anlage.3

Religionsgespräch und Landesteilung

Landgraf Philipp der Großmütige gründete 1527 in Marburg eine Universität.10 Zwei Jahre später lud er führende Reformatoren auf das Schloss ein. Beim Marburger Religionsgespräch 1529 diskutierten Martin Luther, Ulrich Zwingli und andere über die Abendmahlsfrage und weitere Streitpunkte.1, 2

Nach Philipps Testament wurde Hessen im 16. Jahrhundert geteilt. Ab 1567 regierte Landgraf Ludwig IV. in Hessen-Marburg. Er ließ dem Schlossbau die Rentkammer im Stil der Renaissance vorbauen.2, 3 Zu Beginn des 17. Jahrhunderts fiel der Marburger Landesteil an Hessen-Kassel.2

Festung, Gefängnis und Staatsarchiv

In der folgenden Zeit bildete das Schloss lange den Kern einer Festung, an der weitergebaut wurde. Später wurden die Festungswerke geschleift, Teile davon im 21. Jahrhundert wiederhergestellt.2, 8

Im frühen 19. Jahrhundert wurde aus dem Schloss ein Gefängnis. Von 1870 bis ins 20. Jahrhundert beherbergte es das Staatsarchiv. Eine Pressemitteilung von Stadt und Universität spricht von fast 70 Jahren Archivzeit, in denen auch im Fürstensaal Urkundenschränke standen.2, 8

Vom Sammlungsort zum Museum

Preußen annektierte 1866 das Kurfürstentum Hessen. Danach setzte sich der Marburger Jurist Ludwig Bickell für ein Vorhaben ein, aus dem ein Landesmuseum hervorgehen sollte. 1875 richtete er im Schloss eine erste Ausstellung von Altertümern aus. Im Anschluss baute der Marburger Zweigverein des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde eine eigene Sammlung auf, Bickell wurde ihr Konservator.2

Diese Vereinssammlung blieb lange provisorisch im Schloss untergebracht. Ab 1877 belegte sie drei gewölbte Räume im Erdgeschoss des Südflügels, 1882 kam der Kleine Rittersaal hinzu. Erst 1927 erhielt sie im Universitätsmuseum in der Biegenstraße eine angemessene Präsentation.2

Seit den 1960er-Jahren setzte sich der Direktor des Universitätsmuseums, Carl Graepler, für einen zweiten Standort im Schloss ein. Nachdem das Bücherdepot im Wilhelmsbau aufgelöst war, eröffnete er dort 1981 das Museum für Kulturgeschichte. Es zeigte fünf Abteilungen auf fünf Geschossen.2, 8

Chronik

1000 - 2021
  1. um 1000GründungÄlteste Bauteile, das sogenannte Feste Haus; Museum: spätes 10. oder frühes 11. Jahrhundert3, 9
  2. 2. Hälfte 13. JahrhundertUmbauLandgraf Heinrich I. lässt die Burg zur mehrflügeligen Höhenburg und Residenz ausbauen2, 3
  3. 1288FertigstellungWeihe der Schlosskapelle1, 3
  4. um 1300FertigstellungFürstensaal fertiggestellt3
  5. 1458-1500NutzungsänderungErneut Residenz unter den Landgrafen Heinrich III. und Wilhelm III.3
  6. nach 1567UmbauRentkammer im Renaissancestil unter Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg3
  7. 1. Hälfte 17. JahrhundertBesitzwechselMit dem Marburger Landesteil kommt die Herrschaft an Hessen-Kassel (zu Beginn des 17. Jahrhunderts)2
  8. 1. Hälfte 19. JahrhundertNutzungsänderungNutzung als Gefängnis ab dem frühen 19. Jahrhundert2
  9. ab 1870NutzungsänderungStaatsarchiv im Schloss, nach Stadt und Universität fast 70 Jahre2, 8
  10. 1875NutzungsänderungErste Ausstellung von Altertümern im Schloss, organisiert von Ludwig Bickell2
  11. 1981NutzungsänderungEröffnung des Museums für Kulturgeschichte im Wilhelmsbau1, 2, 8
  12. 20. Dezember 2021NutzungsänderungWilhelmsbau aus Brandschutzgründen für Besucher geschlossen7

Besitz und Herrschaft

  • 2024Philipps-Universität Marburg9Eigentümerin, 2024 belegt

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Das Schloss heute

Architektur und Aufbau

Das Schloss ist eine mehrflügelige Anlage, an der vom 10. oder 11. Jahrhundert bis in die Renaissance gebaut wurde.3 Der Fürstensaal gilt nach Angaben des Museums als "einer der schönsten weltlichen Säle der Gotik in Deutschland". Zu seiner Ausstattung gehören hölzerne Schmuckportale und ein großer Ofen im Renaissancestil.1, 3

Die Schlosskapelle ist mit mittelalterlichen Fresken ausgemalt und vielfarbig gestaltet.1 Erreichbar ist sie nur über eine Treppe.5

Der Wilhelmsbau im Osten hat fünf Geschosse, aber nur ein Treppenhaus mit einer Wendeltreppe. Aus Brandschutzgründen schloss die Universität ihn im Dezember 2021 für Besucher. Im Haupttrakt mit seinen zwei Treppenhäusern begrenzte sie damals die Zahl der Personen, die sich gleichzeitig im Schloss aufhalten können. Außerhalb der Pandemie waren im Fürstensaal so Veranstaltungen mit bis zu 190 Personen möglich.3, 7

Besonderheiten

  • Stadtgeschichte im Südsaal: Nach Angaben des Museums zeigen dort 40 Exponate Ausschnitte aus der Geschichte Marburgs vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Sie gehören zu einer dreiteiligen Ausstellung zum 800. Stadtjubiläum mit weiteren Teilen im Rathaus und in Markt 23.4
  • Universitätsjubiläum: Vom 15. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 zeigt der Rittersaal die Ausstellung "500 Jahre Universität Marburg: Was von der Geschichte übrig blieb".4
  • Fürstensaal als Veranstaltungsort: Feiern, Konferenzen und Konzerte fanden nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks von 2024 meist im Fürstensaal statt.9

Heutiger Zustand

Für Besucher geöffnet sind die Räume im Haupttrakt, darunter Fürstensaal und Schlosskapelle. Die Kulturgeschichtliche Sammlung im Wilhelmsbau bleibt wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.1, 4, 7

Im November 2024 stellten Stadt und Universität ein Konzept für den Umbau vor. Nach dem Bericht des Hessischen Rundfunks soll er bis 2038 dauern und geschätzt 135 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung war damals offen, für die Dachsanierung hatte das Land 11,7 Millionen Euro zugesagt.9

Nach den Plänen soll das Museum die Rollen des Schlosses als Residenz, Festung, Gefängnis und Sammelstelle für NS-Raubkunst zeigen. Im Erdgeschoss des Wilhelmsbaus ist ein Café vorgesehen, außerdem sollen Veranstaltungsräume entstehen.9

Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich1, 5
Öffnungszeiten
Di-So 10-17 Uhr, Montag geschlossen (Stand Oktober 2026)
Zwischen den Jahren 2026/27: 24., 28. und 31. Dezember geschlossen, 25.-27. und 29.-30. Dezember geöffnet
Die Kulturgeschichtliche Sammlung im Wilhelmsbau ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen1, 5
Eintritt
Dauerausstellung 8 €, ermäßigt 5 €
Sonderausstellung 3 €, ermäßigt 2 €
Kombiticket mit dem Kunstmuseum 10 €, ermäßigt 7 €
Ermäßigt u. a. Studierende anderer Hochschulen, Auszubildende, Gruppen ab 15 Personen, Senioren ab 65 Jahren, Schwerbehinderte ab GdB 50
Frei u. a. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Studierende der Philipps-Universität, Inhaber der Museumskarte des Deutschen Museumsbunds oder der ICOM-Card, eingetragene Begleitpersonen Schwerbehinderter
Stand Oktober 20261, 5
Führungen
Für Führungen und Sonderführungen verweist das Museum auf die Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH.6
Bus und Bahn
Bus Nr. 10 in Richtung Schloss, Haltestelle Schloss.5
Familien
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.1, 5
Barrierefreiheit
teilweise: Eingang bergauf über Kopfsteinpflaster. Rampen und Aufzug führen zu den Ausstellungsräumen und Toiletten. Die Schlosskapelle ist nur über eine Treppe erreichbar. Klapphocker im ersten Stock. Für blinde und sehbehinderte Menschen Wegbeschreibung von der Haltestelle Schloss zum Fürstensaal als Text- und Audiodatei.5

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Das Museum im Schloss ist dienstags bis sonntags geöffnet. Für Dauer- und Sonderausstellung gelten eigene Preise, ein Kombiticket schließt das Kunstmuseum der Universität ein. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.1, 5 Für Führungen und Sonderführungen verweist das Museum auf die Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH.6

Der Eingang liegt bergauf und ist über Kopfsteinpflaster zu erreichen. Rampen und ein Aufzug führen zu den Ausstellungsräumen und Toiletten, die Schlosskapelle ist nicht barrierefrei.5

Anreise

Die Adresse des Schlosses lautet Schloss 1, die Buslinie 10 fährt in Richtung Schloss.5 Von der Lahn führen nach dem Bericht des Hessischen Rundfunks 400 Treppenstufen hinauf.9 Für blinde und sehbehinderte Menschen verlinkt das Museum eine Wegbeschreibung von der Haltestelle "Schloss" zum Fürstensaal, als Text und als Hördatei.5

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 39 Kilometer Luftlinie südwestlich liegt die Burg Greifenstein, rund 42 Kilometer südwestlich Schloss Braunfels. Etwa 40 Kilometer Luftlinie südlich steht die Burg Münzenberg im Wetteraukreis.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Marburg-Biedenkopf, das ganze Land die Seite Hessen.

Lage und Karte

50.8102° N · 8.7670° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. LandgrafenschlossMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  2. Landgrafenschloss: GeschichteMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  3. Landgrafenschloss: ArchitekturMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  4. Landgrafenschloss: AusstellungenMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  5. BesucherinformationenMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  6. Landgrafenschloss: Führungen & ProgrammMuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  7. Wilhelmsbau im Schloss muss vorläufig schließen (16.12.2021)Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  8. Ausstellung "Stadt Land Schloss" startet mit einem großen Fest (21.07.2015)Universitätsstadt Marburg und Philipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  9. Marburg saniert Landgrafenschloss: So soll das Marburger Schloss umgestaltet werden (27.11.2024)Hessischer Rundfunk, hessenschau.de, abgerufen am 09.10.2026
  10. 500 Jahre Philipps-Universität MarburgPhilipps-Universität Marburg, abgerufen am 09.10.2026
  11. Landgrafenschloss (Kartenobjekt relation/3081305)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Thomas Scheidt · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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