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Schloss · Geisenheim-Johannisberg · Hessen

Schloss Johannisberg

Barockschloss auf dem Johannisberg im Rheingau, ab 1716 für den Fürstabt von Fulda anstelle eines Klosters errichtet, ab 1816 Domäne der Fürsten von Metternich.

49.9997° N · 7.9838° E
Schloss Johannisberg
Schloss JohannisbergFoto: User:DXR · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Schloss1, 3, 4wiederaufgebaut
Baustil
Barock, Klassizismus1
Ort
Geisenheim-Johannisberg3, 7
Bundesland
Hessen
Betreiber
Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg eGbR7
Koordinaten
49.9997, 7.98379
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Kloster auf dem Bischofsberg
  3. Das Schloss des Fürstabts von Fulda
  4. 1775: die verspätete Lese
  5. Die Metternichs auf dem Johannisberg
  6. Zerstörung 1942 und Wiederaufbau
  7. Ende des Familienbesitzes
  8. Chronik
  9. Architektur und Aufbau
  10. Besonderheiten
  11. Heutiger Zustand und Besichtigung
  12. Umgebung und weitere Ziele
  13. Lage und Umgebung
  14. Quellen
  15. Auf einen Blick
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 202610 Quellen

Schloss Johannisberg steht auf der Anhöhe des Johannisbergs im gleichnamigen Stadtteil von Geisenheim im Rheingau. Der Fürstabt von Fulda ließ die barocke Anlage ab 1716 anstelle eines Benediktinerklosters errichten. Aus der Klosterzeit stammt die Kirche St. Johannes der Täufer, eine romanische Basilika. 1816 kam die Domäne an Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich. Im August 1942 wurde das Schloss weitgehend zerstört und bis 1965 wiederaufgebaut.1, 3, 4 Heute ist es Sitz des Schlossweinguts, das im Impressum als Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg eGbR firmiert.2, 7

Geschichte

Kloster auf dem Bischofsberg

Der Berg hieß nach Angaben der Pfarrei ursprünglich Bischofsberg, weil er zu den Mainzer Bischöfen gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde er mit allen Bauten der Mainzer Benediktinerabtei St. Alban übergeben.3 Die Anfänge des Klosters setzt die Stadt Geisenheim in das Jahr 1106, an anderer Stelle nennt sie 1100 als Gründungsjahr. Nach KuLaDig war der Berg 1105 gerodet.1, 4, 5

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen spricht in seinem KuLaDig-Text von der ältesten Klostergründung des Rheingaus, die Pfarrei vom ersten Kloster im Rheingau. Die Pfarrei vermutet auf dem Berg eine ältere Kapelle des heiligen Nikolaus, ihm galt zunächst auch der Hochaltar. 1130 weihte Erzbischof Adalbert die Kirche auf Johannes den Täufer. Seitdem tragen Kloster und Berg den Namen Johannisberg.1, 3

Die Mönche legten an den Hängen des Johannisbergs durchgehend Weinberge an.1 Wein wird auf dem Berg nach Angaben der Stadt schon seit 817 angebaut. Das Kloster erlebte seine Blütezeit in den ersten beiden Jahrhunderten. Danach setzten ihm der Bauernkrieg 1525 und eine Verwüstung im Jahr 1552 schwer zu.4, 5

1563 wurde das Kloster aufgehoben. Die Pfarrei beschreibt, dass der letzte Abt abgesetzt und das Kloster einem weltlichen Verwalter unterstellt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Abteikirche teilweise zerstört.1, 3

Das Schloss des Fürstabts von Fulda

Der Fürstabt von Fulda erwarb den Besitz 1716. Nach KuLaDig ließ er die barocke Schlossanlage bis 1730 von Hofbaumeister Herwarthel errichten.1, 4 Für den Schlossbau wurde 1718 der noch stehende Westturm der Kirche abgetragen und ihr Langhaus verkürzt. Die Klausurgebäude riss man im 18. Jahrhundert ab, die Kirche wurde barock umgestaltet.1, 3

Ab 1720 wurden die Weinberge um das Schloss geschlossen mit Riesling neu bestockt.1 Die Stadt Geisenheim schreibt, Schloss Johannisberg gelte als das erste Riesling-Weingut der Welt. Die Unternehmensgruppe Henkell Freixenet bezeichnet es als das älteste.5, 9 Bis zur Säkularisation blieb die Domäne in kirchlichem Besitz.4

1775: die verspätete Lese

Wann gelesen werden durfte, entschied Fulda. Nach KuLaDig brachte ein Kurier Trauben vom Johannisberg nach Fulda. Erst nachdem der Fürstbischof sie verkostet hatte, kehrte der Bote mit der Leseerlaubnis zurück.1, 4 Im Rheingau sollte die Lese nach Darstellung des Weinguts bis zum Gallustag am 16. Oktober beendet sein.6

1775 kehrte der Kurier mit großer Verspätung zurück, laut Weingut zwei Wochen zu spät. Inzwischen hatte sich der Botrytis-Pilz auf den Trauben ausgebreitet. Obwohl die Trauben faul wirkten, ordnete die Verwaltung nach Angaben der Stadt die Lese an.1, 4, 6

Als der Wein im Frühjahr 1776 verkostet wurde, überraschte er mit außergewöhnlicher Qualität. Das Weingut spricht von Süße und Fülle.1, 6 Danach beschloss man in Fulda nach Darstellung des Weinguts, künftig erst nach den Nachbargütern im Rheingau zu lesen. Ein Denkmal im Hof erinnert an den Kurier, den Spätlesereiter.1, 4, 6

Die Metternichs auf dem Johannisberg

Nach der Säkularisation war Johannisberg zeitweise nassauisch. Auf dem Wiener Kongress 1815 kam die Domäne an Kaiser Franz I. von Österreich.1, 4 Der Kaiser übertrug sie 1816 an Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich, um seine Verdienste zu würdigen.1, 4

Metternich investierte in den Weinbau. Die klassizistische Umgestaltung des Hauptbaus leitete der Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller. Für einen Schlosspark im englischen Stil gewann Metternich den Frankfurter Stadtgärtner Sebastian Rinz.1 Etwa ein halbes Jahrhundert nach 1775 begründete der Fürst von Metternich nach Angaben des Weinguts das Farbsystem der Schlossweine. Die Flaschen der Spätlese wurden in grünen Siegellack getaucht.6

Mit dem Rheintourismus, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkam, wurde der Johannisberg zum Ausflugsziel. Aus dem 19. Jahrhundert stammt auch die rund 320 Meter lange Ahornallee mit Hainbuchenhecken, die Schloss und Ort verbindet.1 Nach Angaben der Stadt bewohnten Metternichs Nachfahren das Schloss bis ins 21. Jahrhundert.4

Zerstörung 1942 und Wiederaufbau

Im August 1942 zerstörte ein Bombenangriff die Schlossanlage und die Wirtschaftsgebäude weitgehend.1 Die Kirche brannte am 12./13. August 1942 vollständig aus. Das romanische Mauerwerk überstand den Brand.3

Nach dem Krieg ließ Paul Alfons Fürst von Metternich das Schloss wiederaufbauen, bis 1965 waren die Arbeiten beendet.1 Die Basilika wurde ab 1945 mit Hilfe des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz wiederaufgebaut und am 8. Juni 1952 neu geweiht.3

Ende des Familienbesitzes

Wann das Schloss aus dem Besitz der Familie Metternich ging, geben die Quellen unterschiedlich an. Nach der Unternehmensgeschichte von Henkell Freixenet wurde Schloss Johannisberg 1975 Teil der Gruppe.9 KuLaDig nennt für den Familienbesitz "bis Mitte 2000".1 Die Pfarrei schreibt, 2006 habe das Haus Metternich-Winneburg geendet, weil das Fürstenpaar keine Nachkommen hatte. Schloss, Kirche und Patronat seien an einen neuen Eigentümer übergegangen.3

Chronik

1130 - 1965
  1. 1130FertigstellungErzbischof Adalbert weiht die Klosterkirche auf Johannes den Täufer, Kloster und Berg heißen seitdem Johannisberg1, 3
  2. 1552ZerstörungVerwüstung des Klosters4
  3. 1563NutzungsänderungAufhebung des Klosters, der letzte Abt wird abgesetzt, ein weltlicher Verwalter übernimmt1, 3
  4. 1618-1648ZerstörungIm Dreißigjährigen Krieg wird die Abteikirche teilweise zerstört1
  5. 1716BesitzwechselDer Fürstabt von Fulda kauft den Besitz1, 3, 4
  6. 1718UmbauFür den Schlossbau werden der Westturm der Kirche abgetragen und das Langhaus verkürzt3
  7. ab 1720NutzungsänderungDie Weinberge werden geschlossen mit Riesling neu bestockt1, 5
  8. bis 1730FertigstellungBarocke Schlossanlage, errichtet von Hofbaumeister Herwarthel1
  9. 1775NutzungsänderungVerspätete Lese nach der Rückkehr des Kuriers aus Fulda, nach Darstellung des Weinguts das Geburtsjahr der Spätlese1, 4, 6
  10. 1815BesitzwechselWiener Kongress: die Domäne kommt an Kaiser Franz I. von Österreich1, 4
  11. 1816BesitzwechselKaiser Franz I. überträgt die Domäne an Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich1, 4
  12. August 1942ZerstörungBombenangriff: Schlossanlage und Wirtschaftsgebäude weitgehend zerstört, die Kirche brennt aus1, 3
  13. ab 1945WiederaufbauWiederaufbau der Basilika mit Hilfe von Rudolf Schwarz3
  14. 8. Juni 1952FertigstellungDie wiederaufgebaute Basilika wird neu geweiht3
  15. bis 1965WiederaufbauWiederaufbau des Schlosses durch Paul Alfons Fürst von Metternich1

Besitz und Herrschaft

  • bis 1563Benediktinerkloster Johannisberg1, 3Berg mit allen Bauten im 11. Jahrhundert an die Mainzer Abtei St. Alban übergeben, Kloster 1563 aufgehoben
  • ab 1716Fürstabt von Fulda (Abtei Fulda)1, 3, 4Kauf 1716, Weinbaudomäne bis zur Säkularisation
  • 1815-1816Kaiser Franz I. von Österreich1, 4auf dem Wiener Kongress übereignet
  • ab 1816Fürsten von Metternich-Winneburg1, 3, 4, 91816 an Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich verliehen; Ende des Familienbesitzes je nach Quelle 1975, Mitte 2000 oder nach 2006

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Das Schloss heute

Architektur und Aufbau

Der Johannisberg ist ein Vorberg des Rheingaugebirges und weithin sichtbar. Zur Schlossanlage gehört ein von Wirtschaftsgebäuden umgebener Hof, in dem das Denkmal des Spätlesereiters steht.1

Im Süden des Schlosses führt ein Laubengang mit Weinranken zur Aussichtsterrasse, die einen Rundblick über den Rheingau bietet. Bis in die 1950er-Jahre überdachte ein Holzpavillon die Terrasse.1

Nach Angaben der Pfarrei hatte die Pfeilerbasilika von 1130 ein Querschiff und drei Apsiden.3

Besonderheiten

  • Zehnt für Habsburg: Die Familie Habsburg hat nach Angaben der Stadt Geisenheim bis heute Anspruch auf den Zehnten der Weinernte.4
  • Ernte im Voraus gekauft: Peter Arnold Mumm hatte die Ernte 1811 des Schlosses im Voraus gekauft und damit großen Erfolg. 1822 erwarb er laut KuLaDig selbst größere Flächen.2
  • Schlossberg: Nach KuLaDig entfielen 1999 von 115 Hektar Weinbergslage in Johannisberg 35 Hektar auf den Schlossberg im Besitz des Schlosses. Er war damit die größte zusammenhängende Einzellage.2

Heutiger Zustand und Besichtigung

Auf seiner Website nennt das Weingut als Angebote für Besucher einen Weinshop, Weinproben, das Restaurant Schlossschänke und den Probierstand Goetheblick.8 Die Kirche St. Johannes der Täufer ist ein Kirchort der katholischen Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau.3

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 9 Kilometer Luftlinie westlich liegt Burg Rheinstein, nur wenig weiter Burg Reichenstein. Etwa 18 Kilometer Luftlinie östlich steht in Wiesbaden Schloss Biebrich.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Rheingau-Taunus-Kreis, das ganze Land die Seite Hessen.

Besuch

Besuch auf einen Blick

Gastronomie
Restaurant Schlossschänke und Weinprobierstand "Goetheblick", außerdem Weinshop und Weinproben (Angaben des Weinguts, Stand 09.10.2026).8

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Umgebung

Lage und Umgebung

49.9997° N · 7.9838° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Weinbaulandschaft Johannisberg (Landesamt für Denkmalpflege Hessen 2011, überarbeitet von Madeleine Weyand 2020)Landesamt für Denkmalpflege Hessen, über KuLaDig, abgerufen am 09.10.2026
  2. Ortschaft Johannisberg (Landesamt für Denkmalpflege Hessen 2013/2020)Landesamt für Denkmalpflege Hessen, über KuLaDig, abgerufen am 09.10.2026
  3. Kirchort St. Johannes d. Täufer, JohannisbergKatholische Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau, abgerufen am 09.10.2026
  4. Historisches JohannisbergStadt Geisenheim, abgerufen am 09.10.2026
  5. SehenswürdigkeitenStadt Geisenheim, abgerufen am 09.10.2026
  6. Wir feiern 250 Jahre Spätlese (29.12.2024)Schloss Johannisberg, abgerufen am 09.10.2026
  7. ImpressumFürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg eGbR, abgerufen am 09.10.2026
  8. Visit & ExperienceSchloss Johannisberg, abgerufen am 09.10.2026
  9. HistorieHenkell Freixenet, abgerufen am 09.10.2026
  10. Schloss Johannisberg (Kartenobjekt way/111571393)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: User:DXR · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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