Nürburg
Burgruine in der Eifel: ab 1290 kurkölnische Landesburg und Amtssitz, 1689 weitgehend zerstört, erhalten sind Bergfried und Zwinger.

Steckbrief
- Gründung
- vor 11661
- Kreis
- Landkreis Ahrweiler
- Bundesland
- Rheinland-Pfalz
- Betreiber
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Burgen Schlösser Altertümer1
- Öffnungszeiten
- 1.-31. März: Sa und So 11-17 Uhr1Alle Angaben
- Eintritt
- Erwachsene 3 €3Alle Angaben
- Website
- kulturerbe-eifel-mosel.de1
- Koordinaten
- 50.3465, 6.95407
Inhalt 15 Abschnitte
Im Eifelort Nürburg im Landkreis Ahrweiler stehen auf einer Bergkuppe die Reste einer Höhenburg, deren Kern aus dem 12. Jahrhundert stammt. EBIDAT zählt die Kuppe zu den höchsten der Eifel. Erhalten sind vor allem der runde Bergfried, der Zwinger mit seinen Rundtürmen sowie Mauern von Kernburg und Vorburg.2, 6, 7 Die Burgruine ist eine Einrichtung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Von März bis November ist sie gegen Eintritt zu besichtigen.1, 3
Anfänge unter den Grafen von Are
Die GDKE setzt die Gründung vor 1166 an, wahrscheinlich durch die Grafen von Are. Als Erbauer gilt ihr Graf Ulrich von Are, der die Burg wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichten ließ. Auch EBIDAT hält Ulrich von Are aus dem Geschlecht der Ahrgaugrafen für den vermutlichen Gründer.1, 2, 6
Die Ortsgemeinde Nürburg setzt früher an: Anfang des 12. Jahrhunderts sei wohl unter Theoderich I. von Are eine Fluchtburg entstanden, die sein Sohn Ulrich zur Ritterburg ausbaute. Als fertiggestellt gilt die Anlage dort zwischen 1150 und 1160.8
Der Berg selbst taucht nach EBIDAT schon 954 in den Schriftquellen auf, als "mons Nore" (Schwarzer Berg). In einer Urkunde erscheint die Burg laut EBIDAT erstmals 1166, das Öffnungsrecht besaß damals Friedrich I., Erzbischof von Köln. Nach der Ortsgemeinde wird Ulrich dagegen 1169 erstmals urkundlich zusammen mit der Burg genannt.6, 8
Nach 1169 kam eine Hälfte der Burg an das Reich. Diesen Anteil erhielt Graf Theoderich von Are-Hochstaden 1193 von Kaiser Heinrich VI. zurück.6
Kurkölnische Landesburg und Amtssitz
Ende des 13. Jahrhunderts starb nach Angaben der GDKE das Geschlecht der Gründer aus, die Burg ging an Kurköln. EBIDAT datiert den endgültigen Übergang auf 1290. Damals verkaufte Graf Ruprecht von Virneburg die Burg, seither gehörte sie ganz dem Erzstift Köln.2, 6, 7
Köln machte die Nürburg zum Sitz eines Amtes, das nach EBIDAT bis 1794 bestand. Die Amtmänner wohnten laut GDKE schon lange vorher im Tal, vertraten Kurköln aber noch bis 1793.2, 6
Spätestens seit dem Spätmittelalter verpfändete das Erzstift Burg und Amt nach EBIDAT immer wieder. Von 1556 bis 1724 hielten die Grafen bzw. Herzöge von Arenberg die Pfandschaft, auf sie folgten die Freiherren von Plettenberg.6
Im 14. Jahrhundert entstand unter dem Amtmann Johann von Schleiden der Zwinger, flankiert von Rundtürmen. Zwischen 1530 und 1545 wurde unter Amtmann Augustin von Braunsberg nach EBIDAT viel gebaut.6
Kriege, Zerstörung und Verfall
Über den baulichen Zustand wurde nach der GDKE schon seit dem 16. Jahrhundert immer wieder geklagt.2 1587, im Kölnischen Krieg, plünderten holländische Truppen die Burg. 1605 wurde sie teilweise zerstört und danach wiederhergestellt, 1633 nahmen die Schweden sie ein. Für 1657 nennt EBIDAT die Anlage teilweise ruinös.6, 8
1689 zerstörten französische Truppen die Burg weitgehend, EBIDAT spricht von einer vollständigen Zerstörung. Der Bergfried blieb stehen und wurde nach EBIDAT noch 1752 als Gefängnis genutzt. Danach überließ man die Burg dem Verfall. Im 18. Jahrhundert holte man viele Steine aus der Ruine, was den Bestand stark schrumpfen ließ.2, 6, 8
Staatsbesitz und Restaurierungen
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Nürburg Staatsbesitz. Nach Angaben der Ortsgemeinde kam sie 1815 an die preußische Domänenverwaltung. 1818 wurde auf dem Hauptturm der Burg ein trigonometrischer Punkt eingerichtet.6, 8
Laut Ortsgemeinde erneuerte man 1846 die oberste Gewölbekuppel des Turms und richtete sie als Plattform ein. 1871 kamen Brüstung und Steintreppe hinzu, 1878 folgte das Doppeltor der Hauptburg, nach EBIDAT "recht frei" wiederhergestellt.6, 8
1949 übernahm das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz die Betreuung, 1953 die staatliche Verwaltung der Burgen, Schlösser und Altertümer.8
Umfangreiche Sanierungen gab es nach EBIDAT seit 1954, vor allem 1968 bis 1973 und 1988/89 durch die Schlösserverwaltung des Landes. Ende der 1980er-Jahre wurde das Mauerwerk des Bergfrieds saniert.6, 7 Neue Kegeldächer setzte man den Flankierungstürmen des Zwingers nach der Ortsgemeinde bei der umfassenden Sanierung der 1970er-Jahre auf.8 EBIDAT erwähnt die Dächer dagegen im Zusammenhang mit der Sanierung Ende der 1980er-Jahre.6 2013 begannen laut Ortsgemeinde erneut Restaurierungsarbeiten.8
Drei Mauerringe um den Bergfried
Nach der GDKE wuchs die Anlage in drei Ringen. Kern ist eine fast rechteckige Burg des 12. Jahrhunderts mit leicht gebogener Südseite. Anfang des 14. Jahrhunderts kamen an den Längsseiten Zwingermauern hinzu, im 15. Jahrhundert am Südhang die Mauer der Vorburg. Diese Mauer bezog die bis dahin frei stehenden Burgmannenhäuser in die Befestigung ein.2
Der runde Bergfried ist nach EBIDAT etwa 20 Meter hoch, hat 9,60 Meter Durchmesser und am Fuß 2,75 Meter starke Mauern. Er wurde auf natürlichem Basalt gegründet, im Mauerwerk wechseln Basaltsäulen mit dünnen Schichten schiefriger Grauwacke. Ursprünglich hatte der Turm wohl vier Geschosse und oben eine Plattform mit Zinnen. Innen trägt er ein sechsteiliges Rippengewölbe, das die GDKE als spätromanisch bezeichnet.2, 6
In die Hauptburg gelangt man durch das Doppeltor am Nordzwinger. Reste eines Kamins und ein Aborterker zeugen nach der GDKE vom Wohnen auf der Burg.2, 6
Aus der Zwingermauer treten zur Feldseite zwei dreiviertelrunde Schalentürme vor.6
Am Südhang lag die weite Vorburg. Erhalten sind dort Mauerreste und die Ruine einer Kapelle von 17 mal 10 Metern mit halbrunder Apsis. Eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle ist nach EBIDAT schon für 1202 belegt.6 Die GDKE nennt am Fuß des Burgbergs Reste der romanischen Burgkapelle aus der Zeit um 1200.2
Chronik
1166 - 1989- vor 1166GründungGründung, wahrscheinlich durch die Grafen von Are1
- nach 1169BesitzwechselEine Hälfte der Burg gelangt an das Reich6
- 1193BesitzwechselKaiser Heinrich VI. gibt diese Hälfte an Graf Theoderich von Are-Hochstaden zurück6
- 1290BesitzwechselGraf Ruprecht von Virneburg verkauft die Burg an das Erzstift Köln6, 7
- 14. JahrhundertUmbauZwinger mit flankierenden Rundtürmen, angelegt unter Amtmann Johann von Schleiden2, 6
- 15. JahrhundertUmbauMauer der Vorburg am Südhang, die Burgmannenhäuser werden einbezogen2
- 1530-1545UmbauBauarbeiten unter Amtmann Augustin von Braunsberg6
- 1556-1724BesitzwechselDie Grafen bzw. Herzöge von Arenberg halten Burg und Amt als Pfand6
- 1605ZerstörungTeilweise zerstört und danach wiederhergestellt6
- 1689ZerstörungFranzösische Truppen zerstören die Burg weitgehend2, 8
- 1752NutzungsänderungDer Bergfried dient noch als Gefängnis6
- 1815BesitzwechselÜbergang an die preußische Domänenverwaltung8
- 1818NutzungsänderungTrigonometrischer Punkt auf dem Hauptturm8
- 1846UmbauOberste Gewölbekuppel des Turms erneuert und als Plattform eingerichtet8
- 1871UmbauBrüstung und Steintreppe des Turms8
- 1878RestaurierungDoppeltor der Hauptburg wiederhergestellt6, 8
- 1949NutzungsänderungDas Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz übernimmt die Betreuung8
- 1953NutzungsänderungÜbertragung an die staatliche Verwaltung der Burgen, Schlösser und Altertümer8
- 1968-1973RestaurierungUmfangreiche Sanierung durch die Schlösserverwaltung des Landes7
- 1988-1989RestaurierungSanierung, unter anderem des Mauerwerks am Bergfried6, 7
Besitz und Herrschaft
- um 1150Graf Ulrich von Are2, 6gilt als Erbauer der Burg
- 1193Graf Theoderich von Are-Hochstaden6erhält die zuvor an das Reich gelangte Hälfte von Kaiser Heinrich VI. zurück
- 1290Graf Ruprecht von Virneburg6verkauft die Burg an das Erzstift Köln
- ab 1290Erzstift Köln (Kurköln)6, 7Landesburg und Sitz eines Amtes, das bis 1794 bestand; Burg und Amt oft verpfändet
- 1556-1724Grafen bzw. Herzöge von Arenberg6Pfandinhaber
- 1815Preußische Domänenverwaltung6, 8Übergang in Staatsbesitz zu Beginn des 19. Jahrhunderts
In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.
Besonderheiten
- Aussicht: Von der heutigen Turmplattform reicht der Blick weit über die Waldlandschaft der Eifel.2
- Vorbild in Südfrankreich: Nach EBIDAT entstand der Bergfried sehr wahrscheinlich nach dem Muster der Tour de Constance in Aigues-Mortes. Errichtet wurde er demnach ebenfalls sehr wahrscheinlich unter Erzbischof Konrad von Hochstaden.6
- Höhenlage: Die Ortsgemeinde bezeichnet die Nürburg als höchstgelegene Burg in Rheinland-Pfalz.8
Heutiger Zustand
Die Nürburg ist eine Ruine, EBIDAT stuft ihre Erhaltung als "Bedeutende Reste" ein.7 Die Türme des Zwingers tragen Kegeldächer.6, 8 Nach der GDKE ist die Burg weithin sichtbar.1 In ihrer Übersicht der landeseigenen Kulturdenkmäler führt die GDKE auch die Nürburg auf, betreut von ihrer Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer.9
Besuch auf einen Blick
Stand 10/2026- Öffnungszeiten
- 1.-31. März: Sa und So 11-17 Uhr
1. April-31. Oktober: Mi-Mo 10-18 Uhr, Dienstag Ruhetag
1.-30. November: Sa und So 11-17 Uhr
Dezember bis Februar geschlossen
Letzter Einlass jeweils 15 Minuten vor Schließung
Betreiberangaben ohne Jahr, Stand Oktober 20261 - Eintritt
- Erwachsene 3 €
Ermäßigt 2 € (u. a. Studierende und Auszubildende bis 27 Jahre, Rentner, schwerbehinderte Menschen, Arbeitslose, jeweils mit Ausweis)
Kinder und Jugendliche (Minderjährige ab dem 7. Lebensjahr) 1,50 €
Familienkarte 1 (1 Erwachsener und Kinder) 3 €, Familienkarte 2 (2 Erwachsene und Kinder) 6 €
Gruppen ab 10 Personen pro Person: Erwachsene 2,50 €, Kinder und Jugendliche 1 €, Schülergruppen 1 €
Preise ohne Jahresangabe, Stand Oktober 20263 - Führungen
- Führungen für Gruppen ab 10 Personen buchbar, Auskunft telefonisch.5
- Parken
- Parkplatz für Pkw und Busse etwa 10 Gehminuten von der Burg. Weitere Parkplätze direkt unterhalb der Burg, etwa 5 Minuten Fußweg.3
- Fußweg
- Vom Parkplatz für Pkw und Busse etwa 10 Minuten, von den Parkplätzen unterhalb der Burg etwa 5 Minuten. Die Burg ist außerdem über zahlreiche, zum Teil prämierte Wanderwege erreichbar.3
- Gastronomie
- Café-Restaurant "Zur Nürburg", Burgplatz 2, Nürburg (Öffnungszeiten beim Betrieb).4
- Familien
- Kinder und Jugendliche (Minderjährige ab dem 7. Lebensjahr) 1,50 €. Familienkarte 1 (1 Erwachsener und Kinder) 3 €, Familienkarte 2 (2 Erwachsene und Kinder) 6 €.3
- Barrierefreiheit
- nicht barrierefrei: Die Burgruine lässt sich laut Betreiber wegen der historischen Situation nicht barrierefrei erschließen.4
- Hunde
- ja: An der Leine erlaubt.4
Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.
Besichtigung
Von April bis Oktober ist die Burgruine an sechs Tagen der Woche geöffnet, dienstags ist Ruhetag. Im März und November öffnet sie nur am Wochenende, von Dezember bis Februar bleibt sie geschlossen. Der Eintritt ist kostenpflichtig, Gruppen ab 10 Personen können eine Führung buchen.1, 3, 5
Barrierefrei erschließen lässt sich die Ruine wegen der historischen Situation nach Angaben der GDKE nicht. Hunde dürfen an der Leine mit. Am Burgplatz liegt das Café-Restaurant "Zur Nürburg".4
Anreise
Mit dem Auto führt der Weg nach Angaben der GDKE über die A61 Koblenz-Köln bis zur Ausfahrt Kempenich/Nürburgring. Von dort geht es über B412, B258, L92 und L93 nach Nürburg, im Ort ist die Auffahrt zur Burg ausgeschildert.3
Ein Parkplatz, auf dem auch Busse halten können, liegt rund 10 Minuten zu Fuß entfernt. Von den Stellplätzen direkt unterhalb der Burg sind es etwa 5 Minuten. Außerdem führen zahlreiche Wanderwege zur Burg, einige davon mit Auszeichnung.3
Umgebung und weitere Ziele
Rund 16 Kilometer Luftlinie östlich liegt Schloss Bürresheim, das ebenfalls die GDKE betreut.9 Etwa 27 Kilometer Luftlinie südöstlich steht die Reichsburg Cochem, gut 31 Kilometer entfernt Burg Eltz.
Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Ahrweiler, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.
Lage und Karte
50.3465° N · 6.9541° EBeim Anzeigen werden Kartendaten von OpenStreetMap geladen und dabei deine IP-Adresse übertragen.
Quellen
Stand 10/2026Quellen der Redaktion
- Nürburg (Öffnungszeiten, Kontakt)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- GeschichteGeneraldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- Eintrittspreise und AnreiseGeneraldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- Informationen (Barrierefreiheit, Hunde, Gastronomie, Fotografieren)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- Angebote und Programm (Burgführungen)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- Nürburg: Geschichte, Bauentwicklung, Baubeschreibung (Jens Friedhoff)EBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 10.10.2026
- Nürburg, HauptdatenEBIDAT, Europäisches Burgeninstitut, abgerufen am 10.10.2026
- Die BurgOrtsgemeinde Nürburg, abgerufen am 10.10.2026
- Kulturdenkmäler (Übersicht der landeseigenen Kulturdenkmäler)Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10.10.2026
- Nürburg (Ruine) (Kartenobjekt way/31010481)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 10.10.2026
Weitere Informationen: Wikipedia · Wikidata · Weitere Bilder auf Commons
Bildnachweis Titelbild: Foto: Thomas Hummel · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Weitere Burgen und Schlösser in Rheinland-Pfalz
Schloss · 16,0 kmSchloss Bürresheim
Burg · 19,1 kmGenovevaburg
Burgruine · 19,2 kmBurg Are
Burgruine · 19,9 kmSaffenburg
Bildnachweise
- Schloss Bürresheim: Foto: Lothar Spurzem · CC BY-SA 2.0 de · Wikimedia Commons
- Genovevaburg: Foto: Wolkenkratzer · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
- Burg Are: Foto: Quartl · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
- Saffenburg: Foto: Kreuzschnabel · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons