Burgenführer
Burgruine · Mayschoß · Rheinland-Pfalz

Saffenburg

Burgruine der Grafen von Saffenberg auf einem Felsrücken über Mayschoß an der Ahr, 1704 geschleift, heute von einem Förderverein betreut.

50.5197° N · 7.0232° E
Saffenburg
SaffenburgFoto: Kreuzschnabel · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Burgruine1, 5geringe Reste
Erste Erwähnung
28. Juli 10814
Gründung
11. Jahrhundert3
Denkmalstatus
Kulturdenkmal1
Ort
Mayschoß1, 5
Bundesland
Rheinland-Pfalz
Eigentümer
Fürstlich Arenbergische Verwaltung6
Koordinaten
50.5197, 7.02322
Inhalt 13 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Entstehung: die Grafen von Saffenberg
  3. Wechselnde Herren
  4. Kriege und Schleifung
  5. Förderverein und Sicherung
  6. Chronik
  7. Architektur und Aufbau
  8. Besonderheiten
  9. Heutiger Zustand
  10. Besichtigung
  11. Umgebung und weitere Ziele
  12. Lage und Karte
  13. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 20267 Quellen

Über Mayschoß an der Ahr im Landkreis Ahrweiler liegen auf einem Felsrücken die Reste der Saffenburg, die auch Saffenberg heißt. KuLaDig führt die Ruine auf eine Höhenburg des Hochmittelalters zurück, als Erbauer gelten die Grafen von Saffenberg.1, 5 Nach vielen Besitzerwechseln und Belagerungen wurde die Burg 1704 geschleift. Eigentümerin ist nach Angaben der Ortsgemeinde die Fürstlich Arenbergische Verwaltung. Die Gemeinde hat das Gelände gepachtet, ein Förderverein kümmert sich um den Erhalt.1, 6

Geschichte

Entstehung: die Grafen von Saffenberg

Ein Gründungsjahr ist nicht überliefert. Die Ortsgemeinde hält das 11. Jahrhundert für wahrscheinlich. Der Historiker Horst Bursch schrieb 2008, über die Herkunft der Familie und die Anfänge ihrer Burg könne man nur Vermutungen anstellen.2, 3 Bursch nennt eine Urkunde Erzbischof Annos II. von Köln aus dem Jahr 1074, in der ein Adalbert von "Saphenberch" als Zeuge auftritt. Für 1081 führt er die Nennung des Wohnsitzes des Grafen an. Nach der Ortsgemeinde ist eine Urkunde vom 28. Juli 1081 die erste als echt befundene mit dem Namen eines Saffenbergers.2, 4

Graf Adalbert starb 1110 auf der Burg. KuLaDig nennt ihn einen Mitbegründer der Abtei Rolduc, für Bursch war sie sein 1104 gegründetes Augustinerchorherrenkloster und seine Grabstätte.1, 2, 4 Adolf von Saffenberg stellte nach KuLaDig Grund für das Kloster Marienthal bereit, das 1140 vollendet war. Bursch datiert die Gründung des Frauenklosters von Klosterrath aus auf 1136.1, 2

Zur Herrschaft der Grafen gehörten neben Burg und Kloster die Dörfer Mayschoß, Laach, Rech und Dernau. Mit dem Tod Graf Hermanns 1172 erlosch die gräfliche Familie.1, 4 Mit Vorburgen und Hochburg bestand die Anlage nach der Ortsgemeinde schon im 12. Jahrhundert.3

Wechselnde Herren

Die Erbtochter Graf Hermanns brachte ihrem Mann Heinrich II. von Sayn die Hälfte der Burg ein. Nach der Ortsgemeinde folgten auf das Haus Sayn bis 1246 die Häuser Sponheim und ab 1255 Kleve. 1255 erhielt Dietrich von Kleve die Burg von Heinrich von Heinsberg als Aussteuer von dessen Tochter Aleidis, als Lehen von Kurköln. Als Offenhaus der Kölner Erzbischöfe wurde die Saffenburg über Jahrhunderte an wechselnde Herren zu Lehen gegeben.4 Die Erzbischöfe waren nach Angaben der Ortsgemeinde am längsten Eigentümer der Burg.3

Wann Köln die Burg erwarb, wird unterschiedlich angegeben. KuLaDig nennt eine Verpfändung an das Erzstift 1303 und den Kauf 1329. Nach der Ortsgemeinde musste Dietrich von Kleve 1323 beide Burgen an Erzbischof Heinrich II. verkaufen.1, 4 Gemeint sind eine obere und eine untere Burg, die 1303 und 1323 in Urkunden vorkommen.3

Danach saßen nach der Ortsgemeinde die Edelherren von Saffenburg und das Haus Neuenahr auf der Burg. Bursch schreibt, die Saffenberger seien gegen 1420 im Mannesstamm erloschen. 1424 erhielt Philipp von Virneburg die Burg, nach dem Tod des kinderlosen Grafen Cuno 1545 folgte das Haus Manderscheid-Schleiden.2, 4

1593 nahm Philipp von der Marck die Saffenburg durch eine List ein. Seine Familie besaß Schloss und Herrschaft bis 1773.3, 4 Nach 1500 war die Anlage nach der Ortsgemeinde ein geschlossener Komplex mit nur einem Besitzer. Zur Zeit von Graf Ernst von der Marck hieß sie Schloss Saffenburg.3

1773 erbte Louise von der Marck den Besitz, seit 1748 Ehefrau Herzog Karls von Arenberg. Die Herrschaft ging an das Haus Arenberg.2, 3, 4 1803 ging mit dem Alten Reich im Linksrheinischen auch die Saffenburger Reichsherrschaft unter. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fiel die Burg nach Bursch an Fürst Peter von Arenberg, dessen Nachkommen die Ruine übernahmen.2, 3

Kriege und Schleifung

In den Kriegen des 17. Jahrhunderts wurde die Burg mehrfach eingenommen: 1632 und 1633 von schwedischen, spanischen und kurkölnischen Truppen, 1689 von Kurtrier.1 Im Pfälzischen Erbfolgekrieg öffnete Maria Katharina von der Marck das Schloss nach der Ortsgemeinde für französische Truppen.3

Im Spanischen Erbfolgekrieg nahmen französische Truppen die Saffenburg am 18. Oktober 1702 im Handstreich. Am 7. Januar 1703 rückte der hannoversche General Sommerfeld mit 800 Mann zur Belagerung an. Ab dem 1. Mai 1703 folgte unter General Bülow eine dreiwöchige Belagerung mit 700 Mann, die Erfolg hatte.3

Nach KuLaDig war die Anlage danach so beschädigt, dass ein Wiederaufbau verworfen wurde. Ab dem 6. Februar 1704 wurde sie geschleift.1 Laut Ortsgemeinde kam an diesem Tag ein Trupp von zehn Artilleristen aus der Festung Jülich. Am 16. Februar wurden die Gebäude in Brand gesetzt, das oberirdische Mauerwerk wurde gesprengt und abgetragen.3 Bursch nennt als Auftraggeber den Grafen von der Marck-Schleiden, ausgeführt hätten es Truppen des Herzogs von Jülich. KuLaDig bezeichnet den Herzog von Jülich dagegen als damaligen Burgherrn.1, 2

Förderverein und Sicherung

In den 1990er-Jahren war die Ruine wegen Steinschlaggefahr für die Öffentlichkeit gesperrt. Am 6. November 1998 gründeten daraufhin einige Einwohner von Mayschoß einen Verein zu ihrem Erhalt. Im April 1999 wurde er als Förderverein Saffenburg e.V. eingetragen.2, 6

2000 schlossen die Ortsgemeinde und die fürstlich Arenbergische Verwaltung einen langfristigen Pachtvertrag über das Gelände. 2002 bewilligte das Land der Gemeinde als Bauherrin eine Zuweisung von 378.700 €. Im ersten Bauabschnitt, der am Ende 672.000 € kostete, wurden die östliche Stützmauer und die Südostecke der Hochburg gesichert, die einzustürzen drohten.6

2005 beschloss der Verein einen zweiten Bauabschnitt über 580.000 €. Dazu gehörten weitere Sicherungen, eine Veranstaltungsfläche mit Zuweg, Geländer und ein Multifunktionsgebäude, eröffnet am 27. Mai 2011. Nach Angaben der Ortsgemeinde leisteten die Mitglieder in 20 Jahren weit über 15.000 Arbeitsstunden.6 Wieder öffentlich begehbar ist die Ruine laut KuLaDig seit 2007.1 2013 übernahm die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr per Nutzungsvertrag Organisation und Vermarktung von Veranstaltungen auf dem Burggelände.6

Chronik

11. Jh. - 2013
  1. 11. JahrhundertGründungEntstehung wahrscheinlich im 11. Jahrhundert, ein Gründungsjahr ist nicht bekannt3
  2. 28. Juli 1081ErsterwähnungErste als echt geltende Urkunde mit dem Namen eines Saffenbergers4
  3. 1173BesitzwechselÜber die Erbtochter des Grafen Hermann kommt die Hälfte der Burg an Heinrich II. von Sayn4
  4. 1247BesitzwechselÜbergang an das Haus Sponheim4
  5. 1255BesitzwechselDietrich von Kleve erhält die Burg als Aussteuer der Aleidis, Tochter Heinrichs von Heinsberg, als kölnisches Lehen4
  6. 1303BesitzwechselVerpfändung an das Erzstift Köln1
  7. 1424BesitzwechselPhilipp von Virneburg erhält die Burg2, 4
  8. 1593BesitzwechselPhilipp von der Marck nimmt die Burg durch eine List ein4
  9. 6. Februar 1704ZerstörungBeginn der Schleifung durch Artilleristen aus Jülich1, 3
  10. 1773BesitzwechselErbgang an Louise von der Marck, die Herrschaft kommt an das Haus Arenberg2, 3
  11. 1803NutzungsänderungEnde der Reichsherrschaft Saffenburg3
  12. 6. November 1998NutzungsänderungGründung des Vereins zum Erhalt der Saffenburg6
  13. 2000NutzungsänderungLangfristiger Pachtvertrag zwischen Ortsgemeinde und Arenbergischer Verwaltung6
  14. 2002NutzungsänderungBewilligung der Landeszuweisung für den ersten Sicherungsabschnitt6
  15. 2007NutzungsänderungDie Ruine ist wieder öffentlich begehbar1
  16. 27. Mai 2011FertigstellungEröffnung des Multifunktionsgebäudes6
  17. 2013NutzungsänderungDie Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr übernimmt Veranstaltungen auf dem Burggelände6

Besitz und Herrschaft

  • 1173-1246Haus Sayn4zunächst die Hälfte der Burg, über die Erbtochter Graf Hermanns
  • 1247-1254Haus Sponheim4Lehen, ab 1248 ein Teil bei Heinrich von Heinsberg
  • ab 1255Haus Kleve4Lehen von Kurköln, als Aussteuer der Aleidis, Tochter Heinrichs von Heinsberg
  • 1424-1545Grafen von Virneburg4
  • 1545-1593Haus Manderscheid-Schleiden4
  • 1593-1773Familie von der Marck3, 4Schloss und Herrschaft Saffenburg
  • ab 1773Haus Arenberg2, 4, 6heute Fürstlich Arenbergische Verwaltung als Eigentümerin
  • ..1172Grafen von Saffenberg1, 4Erbauer, Herrschaft mit Mayschoß, Laach, Rech, Dernau und Kloster Marienthal

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Die Ruine heute

Architektur und Aufbau

Den Bauplatz bildet ein schmaler, steiler Fels in Nord-Süd-Richtung, bis zu 80 Meter hoch und von der Ahr umflossen. Gegrabene Halsgräben, drei an der Zahl, gliedern die rund 260 Meter lange Anlage in Hochburg und zwei Vorburgen.5 Den Grundriss der ersten Vorburg beschreibt die Ortsgemeinde als unregelmäßiges Viereck. Im Südosten blieben dort Reste eines Torbaus mit mehreren Geschossen.5

Die zweite Vorburg und die Hochburg erheben sich jeweils auf einem ummauerten, rechteckigen Felsklotz. Der Felsblock der Hochburg trägt nach der Ortsgemeinde im Südwesten einen Rundturm, im Nordosten zwei nach Osten gerundete Halbtürme.5

Eine Treppe aus Bruchstein führt hinab in einen Keller. Sein Gewölbe ist größtenteils eingestürzt, im hinteren Teil aber erhalten. Vor dem Keller liegt ein zum Teil verfüllter Brunnen. Auf einem Plateau, wo wohl die Pankratiuskapelle stand, sind Spuren von Grundmauern zu sehen.5

KuLaDig berichtete 2021 von der Wiederherstellung eines bis dahin verschütteten Gewölbekellers von rund 144 Quadratmetern. Er besteht aus Schieferbruchstein, Tuff, Basalt und Trachyt und wird einem romanischen Bauabschnitt aus dem 14. Jahrhundert zugeordnet. Nach den Arbeiten sollte er für Veranstaltungen genutzt werden.1

Besonderheiten

  • Älteste Burgruine des Ahrtals: Als solche gilt die Saffenburg nach KuLaDig.1
  • Saffenburger Ländchen: So hieß das frühere Herrschaftsgebiet nach der Ortsgemeinde noch lange im Volksmund.3
  • Flugblatt von 1633: Ein Kupferstich, 1633 als Flugblatt verbreitet, bildet die Orte ab, die der schwedische General Baudissin oberhalb von Köln eingenommen hatte. Die Ortsgemeinde zieht ihn als frühe Darstellung der Burg heran.3

Heutiger Zustand

Von der Burg sind nach der Ortsgemeinde nur die Böschungsmauern und geringe aufgehende Mauerreste geblieben. Hinauf führt von Osten eine zweimal gewendete Steintreppe. Auf dem Gelände steht ein hölzernes Gastronomiegebäude, das der Förderverein errichtet hat.5

Besuch

Besichtigung

Nach Angaben der Ortsgemeinde wird seit 2015 an Wochenenden im Frühjahr und Herbst in der Schutzhütte auf der Burg bewirtet. Die genauen Zeiten wechseln je Saison.6

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 2 Kilometer Luftlinie westlich liegt die Burg Are über Altenahr. Etwa 20 Kilometer Luftlinie südsüdwestlich steht die Nürburg, ebenfalls rund 20 Kilometer nordnordöstlich die Godesburg.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Ahrweiler, das ganze Land die Seite Rheinland-Pfalz.

Lage und Karte

50.5197° N · 7.0232° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Ruine der Saffenburg bei MayschoßLVR, KuLaDig Kultur.Landschaft.Digital, abgerufen am 11.10.2026
  2. Horst Bursch: Die mittelalterliche Saffenburg bei Mayschoß, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2008, S. 117-119Kreisverwaltung Ahrweiler, abgerufen am 11.10.2026
  3. Saffenburg: GeschichteOrtsgemeinde Mayschoß, abgerufen am 11.10.2026
  4. Saffenburg: BesitzerOrtsgemeinde Mayschoß, abgerufen am 11.10.2026
  5. Saffenburg: BurganlageOrtsgemeinde Mayschoß, abgerufen am 11.10.2026
  6. Saffenburg: FördervereinOrtsgemeinde Mayschoß, abgerufen am 11.10.2026
  7. Saffenburg (historic=castle, ruins=yes, Punkt) (Kartenobjekt node/308269384)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 11.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: Kreuzschnabel · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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