Burgenführer
Burgruine · Hofgeismar-Sababurg · Hessen

Sababurg

Burgruine im Reinhardswald: ab 1334 von den Mainzer Erzbischöfen ausgebaut, später Jagdschloss der Landgrafen von Hessen, bis 2018 Hotel.

51.5436° N · 9.5375° E
Sababurg
SababurgFoto: Bytfisch · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Nach Angaben der Stadt Hofgeismar ist die gesamte Burganlage im Jahr 2026 für Besucher geschlossen.Stand Oktober 2026Besuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine1, 2, 12, 13Ruine
Baubeginn
13341, 2
Ort
Hofgeismar-Sababurg3, 14
Bundesland
Hessen
Eigentümer
Land Hessen13
Öffnungszeiten
Nach Angaben der Stadt Hofgeismar ist die gesamte Burganlage im Jahr 2026 für Besucher geschlossen.2Alle Angaben
Koordinaten
51.5436, 9.5375
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Zappenburg: Ausbau durch die Mainzer Erzbischöfe
  3. Wildpferde und Ausbau zum Jagdschloss
  4. Tiergarten, Kanzlei und Hoffeste
  5. Dreißigjähriger Krieg, Verfall und Abriss
  6. Hotel, Schließung und Neuplanung
  7. Heutiger Zustand
  8. Chronik
  9. Besonderheiten
  10. Auf einen Blick
  11. Besichtigung
  12. Anreise
  13. Umgebung und weitere Ziele
  14. Lage und Karte
  15. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 202615 Quellen

Über dem Tierpark Sababurg im Reinhardswald liegt die Sababurg, eine Burg des 14. Jahrhunderts, die die Landgrafen von Hessen zum Jagdschloss ausbauten. Sie gehört zum Hofgeismarer Ortsteil Sababurg.1, 2, 3 Heute stehen hier die Ruine des Palas, Ost- und Westturm, das Kanzleigebäude und die Burgmauern. Eigentümer ist das Land Hessen, zuständig ist der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).12, 13 Bis 2018 betrieb ein privater Pächter auf der Burg Hotel und Restaurant. Für 2026 meldet die Stadt Hofgeismar die ganze Anlage als für Besucher geschlossen.2, 12

Geschichte

Zappenburg: Ausbau durch die Mainzer Erzbischöfe

1334 begannen die Erzbischöfe von Mainz mit dem Ausbau ihres Besitzes Zappenburg auf einem Basaltkegel im nördlichen Reinhardswald. Die Stadt Hofgeismar schreibt den Namen Zapfenburg. Die Burg sollte die Wallfahrt in den nahen Ort Gottsbüren schützen.1, 2

Nach Angaben der Stadt war sie zugleich eine Grenzfestung. Das Mainzer Bistum hatte damals Grenzen zum Bistum Paderborn, zur Landgrafschaft Hessen und zum Herzogtum Braunschweig.2, 14

Wann die Burg an Hessen fiel, ist unterschiedlich überliefert. Nach der Universitätsbibliothek Kassel wurde die Landgrafschaft 1429 Alleinbesitzerin der damals weitgehend verfallenen Anlage. Die Stadt Hofgeismar setzt den Übergang an Hessen nach verschiedenen Auseinandersetzungen auf 1462.1, 2

Wildpferde und Ausbau zum Jagdschloss

Ende des 15. Jahrhunderts begann an der Sababurg die Zucht von Wildpferden. Die Universitätsbibliothek Kassel nennt das Jahr 1480 und die Wirtschaftsgebäude als Ort der Zucht, kleinere Baumaßnahmen sicherten damals den Bestand. Der Tierpark nennt 1490 und den Namen "Sababurger Wilden".1, 5

Auch der Ausbau zum Jagdschloss ist verschieden datiert. Nach der Stadt begann Landgraf Wilhelm I. ab 1490 mit dem Umbau.2 Die Universitätsbibliothek Kassel verweist auf einen Neubau, von dem 1508 die Rede ist. Sein Bauherr, Landgraf Wilhelm II., starb 1509. Erst 1518 nahm Landgraf Philipp die Arbeiten wieder auf, 1521 waren sie abgeschlossen. Zum Jagdschloss gehörten danach ein vergrößertes Haupthaus und Nebengebäude, die einen Innenhof im Halbkreis umschlossen.1

Tiergarten, Kanzlei und Hoffeste

1571 ließ Landgraf Wilhelm IV. am Fuß des Jagdschlosses einen Tiergarten anlegen, nach der Universitätsbibliothek rund 132 Hektar groß. Aus dieser Zeit stammen nach Angaben des Tierparks noch die großen Teiche und die fünf Kilometer lange Mauer.1, 5

Unter Wilhelm IV. folgte 1578/79 eine Renovierung. 1582 entstand am mittleren Schlosshof das Kanzleigebäude.1

Landgraf Moritz nutzte das Jagdschloss für Feste seines Hofes. Im August 1596 empfing er hier eine englische Gesandtschaft. 1622 plante er vor dem Haupttor ein Vorwerk, eine quadratische Wallanlage mit zwei Bastionen. Die Zeichnung dazu trägt das Datum 8. November 1622.1

Gebaut wurde das Werk wohl nicht. Ein Bericht vom 16. Februar 1623 meldet nur eine neue Zugbrücke.1

Dreißigjähriger Krieg, Verfall und Abriss

Kurz nach Februar 1623 nahm Feldmarschall Tilly die Sababurg nach der Universitätsbibliothek ohne Weiteres ein, die bayerische Besatzung zog erst 1626 ab. Nach der Stadt Hofgeismar wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt, danach schritt ihr Verfall rasch voran.1, 2

Die verfallene Anlage war nach Angaben der Stadt zu dieser Zeit von einer langen, hohen Dornenhecke umgeben. Daher heißt sie im Volksmund "Dornröschenschloss". Die Stadt hält es für möglich, dass sie als Vorlage für das grimmsche Märchen von Dornröschen diente.2 Auch nach dem Landesbetrieb war sie wohl Vorbild für die grimmschen Märchen.10

Für die Zeit von 1654 bis 1730 nennt die Stadt geringfügige Erweiterungen, unter anderem durch Landgraf Karl. 1760, im Siebenjährigen Krieg, besetzten französische Soldaten das Schloss. Danach verfiel es weitgehend und diente später als Forsthaus.2

Nach dem Tierpark endete die Jagdschlossnutzung Ende des 18. Jahrhunderts, der Tiergarten diente dann als Pferdeweide.5 Den West-, Ost- und Südflügel brach man zwischen 1824 und 1826 ab.2 Als Jagdschloss wurde die Anlage nach der Universitätsbibliothek spätestens 1848 nicht mehr gebraucht, als die fürstlichen Jagdprivilegien wegfielen. Danach verfiel sie zunehmend.1

Hotel, Schließung und Neuplanung

1959 wurde die Ruine gesichert. Im früheren Amtsgebäude entstand eine Gaststätte, später ein Hotel.1 Die Stadt schreibt, das Land Hessen habe die Anlage in den 1950er- und 1960er-Jahren "Schlosshotel-artig" renoviert. Das Hotel- und Restaurantgebäude datiert der Landesbetrieb in die 1960er- und 1970er-Jahre.2, 12

Im April 2018 begann nach Angaben der Stadt eine umfangreiche Sanierung, seitdem sind Hotel und Restaurant geschlossen.2 Bis Anfang 2021 wurden unter anderem der Helm des Westturms und die Toiletten im Außenbereich erneuert. Ein Nachprüfungsverfahren um die Vergabe der Planungsleistungen hielt das Projekt bis September 2021 auf.7, 8

Anfang 2023 begann der Rückbau des früheren Wirtschaftsgebäudes. Material und Werkzeug mussten dafür nach Angaben des Landesbetriebs durch das schmale Burgtor angeliefert werden. Im August 2023 stellte Finanzminister Michael Boddenberg ein Konzept mit 36 Hotelzimmern in Holzbauweise vor. Die Baukosten wurden damals auf rund 43 Millionen Euro geschätzt.9, 10

Im Mai 2024 kündigte der Landesbetrieb eine Neuplanung an. Er verwies auf die Hanglage, die genauere Prüfung des zuletzt diskutierten Entwurfs, Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiepreise. Der Anbau aus den 1970er-Jahren war da bereits abgebrochen.11

Nach den Plänen vom Dezember 2024 und September 2025 soll das Hotel außerhalb der Burgmauern auf dem angrenzenden Parkplatz entstehen. Innerhalb der Mauern sind ein Restaurant mit Aussichtsterrasse und die Restaurierung des Kanzleigebäudes vorgesehen. Einzelne Zimmer sollen wie bisher in Ost- und Westturm liegen.12, 13 Als realistischen Baubeginn nannte der Landesbetrieb Ende 2024 den Anfang des Jahres 2028.12 Im September 2025 schlossen LBIH und Stadt einen städtebaulichen Vertrag.13

Heutiger Zustand

Die Burg steht auf einem Basaltkegel.1 Innerhalb der Burgmauern liegen die Ruine des Palas, Ost- und Westturm und das Kanzleigebäude.12, 13 Vom Gelände des Tierparks aus soll nach den Plänen ein freier Blick auf die Palas-Ruine möglich sein.12

Chronik

1334 - 2024
  1. 1334BaubeginnDie Erzbischöfe von Mainz beginnen den Ausbau der Zappenburg zum Schutz der Wallfahrt nach Gottsbüren1, 2
  2. 1508UmbauIn den Quellen wird ein Neubau genannt, Bauherr Landgraf Wilhelm II. (gestorben 1509)1
  3. 1518UmbauLandgraf Philipp nimmt die Bauarbeiten wieder auf1
  4. 1521FertigstellungBauarbeiten am Jagdschloss beendet: vergrößertes Haupthaus, Nebengebäude im Halbkreis um einen Innenhof1
  5. 1571NutzungsänderungLandgraf Wilhelm IV. legt am Fuß des Jagdschlosses den Tiergarten an1, 5
  6. 1578-1579RestaurierungRenovierung unter Landgraf Wilhelm IV.1
  7. 1582UmbauBau des Kanzleigebäudes am mittleren Schlosshof1
  8. 1618-1648ZerstörungIm Dreißigjährigen Krieg von Truppen unter Tilly besetzt und stark beschädigt, die bayerische Besatzung zieht 1626 ab1, 2
  9. 1760NutzungsänderungBesetzung durch französische Soldaten im Siebenjährigen Krieg, danach weitgehender Verfall2
  10. 1824-1826ZerstörungAbriss von West-, Ost- und Südflügel2
  11. 1848NutzungsänderungMit dem Wegfall der fürstlichen Jagdprivilegien wird die Anlage als Jagdschloss spätestens jetzt nicht mehr gebraucht und verfällt zunehmend1
  12. 1959RestaurierungSicherung der Ruine, Gaststätte im früheren Amtsgebäude1
  13. April 2018NutzungsänderungBeginn der Sanierung, Hotel und Restaurant werden geschlossen2, 12
  14. um Februar 2023UmbauBeginn des Rückbaus des früheren Wirtschaftsgebäudes9
  15. vor Mai 2024UmbauAbbruch des Hotel- und Restaurantanbaus aus dem 20. Jahrhundert11, 12

Besitz und Herrschaft

  • 1334Erzbischöfe von Mainz1, 2Bauherren der Zappenburg, 1334 belegt
  • ab 1462Landgrafen von Hessen1, 2Bauherren des Jagdschlosses; Alleinbesitz laut Universitätsbibliothek Kassel schon ab 1429
  • 2025Land Hessen13Eigentümer, 2025 belegt

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Besonderheiten

  • Zeichnung von 1622: Die Universitätsbibliothek Kassel zeigt den Entwurf des Vorwerks in ihrer Online-Präsentation zu Landgraf Moritz. Die Aufschrift beginnt mit "Neuer standt vor dem schlosse". Am oberen Rand sind Amtsgebäude, ein Teil des Haupthauses und der Vorhof zu sehen.1
  • Tiergarten: Eine barocke Neugestaltung erhielt der Tiergarten um 1770, in seiner Mitte entstand ein Jagdstern mit sechs Strahlen. 1973 wurde er als Tierpark neu eröffnet, heute eine Freizeiteinrichtung des Landkreises Kassel.5
  • Trauungen: Standesamtliche Trauungen sind auf der Sababurg derzeit wegen der Sanierung nicht möglich. Nach den Plänen des Landes soll es wieder ein Trauzimmer geben.4, 13
Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Öffnungszeiten
Nach Angaben der Stadt Hofgeismar ist die gesamte Burganlage im Jahr 2026 für Besucher geschlossen.
Stand Oktober 20262
Gastronomie
Hotel und Restaurant auf der Burg sind seit April 2018 geschlossen (Stadt Hofgeismar). Ein neues Restaurant und ein Hotel sind geplant.2, 13

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Nach Angaben der Stadt Hofgeismar ist die gesamte Burganlage 2026 für Besucher geschlossen. Im Sommer 2026 fanden einzelne Open-Air-Konzerte statt, unterstützt vom Kulturforum Hofgeismar und der Stadt.2

Anreise

Die Sababurg liegt rund 13 Kilometer von Hofgeismar entfernt.2 Der Tierpark nennt für seine Gäste die Buslinien 190 ab Bahnhof Hofgeismar und 192 ab Hann. Münden sowie 550 kostenlose Parkplätze.6

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Die Burg überragt den Tierpark Sababurg. Nicht weit entfernt ist der Urwald Sababurg, ein Naturschutzgebiet mit vielen Bäumen, die nach der Stadt über 500 Jahre alt sind.2, 3

Gut 27 Kilometer Luftlinie nordnordwestlich liegt in Höxter die Abtei Corvey. Knapp 27 Kilometer Luftlinie südsüdwestlich steht in Kassel Schloss Wilhelmshöhe.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Kassel, das ganze Land die Seite Hessen.

Lage und Karte

51.5436° N · 9.5375° E

Beim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.

Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Sababurg (DFG-Projekt Landgraf Moritz, Online-Präsentation der Zeichnungen)Universitätsbibliothek Kassel, abgerufen am 09.10.2026
  2. Dornröschenschloss SababurgStadt Hofgeismar, abgerufen am 09.10.2026
  3. Ortsteile: SababurgStadt Hofgeismar, abgerufen am 09.10.2026
  4. TrauungenStadt Hofgeismar, abgerufen am 09.10.2026
  5. Geschichte des TierparksTierpark Sababurg, Landkreis Kassel, abgerufen am 09.10.2026
  6. Anfahrt & ParkenTierpark Sababurg, Landkreis Kassel, abgerufen am 09.10.2026
  7. Sababurg: Ausgang des Nachprüfungsverfahrens entscheidend für den weiteren Zeitplan (Pressemitteilung 11.02.2021)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  8. Sanierung kann weitergehen - Nachprüfungsverfahren beendet, Planungen werden konkretisiert (Pressemitteilung 23.09.2021)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  9. Sanierung geht in die nächste Phase (Pressemitteilung 08.02.2023)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  10. Klimafreundlicher Neubau für Hotel an der Sababurg (Pressemitteilung 02.08.2023)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  11. Passende Lösung für langfristig wirtschaftlichen Betrieb wird erarbeitet (Pressemitteilung 22.05.2024)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  12. Vertreter des LBIH informieren Stadtverordnete in Hofgeismar über neue Pläne (Pressemitteilung 16.12.2024)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  13. Zukunft der Sababurg: LBIH und Stadt Hofgeismar schließen städtebaulichen Vertrag (Pressemitteilung 16.09.2025)Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, abgerufen am 09.10.2026
  14. Dornröschenschloss Sababurg (Text: Naturpark Reinhardswald)Visit Kassel, abgerufen am 09.10.2026
  15. Sababurg (Burggebäude, building=yes, historic=castle; Burgpunkt node/269578659, Q1527336) (Kartenobjekt way/217291072)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 09.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Bytfisch · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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