Burgenführer
Burgruine · Heppenheim (Bergstraße) · Hessen

Starkenburg

Burgruine des Klosters Lorsch auf dem Schlossberg über Heppenheim, später Mainzer Festung, heute mit neuem Bergfried und Jugendherberge.

49.6461° N · 8.6486° E
Starkenburg
StarkenburgFoto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine1Ruine mit späteren Bauten
Gründung
ab 10651
Denkmalstatus
Kulturdenkmal1
Ort
Heppenheim (Bergstraße)1, 2
Bundesland
Hessen
Koordinaten
49.6461, 8.64861
Inhalt 14 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung: eine Schutzburg für Lorsch
  3. Mainzer Vorposten an der Bergstraße
  4. Dreißigjähriger Krieg und Festungsausbau
  5. Verfall und Schutz
  6. Bergfried und Jugendherberge
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Heutiger Zustand
  11. Besichtigung
  12. Umgebung und weitere Ziele
  13. Lage und Karte
  14. Quellen
Lesezeit etwa 5 MinutenStand: Oktober 20264 Quellen

Auf dem Schlossberg nördlich der Altstadt von Heppenheim an der Bergstraße liegt die Starkenburg. Das Kloster Lorsch ließ sie ab 1065 als Schutzburg bauen, später war sie ein Stützpunkt der Mainzer Erzbischöfe.1 Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen führt die Anlage als Burgruine. Erhalten sind Ringmauern, Rundtürme und Zwinger, dazu kommen ein neuer Bergfried des 20. Jahrhunderts und eine Jugendherberge im Kernbereich.1, 2

Geschichte

Entstehung: eine Schutzburg für Lorsch

Anlass für den Bau war die Übertragung der Lorscher Klostergüter an einen Erzbischof. Nach dem Burgführer der Stadt übertrug der 1065 für mündig erklärte Heinrich IV. die Klostergüter seinem Erzieher, Erzbischof Adalbert von Bremen. Unter Abt Udalrich entstand daraufhin rasch eine Burg auf dem Schlossberg.1, 2

Die Stadt beschreibt die erste Anlage als Befestigung namens "Burcheldon" mit einfachen Holzbauten, Türmen und Erdwällen.3 Der Burgführer vermutet für die Lorscher Zeit bis 1232 einen runden Wohnturm. Den alten Bergfried datiert das Landesamt dagegen auf wohl erst um 1200.1, 2 1206 ist mit Hugo von Starckimberg der erste Ritter auf der Burg bekannt, 1229 trägt sie den Namen Starkenberg.2

Mainzer Vorposten an der Bergstraße

1232 kamen die Abtei Lorsch und die Starkenburg an den Erzbischof von Mainz. Ab 1267 saß hier ein Burggraf, der das Oberamt Starkenburg für den Erzbischof verwaltete.2 Im 13. Jahrhundert war die Burg nach dem Landesamt ein wichtiger Vorposten des Erzstifts.1 Unter Mainz wurde sie zu einer spätmittelalterlichen Kastellburg ausgebaut, die laut Burgführer vor allem der Kontrolle und Verwaltung diente.2

Im Krieg zwischen Kurmainz und Kurpfalz, der 1460 begann, wurde der Burggraf ermordet.2 1461 ging die Burg zusammen mit der ganzen Bergstraße als Pfand an die Kurpfalz. Erst 1623 löste Mainz das Pfand wieder ein.1

Dreißigjähriger Krieg und Festungsausbau

Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Besatzung mehrfach. 1621 nahmen spanische Truppen die Burg ein, 1631 die Schweden unter Gustav Adolf und 1645 die Franzosen.2

Kurfürst Anselm von Ingelheim ließ die Burg zwischen 1675 und 1689 zur Festungs- und Wirtschaftsburg erweitern. Nach französischem Vorbild kamen die Bastion im Nordwesten, Schanzen und ein zweiter Zwinger hinzu.2 Als leitenden Fachmann nennt das Landesamt den Mainzer Werkmeister Johann Baptist Barella. Den Angriffen der Franzosen 1688/89 und 1693 hielt die Festung stand.1 1693 brachen die Franzosen ihre Belagerung ab. Die Stadt Heppenheim dagegen brannte bis auf fünf Häuser nieder.2

Verfall und Schutz

Der Unterhalt wurde zu teuer, die politischen Verhältnisse hatten sich geändert. 1765 zog Mainz die Besatzung ab und gab die Anlage zum Abbruch frei.2 Wohngebäude, Burgeingang und Teile der Mauern im Oberen Burghof gingen verloren, die Ruine diente als Steinbruch.1, 2 1787 stellte Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal sie unter Schutz und beendete den Abbruch. Bergfried, Rundtürme und Mauern blieben so erhalten.1, 2

Bergfried und Jugendherberge

1877 begannen erste Arbeiten zur Wiederherstellung der Ruine auf dem inzwischen bewaldeten Berg.1 Der alte Bergfried stand frei in der Mitte des Hofs und war 28 Meter hoch. 1924 wurde er wegen Baufälligkeit gesprengt.1, 2

Der Neubau steht einige Meter weiter westlich. Das Landesamt nennt 1930 als Jahr der Vollendung unter dem Architekten Prof. Dr. Hofmann, der Burgführer 1928 als Baujahr. Das Zeltdach kam 1958 hinzu.1, 2

1958 und 1959 entstand in der Nordwestecke der Kernburg das Gebäude der Jugendherberge. Nach dem Landesamt steht es an der Stelle des früheren Kommandantengebäudes, nach dem Burgführer an der Stelle des Palas.1, 2 Eingeweiht wurde die Jugendherberge nach dem Burgführer 1960.2 Von 1964 bis 1968 und in den Jahren danach wurden Befestigungstürme und Mauerteile wiederaufgebaut oder instand gesetzt.1 Der Kanonenturm, in dem von 1618 bis 1765 die Geschütze standen, wurde 1970 auf den alten Grundmauern wieder aufgebaut. Seit 2009 dient er laut Burgführer Gästen der Jugendherberge als Wohnturm.2

Chronik

1065 - 2009
  1. ab 1065GründungErrichtung durch das Kloster Lorsch als Schutzburg gegen Erzbischof Adalbert von Bremen1
  2. 1206NutzungsänderungHugo von Starckimberg als erster bekannter Ritter auf der Burg2
  3. 1232BesitzwechselDie Abtei Lorsch kommt mit der Starkenburg an den Erzbischof von Mainz2
  4. 1267NutzungsänderungErster Burggraf, Sitz der Verwaltung des Oberamts Starkenburg2
  5. 1461BesitzwechselMit der ganzen Bergstraße als Pfand an die Kurpfalz1
  6. 1623BesitzwechselMainz löst das Pfand wieder ein1
  7. 1675-1689UmbauAusbau zur Festungs- und Wirtschaftsburg unter Kurfürst Anselm von Ingelheim2
  8. 1765NutzungsänderungAbzug der Besatzung, Freigabe zum Abbruch2
  9. 1787NutzungsänderungKurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal stoppt den Abbruch1, 2
  10. 1877RestaurierungErste Wiederherstellungsarbeiten an der Ruine1
  11. 1924ZerstörungSprengung des baufälligen alten Bergfrieds1, 2
  12. 1930FertigstellungNeuer Bergfried einige Meter westlich, Architekt Prof. Dr. Hofmann1
  13. 1958UmbauZeltdach auf dem neuen Bergfried1
  14. 1958-1959UmbauNeubau der Jugendherberge in der Nordwestecke der Kernburg1
  15. 1960NutzungsänderungEinweihung der Jugendherberge2
  16. 1964-1968RestaurierungWiederaufbau bzw. Instandsetzung von Befestigungstürmen und Mauerteilen1
  17. 1970WiederaufbauWiederaufbau des Kanonenturms auf den alten Grundmauern2
  18. 2009NutzungsänderungDer Kanonenturm wird Wohnturm der Jugendherberge2

Besitz und Herrschaft

  • 1065-1232Kloster Lorsch1, 2Bauherr und Besitzer
  • 1232-1461Erzstift Mainz1, 2Landesherr, ab 1267 mit Burggrafen
  • 1461-1623Kurpfalz1Pfandbesitz
  • 1623Erzstift Mainz1Rückkehr nach Einlösung des Pfands

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Architektur und Aufbau

Die Kernburg hat einen trapezförmigen Grundriss. Ihre Türme tragen Zinnen und Schlitz- oder Schlüssellochscharten. In den Schildmauern sitzen gekuppelte Rechteckfenster in Nischen mit Sitzbänken.1

Ein schmaler, teils doppelter Zwinger mit runden Ecktürmen umgibt die Kernburg, an zwei Seiten lag zusätzlich ein Graben.1, 2 Im Hof steht eine erneuerte runde Zisterne unter einem Holzdach.1 Der Brunnen der Burg ist nach dem Burgführer 80 Meter tief in den Fels geschlagen und heute bis auf 60 Meter verschüttet.2

Besonderheiten

  • Versetzter Bergfried: Der neue Turm steht nicht auf dem Platz des alten, sondern einige Meter westlich davon.1
  • Spanischer Friedhof: Nach der Eroberung durch spanische Truppen 1621 wurde auf der Burg ein Friedhof angelegt.2
  • Corps Starkenburgia: Vor dem alten Eingang erinnert ein Gedenkstein an die 1826 gegründete Studentenverbindung.1

Heutiger Zustand

Die Starkenburg ist eine Ruine mit Bauten des 20. Jahrhunderts.1 Nach dem undatierten Burgführer der Stadt gehören Turm, Palas und Geschützturm zur Einrichtung des Deutschen Jugendherbergswerks. Im Küchenturm und dem Nachbargebäude ist danach eine Burgschänke untergebracht.2 Das Landesamt schützt die Burgruine aus geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen als Kulturdenkmal. Sie gehört zur Gesamtanlage aus Altstadtkern, Vorstädten und Schlossberg.1

Besuch

Besichtigung

Nach dem undatierten Burgführer der Stadt ist der neue Bergfried von Karfreitag bis Ende September an Wochenenden und Feiertagen nachmittags als Aussichtsturm zugänglich. Öffentliche Burgführungen nennt er von April bis September am ersten Sonntag im Monat, Treffpunkt ist der Untere Burghof. Die Schänke hat danach von April bis Oktober mittwochs bis sonntags geöffnet.2

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 16 Kilometer Luftlinie nördlich liegt die Burg Frankenstein. Etwa 27 Kilometer Luftlinie südlich steht das Heidelberger Schloss.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Bergstraße, das ganze Land die Seite Hessen.

Lage und Karte

49.6461° N · 8.6486° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Burgruine Starkenburg, Starkenburgweg 51, 53, HeppenheimLandesamt für Denkmalpflege Hessen, DenkXweb, abgerufen am 11.10.2026
  2. Burgführer StarkenburgMagistrat der Kreisstadt Heppenheim, Tourist Information, abgerufen am 11.10.2026
  3. Starkenburg (englischsprachige Seite)Kreisstadt Heppenheim, abgerufen am 11.10.2026
  4. Starkenburg (Kartenobjekt way/162622523)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons

Bildnachweis Titelbild: Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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