Burgenführer
Schloss · Doberlug-Kirchhain · Brandenburg

Schloss Doberlug

Renaissanceschloss aus Gebäuden des Klosters Doberlug, im 17. Jahrhundert Jagdschloss der Herzöge von Sachsen-Merseburg, heute Museum.

51.6102° N · 13.5462° E
Schloss Doberlug
Schloss DoberlugFoto: A.Savin · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
April-September: Dienstag-Sonntag 11-18 UhrOktober-März: Dienstag-Sonntag 11-17 UhrGruppen nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten (Stand 19.10.2026)Eintritt: Erwachsene 8 €, ermäßigt 4 €, Familienticket 20 €, Gruppen ab 15 Personen 6 € pro PersonBesuch planen ↓

Steckbrief

Geprüfte Angaben · Stand 10/2026 · Quellen
Typ
Schloss1vollständig erhalten
Gründung
11653, 6
Baustil
Renaissance1
Denkmalstatus
Baudenkmal, Teil der Gesamtanlage Kloster Doberlug (09135065)1
Ort
Doberlug-Kirchhain1, 6
Bundesland
Brandenburg
Betreiber
Museumsverbund Elbe-Elster (Landkreis Elbe-Elster)2, 5
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich2, 5
Öffnungszeiten
April-September: Dienstag-Sonntag 11-18 Uhr2, 5Alle Angaben
Eintritt
Erwachsene 8 €, ermäßigt 4 €, Familienticket 20 €, Gruppen ab 15 Personen 6 € pro Person2, 5Alle Angaben
Koordinaten
51.6102, 13.5462
Inhalt 15 Abschnitte
  1. Überblick
  2. Vom Kloster zur Herrschaft Dobrilugk
  3. Gersdorff: aus der Abtei wird ein Schloss
  4. Kurfürstliches und herzogliches Jagdschloss
  5. Behörden, Gefängnis, Kaserne
  6. Restaurierung und Museum
  7. Chronik
  8. Architektur und Aufbau
  9. Besonderheiten
  10. Kloster und Schloss: die Gesamtanlage
  11. Auf einen Blick
  12. Besichtigung
  13. Umgebung und weitere Ziele
  14. Lage und Karte
  15. Quellen
Lesezeit etwa 6 MinutenStand: Oktober 20267 Quellen

Schloss Doberlug steht am Schloßplatz in Doberlug-Kirchhain im Landkreis Elbe-Elster, im Stadtteil Doberlug.1, 6 Die vierflügelige Renaissanceanlage wuchs aus Gebäuden eines Zisterzienserklosters heraus und war im 17. Jahrhundert Jagdschloss der Herzöge von Sachsen-Merseburg.1, 2 Heute zeigt der Museumsverbund des Landkreises Elbe-Elster darin das Museum Schloss Doberlug. Im Haus befindet sich auch das Besucherinformationszentrum des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft.2 Klosterkirche und ehemaliges Refektorium sind eigene Bauten neben dem Schloss.1, 2

Geschichte

Vom Kloster zur Herrschaft Dobrilugk

Das Kloster wurde 1165 gestiftet.3, 6 Nach der Stadtgeschichte siedelten sich die Zisterzienser auf Weisung des Landesherrn Dietrich von Landsberg an; sie kamen aus Volkenroda in Thüringen. Bis zur Reformation mehrte der Konvent seinen Besitz durch Käufe und Schenkungen.6 Für die Klosterkirche nennt die Denkmaldatenbank die Bauzeit 1184 bis 1250, für das Refektorium 1200 bis 1225.1

1541 wurde das Kloster säkularisiert. Aus seinem Besitz bildete Kurfürst Johann Friedrich die Herrschaft Dobrilugk.6

Gersdorff: aus der Abtei wird ein Schloss

Heinrich von Gersdorf übernahm die Herrschaft nach Angaben der Stadt 1551 und begann, die Abtei zum Schloss umzubauen.6 Das Dehio-Handbuch setzt den Kernbau in die Zeit nach 1547 und nennt als Bauherrn Graf Heinrich von Gersdorff. Es beschreibt ihn als unregelmäßige Anlage aus vier Flügeln.1

Beim Bau wurden zwei mittelalterliche Klostergebäude in West- und Nordflügel einbezogen; der Überlieferung nach gehörte das Abtshaus dazu. Im Westteil des Nordflügels steht ihr Mauerwerk vom Keller bis ins Obergeschoss an. Außen ließ man Zahnfries und Fenstergewände stellenweise sichtbar.1 Aus Gersdorffs Zeit sind am Ostflügel im Wesentlichen die Außenmauern erhalten, darin mehrere Fenster.1 Die Denkmaldatenbank nennt zudem Anselm von Promnitz für 1603 bis 1624 als Bauherrn.1

Kurfürstliches und herzogliches Jagdschloss

1624 erwarb Kurfürst Johann Georg von Sachsen den Besitz; laut Stadtgeschichte wollte er hier jagen.6 Unter ihm folgte von 1628 bis 1635 eine große Bauphase, in der der Südflügel ganz neu entstand. Geleitet wurde sie von Hans Steger, der zuvor am Schloss in Torgau gearbeitet hatte.1

Herzog Christian von Sachsen-Merseburg brachte den Umbau 1661 bis 1671 zum Abschluss. Auf der Baustelle hatten der Kirchhainer Maurermeister Christian Klengel und der Pirnaer Steinmetz und Bildhauer Heinrich Weinhardt die Leitung.1 Den Nordflügel erneuerte man dreigeschossig und glich ihn so dem Südflügel an; in sein Obergeschoss kam der große sogenannte Commödiensaal. Auch West- und Ostflügel wurden ausgebaut, der Graben angelegt und mit Mauerwerk ausgekleidet. Stilistisch hielt man sich an den sächsischen Schlossbau des frühen 17. Jahrhunderts.1

Unter Christian I. wurde ab 1664 die Stadt Dobrilugk nach Plan in Hufeisenform angelegt, mit Mauer, Graben und drei Toren.6 Der Museumsverbund sieht im 17. und 18. Jahrhundert unter der Merseburger Nebenlinie der Wettiner die Blütezeit des Schlosses.2, 3

Behörden, Gefängnis, Kaserne

Nach 1773 wurde das Innere mehrfach verändert, ab 1815 war es in Dienstwohnungen aufgeteilt.1 In diesem Jahr kam der Landstrich an Preußen.3 In preußischer Zeit nutzten Behörden das Schloss, darunter Oberförsterei, Gericht mit Gefängnis und Steueramt.1 Auch schon unter sächsischer Herrschaft diente es nach Angaben des Museumsverbunds als Verwaltungs- und Wohngebäude.2 Einen Umbau verzeichnet die Denkmaldatenbank für 1857.1

Nach 1945 belegte die Sowjetarmee das Schloss, von 1950 bis 1988 die Nationale Volksarmee.1 Der Museumsverbund spricht für die DDR-Zeit von einer Kaserne.2 Restaurierungen nennt das Dehio-Handbuch für 1906/29 und für 1980, die letzte am Außenbau.1

Restaurierung und Museum

Erworben hat das Ensemble 1994 die Stadt Doberlug-Kirchhain. Nach Angaben des Museumsverbunds war die Restaurierung 2014 abgeschlossen.5 Den Beginn der Arbeiten setzt der Museumsverbund auf seiner Website auf 1999. Das Dehio-Handbuch von 2012 nennt eine umfassende Restaurierung ab 2002.2, 1 Der Graben war schon 1998 saniert worden.1

2014 fand im Schloss die erste Brandenburgische Landesausstellung statt, unter dem Titel "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft".2 Seit 2017 erzählt die Dauerausstellung "Doberlug und das sächsische Brandenburg" die Ortsgeschichte. Sie setzt mit der Klosterstiftung 1165 ein, widmet sich der Blütezeit unter Sachsen-Merseburg und stellt Doberluger wie den Dichter Heinrich Clauren und den Chemiker Hermann Wilhelm Vogel vor.3

Im Juni 2023 kam die Sammlung Dohna-Schlobitten hinzu, rund 2.000 Objekte des 16. bis 19. Jahrhunderts. Sie stammen aus dem ostpreußischen Schloss Schlobitten.4 Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat sie als Leihgabe nach Doberlug gegeben.4

Chronik

1165 - 2023
  1. 1165GründungStiftung des Zisterzienserklosters Doberlug3, 6
  2. 1541NutzungsänderungSäkularisierung des Klosters, Bildung der Herrschaft Dobrilugk6
  3. 1551BesitzwechselHeinrich von Gersdorf übernimmt die Herrschaft6
  4. ab 1551UmbauBeginn des Umbaus der Abtei zum Schloss unter Heinrich von Gersdorf6
  5. 1624BesitzwechselKurfürst Johann Georg von Sachsen erwirbt den Besitz6
  6. 1628-1635UmbauUmfangreiche Baumaßnahmen unter Leitung von Hans Steger, Neubau des Südflügels1
  7. 1661-1671UmbauVollendung des Umbaus unter Herzog Christian von Sachsen-Merseburg, dreigeschossiger Nordflügel mit Commödiensaal1
  8. 1666UmbauSteinerne Galerie vor dem Obergeschoss des Nordflügels1
  9. 1667UmbauZwiebelhaube des großen Treppenturms1
  10. 1815NutzungsänderungAufteilung des Inneren in Dienstwohnungen1
  11. 1857UmbauUmbau des Schlosses1
  12. nach 1945NutzungsänderungNutzung durch die Sowjetarmee1
  13. 1950-1988NutzungsänderungNutzung durch die Nationale Volksarmee1
  14. 1994BesitzwechselDie Stadt Doberlug-Kirchhain erwirbt das Ensemble5
  15. 1998RestaurierungSanierung des Schlossgrabens1
  16. 2014NutzungsänderungErste Brandenburgische Landesausstellung "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft"2
  17. 2017NutzungsänderungEröffnung der Dauerausstellung "Doberlug und das sächsische Brandenburg"2, 3
  18. 2023NutzungsänderungDie Sammlung Dohna-Schlobitten wird im Museum gezeigt2, 4

Besitz und Herrschaft

  • 1165-1541Zisterzienserkloster Doberlug6Gründung 1165, Säkularisierung 1541
  • ab 1551Heinrich von Gersdorf6Übernahme der Herrschaft
  • ab 1624Kurfürst Johann Georg von Sachsen6Erwerb des Besitzes
  • ab 1994Stadt Doberlug-Kirchhain5Erwerb des Ensembles

In der Chronik stehen nur Daten, die in den genannten Quellen belegt sind und denen keine andere Quelle widerspricht.

Das Schloss heute

Architektur und Aufbau

Prägend für das Äußere sind die geschweiften Giebel. Jede Seite hat drei Zwerch- oder Querhäuser mit Pyramidenaufsätzen, und über jeder Hoffassade erhebt sich ein hoher Volutengiebel. Die Wandflächen mit ihren profilierten Rechteckfenstern bleiben dagegen schlicht.1 Nach Befund erhielten die Fassaden wieder ihre erste Farbgebung: graue Gliederung auf weißem Grund.1

Der Grundriss ist ein leicht verschobenes Rechteck, der Dehio nennt die Anlage kastellartig. Drei Geschosse haben die Flügel im Norden und Süden, zwei die im Osten und Westen. Süd- und Nordseite betont mittig je ein turmartig vortretender Risalit, im Süden mit zwei Achsen, im Norden mit einer.1

Besonderheiten

  • Treppentürme: Ein achteckiger Treppenturm sitzt in der Ecke zwischen West- und Südflügel. Seine Zwiebelhaube von 1667 trägt eine Laterne und endet in einer hohen Spitze. In der Nordostecke steht ein zweiter, kleinerer Treppenturm über quadratischem Grundriss.1
  • Hauptportal: Den Eingang im Westen fasst ein rustiziertes Portal aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts. Seine Bekrönung, das Wappen von Sachsen-Merseburg im gesprengten Giebel, ist eine Erneuerung von 1663.1
  • Galerie: 1666 erhielt der Nordflügel auf Höhe des ersten Obergeschosses eine Galerie aus Stein. Verzierte Konsolen tragen sie, eine Balusterbrüstung schließt sie ab.1
  • Hofbrunnen: Im Hof steht ein runder Steinbrunnen, nach dem Dehio wohl aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts. Toskanische Säulen tragen einen gesprengten Giebel, obenauf Löwen und das sächsische Wappen.1
  • Innenräume: Im Erdgeschoss liegen viele kreuzgratgewölbte Räume, darunter die frühere Küche im Ostflügel mit vier Stützen. Im Südflügel tragen der mittlere Hauptsaal und weitere Räume Stuckdecken um 1660/70.1
  • Kamin: Im ersten Geschoss des Ostflügels steht ein schwerer Sandsteinkamin des 17. Jahrhunderts mit Ädikula-Aufsatz.1

Kloster und Schloss: die Gesamtanlage

Die Denkmaldatenbank fasst Schloss, Klosterkirche und Refektorium zur Gesamtanlage Kloster Doberlug zusammen. Dazu zählen auch Schlossgraben, Schlossgarten und Einfriedungsmauern.1 Die übrigen Klostergebäude lagen südlich der Kirche und brannten im Dreißigjährigen Krieg aus. Den Kreuzgang brach man nach 1670 ab.1

Nach einem Brand 1852 wurden die Klostergebäude bis auf den Südflügel abgetragen, das frühere Refektorium. Es wurde zum Pferdestall, 1950 zum Kulturhaus der NVA und 2006 bis 2010 restauriert.1 Die Klosterkirche ist eine Backsteinbasilika; 1905 bis 1909 wurde sie nach Entwurf von Karl Weber eingreifend restauriert.1

Besuch

Besuch auf einen Blick

Stand 10/2026
Besichtigung
Innenbesichtigung möglich2, 5
Öffnungszeiten
April-September: Dienstag-Sonntag 11-18 Uhr
Oktober-März: Dienstag-Sonntag 11-17 Uhr
Gruppen nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten (Stand 19.10.2026)2, 5
Eintritt
Erwachsene 8 €, ermäßigt 4 €, Familienticket 20 €, Gruppen ab 15 Personen 6 € pro Person
Kombiticket für vier Museen des Museumsverbunds Elbe-Elster 16 €
Audioguides für Kinder und Erwachsene im Ticket enthalten (Stand 19.10.2026)2, 5
Führungen
Gruppenführungen: bis 15 Personen pauschal 30 €, ab 15 Personen 2 € pro Person, jeweils zuzüglich Eintritt (Stand 19.10.2026)2, 5
Parken
Besucherparkplatz, von dort barrierefreier Zugang zum Schloss.5
Familien
Familienticket 20 €, Audioguide auch für Kinder im Ticket enthalten (Stand 19.10.2026).2, 5
Barrierefreiheit
barrierefrei: Das Schloss ist vom Besucherparkplatz aus barrierefrei erreichbar, ebenso alle Ausstellungsräume (Stand 11/2025).5

Angaben der Betreiber ohne Gewähr. Verbindlich ist die Seite des Betreibers.

Besichtigung

Das Museum öffnet dienstags bis sonntags, von April bis September eine Stunde länger als im Winterhalbjahr.2 Im Eintritt sind Audioguides für Kinder und Erwachsene enthalten. Gruppen können sich anmelden, auch für Termine außerhalb der Öffnungszeiten.5 Nach Angaben des Museumsverbunds sind das Schloss vom Besucherparkplatz aus und alle Ausstellungsräume barrierefrei erreichbar.5 Ein Kombiticket gilt für vier Museen des Verbunds.5

Umgebung

Umgebung und weitere Ziele

Rund 38 Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schloss Hartenfels in Torgau, wo Hans Steger vor seiner Arbeit in Doberlug tätig war.1 Etwa 50 Kilometer sind es zur Albrechtsburg und zum Schloss Moritzburg.

Weitere Anlagen im Kreis zeigt die Übersicht Burgen und Schlösser im Landkreis Elbe-Elster, das ganze Land die Seite Brandenburg.

Lage und Karte

51.6102° N · 13.5462° E

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Quellen

Stand 10/2026

Quellen der Redaktion

  1. Dehio Brandenburg 2012, S. 248 ff. (Schloss, Klostergebäude), über BLDAM-Denkmaldatenbank 09135065 (Teil Schlossanlage 09136167)Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 19.10.2026
  2. Museum Schloss Doberlug. Brandenburgs sächsische PerleMuseumsverbund Elbe-Elster (Landkreis Elbe-Elster), abgerufen am 19.10.2026
  3. Doberlug und das sächsische Brandenburg (Dauerausstellung)Museumsverbund Elbe-Elster (Landkreis Elbe-Elster), abgerufen am 19.10.2026
  4. Vom Feinsten. Preußische Adelsschätze in sächsischen MauernMuseumsverbund Elbe-Elster (Landkreis Elbe-Elster), abgerufen am 19.10.2026
  5. Museum Schloss Doberlug, Flyer (Stand 11/2025)Museumsverbund Elbe-Elster (Landkreis Elbe-Elster), abgerufen am 19.10.2026
  6. StadtgeschichteStadt Doberlug-Kirchhain, abgerufen am 19.10.2026
  7. Schloss Doberlug (Kartenobjekt relation/3417335)OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL 1.0, abgerufen am 19.10.2026

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Bildnachweis Titelbild: Foto: A.Savin · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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